Schneeballblättrige Blasenspiere
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Schneeballblättrige Blasenspiere | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Physocarpus opulifolius | ||||||||||||
| (L.) Maxim. |
Die Schneeballblättrige Blasenspiere (Physocarpus opulifolius (L.) Maxim., Syn.: Spiraea opulifolia L.) oder Fasanenspiere ist ein ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika stammender Strauch. Er wird daher auch Virginische Blasenspiere genannt und ist in Europa gelegentlich als Zierstrauch anzutreffen. Weitere Trivialnamen sind Schneeball-Blasenspiere, Schneeball-Spierstrauch, Blasenspiere, auch Knackbusch.
Beschreibung
Die Fasanenspiere ist ein laubabwerfender, bis 3 m hoher, aufrechter Strauch. Die dünne, papierige, bräunliche bis gräuliche und rissige Borke schält sich, blättert in Fetzen im Alter ab.
Seine wechselständigen, gestielten, einfach bis doppelt gesägten bis gekerbten, meist kahlen Laubblätter sind meist eiförmig bis rundlich, seltener verkehrt-eiförmig und meist drei- bis fünflappig, seltener ungelappt. Die Basis ist abgerundet bis gestutzt oder spitz, manchmal leicht herzförmig und die Spitzen sind meist spitz bis stumpf.
Die weißen bis leicht rosaroten Blüten stehen in endständigen, halb- bis fastkugeligen, vielblütigen Schirmtrauben mit bis zu 5 cm Durchmesser. Die zwittrigen, fünfzähligen Blüten mit doppelter Blütenhülle sind schlank gestielt. Die behaarten bis kahlen, stachelspitzigen Kelchblätter am becherförmigen Blütenbecher sind dreieckig. Die ausladenden, kurz genagelten, rundlichen Blütenkronblätter sind bis 5 mm lang. Es sind bis zu 30 vorstehende Staubblätter vorhanden. Die Blüte besitzt bis zu fünf mittelständige, kurz gestielte und knapp verwachsene Fruchtblätter. Die Griffel sind relativ kurz mit kleiner, kopfiger Narbe. Es ist ein Diskus vorhanden.
Die Früchte sind bis zu fünf, auf einer Blüte befindliche, erst rötliche und später braune, eiförmige und aufgeblasene, bis 1 Zentimeter lange bis viersamige, geschnäbelte Bälgchen, die zusammen mit dem beständigen Kelch eine Sammelbalgfrucht bilden. Die ei- bis birnenförmigen, beigen, glatten, glänzenden und harten Samen sind bis 2 Millimeter lang.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[1]
Verbreitung
Die Fasanenspiere ist im östlichen Nordamerika beheimatet und kommt insbesondere in Auwäldern, an Waldrändern, Uferböschungen und Felshängen vor. Sie gedeiht dort in Gesellschaften der Salici-Spiraeetea douglasii.[1] In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gilt sie weitgehend als ungefährdet, im US-Bundesstaat Georgia als gefährdet.[2]
Sie ist in Mitteleuropa gelegentlich als Zier- und Heckenpflanze in Gärten zu finden und vereinzelt auch als Gartenflüchtling in Bruch- und Auwäldern anzutreffen.
Sorten
Jahrzehntelang galt die Fasanenspiere insbesondere in ihrer nordamerikanischen Heimat als ein eher unscheinbarer und „langweiliger“ Strauch. Daran konnte auch das Aufkommen der ersten gelblaubigen Sorte 'Luteus', die seit den 1930er-Jahren kultiviert wird, wenig ändern. Schlagartig kamen aber international rege Zuchtanstrengungen in Fahrt, nachdem im Februar 2000 einer Sorte mit mahagonibraunen bis metallisch dunkelroten Blättern ein US-amerikanischer Patentschutz erteilt worden war. Es handelte sich dabei um eine schon 1968 in einer deutschen Baumschule auf einem Feld mit 120.000 Sämlingen entdeckte Pflanze, die dann unter dem Namen 'Diabolo' vermarktet wurde.[3]
Von der Fasanenspiere werden heute zahlreiche Zuchtsorten angeboten, wobei die Züchtungsbemühungen insbesondere auf Habitus (kleinere Wuchsformen für kleine Gärten) sowie spektakuläre und sich mit den Jahreszeiten verändernde Laubfarben (burgunderrote, violette, gelbe, rote, orangefarbene und kupferfarbene Blätter) abzielen. Einige Sorten zeichnen sich auch durch teilweise pinkfarbene Blütenstände oder besonders hohe Resistenz gegen Echten Mehltau aus.
Aktuell (Stand Nov. 2025) sind sechs Sorten wegen ihres herausragenden dekorativen Wertes und ihrer Robustheit mit dem Award of Garden Merit der britischen Royal Horticultural Society ausgezeichnet worden[4]: 'Amber Jubilee' ('Jefam'), 'Angel Gold' ('Minange'), 'Burning Embers', 'Dart’s Gold', 'Lady in Red' ('Tuilad') und 'Midnight' ('Jonight').
Das Sortenspektrum stellt sich auf dem nordamerikanischen Markt[5] ähnlich dar wie auf dem mitteleuropäischen[6], wobei die Markteinführung neuer Sorten in der Regel zuerst auf dem Heimatmarkt des jeweiligen Zuchtbetriebs und erst mit einiger Verzögerung in anderen Ländern erfolgt. Die ungebrochene Dynamik bei Züchtung und Evaluation von Fasanenspieren-Sorten zeigt sich auch in aktuell (Stand Nov. 2025) 18 erteilten US-amerikanischen Patenten[7] und einer 2019 gestarteten großen Evaluationsstudie im Botanischen Garten Chicago mit 26 verschiedenen Sorten.[8]
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'Angel Gold'
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'Diabolo'
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'Diabolo'
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'Lady in Red'
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'Summer Wine'
Gärtnerische Eigenschaften und Verwendungen
Die Fasanenspiere wächst auf verschiedenen Böden, darunter sandigen, lehmigen, tonigen und auch steinigen Böden. Bevorzugt werden humose, nährstoffreiche und möglichst durchlässige Böden mit pH-Werten von 4,5–6,5. Salzhaltige Böden werden nicht, kalkhaltige Böden nur eingeschränkt vertragen.[9] In vielen Quellen wird sie als empfindlich gegen Staunässe beschrieben, laut anderen Quellen verträgt sie dagegen gelegentliche und nicht zu lang andauernde Überschwemmungen[5] oder ist sogar zur Bepflanzung von Retentionsflächen gelistet.[10]
Die Fasanenspiere bevorzugt sonnige Standorte, verträgt aber auch Halbschatten. Als Winterhärte wird üblicherweise die USDA-Klimazone 3 (bis −40 °C), in einigen Quellen sogar Zone 2 (bis −45 °C) angegeben.[5] Sie ist (im gut etablierten Zustand) widerstandsfähig gegen Trockenheit, Hitze, starke Sonneneinstrahlung und Wind. Sie gilt außerdem als stadtklimafest.
Die Fasanenspiere ist insgesamt sehr schnitttolerant und treibt auch nach radikalem Rückschnitt bis hin zum „Auf den Stock setzen“ wieder aus. Sie kann mit Verjüngungs- oder Formschnitt als Solitärstrauch, Natur- oder Schnitthecke gezogen werden. Da sie ihre Blüten am älteren Holz entwickelt, sollte ein Erziehungsschnitt vorzugsweise zeitnah nach dem Verblühen erfolgen.[8]
Die Art gilt als pflegeleicht und sehr robust gegenüber Schädlingen und Pflanzenkrankheiten. Wie bei anderen Rosengewächsen ist aber ein Befall durch Echten Mehltau oder Blattläuse nicht gänzlich auszuschließen und deutet meist auf problematische Standortbedingungen hin.
Die Art gilt damit als insgesamt sehr robust, anspruchslos, pflegeleicht und klimawandeltolerant. Die Wildform wird vorrangig als Straßenbegleitgrün und in pflegeextensiven öffentlichen Grünanlagen eingesetzt. Insbesondere in Nordamerika kommt sie auch als Erosionsschutz-Gehölz zur Böschungs- und Uferstabilisierung sowie als Windschutzgehölz zum Einsatz, wobei gleichzeitig ihre Eigenschaften als Nähr- und Schutzgehölz für Insekten, Vögel und Kleinsäuger zum Tragen kommen. Die Fasanenspiere wird als ungiftig beschrieben[9] und kann daher auch bedenkenlos in Randbepflanzungen von Viehweiden o. ä. verwendet werden. Die buntlaubigen Zuchtsorten werden in Gärten, Parks und anderen intensiv gärtnerisch betreuten Anlagen als attraktive Zierpflanzen eingesetzt, die kleinwüchsigeren Zuchtsorten zunehmend auch in kleinen privaten Gärten und Vorgärten.
Ökologischer Wert
Die Fasanenspiere ist eine Pflanze mit einfachen und auch für kleine oder kurzrüsselige Insekten leicht zugänglichen Blüten, die mäßig Pollen und mäßig Nektar bieten.[11] Die phänologischen Angaben in botanischen Werken oder kommerziellen Pflanzensteckbriefen zum Blühzeitraum sind heute in der Regel durch den fortschreitenden Klimawandel veraltet und weichen inzwischen teilweise um mehrere Wochen von der durchschnittlichen Realität ab. Sie sind ohnehin stark abhängig von Naturform/Sorte, geografischen und klimatischen Bedingungen des jeweiligen Standortes sowie vom aktuellen Witterungsverlauf. Im Citizen-Science-Projekt Pl@ntNet werden kontinuierlich phänologische Daten von mehreren hundert Fasanenspieren-Exemplaren weltweit erhoben und – auch nach Erfassungsjahren filterbar – visualisiert.[12]
In vielen kommerziellen und nicht-kommerziellen Beschreibungen wird die Fasanenspiere als eine bei Insekten sehr beliebte Pflanze (z. B.[5]) beschrieben, von der neben einigen Schmetterlings-, Schwebfliegen- und Käferarten insbesondere Hummeln und rund dreißig Wildbienenarten profitieren.[13] Ein solches Besucherspektrum wurde auch beobachtet bei einer Studie der Universität Connecticut, bei der der Insektenbesuch an sechs in Nordamerika heimischen Wildstraucharten mit einigen ihrer Zuchtsorten verglichen wurde. Die Studie kam bei der Fasanenspiere zu dem Ergebnis, dass ihre Wildform von vielen Insektenfamilien geringfügig bis merklich besser besucht wurde als ihre Zuchtsorte 'Diabolo' ('monlo'); ein gegenteiliger Effekt wurde bei der Frequentierung durch Schwebfliegen festgestellt. Die Studie kam zu dem Resümee, dass der ökologische Wert von Zuchtsorten im Vergleich zu ihren Wildarten nicht grundsätzlich schlechter oder besser sein muss, sondern im Einzelfall betrachtet werden muss.[14]
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Pinselkäfer
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Über das Besucherspektrum von Bestäuber-Insekten hinaus stellen sich auch diverse Tierarten der daran anschließenden Nahrungskette ein, z. B. insektenjagende Wespen- und verschiedene Spinnenarten. Die Samen werden von verschiedenen Singvogel-Arten gefressen und sind sehr begehrt bei Fasanen, was der Art zu einem ihrer gebräuchlichsten Trivialnamen verholfen hat. Die Art gilt in Deutschland als unbeständig und synanthrop, Anzeichen von Invasivität sind nicht bekannt.[15]
Literatur
- Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. IV. Band, 2. Hälfte, Lehmanns, 1923, S. 680 ff.
- Eckehart J. Jäger, Klaus Werner: Rothmaler – Exkursionsflora von Deutschland. Band 4: Kritischer Band. Verlag Elsevier, München.
- Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Gartenflora. Band 1: Gehölze. Verlag Eugen Ulmer.
- Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2019, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 455.
Weblinks
- Physocarpus opulifolius in der FNA, Vol. 9.
- Schneeballblättrige Blasenspiere. auf FloraWeb.de
- Physocarpus opulifolius (L.) Maxim. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 4. November 2015.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Schneeballblättrige Blasenspiere bei Baumkunde.
Einzelnachweise
- ↑ a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 500.
- ↑ Physocarpus opulifolius – Eastern Ninebark. NatureServe, 1. November 2025, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
- ↑ Physocarpus opulifolius CV 'monlo'. Justia Inc. Mountain View, California, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
- ↑ AGM Plants December 2024. (PDF; 974 kB) Royal Horticultural Society, Dezember 2024, abgerufen am 6. November 2025.
- ↑ a b c d Physocarpus opulifolius. In: North Carolina Plant Toolbox. North Carolina State University, abgerufen am 5. November 2025 (englisch).
- ↑ Physocarpus opulifolius // Virginische Blasenspiere. In: galasearch - Die Pflanzendatenbank der Gartenarchitektur. galasearch GbR, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Search Patents. Justia Inc. Mountain View, California, abgerufen am 6. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Richard Hawke: Ninebark – A Durable Shrub for Everyone. (PDF; 2,8 MB) Chicago Botanic Garden, 21. September 2023, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Physocarpus opulifolius (L.) Maxim., orth. cons. USDA Natural Resources Conservation Service, abgerufen am 5. November 2025 (englisch).
- ↑ Species: Physocarpus opulifolius. In: Woody Plants Database. Cornell University, abgerufen am 7. November 2025 (englisch).
- ↑ Thomas Lamp: Bienennährpflanzen 1: Gehölze. November 1999, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Physocarpus opulifolius (L.) Maxim. Pl@ntNet, abgerufen am 8. November 2025.
- ↑ Schneeballblättrige Blasenspiere. In: NaturaDB. Maseto GmbH, abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Jacob G. Ricker, Jessica D. Lubell, Mark H. Brand: Comparing Insect Pollinator Visitation for Six Native Shrub Species and Their Cultivars. In: American Society for Horticultural Science (Hrsg.): HortScience. Band 54, Nr. 11, 1. November 2019, doi:10.21273/HORTSCI14375-19 (englisch).
- ↑ Steckbriefe zu den Gefäßpflanzen Bayerns: Physocarpus opulifolius (L.) Maxim. In: Botanischer Informationsknoten Bayern. Botanische Staatssammlung München, abgerufen am 9. November 2025.