Selbstverbuchung

Die Selbstverbuchung oder Selbstausleihe bezeichnet in einer Bibliothek die eigenhändige Ausleihe oder Rückgabe von Medien durch den Nutzer ohne Zutun eines Mitarbeitenden oder eines Bibliothekars. Im Gegensatz dazu steht die klassische Ausleihe: Der Nutzer geht zur Ausleihtheke einer Bibliothek, an der ein Bibliotheksmitarbeiter jedes Medium einzeln manuell auf das Benutzerkonto des Nutzers verbucht.

Technische Möglichkeiten

Um eine Selbstverbuchung durchzuführen, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Mithilfe eines RFID-Selbstverbuchungsgeräts[1]: Hierbei handelt es sich um stationäre Gerät, die es in diversen Ausführungen gibt: entweder als eigenständiges Standmodell oder als sogenanntes Tischmodell, das auf vorhandenem Mobiliar, einem Tisch o. ä. platziert wird. Als dritte Variante ist auch die Integration der Verbuchungstechnik allein in hauseigene Möbel ist denkbar.[2] Voraussetzung ist, dass der Bibliotheksbestand mit einem kleinen RFID-Chip, Transponder genannt, ausgestattet ist.
  • Mittels einer webbasierten Software: Diese Software ist meist in die Oberfläche des OPACs der Bibliothek integriert. Auch hier weist sich der Nutzer gegenüber dem System aus, zum Beispiel mit seiner Benutzerkennung. Häufig ist auch die Eingabe eines Passworts notwendig. Anschließend speist er mit einem Barcodelesegerät den Barcode des Mediums in das System ein, woraufhin es auf sein Konto verbucht wird.

Ablauf der automatisierten Medienverbuchung

  1. Zuerst identifiziert sich der Nutzer mit einem Benutzerausweis (Barcode, Mifare, RFID, NFC) am Selbstverbucher, so dass eine Verbindung zum Bibliothekssystem besteht.
  2. Anschließend legt er die Medien, die ausgeliehen werden sollen, auf die dafür vorgesehene Fläche unterhalb des Touchscreens (ähnlich wie an einer Supermarktkasse).
  3. Das System verbucht die Medien daraufhin auf das Konto des Nutzers und vermerkt die Ausleihe in der Datenbank der Bibliothek. Dank der RFID-Technologie kann ein einzelnes Buch oder auch ein ganzer Stapel an Büchern (Stapelverbuchung) in einem Schritt verbucht werden. Die Rückgabe und das Zurückbuchen der Medien in den Bibliotheksbestand funktioniert entsprechend. Das Nutzerkonto sowie die Daten im Bibliotheksbestand werden bei diesen Vorgängen sofort automatisch aktualisiert.

Vorteile der Selbstverbuchung

Die Selbstverbuchung dient im Wesentlichen dazu, die Bibliotheksmitarbeitenden zu entlasten und damit neue zeitliche Freiräume für die Mitarbeitenden zu schaffen, die für andere Tätigkeiten, für individuelle Kundenberatung, Programmarbeit oder die Organisation von Veranstaltungen genutzt werden. Mit dem Wandel der Bibliotheken hin zu einem sogenannten Dritten Ort gewinnen diese gesellschaftlich relevanten Aufgaben, Kundenservices und Tätigkeiten mit und für die Gemeinschaft vermehrt an Bedeutung.[3]

Nicht zuletzt wird das Personal von eintönigen Verbuchungstätigkeiten befreit, die oft gesundheitliche Beschwerden zur Folge hatten.

Wartschlangen sind passé, da die automatisierte Ausleihe und Rückgabe deutlich schneller funktioniert. An der Theke werden, wenn überhaupt, nur noch spezielle Medien, besonders kostbare beispielsweise, manuell vom Personal verbucht.

Auch die Nutzenden profitieren von der Automatisierung. Die Ausleihe und Rückgabe passiert schneller und diskreter. Sogar Gebühren können an den Selbstverbuchungsstationen beglichen werden. Die Benutzerführung am Touchscreen ist einfach und intuitiv. Die Software bietet in der Regel eine barrierefreie Ansicht dank diverser Schriftgrößen, hoher Kontraste und klarer Menüführung. Diverse Sprachen stehen zur Auswahl. Oft sind die Standgeräte sogar elektronisch höhenverstellbar und somit sowohl barrierefrei, als auch für Groß und Klein, Jung und Alt gut zu bedienen.

Welche Bibliotheken automatisieren

Die Selbstverbuchung eignet sich für Bibliotheken jeder Art und Größe, egal ob in Städten oder in ländlichen Gebieten. Auch die Bestandsgröße spielt keine Rolle. Die ist sowohl in öffentlichen Bibliotheken als auch in Universitätsbibliotheken, Spezialbibliotheken sowie wissenschaftlichen Bibliotheken weit verbrietet.

RFID vs. Barcode

Heutzutage hat der Einsatz der RFID-Technologie die Verwendung von Barcodes abgelöst, da die Prozesse mit RFID deutlich sicherer und effizienter vonstattengehen. RFID ermöglicht zudem das Einrichten eines geräteübergreifenden Gesamtsystems über mehrere Standorte, die zentral kontrolliert und verwaltet werden können. Arbeitsabläufe werden somit vereinheitlicht und effizienter. Eine Erweiterung der modularen Systeme ist einfach und ohne großen Aufwand zu bewerkstelligen.

Einzelnachweise

  1. diverse: Handbuch IT in Bibliotheken. In: https://it-in-bibliotheken.de/infrastruktur.html#verbuchung. 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  2. Stadtbibliothek Boppard, Instgram-Reel von Sarto Media: How to: Buch ausleihen. In: https://www.instagram.com/stadt_boppard/reel/DQ6c8gyjeVo/. 11. November 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025 (deutsch, englisch).
  3. Petra Hauke (Hg.): Öffentliche Bibliothek 2030. Hrsg.: Petra Hauke. Bad Honnef 2019, ISBN 978-3-88347-304-8.