Schwingel (Parkbahnen)

Die Firma Schwingel aus Leverkusen war ein kleineres Unternehmen in der Stahlbearbeitung und erreichte beginnend in den 1960er Jahren überregionale Bekanntheit durch die Lieferung von Fahrgeschäften, später auch Lokomotiven in Feldbahn-Größe für Parkeisenbahnen

Geschichte

Die von Dipl.–Ing. Paul Schwingel (* 21. Februar 1907 in Eisenberg/Pfalz; † 21. Juli 2006 in Leverkusen) im Overfeldweg 80 in Leverkusen gegründete Firma fertigte ursprünglich Maschinen für die Stahlbearbeitung. Die Erweiterung auf die Herstellung von Fahrgeschäften verschiedenster Art war zunächst ein Hobby des Firmeninhabers. Schon in den 1960er Jahren bot er als einer der Ersten in Modellbahnzeitschriften Gartenbahnen im Maßstab 1:8 und 1:6 an. Später kamen Einschienenbahnen wie zum Beispiel die 1968 in Betrieb gegangene allererste Monorail in Europa – die Einschienenbahn Drievliet im niederländischen Drievliet Family Park in Den Haag, Pferdereitbahnen, Anlagen für Schausteller und Verkehrsgärten, Sommer-Rodelbahnen, drehende Häuser und viele andere Fahrgeschäfte für Freizeitparks hinzu. Auf seinem Versuchsgelände am Standort im Schwingel-Werk in Leverkusen – nach eigenen Angaben das Größte dieser Art – waren verschiedene Fahrgeschäfte zur Präsentation aufgebaut.[1]

Die Firmengeschichte endete 1994 in der Insolvenz. Zuletzt war die Firmenadresse vermutlich in unmittelbarer Nähe zum Overfeldweg in der Moselstraße 32 in Leverkusen.[2]

Fahrzeuge (Miniatureisenbahnen)

Schwingel baute im Wesentlichen zwei verschiedene Miniatureisenbahnen. Zum Einen elektrische Kindereisenbahnen auf 30 cm Spurweite und Feldbahngleisen vom Profil S5 für Jahrmärkte, Vergnügungsparks oder Weihnachtsmärkte.[3]

Daneben lieferte Schwingel auch Westernloks in Feldbahngröße auf 600 mm und 750 mm Spurweite. Diese fanden beziehungsweise finden auf Parkbahnen Verwendung. Im Gegensatz zu dem ab 1980 angebotenen Modell erinnerten diese frühen Lieferungen Bauart bedingt nur entfernt an ihre großen Vorbilder in Form von Schlepptenderlokomotiven mit der Achsfolge 2'B wie zum Beispiel der Baldwin-Baureihe VR-Baureihe A4 aus den 1870er Jahren.

Kindereisenbahnen

Die kleineren Bauarten waren von ihren Abmessungen nur für die Benutzung durch Kinder geeignet. Diese Westernloks mit der angedeuteten Achsfolge 2'B hatten im Tender zwei elektrisch betriebene Fahrmotoren, die jeweils ein Drehgestell antrieben und die motorlose Lokomotiv-Attrappe schoben. Äußerlich sind sich die bekannten Lieferungen dieser Größe – abgesehen von ein paar Accesoires – sehr ähnlich. Die Modelle hatten einen Kuhfänger nach dem Vorbild amerikanischer Lokomotiven, der Schornstein auf dem Kessel der Dampflok einen angedeuteten Funkenfänger, sie besaßen – wohl im Lieferzustand – funktionslose Kuppel- und Treibstangen, die im Betrieb später oft demontiert wurden und das Führerhaus der Dampflok-Attrappe hatte einen Falz in der Mitte. Bekannte Bahnen dieser Bauart waren beziehungsweise sind zum Beispiel

Eine Lieferliste ist bisher nicht bekannt, aber es gibt aktuell (Stand 2019) noch Vermietungen[10][11] von Schaustellern und immer wieder tauchen abgestellte Exemplare auf, wie zum Beispiel im Freizeitgelände Waldsee bei Fornsbach oder am Jauerling im Waldviertel.[12][13]

Parkeisenbahnen

Bisher sind als Ausgangsbasis für die größeren Schwingel-Umbauten nur Lieferungen aus dem Hause Schöma bekannt. Von einer ersten dokumentierten Lieferung aus dem Jahre 1968 durch Schöma an Schwingel, sind zwar Fabriknummer und Typ bekannt (3095, Typ CHL 14 G), nicht aber der Empfänger.

Die schon seit 1957 zur Eröffnung der Kölner Bundesgartenschau installierte Kleinbahn im Rheinpark erhielt zur zweiten Kölner Bundesgartenschau im Jahre 1971 die heutige Strecke mit der aktuellen Spurweite von 600 mm. Der Westernzug wurden nur anfänglich von einer Porschelok gezogen, wie sie sehr oft zur Erstausstattung von Bahnen anlässlich von Bundesgartenschauen zum Einsatz kamen. Schon im Folgejahr wurde diese verkauft und um 1972 kam fabrikneu die von Schöma mit der Seriennummer 3590 vom Typ CHL 20 G und bei Schwingel in eine Westernlok mit führendem Drehgestell umgebaute mit ebenfalls von Schwingel erworbenen fünf Wagen zum Einsatz. Sie war lange Zeit in den Farben schwarz und rot gehalten, war in den 2010er Jahren aber auch mal in blau gestrichen, und entspricht einem typischen Umbauschema auch für spätere Lieferungen, die sich äußerlich wenig von ein ander unterscheiden.[14][15]

1972 erhielt auch der Palmen-Express eine Umbaulok dieser Bauart, die unter der Fabriknummer 3474 an Schwingel geliefert wurde. Im Gegensatz zu allen anderen bisher bekannten Loks basiert dieser Umbau jedoch auf eine Akku-Lok des Schöma Typ CEL 8 oder CEL 20. Diese war auf dem Rundkurs im Palmen-Garten in Frankfurt bis zum Jahre 2011 im Einsatz und soll nach Hannover verkauft worden sein.[16]

Im Jahre 1975 lieferte Schöma die baugleichen Loks Carla, Camilla und Monika des Typs CHL 40 G mit den Seriennummern 3963, 3964 und 3965 an die Firma Schwingel für den Safaripark in Groß Gerau/Wallerstädten mit der Spurweite 750 mm. Als Motor fand ein Deutz F4L 912 W mit 48 PS Verwendung, beim Getriebe handelt es sich um einen kompakten Hydrostat der Firma Linde-Güldner. Bei Schwingel erhielten die Loks zwei führende Achsen und das Aussehen einer amerikanischen Dampflok. Angetrieben waren nur die beiden großen Räder, die Treib- beziehungsweise Kuppelstangen sind ohne FUnktion. Ebenso hat das vordere Drehgestell nur eine optische Funktion. Nach Schließung des Parks im Jahre 1990 gingen die Pseudo-Dampfloks zunächst alle an das Heddesheimer Feldbahn-Museum in Guldental. Die Lokomotive mit der Herstellernummer 3963 im Jahre 1998 weiter an die Britzer Museumseisenbahn in Berlin. Die zwei im Guldental verbliebenen Westernloks erhielten einen neuen Aufbau und wurden wieder zu Feldbahnloks auf 600 mm Spurweite mit der Achsfolge B-dh (B steht für zwei über einen Motor angetriebene Achsen, dh steht für dieselhydraulisch) umgebaut. Die Maschine mit der Fabriknummer 3965 kehrte im Jahre 2001 sogar wieder in den aktiven Dienst beim Torfwerk Meiners in Borstel zurück.[17] Die Lokomotive, die zur Britzer Kleinbahn im Berliner Bezirk Neukölln kam, verkehrte auf der zur Bundesgartenschau (BUGA) 1985 eröffneten 600 mm-spurigen Schmalspurbahn (Gartenschaubahn) mit einem rund 6 km langem Rundkurs im dortigen großer Erholungspark. Mit dem Ende der bis 2013 unter privaten Regie von Klaus Gränert betriebenen Strecke unter dem Namen Britzer Museumsbahn dürfte ihre Abstellung erfolgt sein. Der folgende Betreiber setzte in erster Linie Lokomotiven des Typs Ns2f (Baujahr 1955) vom Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg auf der Parkbahn ein.[18] Im Safaripark gab es auch eine kleinere Schwingel Kindereisenbahn.

Anfang des Jahres 1977 lieferte Schöma mit der Fabriknummer 4188 eine weitere Lokomotive des Typs CHL 20G auf 600 mm Spurweite, die von Paul Schwingel für den Freizeitpark Bosbad Hoeven in SG Hoeven NL zur Pseudo-Dampflok umgebaut wurde. Von dort gelangte sie später zu einem Molecaten Recreation Ferienpark und von dort zum Industrieel Smalspoor Museum (ISM) in Emmen-Erica in der niederländischen Provinz Drenthe, wo sie im Sommer 2025 im Einsatz stand.[19][20]

Im Jahre 1992 kam eine weitere Western-Dampflok zur Kleinbahn im Rheinpark in Köln und erhielt den Spitznamen GRASHÖPPER. Sie war im Jahre 1980 bei Schöma über Schwingel für einen Freizeitpark bei Hannover hergestellt worden und zwischenzeitlich noch kurzzeitig im Ponypark Slagharen in den Niederlanden eingesetzt. Mit dieser Parkbahnlok – von Schöma als Typ HL 20 BB bezeichnet – änderte sich bei den in Zusammenarbeit von Schöma und Schwingel gebauten Lokomotiven Design und Antriebstechnik grundsätzlich. Das Vorbild war die 1863 von den Cooke Locomotive Works – später Teil der American Locomotive Company (ALCO) – an die Central Pacific Railroad (CP) gelieferte und als Nummer 3 eingereihte Tenderlokomotive mit dem Namen C. P. Huntington. Die im Original seltenere, aber leistungsfähige Bauart mit der Achsfolge 2'A2'n2t, beziehungsweise 4-2-4T nach der anglo-amerikanischen Whyte-Notation, war für den schnellen Personenverkehr konzipiert. Die Namensvergabe erfolgte zu Ehren von Collis Potter Huntington (* 22. Oktober 1821 in Harwinton, Connecticut; † 13. August 1900 in New York), einer der vier großen Eisenbahn-Tycoone der Vereinigten Staaten. Der für 590 mm Spurweite mit der Fabriknummer 4408 gelieferte GRASHÖPPER hatte zwei angetriebene Drehgestelle mit 2 Achsen und mittig ein großes angedeutetes Spurkranz loses Antriebsrad einer Dampflok. Er war in Köln anfänglich grün und gelb lackiert und ist aktuell rot und schwarz lackiert eingesetzt. Das Führerhausdach war jetzt rund.

Neben einer historischen Linie der Vestischen Straßenbahn [21] verkehrte im Traum-Land-Park in Bottrop auch eine Parkbahn mit zwei Westernloks. Schöma lieferte an Paul Schwingel 1980 zwei Diesellokomotiven – vermutlich die Seriennummern 4488 und 4489 – zwecks Umbau zu Western-Dampfloks. Sie waren vom gleichen Typ HL 20 BB wie jene zuvor im gleichen Jahr gefertigten und heute in Köln eingesetzte zweite Parkbahnlok.[22] Vor der Schließung des Parks im Jahre 1991 gingen beide im Jahre 1989 an den Freizeitpark Tolk bei Schleswig und verkehren dort mit den Nummern 1 und 2. Bei der Nummer 3 in diesem Park handelt es sich um ein Gefährt aus dem Hause Ihle.[23][24]

Vermutlich aus den 1980er Jahren ist eine weitere Werksaufnahme eines größeren Parkbahnzuges im Hause Schwingel bekannt, die als Wunderland-Express beschriftet war und der neueren Bauart entsprach. Ob es sich um die heute in Köln oder Tolk vorhandene Maschinen handelt ist noch nicht bekannt.[25]

Literatur

Commons: Miniature railways built by Schwingel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Schwingel Kindereisenbahn. stummiforum.de, archiviert vom Original am 30. Dezember 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  • Restauration Schwingel Lok. stummiforum.de, archiviert vom Original am 30. Dezember 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  • unbekannte Schwingel Lok. buntbahn.de, archiviert vom Original am 25. Juni 2024; abgerufen am 30. Dezember 2025.

Einzelnachweise

  1. Dipl.-Ing. Paul Schwingel GmbH, Leverkusen. safarilandgg.com, 30. April 2005, archiviert vom Original am 26. April 2025; abgerufen am 17. Dezember 2025.
  2. Schwingel GmbH. industrial-production.de, abgerufen am 14. Januar 2026.
  3. Spurweite 300mm. www.dampfbahner.net, 30. April 2005, archiviert vom Original am 30. Dezember 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  4. Ibbenbüren Freizeitpark Schwingel Kindereisenbahn im August 2017. Joerg Seidel auf flickr.com, 15. Februar 2021, abgerufen am 2. Januar 2026.
  5. Oldtimer Express. Freizeitpark Sommer-Rodelbahn, archiviert vom Original am 2. Januar 2026; abgerufen am 2. Januar 2026.
  6. Bimmelbahn-Fahrer gesucht. Radio Kiepenkerl, 16. Mai 2023, archiviert vom Original am 30. Dezember 2023; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  7. Fotokiste, Streiflichter, Gedankensplitter. Modellbahn XXL, archiviert vom Original am 8. Dezember 2023; abgerufen am 10. Dezember 2025.
  8. Mini-Eisenbahn. Magic Park Verden, archiviert vom Original am 8. Oktober 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  9. Ferienwohnung Renate. Feriendorf Arrach, archiviert vom Original am 16. Oktober 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  10. „Schwingel“ Eisenbahn mieten. hennecke-karussells.com, archiviert vom Original am 17. Oktober 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  11. Kinder-Eisenbahn. Schaustellerbetriebe Roswitha Henn-Nickel, archiviert vom Original am 10. September 2025; abgerufen am 2. Januar 2026.
  12. Parkbahnhersteller. buntbahn.de, archiviert vom Original am 30. Dezember 2025; abgerufen am 30. Dezember 2025.
  13. Verkaufe Eisenbahn original Paul Schwingel, Leverkusen! schausteller.de, archiviert vom Original am 2. Januar 2026; abgerufen am 2. Januar 2026.
  14. Kleinbahn.Koeln im Rheinpark. kleinbahn.koeln, archiviert vom Original am 12. Januar 2025; abgerufen am 10. Dezember 2025.
  15. Kleinbahn Rheinpark Köln / Train ride Rhine park Cologne. Gunter Roßbach, archiviert vom Original am 19. Januar 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025.
  16. Lukas Gedziorowski und Stephan Loichinger: Palmenexpress – Volldampf voraus für die Kleinen. In: fr-online.de. Frankfurter Rundschau, 3. April 2012, abgerufen am 6. Juli 2024 (deutsch).
  17. Safariland-Loks. safarilandgg.com, archiviert vom Original am 13. Juni 2025; abgerufen am 17. Dezember 2025.
  18. Britzer Parkbahn. britzerparkbahn.com, archiviert vom Original am 15. August 2025; abgerufen am 17. Dezember 2025.
  19. Loc 96 van het het Industrieel Smalspoor Museum (ISM). nmld.locaalspoor.nl, archiviert vom Original am 25. September 2021; abgerufen am 19. Dezember 2025.
  20. Industrieel Smalspoor Museum. Industrieel Smalspoor Museum, archiviert vom Original am 19. Februar 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025 (niederländisch).
  21. Traum-Land Museums-Straßenbahn. traumlandpark.org, archiviert vom Original am 15. Dezember 2024; abgerufen am 16. Dezember 2025.
  22. Traum-Land-Park - Freizeit GmbH, Tönsholter Weg 13, 46244 Bottrop-Kirchhellen. bahn-express.de, 30. April 2005, archiviert vom Original am 28. Januar 2012; abgerufen am 16. Dezember 2025.
  23. Parkbahn im Freizeitpark Tolk-schau. bahninfos.com, archiviert vom Original am 19. Dezember 2025; abgerufen am 19. Dezember 2025.
  24. Bahnen in der Tolkschau (bei Schleswig). Bimmelbahn-Forum, archiviert vom Original am 19. Dezember 2024; abgerufen am 10. Dezember 2025.
  25. Drehscheibe Online Foren :: 04 - Historisches Forum :: Jörg Seidel : Frage zur Parkbahnlok Wunderland Express der Firma Schwinge. drehscheibe-online.de, 9. März 2014, archiviert vom Original am 9. Januar 2022; abgerufen am 30. Dezember 2025.