Schuppentäubchen

Schuppentäubchen

Schuppentäubchen (Columbina squammata)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Columbina
Art: Schuppentäubchen
Wissenschaftlicher Name
Columbina squammata
(Lesson, RP, 1831)

Das Schuppentäubchen (Columbina squammata, Syn.: Scardafella squammata, Columba squammata) ist eine Art der Taubenvögel, die zur Unterfamilie der Amerikanischen Kleintauben gehört. Die Art kommt in mehreren Unterarten ausschließlich in Südamerika vor. Aufgrund des stark geschuppten Gefieders ist sie in ihrem Verbreitungsgebiet mit keiner anderen Art verwechselbar.

Die ebenfalls in Südamerika vorkommende Schuppenhalstaube weist im deutschen Sprachgebrauch einen ähnlich klingenden Namen auf. Die Art gehört jedoch zu den Amerikanischen Feldtauben und ist erheblich größer.

Erscheinungsbild

Das Schuppentäubchen erreicht eine Körperlänge von 22 Zentimetern.[1] Im Erscheinungsbild weist das Schuppentäubchen eine hohe Ähnlichkeit mit dem zur selben Gattung gehörenden Inkatäubchen auf. Ein Geschlechtsdimorphismus besteht nicht.

Das Gefieder ist hellgrau. Alle Deckfedern weisen einen dunklen Saum auf, sodass das Täubchen insgesamt sehr stark geschuppt ist. Die Schuppung fehlt lediglich an der Kehle und an den Unterschwanzfedern. Meist nur im Flug sichtbar sind die kastanienbraunen Handschwingen. Der Schwanz ist lang und abgestuft. Die äußeren Schwanzfedern weißen einen weißen Saum auf.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum

Das Schuppentäubchen kommt in Südamerika in zwei disjunkten Populationen vor. Eine findet sich im Norden Südamerikas, wo sich das Verbreitungsgebiet der Unterart S. s. ridgwayi vom Norden Kolumbiens bis nach Venezuela und Französisch-Guyana und den Inseln Margarita und Trinidad erstreckt. Die Nominatform kommt im Zentralgebiet und im Osten Brasilien bis in den Norden Argentiniens und den Osten Boliviens vor.[2]

Der Lebensraum der Schuppentaube sind aride und semiaride Regionen. Bewohnt werden Grasland und offene Savannen mit vereinzeltem Baum- und etwas Strauchbestand vom Tiefland bis in etwa eine Höhe von 1.200 Meter NN.[3] Das Schuppentäubchen kommt auch auf Kulturland und Plantagen vor. Grundsätzlich gemieden werden luftfeuchte und stark bewaldete Regionen. Es ist eine anpassungsfähige Art, die sich auch menschlichen Siedlungsraum als Lebensraum erschlossen hat und beispielsweise in Gärten und Parks vorkommt.

Verhalten

Das Schuppentäubchen ist überwiegend ein Standvogel. Es verbringt einen großen Teil seiner Aktivitätsphase am Boden, wo es in Paaren oder sehr kleinen Gruppen von nur wenigen Individuen nach Nahrung sucht. Zum Nahrungsspektrum gehören Samen, kleine Wirbellose und Schnecken. Die Fortpflanzungszeit variiert in Abhängigkeit vom Verbreitungsgebiet. In Kolumbien brütet die Art von März bis August, in Venezuela von September bis Oktober und in Brasilien schreiten diese Täubchen das ganze Jahr über zur Brut. Die Hauptfortpflanzungszeit sind dort jedoch die Monate September bis November. Das Nest wird niedrig im Gebüsch errichtet. Nur sehr selten finden sich Nester der Schuppenhalstaube in einer Höhe über zwei Meter.[3] Das Gelege besteht aus zwei weißen Eiern. Die Brutdauer beträgt 13 bis 14 Tage. Die Jungen sind nach 12 bis 15 Tagen flügge und sehr schnell unabhängig. Die Elternvögel schreiten dann häufig zu einer Zweitbrut.

Unterarten

Es sind folgende Unterarten bekannt:[4]

Columba squamosa Temminck, 1811[7], Scardafella ridgwayi brasiliensis Beebe, 1907[8] und Scardafella squammata cearae Cory, 1917[9] werden heute alle als Synonym zur Nominatform betrachtet.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung des Schuppentäubchens erfolgte 1831 durch René Primevère Lesson unter dem wissenschaftlichen Namen Columba squammata. Als Verbreitungsgebiet nannte er Bahia, basierend auf Columba squamosa von Temmick.[6] 1825 führte Johann Baptist von Spix die für die Wissenschaft neue Gattung Columbina ein.[10] Dieser Begriff leitet sich von lateinisch columbina, columba ‚Täubchen, Taube‘[11] Der Artname squammata hat seinen Ursprung in lateinisch squamatus, squama ‚-schuppig, Schuppe‘.[12] Ridgwayi ist Robert Ridgway gewidmet.[5] Brasiliensis bezieht sich auf Brasilien[8], cearae auf Ceará.[9] Squamosa hat den gleichen Ursprung wie squammata.[13] Temmincks Name hätte zwar Priorität, doch war er bereits belegt durch die Antillentaube (Patagioenas squamosa (Bonnaterre, 1792)). Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay fünf Bälge, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) und Michael Mathias Kiefer (1902–1980) in Nueva Germania und in Zanja Moroti im Bergland des Río Apa, zur Verfügung. In der Literatur sah er nur in Villarica[14] durch Carl Eduard Hellmayr einen weiteren Nachweis für das Land.[15]

Haltung in menschlicher Obhut

In der Ziervogelhaltung spielen die Schuppentäubchen eine geringere Rolle als die Inkatäubchen. Sie werden zwar von Zeit zu Zeit eingeführt, sie haben sich aber als zu scheu und schreckhaft für eine Volierenhaltung erwiesen.[1]

Commons: Schuppentäubchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

Einzelnachweise

  1. a b Rösler, S. 196
  2. Gibbs, S. 335
  3. a b Gibbs, S. 334
  4. IOC World Bird List Pigeons
  5. a b Charles Wallace Richmond (1896), S. 660
  6. a b René Primevère Lesson (1831), S. 474
  7. Coenraad Jacob Temminck (1811), S. 127 Tafel 59
  8. a b Charles William Beebe (1907), S. 21 Abbildung 5 & 6
  9. a b Charles Barney Cory (1917), S. 6
  10. Johann Baptist von Spix (1825), S. 57–58
  11. Columbina The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  12. squammata The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  13. squamosa The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  14. Carl Eduard Hellmayr (1930), S. 465.
  15. Alfred Laubmann (1939), S. 135–136.

Literatur

  • Charles William Beebe: Geographic Variation in Birds , with Special Reference to the Effects of Humidity. In: Zoologica; scientific contributions of the New York Zoological Society. Band 1, Nr. 1, 1907, S. 1–41 (biodiversitylibrary.org).
  • Charles Barney Cory: Notes on Little Known Spezies of South American Birds with description of new subspecies. In: Field Museum Natural History Publications (= Zoological Series. Band 12). Nr. 1, 1917, S. 1–7 (biodiversitylibrary.org).
  • Edward Clive Dickinson, Normand David, Leslie K. Overstreet, Frank Dieter Steinheimer, Justin Jansen: Histoire naturelle des pigeons or Les pigeons: Coenraad Jacob Temminck versus Pauline Knip. In: Archives of natural history. Band 37, 2010, ISSN 0260-9541, S. 203–220, doi:10.3366/anh.2010.0003.
  • David Gibbs, Eustace Barnes, John Cox: Pigeons and Doves. A Guide to the Pigeons and Doves of the World. Pica Press, Alfeld-Sussex 2001, ISBN 90-74345-26-3.
  • Carl Eduard Hellmayr: A contribution to the ornithology of north-eastern Brazil. In: Field Museum Natural History Publications (Publication 255) (= Zoological Series). Band 12, Nr. 18, 1929, S. 235–501 (biodiversitylibrary.org).
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 135–136 (google.de).
  • René Primevère Lesson: Traité d’ornithologie, ou, Tableau méthodique des ordres, sous-ordres, familles, tribus, genres, sous-genres et races d’oiseaux: ouvrage entièrement neuf, formant le catalogue le plus complet des espèces réunies dans les collections publiques de la France. 1 (Lieferung 6). F.G. Levrault, Paris 1831 (biodiversitylibrary.org – 6 Lieferungen von 1830 bis 1831).
  • Charles Wallace Richmond in Wirt Robinson: An annotated list of birds observed on the Island of Margarita, and at Guanta and Laguayra, Venezuela. In: Proceedings of the United States National Museum. Band 18, 1896, S. 649–685 (biodiversitylibrary.org).
  • René Ronsil: Madame Knip, née Pauline de Courcelles, et son oeuvre ornithologique. In: Journal of the Society for the Bibliography of Natural History. Band 3, 1957, ISSN 0037-9778, S. 207–220, doi:10.3366/jsbnh.1957.3.4.207.
  • Gerhard Rösler: Die Wildtauben der Erde – Freileben, Haltung und Zucht. Verlag M. & H. Schaper, Alfeld-Hannover 1996, ISBN 3-7944-0184-0.
  • Johann Baptist von Spix: Avium species novae, quas in itinere per Brasiliam Annis MDCCCXVII – MDCCCXX Iussu et Auspiciis Maximiliani Josephi I. Bavariae Regis suscepto collegit et descripsit. Band 2. Typis Franc. Seraph. Hübschmännl, München 1825 (biodiversitylibrary.org).
  • Coenraad Jacob Temminck, Pauline Knip geb. Rifer de Courcelles: Les pigeons. L'Imprimerie de Mame, Paris 1811 (biodiversitylibrary.org – Erschien zwischen 1808–1811 in 15 Lieferungen).