Schulhaus Degersen
| Schulhaus Degersen | ||
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Wenig veränderte Gebäudesüdseite (2024) | ||
| Daten | ||
| Architekt | Fritz Gleue | |
| Bauherr | Gemeinde Degersen | |
| Baujahr | 1949/50 | |
| Koordinaten | 52° 17′ 7,6″ N, 9° 34′ 12,6″ O | |
Das Schulhaus ist ein Bauwerk in Degersen, einem Ortsteil der Gemeinde Wennigsen (Deister) in der Region Hannover in Niedersachsen. Das ehemals denkmalgeschützte Schulgebäude dient mittlerweile als Sprachheilkindergarten.
Vorgeschichte
Bald nach dem Jahr 1588 wurde im Fürstentum Calenberg die Schulpflicht eingeführt. Degersen war zur Klosterkirche Wennigsen eingepfarrt. Die Degerser Kinder besuchten daher schon vor 1600 die Schule im Nachbarort Wennigsen.
Laut Wennigser Kirchenbuch wurde in Degersen schließlich eine eigene Schule errichtet und im Jahr 1643 ein Schulmeister eingestellt. Die Namen der Lehrer sind seit 1643 lückenlos bekannt. Der Standort des Gebäudes ist nicht überliefert.[1] Die Degerser Schule wurde auch von den Kindern des kleinen Nachbarorts Bönnigsen besucht.
Schulhaus von 1780
Im Jahr 1780 wurde bei der heutigen Einmündung der Glockenstraße ein neues Schulhaus errichtet. Das Grundstück lag zwischen einer Hofstelle und dem Hirtenhaus des Ortes gegenüber der Gaststätte.
Die Zahl der Schüler stieg von 48 im Jahr 1798 auf 90 im Jahr 1830. Das Schulzimmer wurde 1831 vergrößert. 1861 baute man an der Ostseite ein Vorderhaus mit Diele und Dachreiter an. Das alte Schulzimmer diente 1879 zu einer Erweiterung der Lehrerwohnung. Dafür wurde an der Westseite des Fachwerkgebäudes für 2850 Mark ein neues Schulzimmer aus Ziegelsteinen angebaut.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde erstmals ein zweiter Lehrer eingestellt. Die Gemeinde hatte 1909 ein Grundstück für einen Schulneubau erworben. Es wurde zunächst als Spiel- und Turnplatz genutzt. Das angesparte Baugeld wurde in der folgenden Inflation entwertet.
Das alte Gebäude hatte mittlerweile morsche Fußböden, faule Balkenlagen, einen altersschwachen Dachstuhl und verbogene Wände. Es wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 bei einem Luftangriff getroffen. Die Entschädigung betrug etwa 180 Reichsmark. Letzte Instandsetzungen erfolgten 1948. Nach dem Bau eines neuen Schulgebäudes wurde die alte Schule im Jahr 1950 dem Nachbarbauern verkauft. Sie wurde abgerissen, um dort ein neues Wohnhaus zu errichten.[1]
Schulhaus von 1950
Am 20. November 1949 wurde auf dem bereits 1909 erworbenen Grundstück der Grundstein für den Neubau einer Schule gelegt. Das unterstützt von viel Eigenleistung der Einwohner durch lokale Bauunternehmen errichtete Gebäude wurde am 26. August 1950 eingeweiht. Die Gesamtkosten von etwa 100.000 DM wären heute kaufkraftbereinigt 336.000 €.
Das große Bild einer Kindergruppe unter leuchtenden Sonnenblumen an der Nordwand des Schulhauses schuf der Kunstmaler Klatt aus Duingen.
Ab dem Schuljahr 1966/67 wurde nur noch die 1. bis 4. Klasse in Degersen unterrichtet. Die letzte Einschulung war 1970.[1] Ab 1971 kamen die Degerser Kinder zur Grundschule in Wennigsen. Zu Jahresbeginn 1970 war Degersen nach Wennigsen eingemeindet worden. Das Schulgebäude wurde ab 1972 als kommunaler Kindergarten genutzt.
Nachnutzung
Das Schulhaus wurde am 3. November 1982 im Denkmalverzeichnis eingetragen.[2] Es lag zudem im denkmalpflegerischen Interessengebiet des alten Dorfkerns.[3]
Der Denkmalstatus ging anscheinend wieder verloren, als das Gebäude 2004 zu einem Sprachheilkindergarten mit Platz für 32 Kinder umgebaut wurde.[4] dabei wurden die ehemaligen Lehrerwohnungen im ersten Stock sowie der Dachboden zu Büros und Aufenthaltsräumen umgestaltet, eine Außentreppe angebracht und an der Nordseite eine kleine Turnhalle mit 80 m² Fläche an das Gebäude angebaut.[4]
Der seit den 1960er Jahren nur notdürftig geflickte ehemalige Schulhof an der Nordseite des Gebäudes wurde 2021 barrierefrei zugänglich gemacht und neu gepflastert. Auf der etwa 300 m² großen Fläche könnten seitdem auch Dorffeste und Veranstaltungen stattfinden.[5]
Der Schießsportklub Bönnigsen mietete das Stall- und Toilettengebäude in der Südwestecke des Grundstücks. Es wurde zu einem Vereinsheim mit Schießstand ausgebaut.[1]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Hermann Bödecker: 60 Jahre Haus der Kinder in Degersen: Einblick in die Geschichte. www.myheimat.de, 30. Juli 2010, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 12. August 2014; abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ Laut Verzeichnis, das die Region Hannover als Untere Denkmalschutzbehörde im Auftrag des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege führt (Stand vom August 2011). Die Gemeinde Wennigsen (Deister) verfügt über eine Kopie.
- ↑ Karte Degersen in: Henner Hannig (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 13,1): Landkreis Hannover. Vieweg, Braunschweig 1988, ISBN 3-528-06207-X, S. 171 (online).
- ↑ a b Räumlichkeiten. Paritätischer Hannover gGmbH, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ André Pichiri: Neues Pflaster statt Splitt-Flickwerk: Das sind die Pläne für den alten Schulhof in Degersen. Haz.de, 8. Dezember 2021, abgerufen am 5. Januar 2026.