Selma Velleman

Selma Velleman, später Selma van de Perre (geb. 7. Juni 1922 in Amsterdam; gest. 20. Oktober 2025 in London), war eine niederländische Zeitzeugin des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und der Konzentrationslagerhaft und Autorin. Sie war Häftling im Konzentrationslager Ravensbrück und musste im Siemenslager Ravensbrück Zwangsarbeit leisten.

Leben

Selma Velleman war eine Tochter des Entertainers Barend Velleman und der Fem Spier, ihre Eltern wurden Opfer der NS-Judenverfolgung. Sie tauchte 1942 wegen der deutschen Besetzung der Niederlande unter, beschaffte sich einen gefälschten Pass und half im niederländischen Widerstand bei der Rettung jüdischer Familien, indem sie als weiblicher Kurier für den Widerstand arbeitete. Im Juni 1944 wurde sie in Utrecht verhaftet, ins Gefängnis von Amsterdam gebracht und in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück nach Deutschland verschleppt.[1]

Sie erkrankte schwer aufgrund von Misshandlungen und meldete sich nach der Genesung für die Arbeit im Siemenslager Ravensbrück. Hier wurde sie Gehilfin des Siemens-Zivilarbeiters Seefeld. Am 23. April 1945 wurde sie mit anderen dänischen und schwedischen KZ-Häftlingen im Rahmen der Rettungsaktion der Weißen Busse befreit und über Dänemark und Malmö nach Stockholm gebracht.

Sie kehrte in die Niederlande zurück und ging für das niederländische Verteidigungsministerium nach London, um dort im medizinischen Dienst zu arbeiten. Neben der dann folgenden Tätigkeit in der Hörfunkabteilung der BBC absolvierte sie ein Anthropologie- und Soziologiestudium, begegnete ihrem späteren Ehemann, heiratete und schloss als Selma van de Perre das Studium ab. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin in London an der katholischen Sacred Heart High School, Hammersmith.

Als Selma van de Perre war sie für die britische Journalistin Sarah Helm eine Quelle für ihre Darstellung der Verhältnisse im KZ Ravensbrück. Helm gibt an, van de Perre habe ihr bei der Klärung zahlreicher Fragen, besonders zu Siemens, geholfen.[2]

Am 20. Oktober 2025 starb sie im Alter von 103 Jahren in London.[3]

Schriften

  • Mein Name ist Selma. Erinnerungen einer Widerstandskämpferin und Holocaust-Überlebenden. Übersetzt von Simone Schroth. btb, München 2020, ISBN 978-3-442-75905-7.

Literatur

  • Sarah Helm: Ohne Haar und ohne Namen. Im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2016, ISBN 978-3-8062-3216-5.

Einzelnachweise

  1. The Righteous Among The Nations. Yad Vashem.
  2. Sarah Helm: Ohne Haar und ohne Namen. Im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2016, S. 727 und 750.
  3. Verzetsstrijder Selma van de Perre (103) overleden. In: parool.nl. 21. Oktober 2025, abgerufen am 21. Oktober 2025 (niederländisch).