Schweizerische Studienstiftung

Schweizerische Studienstiftung Fonds für begabte junge Menschen
Rechtsform Stiftung
Gründung 1991
Sitz Zürich Schweiz
Zweck Förderung von Studierenden an Hoch- und Fachhochschulen[1]
Vorsitz Astrid Epiney
Geschäftsführung Klara Sekanina
Website studienstiftung.ch

Die Schweizerische Studienstiftung ist eine Organisation zur Begabtenförderung in der Schweiz. Sie setzt sich als nationale Institution für eine breite Exzellenzförderung an Universitäten und Fachhochschulen ein. Ziel der privaten gemeinnützigen Stiftung ist es, talentierte junge Menschen in ihrem Bestreben zu unterstützen, in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Die Förderung versteht sich als Ergänzung zum Studium und legt Wert auf die intellektuellen und kommunikativen Kompetenzen. Gefördert wird auch der Aufbau eines persönlichen Netzwerkes.

Die Geschäftsstelle befindet sich in Zürich. Finanziell wird die Studienstiftung vom Bund, einer Vielzahl von Stiftungen und Unternehmen, vom Alumni- und Förderverein sowie von privaten Spendern getragen. Seit ihrer Gründung 1991 hat die Schweizerische Studienstiftung rund 50 Millionen Franken in die nationale Begabtenförderung investiert und insgesamt etwa 2'800 besonders begabte Studierende und Doktorierende unterstützt.[2]

Geschichte der Schweizerischen Studienstiftung

Anton Schärli (Physiker) und Eric Kubli (Professor für Biologie an der Universität Zürich) erarbeiteten mit Fachleuten aus Hochschule und Wirtschaft ein Arbeitspapier zur Gründung einer Schweizerischen Studienstiftung nach Vorbild der Studienstiftung des deutschen Volkes.[3] Elisabeth Stumm (Biologin) stiess als dritte Gründerin hinzu.

Im Jahr 1992 nahm die Stiftung ihre Fördertätigkeit auf. An der ersten Sommerakademie zum Thema «Dynamische Systeme, chaotisches Verhalten» nahmen neun Studenten teil. 2003 wurde der Alumni-Verein gegründet. Eine Spende der Stiftung Mercator Schweiz von über 3,85 Mio. Franken ermöglichte den kontinuierlichen Ausbau der Studienstiftung für die nächsten 5 Jahre. 2006 wurde zur Verständigung zwischen den Landesteilen mit der Sophie und Karl Binding Stiftung das Bildungs- und Stipendienprogramm «Univers Suisse» lanciert. Hauptelemente sind die Binding-Austauschstipendien und die Sommerakademie «Le Tableau de la Suisse». 2022 lief die Kooperation aus – die Sommerakademie wird von der Studienstiftung weitergeführt.

  • Ab 2009 wurde das Angebot der Studienstiftung erweitert
    • Mit Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung werden für die kommenden fünf Jahre jährlich sechs Stipendien für bedürftige Studierende vergeben
    • Das Mercator Kolleg für internationale Aufgaben, ein Programm zur Förderung von Nachwuchs für internationale Organisationen und Arbeitsumfelder, wird gemeinsam mit den Stiftungen Mercator Schweiz und Deutschland sowie der Studienstiftung des deutschen Volkes lanciert.
  • 2012: Neues System für die Vergabe von finanzieller Unterstützung: jährlich werde zwei Jahresstipendien zur Unterstützung von ein- bis zweijährigen Auslandsstudien und Forschungsaufenthalten vergeben. Des Weiteren vergibt die Studienstiftung jährlich an zwei Terminen Förderungen und Zuschüsse für Kongressbesuche, Bibliotheksaufenthalte und Praktika im Ausland.

Förderprogramm

Bildungsprogramm

Die Schweizerische Studienstiftung bietet ihren Geförderten ein studienergänzendes Bildungsprogramm, welches den Studierenden die Möglichkeit gibt, über die Grenzen ihres Fachgebiets hinaus zu blicken und ihrer Neugier Nahrung gibt. Das interdisziplinäre Bildungsangebot umfasst folgende Programme und Veranstaltungen:[4]

  • Sommerakademien: Ein Kernstück der Förderung bilden die Sommerakademien. In interdisziplinären Gruppen von maximal zwanzig Studierenden werden fächerübergreifende Themen selbstständig erarbeitet. In dieser intensiven Lehr- und Lernatmosphäre entsteht zudem ein Netzwerk persönlicher Bekanntschaften. Die Schweizerische Studienstiftung unterhält eine Kooperation mit der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Österreichischen Studienstiftung. Schweizerische Stipendiaten können an allen Akademien der deutschen Studienstiftung teilnehmen, während jeweils für einige deutsche Plätze an den Schweizer Akademien vorgesehen sind.
  • Intellectual Tools: Die Seminarreihe «Intellectual Tools» bietet zwei- bis dreitägige Intensivmodule zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt, in welcher Grundkenntnisse aus fachfremden Wissenschaftsbereichen sowie Soft Skills erworben werden. In konzentrierter Form werden entsprechende Grundkenntnisse zu zentralen Gebieten (z. B. Recht, Politik, Ethik oder Wirtschaft) vermittelt sowie grundlegende kommunikativen Kompetenzen (z. B. Rhetorik, Kommunikation, Präsentation) erworben.
  • Culture Matters: Mit dem thematischen Schwerpunkt «Culture Matters» ermöglicht die Stiftung ihren Studenten und Doktoranden, die eigene Kultur und fremde Kulturen sowohl theoretisch zu reflektieren als auch praktisch zu erleben. Im Zentrum der Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Kultur stehen Fragen wie „Ist alles kulturell?“, „Kann ich zu zwei Kulturen gehören?“, „Bin ich kultiviert?“, „Kann man Kulturen kritisieren?“, „Wem gehört Kultur?“, „Was nützt Kultur in der Wirtschaft?“.
  • GraduateBox: Ziel des GraduateBox-Programms ist es, den Geförderten auf Master- oder Doktoratsstufe Kompetenzen in den Bereichen Arbeits- und Kommunikationsmethodik zu vermitteln, ihnen Ideen und konkrete Beispiele zur Karriereplanung zu geben und sie auf ihre künftige Leader-Rolle vorzubereiten.
  • Werner Siemens Programm: Um den MINT-Bereich zu stärken, bietet die Studienstiftung ab 2016 den geförderten Studierenden das stark interdisziplinär ausgerichtete, von der Werner Siemens-Stiftung finanzierte Programm «Mobilität – Infrastruktur – Innovation» an.

Individuelle Förderung

Während des Studiums steht den Stipendiaten ein Hochschuldozent – zumeist ein Professor – als «Mentor» zur Verfügung. Diese begleiten jeweils eine interdisziplinär zusammengesetzte Studierendengruppe an ihrem Studienort. Das soll den Studenten ermöglichen, an ihrer Hochschule ein Disziplinen übergreifendes, persönliches Netzwerk aufzubauen. Die Mentoren stehen den Studierenden ebenso für individuelle Anliegen und allgemeine Studienfragen zur Verfügung.

Finanzielle Förderung

Mit Zuschüssen (500 Franken), Förderbeiträgen (5'000 Franken) und Stipendien (zumeist ~ 20'000 Franken pro Jahr) beteiligt sich die Studienstiftung an den Kosten für Auslandstudien, Kongressbesuche, Praktika und Projekte. Mit Stipendien wird ein grosser Teil der Lebenshaltungskosten und Studiengebühren gedeckt. Alle in Zusammenarbeit mit den Finanzierungspartnern angebotenen Stipendien sind Leistungsstipendien: Unterstützt werden zukunftsträchtige Personen und Projekte.[5]

  • Jahresstipendium: Das Jahresstipendium der Studienstiftung wird für ein- bis zweijährige Auslandsstudien oder für längere, sehr aufwändige Forschungsaufenthalte vergeben.
  • Bärbel und Paul Geissbühler-Stipendien: Die Bärbel und Paul Geissbühler-Stipendien sind Exzellenz-Stipendien: Sie werden von der Bärbel und Paul Geissbühler Stiftung finanziert und kommen ausschliesslich Geförderten im MINT-Bereich zugute, die herausragende Schul- und Studienleistungen vorweisen können und über wenig Mittel zur Finanzierung ihrer Studien auf Bachelor- oder Masterstufe verfügen. Seit 2018 stehen jährlich neun erneuerbare Stipendien zur Verfügung.
  • Ernst Göhner-Stipendien: Diese Stipendien vergibt die Studienstiftung seit 2009 in Zusammenarbeit mit der Ernst Göhner-Stiftung. Sie werden von der Ernst Göhner-Stiftung finanziert und kommen talentierten Studierenden zugute, die nicht über genügend Mittel zur Studienfinanzierung verfügen. Bewerben können sich ausschliesslich Studierende, die bereits in die Studienstiftung aufgenommen wurden. Es gibt vier Ernst Göhner-Stipendien:
    • Für Kunstschaffende (4 Stipendien im Jahr 2026, 15'000 Franken)
    • Für Lehrpersonen in Ausbildung (3 Stipendien im Jahr 2025)
    • Für Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften (jährlich 10 Stipendien)
    • Exzellenz-Stipendium in Geistes- und Sozialwissenschaften (jährlich 3 Stipendien)
  • Werner Siemens Fellowships: Die Fellowships der Werner Siemens-Stiftung werden seit 2016 an hervorragende Studenten der MINT-Fächer erteilt, mit dem Ziel, sie zu unterstützen und zusammenzuführen. Erwartet wird von ihnen, dass sie sich für die Vermittlung und Förderung der MINT-Bereiche in der Gesellschaft sowie für das interdisziplinäre Förderprogramm der Studienstiftung engagieren.

Aufnahme in die Studienstiftung

Die Stiftung lädt die besten Maturanden mit einem Wohnsitz in der Schweiz oder Liechtenstein über die Schulrektorate ein, sich zu bewerben. Daneben ist eine Bewerbung während des Studiums möglich. Die Bewerbung steht grundsätzlich allen Studierenden an universitären Hochschulen und Fachhochschulen offen.

Grundvoraussetzungen

  • Wohnsitz in der Schweiz oder Liechtenstein (Schweizer Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung)
  • Hervorragende Matura (Mindestens: Notenschnitt 5.3) oder vergleichbare Leistung bei Berufsmatura
  • Sehr gute Noten im Studium (Mindestens: Notenschnitt 5.3), bzw. vergleichbare Leistungen bei anderen Bewertungssystemen
  • Oder angemessene schulische Leistungen bei herausragenden Leistungen in ausseruniversitären Bereichen (besondere ehrenamtliche Tätigkeiten, Politik, Kultur etc.)

Weitere Voraussetzungen an Bewerber

  • Leistungsfähigkeit
  • Breite Interessen, intellektuelle Neugier und Kreativität
  • Offenheit, Kreativität und Freude am interdisziplinären Austausch
  • Innere Motivation und Begeisterungsvermögen
  • Kommunikative Kompetenz, auch in Fremdsprachen, insbesondere in den Landessprachen
  • Verantwortungsbewusstsein und Engagement

Erwartungen an Bewerber nach ihrer Aufnahme

  • Sehr gute Leistungen an der Hochschule (Mindestens: Notenschnitt 5.3)
  • Engagement ausserhalb des Studiums (z. B. besondere ehrenamtliche Tätigkeiten, Politik, Kultur etc.)
  • Aktive Teilnahme am Veranstaltungsprogramm der Schweizerischen Studienstiftung
  • Teilnahme an Gruppentreffen am Studienort
  • Jährliche Abgabe eines Berichtes über ihren Studienverlauf sowie ihre Aktivitäten innerhalb und ausserhalb der Studienstiftung

Statistik

Die Angaben haben Stand Dezember 2024:

Geförderte 934, davon 451 Frauen, 470 Männer und 13 Divers
Neuaufnahmen 2024 180
Seit der Gründung der Studienstiftung Geförderte insgesamt 2817
Bewilligte Gesuche zur finanziellen Unterstützung 2024 119
Abschlüsse 2024 371, davon 24 mit Doktorat
Anzahl Veranstaltungen 2024 111

Bekannte ehemalige Geförderte (Auswahl)

Die folgende Liste beinhaltet ehemalige Geförderte der Schweizerischen Studienstiftung, welche im öffentlichen Raum Bekanntheit erlangt haben. Die Liste bietet einen Überblick nach Fachgebieten und Berufen (Auswahl).

Politik

  • Balthasar Glättli, geboren 1972; Studium der Philosophie, Linguistik und Neueren deutschen Literatur, seit 2011 Nationalrat, Grüne Kanton ZH; Inhaber der Firma „politbüro kampagnen und webdesign“, Zürich; Vize-Präsident des Schweizerischen Mieterverbandes. Gefördert von 1993 bis 1996.
  • Nadine Masshardt, geboren 1984; Studium der Geschichte und Philosophie; seit 2013 Nationalrätin, SP Kanton Bern; 2006 bis 2013 Mitglied des Grossen Rates des Kantons Bern; 2004 bis 2010 Stadträtin in Langenthal; Projektleiterin bei in einer Kommunikationsagentur, gefördert von 2004 bis 2011.

Medien/Kultur

  • Barbara Bleisch, geboren 1973; Studium der Philosophie, Germanistik und Religionswissenschaften; seit 2010 Moderatorin und Redaktorin der «Sternstunde Philosophie» bei SRF; seit 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ethik-Zentrum der Universität Zürich und Dozentin für Ethik an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen. Gefördert von 1999 bis 2007.

Universität/Forschung

  • Simon Grand, geboren 1968; Professor für Strategisches Management an der Universität St. Gallen. Gefördert von 1993 bis 1997.
  • Cornelia Halin Winter, geboren 1974; Professorin für Drug Discovery Technologies am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der ETH Zürich. Studium der Biochemie an der ETH Zürich. Gefördert von 1996 bis 2002.
  • Sebastian Hiller, geboren 1976; Professor am Biozentrum der Universität Basel. Studium der Molekularbiologie und Biophysik an der ETH Zürich. Gefördert von 1996 bis 2006.
  • Michael O. Hottinger, geboren 1966; Professor für Molekularbiologie, Departement of Molecular Mechanisms of Diseases, Universität Zürich. Gefördert von 1993 bis 1999.
  • Oliver Jens Schmitt, geboren 1973; Professor für Geschichte Südosteuropas an der Universität Wien. Studium der Byzantinistik, Neogräzistik und Osteuropäischen Geschichte in Basel, Wien, Berlin und München. Gefördert von 1994 bis 2000.
  • Wendelin J. Stark, geboren 1976 in Zürich; Professor für Chemie und Bioingenieurwissenschaften, ETH Zürich. Studium der Chemie. Gefördert von 1996 bis 2002.
  • Jörg Stolz, geboren 1967; Professor für Religionssoziologie an der Universität Lausanne. Studium der Soziologie, Religion, Wirtschaft und Philosophie. Gefördert von 1995 bis 2000.

Gesellschaft/Soziales

  • Nicola Forster, geboren 1985, Studium der Rechtswissenschaften; Gründer und Präsident des Think-Tanks foraus – Forum Aussenpolitik.

Kunst

  • Nils Althaus, geboren 1981; Biochemiestudium an der ETH Zürich. Liedermacher, Kabarettist und Schauspieler. Gefördert von 2001 bis 2006.
  • Stefan Eichenberger, geboren 1984; Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaft, Philosophie und Soziologie an den Universitäten Fribourg und Bern. Gefördert von 2009 bis 2013.
  • Lena-Lisa Wüstendörfer, geboren 1983; Studium in Dirigieren sowie der Musikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Gefördert von 2003 bis 2013.

Einzelnachweise

  1. Leitbild der Schweizerischen Studienstiftung
  2. Jahresbericht 2024, S. 2.
  3. PDF
  4. https://www.studienstiftung.ch/bildungsprogramm/
  5. https://www.studienstiftung.ch/stipendien/