Sepideh Rashnu
Sepideh Rashnu (persisch سپیده رشنو; * 1994 in Chorramabad[1]) ist eine iranische Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin, die durch ihren Widerstand gegen den staatlich verordneten Verschleierungszwang öffentliche Bekanntheit erlangte.[2] Weltweite Aufmerksamkeit erhielt sie im Juli 2022 nach einem in sozialen Medien verbreiteten Video eines Streits in einem Teheraner Bus und einer kurz darauf im Staatsfernsehen ausgestrahlten erzwungenen „Geständnis“-Aufnahme.[3]
Leben
Rashnu wurde 1994 in Chorramabad in der Provinz Lorestan geboren.[1] Sie studiert Malerei an der Alzahra-Universität in Teheran.[1] Im Juni 2023 wurde sie auf dem Universitätscampus kurzzeitig festgehalten und anschließend für zwei Semester vom Studium suspendiert.[4] Neben ihrem Studium arbeitet sie als Autorin und Redakteurin.[3]
Wirken
Am 16. Juli 2022 geriet Rashnu in einem Bus in Teheran mit einer religiösen Sittenwächterin in Streit und wurde kurz darauf festgenommen.[5] Am 30. Juli 2022 zeigte das staatliche Fernsehen IRIB eine erzwungene „Geständnis“-Aufnahme von ihr.[3] Laut Berichten, die sich auf die Menschenrechtsgruppe HRANA stützen, wurde sie zuvor so heftig geschlagen, dass sie wegen innerer Blutungen in das Taleghani-Krankenhaus gebracht werden musste.[5] Es gab zudem sichtbare Verletzungszeichen, niedrigen Blutdruck, eine kurzzeitige Klinikeinweisung und die sofortige Rückführung in die Haft.[6] Am 30. August 2022 kam sie gegen eine Kaution von acht Milliarden Rial auf freien Fuß.[4] Ein Revolutionsgericht verhängte im November 2023 Strafen wegen „Versammlung und Absprache zur Gefährdung der nationalen Sicherheit“ (drei Jahre und sieben Monate) sowie „Propaganda gegen den Staat“ (weitere vier Monate); der Vorwurf der „Förderung von Unsittlichkeit und Prostitution“ wurde fallengelassen.[4] Im Februar 2024 ordneten die Behörden die Vollstreckung einer nahezu vierjährigen Haftstrafe an und belegten sie mit einem Ausreiseverbot.[7] Nach öffentlicher Kritik wurde der Strafantritt Ende Juli 2024 zunächst bis zum 3. August 2024 aufgeschoben.[4] Am 8. Januar 2025 wurde Rashnu erneut binnen fünf Tagen zur Strafverbüßung beim in Evin ansässigen Vollstreckungsbüro vorgeladen.[1] 2023 wurde sie in die BBC-Liste 100 Women aufgenommen.[8]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d سپیده رشنو جهت اجرای حکم حبس احضار شد. In: خبرگزاری هرانا. 8. Januar 2025, abgerufen am 4. Januar 2026 (persisch).
- ↑ Sepideh Rashnu receives summons to serve almost four years in prison. In: Front Line Defenders. 19. Februar 2024, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c State TV Airs Forced Confession by Anti-Forced Hijab Activist. In: IranWire. 1. August 2022, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c d Iran defers anti-hijab activist Sepideh Rashnu's sentence. In: Iran International. 28. Juli 2024, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b Detained Hijab Protester Beaten Into ‘Forced Confessions’. In: Iran International. 5. August 2022, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Iranian Women Protest Arrest, Alleged Forced Confession Over Hijab Offense. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 16. August 2022, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Iranian Hijab Activist’s Prison Sentence Enforced. In: Iran International. 15. Februar 2024, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ BBC 100 Women 2023: Who is on the list this year? - BBC News. Abgerufen am 6. Januar 2026 (britisches Englisch).