Sebastia (Dorf)
| Sebastia סבסטי سبسطية | ||
|---|---|---|
| Ansicht von Sebastia, 2009 | ||
| Gebiet: | Westjordanland (Judäa und Samaria) | |
| Gouvernement: | Nablus | |
| Koordinaten: | 32° 17′ N, 35° 12′ O | |
| Einwohner: | 4.114 (2007) | |
Sebastia (griechisch Σεβαστή, Σεβάστεια Sevastí, Sevásteia (f. sg.), arabisch سبسطية, hebräisch סבסטי) ist ein Dorf nördlich von Nablus im israelisch besetzten Westjordanland mit mehr als 4000 Einwohnern.[1] In der Nähe befinden sich die Ruinen der antiken Königsstadt Samaria. 1915 bis 1946 bediente die Bahnstrecke Afula–Nablus den Bahnhof Sebastia.
Verwaltungsgliederung
Nach dem Abkommen von Oslo liegt ein Teil des Dorfgebietes in Zone C (unter vollständiger Kontrolle der israelischen Besatzungsbehörden) und ein Teil in Zone B (unter der Zivilverwaltung durch die Palästinensische Autonomiebehörde und Sicherheitskontrolle der israelischen Besatzung). De facto bilden die beiden Zonen ein einziges zusammenhängendes Gelände.[2]
Israelische Landnahme
Im Mai 2023 budgetierten die israelischen Besatzungsbehörden 32 Millionen Schekel für die »Renovierung und Entwicklung« der archäologischen Stätte. Im Juli 2024 eskalierte die Kampagne, als das israelische Militär den Tel Sebastia (die höchste Erhebung des Ortes, an dem sich die wichtigsten archäologischen Überreste befinden) besetzte. Schon bald darauf signalisierten die Besatzungsbehörden, dass sie noch weitere Teile des Dorfes einnehmen würden.[2]
Am 19. November 2025 veröffentlichte die Besatzungsmacht Pläne, 550 private Grundstücke in Sebastia zu enteignen. Betroffen sind etwa 1800 Dunam (45 Hektar) Land, das für den Lebensunterhalt, das kulturelle Erbe und die Identität des Dorfes von zentraler Bedeutung ist. Die Enteignung von Grundstücken, die seit Jahrhunderten im Besitz der Bevölkerung sind, wird unter anderem zum Verlust von etwa 3000 Olivenbäumen führen, von denen einige mehrere hundert Jahre alt sind.[2]
Archäologie
Sebastia ist eine wichtige und vielschichtige archäologische Stätte. Hier befand sich die eisenzeitliche Stadt Samaria, Hauptstadt des Königreichs Israel mit Überresten des Palastes von König Ahab, die in den 1930er Jahren ausgegraben wurden. Im ersten Jahrhundert v. Chr. baute König Herodes vom Königreich Judäa die Stadt wieder auf und hinterließ in der Nähe der älteren Ruinen einen Tempel zu Ehren des römischen Kaisers Augustus. Ein gut erhaltenes römisches Theater, eine byzantinische Kirche und andere Altertümer wurden ebenfalls in der Gegend entdeckt.[2]
Sehenswürdigkeiten
In Sebastia soll nach der religiösen Überlieferung der Kopf von Johannes dem Täufer nach dessen Enthauptung begraben worden sein. Ihm zu Ehren wurde an dieser Stelle (oder in der unmittelbaren Umgebung) von den Kreuzfahrern die St.-Johannes-Kathedrale errichtet, die auch gleichzeitig Bischofssitz war. Später wurde die Kirche in die Nabi Yahya Moschee umgewandelt. Man kann das angebliche Gefängnis von Johannes dem Täufer besichtigen. Heute ist Sebastia (oder Sebaste) ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche.
Personen
- Raed Saleh (* 1977 in Sebastia), deutscher Politiker, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion.
Weblinks
- Alon Arad: מדברים בבוסטון, שותקים בסבסטיה: על ארכיאולוגיה וצביעות Sicha Mekomit שיחה מקומית, 25. November 2025 / Israel preparing largest ever act of ‘archeological cleansing’ in West Bank, +972 Magazine, 11. Dezember 2025.