Semseyit

Semseyit
Semseyit aus Baia Sprie, Maramures, Rumänien (Größe 11,5 cm × 7,2 cm × 3,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Ssy[1]

Chemische Formel Pb9Sb8S21[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.07
II/E.21-020

2.HC.10d
03.06.20.04
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[2]
Gitterparameter a = 13,60 Å; b = 11,94 Å; c = 24,45 Å
β = 106,0°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2,5[4]
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,03; berechnet: 6,12[4]
Spaltbarkeit vollkommen nach {112}[4]
Bruch; Tenazität spröde
Farbe bleigrau, schwarz
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz, matt anlaufend

Semseyit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb9Sb8S21 und besteht damit aus Blei, Antimon und Schwefel im Verhältnis 9 : 8 : 21. Strukturell gehört Semseyit zu den Sulfosalzen.

Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak), kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige bis prismatische Kristalle bis etwa zwei Zentimeter[4] Größe, findet sich aber auch in Form rosettenförmiger Mineral-Aggregate von bleigrauer bis schwarzer Farbe. Frische Proben zeigen einen metallischen Glanz, die an der Luft allerdings mit der Zeit anlaufen und matt werden.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Semseyit im „Bergwerk Baia Sprie“ (Felsöbánya mine) in Rumänien und 1881 durch József Sándor Krenner (1839–1920). Er benannte das Mineral nach Andor von Semsey (1833–1923), einem ungarischen Edelmann und Hobbymineralogen.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Semseyit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er gemeinsam mit Boulangerit, Dadsonit, Fülöppit, Guettardit, Heteromorphit, Jamesonit, Launayit, Madocit, Meneghinit, Plagionit, Playfairit, Robinsonit, Sorbyit, Sterryit, Tintinait, Twinnit, Veenit und Zinkenit in der „Jamesonit-Boulangerit-Gruppe (Bleiantimonspießglanze)“ mit der Systemnummer II/D.07 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.21-020. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Semseyit zusammen mit Chovanit, Fülöppit, Heteromorphit, Plagionit und Rayit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.21 bildet.[5]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[6] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Semseyit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Nur mit Blei (Pb)“ zu finden, wo es zusammen mit Rayit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.HC.10d bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Semseyit die System- und Mineralnummer 03.06.20.04. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 2,0 < z/y < 2,49 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [By Cz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in der „Fülöppitgruppe (monoklin: C2/c enthält Pb, Sb)“, in der auch Fülöppit, Plagionit, Heteromorphit und Rayit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Semseyit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 13,60Å, b = 11,94 Å, c = 24,45 Å und β = 106,0° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Bildung und Fundorte

Semseyit scheidet sich in Hydrothermale Lösungen bei mittleren Temperaturen zwischen 300 und 350 °C ab[7]. Begleitminerale sind unter anderem Bournonit, Jamesonit, Quarz, Sphalerit und Zinckenit.

Neben seiner Typlokalität Baia Sprie wurde das Mineral in Rumänien noch in der „Mine Herja“ (Baia Mare) und Satu Mare gefunden. Herja gilt dabei als eines der besten Vorkommen für Semseyit überhaupt, mit Mineralfunden zwischen einem und drei Zentimetern Größe und fächer- oder rosettenförmigem Aussehen[7].

Als eher seltene Mineralbildung kann Semseyit an verschiedenen Fundorten zum Teil reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher rund 160 Fundorte (Stand: 2017)[8], so unter anderem in Jujuy und Salta in Argentinien; einigen Regionen der bolivianischen Departamento Oruro und Departamento Potosí; bei Chaskowo in Bulgarien; in der chinesischen Region Yizhang; mehreren Regionen von Deutschland und Frankreich; einigen Regionen Großbritanniens; in Bhilwara (Indien); Iran; Irland; den italienischen Regionen Piemont und Toskana; auf Honshū in Japan; in British Columbia und Ontario in Kanada; bei Obernberg am Brenner in Österreich; Peru; im Kreis Maramureș in Rumänien; in den östlichen und westlichen Regionen Sibiriens; Slowakei; Spanien; im tschechischen Böhmen; im ungarischen Pilsengebirge sowie einigen Regionen der USA.[9]

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 62.
  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 480.
Commons: Semseyite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 136.
  3. Webmineral – Semseyite (englisch)
  4. a b c d Semseyite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 51 kB; abgerufen am 24. September 2017]).
  5. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  6. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  7. a b Andreas Kamrath: Geologie und Mineralogie der Erzlagerstätte Herja (Memento vom 6. Juni 2014 im Internet Archive)
  8. Mindat – Anzahl der Fundorte für Semseyit
  9. Fundortliste für Semseyit beim Mineralienatlas und bei Mindat