Schwefelwasser

Schwefelwasser ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Wasser, das einen Gesamtschwefelgehalt von einem Milligramm pro Liter Wasser aufweist.[1][2] Schwefelwasser war bereits den Römern bekannt und wurde damals als Heilmittel verwendet.

Wirkweise

Die Wirkung des Schwefelwassers beruht auf dem in ihm gelösten Schwefelwasserstoff (H2S)[3]. Dies ist auch der Grund für den oft als nach "faulen Eiern" riechenden Duft des Wassers. Das Gas Schwefelwasserstoff ist eines der giftigsten Gase und übertrifft in seiner Toxizität Cyanwasserstoff.[4] Die Konzentration in den Mineralwassern ist allerdings zu gering, um toxisch zu wirken. Schwefelhaltiges Heilwasser entfaltet seine Wirkung vor allem durch den enthaltenen Schwefelwasserstoff, der über Haut und Schleimhäute aufgenommen wird[5]. Die Anwendungen können insbesondere bei chronisch-entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates, bei verschiedenen Hauterkrankungen sowie bei Durchblutungsstörungen und arteriellem Bluthochdruck unterstützend eingesetzt werden. Wegen möglicher Kontraindikationen, etwa bei schweren Herz- oder Kreislauferkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, akuten Infekten oder bestimmten Gefäßerkrankungen, sollten Schwefelbäder und Trinkkuren grundsätzlich ärztlich verordnet werden. Eine empfohlene Anwendung umfasst in der Regel etwa 15 Minuten Badezeit mit anschließender Ruhephase.[6]

Studienlage

Da Schwefelwasser bereits seit vielen Jahrhunderten verwendet wird, bezieht sich viel Wissen auf Erfahrungen und nicht auf klassische, evidenzbasierte Studien[7]. Dieser Umstand bedeutet allerdings nicht, dass es keine Studien zu diesem Thema gibt. So konnte beispielsweise in einer Studie gezeigt werden, dass Patienten mit Kniearthrosen, die regelmäßig Schwefelbäder genommen haben, im Vergleich zu anderen Gruppen eine Verbesserung der Schmerzwerte und die Zunahme des aktiven Beugungsgrades erreichen konnten.[8]

Orte mit Schwefelwasserquellen (Deutschland)

Orte mit Schwefelwasserquellen (Österreich)

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Einzelnachweise

  1. Schwefelwasser - Das Heilmittel aus der Natur für die Gelenke. Abgerufen am 24. November 2025.
  2. Egon Wiberg, Nils Wiberg, A. F. Holleman: Anorganische Chemie. 103. Auflage. De Gruyter, Berlin ; Boston 2017, ISBN 978-3-11-026932-1.
  3. Nils Wiberg, Egon Wiberg, Arnold Frederik Holleman: Anorganische Chemie. 103. Auflage. De Gruyter, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-026932-1.
  4. Michael Binnewies, Maik Finze, Manfred Jäckel, Peer Schmidt, Helge Willner, Geoffrey Rayner-Canham: Allgemeine und Anorganische Chemie. 3. Aufl. 2016. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-45066-6.
  5. ÄRZTE-EXKLUSIV: Die Kraft des Schwefelwassers. Abgerufen am 25. November 2025.
  6. Das Schwefelwasser. Abgerufen am 24. November 2025.
  7. ÄRZTE-EXKLUSIV: Die Kraft des Schwefelwassers. Abgerufen am 25. November 2025.
  8. Á Kulisch, Á Benkö, A. Bergmann, N. Gyarmati, Horváth Horváth, Á Kránicz, Z. S. Mándó, Á Matán, A. Németh, E. Szakál, D. Szántó, L. Szekeres, T. Bender: Evaluation of the effect of Lake Hévíz thermal mineral water in patients with osteoarthritis of the knee: a randomized, controlled, single-blind, follow-up study. In: European Journal of Physical and Rehabilitation Medicine. Band 50, Nr. 4, August 2014, ISSN 1973-9095, S. 373–381, PMID 24594851 (nih.gov [abgerufen am 25. November 2025]).