Schrabben Hof

Der Schrabben Hof ist ein Gebäudeensemble in Silberg in der Gemeinde Kirchhundem in Nordrhein-Westfalen. Es steht seit 2002 teilweise unter Denkmalschutz. Die Gesamtanlage entwickelte sich seit der Jahrtausendwende zu einem ehrenamtlich betriebenen Kulturstandort mit einem breiten Angebot. Am Anfang stand ein Heimatmuseum. Der Komplex firmiert unter der Bezeichnung Kulturgut Schrabben Hof. Dieser wurde 2023 mit einem Sonderpreis des Engagementpreis NRW ausgezeichnet.[1]

Geschichte

Die Geschichte der Hofstelle reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück.[1] Der Hausname Schrabbe ist seit dem 15. Jahrhundert belegt. Der Hof war ursprünglich Eigentum der Pfarrei Helden. Lange war er ein Pachtgut der Vögte von Elspe. Nachgewiesen ist dies seit dem 17. Jahrhundert.[2] Im 19. Jahrhundert ging der Hof in den Besitz der Familie Hannes über, der ihn schon vorher bewirtschaftet hatte. Diese starb 2000 aus. Der Besitz fiel der Gemeinde zu. Diese überließ das Haupthaus dem örtlichen Bobby-Car-Club, der über Jahre im Ort ein überörtlich beachtetes Bobby-Car-Rennen veranstaltete. Er sollte die Sanierung und Nachnutzung des Haupthauses organisieren. Mittlerweile ist der Verein MuT Sauerland (Musik und Tanz Sauerland) Hauptträger des Gesamtkomplexes.[1]

Beschreibung

Die Anlage besteht heute aus dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus dem Jahr 1916, einer Scheune und einem Speicher mit Backhaus (Backes) aus dem 18. Jahrhundert.[2][3] Denkmalschutz besteht für das Wohnhaus und das Backhaus. Dabei ist der Denkmalwert des Backes deutlich höher als der des jüngeren Wohnhauses. Hinzu kommt ein Speicher, der nicht unter Denkmalschutz steht.

Backhaus

Die überörtliche Bedeutung des Backhauses ergibt sich daraus, das ähnliche Nebengebäude nur selten erhalten sind. Ursprünglich war das Backhaus ein Speicher, in den nachträglich ein Backofen eingebaut wurde. Seit dem frühen 19. Jahrhundert diente es wahrscheinlich zeitweise zu Wohnzwecken. Es handelt sich um ein einstöckiges Fachwerkgebäude auf einem starken Bruchsteinsockel. Die nördliche Giebelwand ist verbrettert. Der Bruchsteinbereich, der einen Kellerraum enthält, ist in einen Hang gebaut. Die ursprüngliche Funktion des Kellers mit Tonnengewölbe ist unklar, wahrscheinlich war er Lagerraum. Im eigentlichen Fachwerkteil gab es im Inneren drei Räume. Zwei davon sind durch eigene Türen von außen zugänglich. Der Backofen wurde im hinteren Teil an der Hangseite eingebaut. Dafür wurde ein Teil der Fachwerkwand durch eine Wand aus Bruchstein ersetzt. Unter dem Dach existiert noch ein Bodenraum. Das Lehmflechtwerk des Gefache ist weitgehend erhalten. Ein Raum im Inneren war verputzt und weiß gekalkt. Die unter der letzten Kalkschicht erkennbare Schwärzung der Wand deuten in einem der Räume auf eine Nutzung als Räucherkammer hin.[3]

Ein im Jahr 2000 gegründeter Heimat- und Backesverein mit etwa 60 Mitgliedern übernahm anfänglich die Erhaltung und weitere Nutzung der Gesamtanlage. Das Backhaus war im Dezember 2001 Denkmal des Monats des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Der Backofen wurde instandgesetzt und ist wieder funktionsfähig. In der Folge wurde ein Konzept zur Restaurierung erarbeitet. Als Nutzung war Brotbacken im alten Ofen, Platz für kleine Gruppen und die Umgestaltung des Kellers als kleiner Ausstellungsraum. Die Restaurierungsmaßnahmen beschränkten sich auf den zum Erhalt nötige und kleinere Reparaturen. Am Gesamteindruck wurde nichts verändert. Die Sanierung begann 2003.[3]

Gefördert wurde die Restaurierung durch Mittel der NRW-Stiftung. Ein Großteil der Arbeiten erfolgte in Eigenleistung. Seitdem wurde mehrmals im Jahr dort Brot und Streuselkuchen gebacken.[2] Der Backes befand sich lange in einem anderen Besitz als das Haupthaus. Mit Fördermitteln der NRW-Stiftung konnte das Gebäude 2021 erworben werden.[4]

Entwicklung zu einem Kultur- und Veranstaltungsort

Im Haupthaus betrieb anfänglich der Bobby-Car-Club ein Heimatmuseum. Dieses existiert auch weiterhin in anderer Trägerschaft. Das Museum zeigt vor allem Ausstellungsstücke zur Landwirtschaft und zur Bergbaugeschichte. Das Heimatmuseum im Haupthaus umfasst eine Fläche von etwa 250 m². Ausgestellt werden Alltagsgegenstände und Informationen über den Bergbau in der Gegend. Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Auch widmet sich die Ausstellung den lokalen Naturschutzgebieten. Daneben werden Fossilien und Mineralien gezeigt. Die Ausstellung geht auf eine private Sammlung zurück, die Archivalien, Modelle, Karten, Fotografien, Werkzeuge und Alltagsgegenstände umfasst. Sie stammen aus den Bereichen Bergbau, Land- und Forstwirtschaft, häusliches Leben und Handwerk. Dazu gehören weitere Sammlungsstücke zur politischen Geschichte und dem Vereinsleben des Ortes.[5]

Neben dem Bobby-Car-Club begann sich auf dem Gelände der Verein MuT-Sauerland zu engagieren. Die Gesamtanlage wurde 2023 von diesem übernommen. Im selben Jahr erhielt der Hof einen Sonderpreis des Engagementpreis NRW.[1] Seit 2024 existiert eine Cultivarium genannte Freilandwerkstatt des Heimatmuseums. Hinzu kommt ein Kräutergarten. Der Kellerraum des Backes wurde zu einem Arbeitsraum umgestaltet. In dem Zusammenhang wurden die Gebäude mit QR-Codes mit weiterführenden Informationen versehen. Auch hierbei wurde viel Eigenarbeit investiert. Von verschiedenen Stiftungen wurde das Vorhaben finanziell unterstützt. Das Gelände dient auch als Veranstaltungsort für den örtlichen Kultursommer. Das Kultur- und Veranstaltungsangebot zieht regelmäßig tausende von Interessierten an. Mittlerweile existieren neben dem Museum, dem Backhaus und dem Freilandwerkstatt ein Cafe, ein Biergarten, eine Tenne für Feiern und eine Trödel- und Theaterscheune. Auch ein Kinder- und Jugendtreff existiert.[6]

Literatur

  • Andrea Pufke: Zur Instandsetzung des „Backes“ in Kirchhundem-Silberg. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe. Nr. 1.04. Münster 2004, S. 34 (lwl.org [PDF; abgerufen am 23. November 2025]).

Einzelnachweise

  1. a b c d Kulturgut Schrabben in Kirchhundem. NRW-Stiftung, abgerufen am 23. November 2025.
  2. a b c Das "Backeshaus". In: Sauerland Kurier. 5. Juni 2012, abgerufen am 23. November 2025.
  3. a b c Andrea Pufke: Zur Instandsetzung des „Backes“ in Kirchhundem-Silberg. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe. Nr. 1.04. Münster 2004, S. 34 (lwl.org [PDF; abgerufen am 23. November 2025]).
  4. Volker Eberts: Kirchhundem: 135.000 Euro für Silberger Backes. In: Westfalenpost. 16. Juli 2021, abgerufen am 23. November 2025.
  5. Kulturgut Schrabben Hof – Gemeinde-Heimatmuseum Kirchhundem. Museumslandschaft Kreis Olpe, abgerufen am 23. November 2025.
  6. Jana Becker: Der Schrabben Hof in Silberg eröffnet neues Herzstück – Aus Alt mach Neu. In: LokalPlus. 5. Juli 2024, abgerufen am 23. November 2025.

Koordinaten: 51° 1′ 54,5″ N, 8° 2′ 14,9″ O