Schmalspurbahn Stende–Ventspils

Stende–Ventspils
Wasserfassen auf der Lielirbe-Brücke, um 1930
Ursprünglicher Streckenverlauf mit Kilometrierung, 1925


Neubaustrecke auf Eisenbahn-Karte von Kurland, 1939

Streckenverlauf, 1954[1][2][Anm. 1][Anm. 2]
Spurweite:600 mm (Schmalspur)
Streckengeschwindigkeit:20 km/h
0 Ventspils
über Stende nach Tukums (1520 mm)
Mežustacija
16,7 Jaunspe
23,8 Oviši
33,9 Lūžņa
Miķeļtornis
42,1 Lielirbe
56,4 Sīkrags
63,5 Mazirbe
nach Pritrags
73,4 Šlītere
80,5 Kurči
4,7 Mauri
10,4 Ogsils
17,1 Pope
21,4 Rinda
21,4 Virpe
33,9 Nora
37,0 Lonaste
46,1 Pace
48[3]
88,6 Dundaga
Plintiņi
+26,3 Roja[Anm. 2]
Rudki
+15,3 Luba
+7,6 Arlava (auch Popvāle)
106,4 Cīruļi
113,7 Indiņi
+46 Mesrags[Anm. 2]
+42 Kipali
+34 Engure
nach Cukurini
+29 Jadeksi
+24 Plava
+19 Okte
+14 Kreplini
+9 Sarcene
120,8 Valdgale
124,4 Talsi
131,9 Stenaies muiza
nach Ventspils (1520 mm)
137 Stende
über Tukums nach Riga (1520 mm)

Die Schmalspurbahn Stende–Ventspils (lettisch Stendes—Ventspils lauku dzelzceļi oder Ziemeļkurzemes šaursliežu dzelzceļu) war von 1916 bis 1968 die Hauptstrecke eines mit Zweigstrecken bis 280 km langen Schmalspurbahn-Netzwerks mit einer Spurweite von 600 mm. Sie führte in Lettland von Stende über Valdgale in einem Bogen nach Ventspils.[4]

Geschichte

Die Schmalspurbahn wurde zu Beginn des Ersten Weltkriegs vom kaiserlich deutschen Oberbefehlshaber Ost für die Versorgung und den Transport der zur Verteidigung der Ostseeküste stationierten Truppen sowie für den Transport von Holz gebaut. Es wurden Brigadelokomotiven verwendet, die zwischen 1915 und 1919 in Deutschland hergestellt wurden. Die Züge fuhren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h und wurden mit einer Handbremse gebremst. In den Sumpfgebieten wurden anstelle von Aufschüttungen bis zu 1 km lange und 15 m hohe Holzbrücken gebaut, um umfangreiche Erdarbeiten zu vermeiden, die sich jedoch bei intensivem Betrieb als vergleichsweise unsicher erwiesen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ließ die deutsche Armee die Schienen und Schienenfahrzeuge zurück, und schraubte lediglich die Bronzeteile der Armaturen und der Stephenson-Steuerungen zur Dampfregelung ab. Der Eisenbahnverkehr wurde bereits im November 1919 sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr wieder aufgenommen. Ende der 1930er Jahre wurde die Eisenbahnlinie grundlegend umgebaut, um die Tragfähigkeit der Züge zu erhöhen: Kurven wurden begradigt, an feuchteren Stellen wurden Aufschüttungen angelegt und Durchlässe eingebaut. Die Streckenführung am Ovišu-Berg, dem Balto-Berg bei Lielirbe und der Stiebru-Berg bei Šlītere wurde eingeebnet. Dadurch sank die Zahl der Unfälle auf der Eisenbahnstrecke.

Durch den Bau der Eisenbahnlinie veränderte sich das Alltagsleben in den Fischerdörfern an der Küste erheblich. Aufgrund der großen Nachfrage nach Holz beschäftigten sich viele Fischer nebenberuflich mit der Holzgewinnung. Um den Holzbedarf zu decken, waren entlang der gesamten Strecke Holzstämme aufgestapelt.

Um die durch die Wirtschaftskrise verursachte Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, beschloss die lettische Regierung im Herbst 1932 den Bau einer 48 km langen Neubaustrecke von Ventspils über Pope nach Dundaga. Der Bau der Eisenbahnstrecke begann im September 1932 und beschäftigte etwa 600 Arbeitslose aus Ventspils. In den Wintermonaten fanden umfangreiche Forstarbeiten statt, bei denen zusätzlich etwa 750 Arbeitslose Arbeit fanden. Es wurden 40 Brücken gebaut, von denen 5 mit Eisenkonstruktionen die Flüsse Rinda, Stende, Lonaste und Pāce überquerten. Der Bau der Eisenbahnlinie wurde im März 1934 abgeschlossen.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Eisenbahn von der sowjetischen Armee genutzt, um Küstenschutzanlagen in Lūžņas, Olmaņi, Lielirbe und Zvaigznīte zu bauen. Da die Straßen in schlechtem Zustand waren, wurde die Eisenbahn auch für den Personenverkehr genutzt. Nach dem Bau der Straße von Ventspils nach Kolka verlor die Eisenbahnlinie zunehmend an Bedeutung. 1961 wurde der Personenverkehr eingestellt und 1968 auch der Güterverkehr.[4]

Im Jahr 2010 wurde im Freilichtmuseum Ventspils Piejūras ein Abschnitt der Schmalspurbahnstrecke wiederhergestellt.

Anmerkungen

  1. Zum Streckenverlauf siehe auch OpenRailWay.
  2. a b c Zur Kilometrierung siehe auch Fahrplan Nr 32: Stende–Valdgale–Mazirbe–Ventspils., Fahrplan Nr 33: Stende–Valdgale–Mesrags. und Fahrplan Nr 34: Stende–Valdgale–Roja.

Einzelnachweise

  1. U.S. Army Map Service: Ventspils (NO 34-8, Series N501), 1954.
  2. U.S. Army Map Service: Talsi (NO 34-9, Series N501), 1954.
  3. Ventspils–Popes–Dundagas līnijas atklāšana.
  4. a b Ziemeļkurzemes šaursliežu dzelzceļš, 1916-1963.
  5. Ventspils – Popes – Dundagas dzelzceļš atklāts (1934)

Koordinaten: 57° 23′ 11,5″ N, 21° 32′ 5,3″ O