Schmalspurbahn Bärn-Andersdorf–Hof
| Bärn-Andersdorf–Hof in Mähren (Beroun-Ondrášov–Dvorce) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer: | 3002 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 11,484 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 760 mm (Bosnische Spur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 26,95 ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 75 m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckengeschwindigkeit: | 30 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Schmalspurbahn Bärn-Andersdorf–Hof war eine Schmalspurbahn in Mähren (Tschechien), die ursprünglich als Lokalbahn durch den österreichischen Staat erbaut und betrieben wurde. Sie zweigte in Bärn (Moravský Beroun) von der Bahnstrecke Olomouc–Opava východ ab und führte im Niederen Gesenke nach Hof in Mähren (Dvorce u Bruntálu). Die 1898 eröffnete Strecke wurde 1933 stillgelegt.
Geschichte
Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Olmütz–Jägerndorf–Troppau der Mährisch-Schlesischen Centralbahn (MSCB) im Jahre 1872, deren Trasse durch das Feistritztal führte, ergaben sich für die etwa zehn Kilometer östlich gelegene Kleinstadt Hof in Mähren wirtschaftliche Standortnachteile. Aber auch die abseitige Lage des Bahnhofs Bärn-Andersdorf war alles andere als optimal, während die Normalspurbahn durch das Feistritztal geführt wurde, lag Bärn mit seiner zahlreichen Textilindustrie am Stollenbach in einem kleinen Seitental.
Nach langen Verhandlungen erklärte sich der österreichische Staat schließlich zum Bau einer schmalspurigen Lokalbahn nach Hof bereit. Mit finanzieller Unterstützung der Stadtgemeinde Hof begann im Frühjahr 1898 der Bau der Strecke.
Am 31. Dezember 1898 wurde die Strecke eröffnet. Den Betrieb führten die k.k. Staatsbahnen (kkStB) selbst aus. Es fuhren zunächst vier Zugpaare täglich. Die Verkehrsentwicklung blieb aber weit unter den Erwartungen, sodass ab 1900 täglich drei gemischte Zugpaare 3. Klasse, die für die elf Kilometer lange Strecke zwischen 45 und 50 Minuten benötigten, verkehrten.[1] Im Frühjahr 1913 wurden einige Brücken verstärkt, damit fortan schwerere Rollböcke verkehren konnten. Wegen des geringen Verkehrs war die Schmalspurbahn schon im Ersten Weltkrieg unwirtschaftlich.[2]
Nach Zerfall Österreich-Ungarns infolge des Ersten Weltkriegs ging die Strecke an die neu gegründeten Tschechoslowakische Staatsbahnen (ČSD) über. Die ČSD führten den Betrieb unverändert fort. Nun gab es Tschechisch/Deutsche-Bahnhofsnamen, während zuvor nur deutsche Stationsbezeichnungen verwendet wurden. Ein in den 1920er Jahren geforderter Lückenschluss zur Bahnstrecke Suchdol nad Odrou–Budišov nad Budišovkou kam nicht zustande.
1928 betrug der Fehrbetrag der Betriebskosten 200.000 Kronen, verursacht zum großen Teil durch Schneeräumung im Winter. Durch die wirtschaftliche Notlage infolge der Weltwirtschaftskrise sank die Auslastung der Strecke weiter und die Bahn wurde noch unrentabler. Eine 1930 eingerichtete, private Autobuslinie von Budišov nad Budišovkou über Stará Libavá und Moravský Beroun nach Ondrášov entzog der Bahn zusätzlich Fahrgäste. Ab dem 2. Oktober 1932 verkehrte darum nur noch ein gemischtes Zugpaar an Werktagen. Sonntags ruhte der Verkehr.
Der Stückgutverkehr wurde ab dem 7. August 1933 von Lastkraftwagen übernommen. Am 14. September 1933 wurde der Eisenbahnbetrieb endgültig eingestellt, die Gleise wurden 1937 abgebaut. Der Reiseverkehr ging auf die neu eingerichtete ČSD-Autobuslinie 2300 von Suchdol nad Odrou nach Ondrášov über.
Erneute Pläne im Zweiten Weltkrieg, die aufgegebene Trasse auf Regelspur umzubauen und mit der nahen Bahnstrecke Suchdol nad Odrou–Budišov nad Budišovkou zu verbinden, wurden nicht mehr realisiert. Auch der in den 1960er Jahren geplante Bau eines Anschlussgleises zum Kunststoffhersteller Granitol auf dem Gelände des Stadtbahnhofs Bärn kam nicht zur Ausführung.
Relikte der Strecke sind bis heute sichtbar. Vor allem die Brücke zwischen Ondrášov und Moravský Beroun und die Hochbauten der Stationen in Moravský Beroun, Čabová und Dvorce erinnern noch an die einstige Schmalspurbahn.
Streckenbeschreibung
Verlauf
Die Strecke querte kurz nach dem Bahnhof Bärn-Andersdorf (Ondrášov) die Feistritz und folgte zunächst dem Tal des Stollenbachs in nordöstlicher Richtung bergwärts. Nach den Stationen Bärn Stadt und Brockersdorf (Čabová) kreuzte man zweimal die Fernstraße Šternberk–Troppau und die Europäische Hauptwasserscheide. Vorbei an Reigersdorf (Rejchartice) folgte die Strecke nun den Lobniggrund bis Hof in Mähren.
Betriebsstellen
Bärn-Andersdorf
Der Bahnhof Bärn-Andersdorf liegt bereits auf der Flur von Andersdorf, heute ein Ortsteil von Moravský Beroun. Der Normalspurteil wurde für die Schmalspurbahn nur geringfügig erweitert, es entstand ein Überladegleis und eine Rollbockgrube. Zusätzliche Gebäude wurden nicht gebaut. Auch die Gleisanlagen der Schmalspurbahn, gelegen auf dem Bahnhofsvorplatz, waren einfach gehalten.
Bärn Stadt
Im dreigleisigen Bahnhof Bärn Stadt entstand neben dem Empfangsgebäude ein Frachtenmagazin samt Laderampe. Eine Ladestraße existierte an einem weiteren Stumpfgleis. Das Gelände des Bahnhofs ist heute teilweise durch die Fabrikanlage der Firma Granitol überbaut. Das Empfangsgebäude existiert noch innerhalb des Fabrikgeländes.[3]
Brokersdorf
Einfach gestaltet war der Haltepunkt Brokersdorf, hier errichtete man ein Wärterhaus mit angebauter Wartehalle. Das Gebäude ist noch erhalten.
Reigersdorf
Der Haltepunkt Reigersdorf war ebenfalls sehr spartanisch ausgestattet, ein Wärterhaus samt Wartehalle und ein kleiner Stall für den Wärter waren die einzigen Anlagen. Die Station lag schon auf der Flur von Hof, die namensgebende Ortschaft lag etwa zwei km südlich des Haltepunkts.
Hof in Mähren
Der Bahnhof Hof in Mähren lag am südwestlichen Stadtrand und besaß drei Gleise. Hier war ein Empfangsgebäude, ein Frachtenmagazin mit angebauter Rampe, ein zweiständiges Heizhaus samt Wasserturm sowie Lokbehandlungsanlagen errichtet worden. Ähnlich wie in Bärn Stadt war die Ladestraße an einem Stumpfgleis angeordnet.[4] Ein Stand des Heizhauses und das Empfangsgebäude, in den 1930er Jahren kurzzeitig als Schulgebäude genutzt, sind heute noch vorhanden.
Fahrzeugeinsatz
Die kkStB wollte zunächst Lokomotiven der Reihe Yv für die Strecke beschaffen. Allerdings wurden zwei fabrikneue Lokomotiven der Reihe U mit den Nummern U 12 und U 16 gekauft, die in Hof stationiert wurden. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Reservelokokomotive zur k.u.k. Heeresbahn abgegeben. Als Ersatz stationierten die kkStB eine Baulokomotive der Reihe A in Bärn, der später noch eine zweite folgte. Bei den kkStB trugen sie die Nummern A.001 und A.005. Probefahrten mit einem Dampftriebwagen der NÖLB waren erfolglos, die Leistung reichte nicht für die Mitnahme eines Wagens, damit hätte auch der Posttransport entfallen müssen. Nach der Übernahme der Strecke durch die ČSD wurde die U 12 im Jahr 1925 in U 37.002 umgezeichnet, die A.001 und A.005 erhielten die Nummern U 25.001 und U 25.005.
Die Lokomotiven U 25.001 und U 25.005 wurden nach der Stilllegung im Juli 1932 ausgemustert und verschrottet. Die Lokomotive U 37.002 wurde dagegen 1933 mit weiteren Fahrzeugen zur Strecke Röwerdorf–Hotzenplotz umgesetzt. Sie blieb nach zwischenzeitlichem Einsatz auf der Schmalspurbahn Ružomberok–Korytnica und der Pioniereisenbahn Prešov museal erhalten und ist heute betriebsfähige Museumslokomotive in Jindřichův Hradec.[5]
Literatur
- Johann Blieberger, Arthur Meyer, Josef Pospichal. Schmalspurig durch Alt-Österreich. bahnmedien.at. 2022. ISBN 978-3-903177-38-3
- Andreas W. Petrak, Joachim Piephans, Martin Junge, Hans-Jürgen Barteld: Nach Hof und Hotzenplotz! Schmalspurbahnen in Mährisch-Schlesien. edition bohemica, Goldkronach 2018, ISBN 978-3-940819-31-4.
- Radek Sedláček: Místní dráha – Ondrášov–Dvorce na Moravě (= Pohledy do dějin zrušených tratí. Band 3). Nymburk 1998.
Weblinks
- Die Schmalspurbahn Bärn-Andersdorf – Hof in Mähren in Preßkurier
- Beschreibung auf spz.logout.cz (tschechisch)
- Beschreibung auf vlaky.net (tschechisch)
Einzelnachweise
- ↑ Fahrpläne von 1921, 1925 und 1928
- ↑ Nach Hof und Hotzenplotz! Schmalspurbahnen in Mährisch-Schlesien. edition bohemica, Goldkronach 2018, S. 232.
- ↑ Nach Hof und Hotzenplotz! Schmalspurbahnen in Mährisch-Schlesien. edition bohemica, Goldkronach 2018, S. 221.
- ↑ Nach Hof und Hotzenplotz! Schmalspurbahnen in Mährisch-Schlesien. edition bohemica, Goldkronach 2018, S. 223 ff.
- ↑ Johann Blieberger, Josef Pospichal: Die kkStB-Triebfahrzeuge, Band 4: Die Reihen 83 bis 100, Schmalspur- und nicht mit Dampf betriebene Bauarten. bahnmedien.at, 2011, ISBN 978-3-9502648-8-3; S. 1211 ff.