Seldeneck (Adelsgeschlecht)
Die Freiherren von Seldeneck sind ein evangelisches Adelsgeschlecht, das aus einer morganatischen Beziehung zwischen Wilhelm Ludwig von Baden-Durlach, dem Bruder des Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach und der Christine Wilhelmine Franziska Schortmann hervorging. Sie hat keinerlei Bezug auf das Fränkische Adelsgeschlecht derer von Seldeneck. Von ihnen erhielten sie lediglich Namen und Wappen.
Geschichte
Das ursprüngliche Geschlecht derer von Seldeneck
Das Geschlecht wird 1158 mit Engelhardt von Bebenburg erwähnt, der als Stammvater des älteren Geschlechts der von Seldeneck gilt.[2] Sie waren stammesverwandt mit den Herren von Stollberg, Nordenberg[3] und den Küchenmeistern von Rothenburg.[4] Das fränkische Rittergeschlecht der von Seldeneck hatte 1465[5] von den Pfalzgrafen bei Rhein das Amt eines Reichsküchenmeisters zu Lehen erhalten.[6] Dieses Amt übte 1486 beim Krönungsmahl nach der Krönung König Maximilians I. Philipp von Seldeneck aus[7]. Die Burg Seldeneck, heute Ruine, befindet sich ca. 5 km nördlich von Rothenburg ob der Tauber am Westufer der Tauber. Der Seldeneck ist Teil der Stadt Creglingen.
Von 1350 bis ca. 1450 gehörten diesem Geschlecht große Teile der Zent Bartenstein. Aus dieser Zeit sind folgende Personen bekannt:
- Leopold von Seldeneck ca. 1350 bis 1379
- Fritz von Seldeneck zu Bartenstein 1379 bis 1397
- Hans von Seldeneck zu Bartenstein der Ältere 1397- ca. 1419
- Hans von Seldeneck zu Bartenstein der Jüngere (Sohn), genannt 1419
- Johann von Seldeneck zu Bartenstein der Ältere, genannt 1414
- Johann von Seldeneck zu Bartenstein der Jüngere, genannt 1414
- Leopold von Seldeneck zu Bartenstein ca. 1420–1450
- Fritz von Seldeneck, 1444 Pfandinhaber des halben Dorfs Riedbach[8] und des Zolls[9], 1444 bis 1454 Vogt auf der Burg Zabelstein[10][11], ab 1453 Würzburger Amtmann in Bütthard[12], ab 1454 Pfandinhaber von Jagstberg[13].
- Jörg von Seldeneck verkauft 1475 Besitzungen an die Graf Albrecht von Hohenlohe[14].
- Dessen Tochter Christina ist mit Kraft von Großweier verheiratet[15].
- Kraft und Christina von Großweier verkaufen ihren Besitz 1484 an Philipp von Seldeneck[16].
- Philipp, Reichserbküchenmeister, ist Sohn des Fritz von Seldeneck[17].
Ihre Besitzungen gingen zwischen 1440 und 1450 an Kraft und Albrecht von Hohenlohe über.[18]
Das Geschlecht starb mit Jakob von Seldeneck 1583 in der männlichen Linie aus[19].
Wiederbelegung des Namens
Markgraf Karl Friedrich erhob die morganatische Ehefrau seines Bruders Wilhelm Ludwig, der aus Balingen stammenden Tochter eines herzoglich württembergischen Kastellans, Wilhelmine Christine Schortmann (1740–1804) und deren beider Kinder am 27. Januar 1777 in den Adelsstand und verlieh ihr Namen und Wappen des untergegangenen Rittergeschlechts der Seldeneck.[20]
Die Familie Seldeneck besaß Anteile an den Orten Bötzingen, Oberschaffhausen und Gottenheim, sowie das Majorat Mühlburg. 1770 gründete Wilhelm Ludwig die Mühlburger Brauerei, die nach dem Tode Wilhelm Ludwigs bis 1804 durch seine Frau und später bis zum Verkauf 1921 unter Kontrolle der Familie Seldeneck blieb.[21]
Ihrer beider Sohn Ludwig Wilhelm von Seldeneck heiratete 1795 Auguste Adelheid Freiin von Bothmer. Diese wurden Eltern von zehn Söhnen und damit Stammeltern eines weitverzweigten adligen Familienclans.[22]
Namensträger
- Wilhelm Ludwig (1766–1826), Freiherr von Seldeneck; Stammvater der neueren Seldeneck; Großherzoglich badischer Geheimrat und Oberstallmeister
- Wilhelm von Seldeneck (1849–1925), Bierbrauer in Karlsruhe
Literatur
- Edmund von der Becke-Klüchtzner: Stamm-Tafeln des Adels des Großherzogthums Baden. Ein neu bearbeitetes Adelsbuch. Baden-Baden 1886 online.
- L. Löhlein: Rudolf Freiherr von Seldeneck. In: Friedrich von Weech (Herausgeber): Badische Biographien. Zweiter Theil, Heidelberg 1875, S. 295.
- A. und C. Reimann: Bartenstein wie es früher war, von Handwerkern, Hofräten und Lakaien. Niederstetten 2009.
- Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1867, S. 878ff
Weblinks
- Mühlburger Brauerei im Karlsruher Stadtwiki unter ka.stadtwiki.net
Einzelnachweise
- ↑ Siehe bei Eine morganatische Linie der Markgrafen von Baden: die von Seldeneck auf www.welt-der-wappen.de; abgerufen am 22. September 2020
- ↑ s. Johann Gottfried Biedermann: Geschlechtsregister der Reichfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra, Bayreuth 1749, Tabula CCCCXXXVIII in der Google Buchsuche
- ↑ Württembergisches Urkundenbuch Band V., Nr. N24, Seite 410–411
- ↑ Siebmacher: Abgestorbene, erloschene Geschlechter, Abgestorbener Bayerischer Adel, überarbeitet von G. A. Seyler, Band I. S. 156.
- ↑ Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe - Findbuch 67: Kopialbücher - Strukturansicht. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Siehe: Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868 (Volltext in der Google-Buchsuche, S. 459)
- ↑ Joseph Baader: Bericht des Ritters Ludwig von Eyb über des Römischen Königs Maximilian Krönung zu Aachen im Jahre 1486. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein. Band 15, jg, Dezember 1864, ISSN 0341-289X, S. 12 unten, doi:10.7788/annalen-1864-jg02.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein - Findbuch GA 5: Gemeinschaftliches Hausarchiv, Abteilung I/II: Grunddokumente der hohenlohischen Geschichte - Strukturansicht. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein - Findbuch GA 5: Gemeinschaftliches Hausarchiv, Abteilung I/II: Grunddokumente der hohenlohischen Geschichte - Strukturansicht. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe - Findbuch 37: Baden-Baden - Strukturansicht. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Universität Würzburg, Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte: Datenbank zur Hohen Registratur des Lorenz Fries | Historisches Unterfranken. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein, Teil Bartenstein
- ↑ Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe - Findbuch 72: Lehen- und Adelsarchiv - Strukturansicht. Abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Siebmacher: Blühender Adel deutscher Landschaften, der Adel in Baden, überarbeitet von C. A. v. Grass, Nürnberg 1878
- ↑ Karl von Wechmar: Handbuch für Baden und seine Diener oder Verzeichniß aller badischen Diener vom Jahre 1790 bis 1840, nebst Nachtrag bis 1845. Heidelberg 1846, S. IX.
- ↑ Manfred Koch: Blick in die Geschichte Nr. 114. Biographie Wilhelm Ludwig von Baden-Durlach vom 17. März 2017, letztmalig überarbeitet am 2. August 2022; abgerufen am 18. März 2025.