Selina Dätwyler-Gamma

Selina Dätwyler-Gamma (* 20. November 1902 in Altdorf; † 4. Juli 1993 ebenda) war eine Schweizer Unternehmerin, Stifterin und Mäzenin im Kanton Uri.

Leben

Selina Gamma wurde als jüngste Tochter von Emma Gamma-Linherr und Martin Gamma geboren.[1] Der Vater war Landammann, Nationalrat, Gründer und Redaktor der Wochenzeitung Gotthard-Post. Selina wuchs in einem unternehmerisch denkenden, kulturbewussten und liberalen Umfeld auf.

Nach ihrem Schulabschluss und einem Sprachaufenthalt in der Romandie absolvierte Selina Gamma eine kaufmännische Ausbildung in der Redaktion ihres Vaters. Dort lernte sie Adolf Dätwyler (1883–1958) kennen, den Direktor der damaligen Schweizerischen Draht- und Gummiwerke AG in Altdorf. 1924 heirateten sie und bekamen drei Kinder. 1953 erhielt Selina Dätwyler-Gamma zusammen mit ihrem Mann das Ehrenbürgerrecht von Altdorf und Uri.[2]

Unternehmerin

Selina Dätwyler-Gamma setzte sich neben der Familienarbeit für Frauenanliegen, Notleidende sowie für die Interessen der Angestellten des Unternehmens Dätwyler ihres Mannes ein. Sie amtierte als Präsidentin des Fürsorgefonds der Dätwyler AG, der Hilfsbedürftigen unterstützte. Nach dem Tod ihres Mannes 1958 trug Selina Dätwyler-Gamma wesentlich zum Weiterbestand der Firma bei und nahm Einsitz im Verwaltungsrat der Dätwyler AG sowie der Dätwyler Holding. Die Leitung des Unternehmens übernahmen die beiden Söhne Peter (1926–1993) und Max Dätwyler (1929–2020), denen sie beratend zur Seite stand. In Anerkennung ihrer Verdienste wurde sie 1987 zum Ehrenmitglied des Verwaltungsrats ernannt.[1]

Soziale Engagements

Während des Zweiten Weltkriegs kontaktierte Selina Dätwyler-Gamma die Präsidentinnen der Frauenorganisationen in Altdorf, knüpfte Kontakte in die höchsten Bundesbehörden und half so die Soldatenhilfe Uri zu gründen, der sie dann als Präsidentin vorstand.[2] Unter ihrer Leitung entstanden Ortsgruppen, aus denen der freiwillige Frauenhilfsdienst des Kantons Uri hervorging. Zudem kümmerte sich Dätwyler-Gamma um das Schicksal der Internierten und unterstützte die Durchführung von Soldatenweihnachten sowie Hilfsaktionen für Kriegsgeschädigte. Mit ihrer grosszügigen Spende für die Errichtung des Urner Kinder- und Familienhilfswerks 1952 konnte die Basis für eine zeitgemässe Sozialarbeit in Uri geschaffen werden.

Sie war im Vorstand von Pro Juventute Uri. Auch in späteren Jahren beteiligte sie sich an verschiedenen sozialen Projekten, darunter 1982 mit einem namhaften Betrag am Bau des Alters- und Pflegeheims Rosenberg in Altdorf. Politisch engagiert trat sie bereits früh für das Frauenstimmrecht ein.

Mäzenin

Kunst und Kultur bildeten einen Schwerpunkt im Leben von Selina Dätwyler-Gamma. Sie war die erste Präsidentin der 1965 gegründeten Adolf Dätwyler-Gamma Stiftung, die 1993 in die Adolf und Selina Dätwyler-Gamma Stiftung umbenannt wurde und sich in vielfältiger Weise in kulturellen und sozialen Bereichen engagierte (2012 mit der Dätwyler Stiftung fusioniert). Zudem gehörte sie dem Stiftungsrat des 1963 gegründeten Danioth-Rings an, der sich um das Werk des 1953 verstorbenen Urner Künstlers Heinrich Danioth kümmerte. Dieser ging später im Kunstverein Uri auf, der von der Dätwyler Stiftung getragen wird.

Einzelnachweise

  1. a b Carla Arnold: Dätwyler-Gamma, Selina. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 14. Januar 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.
  2. a b Gamma Druck + Verlag AG (Hrsg.): Worte zum Abschied. Vorgelesen während des Trauergottesdienstes am 13. Juli 1993. Altdorf 1993.