Schuhgasse
Die Schuhgasse war eine Straße in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße aufgegeben und überbaut.
Lage und Verlauf
Die Straße befand sich in der Magdeburger Altstadt. Sie begann auf der Westseite des Breiten Wegs zwischen den Häusern Breiter Weg 49 und 50 und verlief, parallel zum nördlich gelegenen Zugang zum Alten Markt, vom Breiten Weg aus nach Westen. Sie kreuzte die Schuhbrücke und mündete nach nur kurzem Verlauf von insgesamt etwa 50 Metern auf die Straße Schwibbogen. In ihrem östlichen Teil zwischen Schuhbrücke und Schwibbogen war die Straße etwas breiter als in ihrem sehr schmalen westlichen Teil.
Die Häuser des östlichen Teils der Schuhgasse gehörten zum Breiten Weg bzw. zur Schuhbrücke. Nach Kreuzung der Schuhbrücke begann die Hausnummerierung auf der Südseite mit der Nummer 1 und verlief dann aufsteigend bis zur Nummer 3 an der Einmündung zum Schwibbogen. Die Bebauung auf der Nordseite gehörte zum Schwibbogen.
Heute befindet sich an dieser Stelle der nördliche Teil des Wohnhauskomplexes Breiter Weg 20 bis 22. Im Verlauf nach Westen zieht sich der ehemalige Bereich der Straße auf der Südseite der Häuser Alter Markt 1 und 1a entlang.
Geschichte
Möglicherweise war der Ostteil der Schuhgasse identisch mit einer 1298 erwähnten Kurzen Schuhbrücke. Sonst war die Straße jedoch zumeist namenlos 1753 wurde sie, wohl in ihrem kompletten Verlauf, als Huthofschlippe bezeichnet. Als Huthof wurde das Seidenkramerinnungshaus bezeichnet. Später, sowohl 1798 als auch 1803, wurde der östliche Teil aber wieder ohne Namen geführt. Für den Westteil ist der Name Hünenschlippe überliefert. Dieser Name mit der Bedeutung als Große Schlüpfe könnte als scherzhafte Bezeichnung für die extrem enge Gasse verstanden werden. 1798 war für den westlichen Teil der Name Schusterschlippe gebräuchlich, 1803 Hühnerschlippe. Der Name Hühnerschlippe wurde auf das auf der südlichen Seite am Breiten Weg befindliche Haus Nummer 49 bezogen, das den Namen Zum Huhn getragen haben soll. Dies ist jedoch zweifelhaft, wahrscheinlicher ist, dass Hühnerschlippe nur eine Verderbung des älteren Namens Hünenschlippe ist.
1817 wurde die ganze Straße als Schustergang, später als Schustersteg bezeichnet. Der Name Schustergasse wurde erstmalig 1835 genannt.[1]
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Bereich stark zerstört. In der Zeit der DDR wurde die Straße nicht wieder aufgebaut, sondern wurde in ihrem westlichen Teil mit einem Wohn- und Geschäftshaus überbaut, in ihrem östlichen Verlauf Teil des Hofs des Gebäudekomplexes.
Historische Häuser der Schuhgasse
| Hausnummer | Name | Bemerkungen | Bild |
|---|---|---|---|
| ohne | 1631 und 1645 wurde der Drechsler Andreas Fricke (fälschlich auch Gericke) als Eigentümer geführt. Das Grundstück war dann, wohl in Folge der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 Brandstätte und gehörte der Erbin Frickes, der Witwe des Töpfers Daniel Wolter. Das Gebäude befand sich an der Kreuzung von Schuhbrücke und Schuhgasse und galt aufgrund seiner Lage in den engen Gassen als Verkehrshindernis. Die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke Schuhbrücke 10 und 19, Schuhgasse 2 und Schwibbogen 7f erwarben es daher für 90 Taler von der Erbin. Sie ebneten es ein und nutzten es als Straßenfläche. Es ist der einzige bekannte Fall in Magdeburg, dass eine Straßenverbreiterung von privater Seite durchgeführt wurde. | ||
| 1 | In den Jahren 1640 und 1651 war der Schuster Hans Hoffmann Eigentümer, wobei das Grundstück auch noch 1651 als wüst geführt wurde. Hoffmann erwarb 1652 die Nummer 2 hinzu und errichtete auf beiden Grundstücken ein Haus. Die so vereinte Nummer 1/2 wurde von seinen Erben 1685 an den Hutmacher Joachim Verse veräußert. Nach einem Brand teilte Verse das Grundstück wieder und veräußerte die Nummer 1 für 280 Taler 1694 an den Schuhmacher Jakob Krause. Er blieb bis 1739 Eigentümer. | ||
| 2 | 1631 gehörte das Haus Heinrich Schlüter. Die Stätte wurde 1652 vom Schneider Mathias Schlüter an den Schuster Hans Hoffmann, dem auch die benachbarte Nummer 1 gehörte (siehe dort), verkauft. Nach einem Brand wurden die Grundstücke 1694 wieder geteilt, wobei der Hutmacher Joachim Verse die Nummer 2 behielt. Er war auch noch 1712 Eigentümer. 1715 und 1717 gehörte es dem Hutmacher Gottfried Verse. Schon in den 1910er Jahren,[2] aber auch noch Ende der 1930er Jahre gehörte das Haus dem Gastwirt Fritz Mettig, der hier die Gastwirtschaft § 11 betrieb.[3] | ||
| 3 | Zum Schwibbogen | Das Gebäude lag an der Ecke zum Schwibbogen und lag unterhalb des Schwibbogens, der der angrenzenden Straße den Namen gab. Eigentümer war 1631 Moritz Voß, der die Stätte 1668 an die Witwe des Chirurgen Christian Zeihe veräußerte. Von ihr erwarb der Schuster Jakob Bode das Grundstück für 30 Taler. Er bebaute die Fläche neu und wurde zuletzt 1708 als Eigentümer erwähnt. Seiner Witwe gehört 1712 das Gebäude. 1717 verkauften seine Erben es für 610 Taler an den Schustergesellen Johann Konrad Bode, der es noch im gleichen Jahr zum selben Preis an den Barbier Desiré Roussin weiter veräußerte. Noch bis 1747 gehörte das Haus zur Französischen Kolonie. In diesem Jahr erwarb es für 411 Taler Christian Heinrich Jordan. Von seiner Witwe erwarb es 1753 Christian Ferß für 840 Taler, der es 1800 für 500 Taler an den Pfälzer Kaufmann Christian August Traugott Fritzsche verkaufte. Fritzsche veräußerte es 1801 für 500 Taler an den Hutmacher Gabriel Fehrs, der es 1806 an den Hutmacher Christoph Schnäbel veräußerte. 1904 wurde der Schwibbogen im Rahmen des Umbaus des Gebäudes der Industrie- und Handelskammer abgerissen und ein neues Haus errichtet. Am Gebäude wurde ein Bild des Schwibbogens angebracht. Seit dem trug das Haus den Namen Zum Schwibbogen. Über dem Bild befand sich die Inschrift Schwibbogen erbaut 1838, abgebrochen 1904. Der Kaufmann Karl Franz Könnecke erwarb das Haus im Jahr 1931. Er brachte am Gebäude die farbigen Stadtwappen von 1638 und 1674 sowie sein Familienwappen an. Als Eigentümer folgte auf ihn der Kaufmann Max Eckstein, dem es bis zur Zerstörung 1944/1945 gehörte. Er betrieb in der nahegelegenen Königshofstraße 5 ein Leihhaus.[4] | |
| 4 bis 6 | Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts befanden sich auf der Nordseite der Schuhgasse drei Häuser. Sie wurden vom Eigentümer des Gebäudes Schwibbogen 7 erworben und mit dessen Grundstück vereinigt. Siehe Schwibbogen 7d bis 7f. |
Literatur
- Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 400 f.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 400
- ↑ Magdeburger Adreßbuch 1914, II. Teil, Seite 141
- ↑ Magdeburger Adreßbuch für das Jahr 1939, II. Teil, Seite 170
- ↑ Günter Hammerschmidt, Häuser mit Hauszeichen in der ehemaligen Altstadt von Magdeburg, Magdeburg 2004, Seite 201
Koordinaten: 52° 7′ 53,8″ N, 11° 38′ 14,3″ O