Schmalschnabelvireo

Schmalschnabelvireo

Schmalschnabelvireo auf Fernando de Noronha, Brasilien

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Vireos (Vireonidae)
Gattung: Eigentliche Vireos (Vireo)
Art: Schmalschnabelvireo
Wissenschaftlicher Name
Vireo gracilirostris
Sharpe, 1890

Der Schmalschnabelvireo (Vireo gracilirostris) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]

Der Vogel ist endemisch auf Fernando de Noronha.

Die Art wurde als konspezifisch mit dem Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) angesehen und als Vireo olivaceus gracilirostris bezeichnet,[3] unterscheidet sich jedoch durch wesentlich mattere Färbung, durch längeren und schmaleren Schnabel, kürzere Handschwingen und eine bräunliche Iris.

Der Lebensraum umfasst baum- und buschbestandene Flächen, Gärten, auch Feigenbäume und Sekundärwald.[4]

Der Artzusatz kommt von lateinisch gracilis ‚schlank‘ und lateinisch rostrum, rustris ‚Schnabel‘.[5]

Merkmale

Die Art ist 14 cm groß und wiegt 11 bis 25 g. Kopfkappe und Oberseite sind schmutzig grauoliv, nach hinten zu mehr grünlich, ebenso am Bürzel und Schwanz. Die Zügel sind bräunlich, der Überaugenstreif gelbbraun. Die Hand- und Armschwingen haben grünliche Ränder an den Außenfahnen. Kehle und Unterseite sind matt gelblich bis weiß. Die Iris ist bräunlich, der Schnabel bräunlich bis hornfarben an der Spitze und der Oberseite, unten heller. Die Beine sind hell bläulich grau. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Jungvögel sind am Kopf, Rücken und den Flügeldecken rostbraun.

Der Vogel unterscheidet sich vom Rotaugenvireo (Vireo olivaceus) durch mattere Färbung, bräunliche Iris, einen erkennbar längeren und dünneren Schnabel, einen etwas längeren Schwanz und mehr gerundete Flügel mit kürzerer Handschwingenprojektion.[4][6]

Geografische Variation

Die Art ist monotypisch.[1][4][7][8]

Stimme

Die Lautäußerungen werden als melodisches „weet a weet, chewegoo, whit, whit“ beschrieben, der Ruf als „tschrrr“, der Alarmruf ist ein scharfes „skeeur“.[4]

Lebensweise

Die Art ist ein Standvogel. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten wie Käfern (Coleoptera), Hautflüglern (Hymenoptera), Heuschrecken (Orthoptera), Köcherfliegen (Trichoptera), aber auch aus kleinen Früchten, die von den oberen Wipfeln bis herab zum Boden gesucht werden. Die Art hängt gerne mit dem Kopf nach unten an kleinen Zweigen und pickt die Unterseite von Blättern ab. Mitunter wird Beute mit einem Fuß festgehalten um zerlegt zu werden.[6]

Die Brutzeit reicht wohl vom Mai oder Juni bis September oder Oktober. Das Nest wird an einer Astgabel in 2 bis 6 m Höhe befestigt. Das Gelege besteht aus 2 bis 5 Eiern.[4]

Gefährdungssituation

Der Bestand gilt als gefährdet (Vulnerable) aufgrund des äußerst kleinen Verbreitungsgebietes, Predation durch Schwarzweiße Tejus (Salvator merianae)[4] ist als mögliche Mitursache nicht gesichert.[9] Im Jahre 2016 galt der Bestand noch als potentiell gefährdet (Near Threatened).[10]

Literatur

  • R. B. Sharpe: Vireo gracilirostris. In: The Journal of the Linnean Society. Zoology, Band 20, S. 478, 1890, Biodiversity Library
Commons: Schmalschnabelvireo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Schmalschnabelvireo, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 7. Januar 2026.
  2. P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
  3. E. R. Blake, J.C. Greenway, T.R. Howell, G.H. Lowery, E. Mayr, B.L. Monroe, A.L. Rand und M.A. Traylor, Jr.: Check-list of birds of the world: a continuation of the work of James L. Peters, Band 14, S. 123, 1968, Biodiversity Library
  4. a b c d e f D. Brewer: Noronha Vireo (Vireo gracilirostris), version 1.0. In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Vireo gracilirostris
  5. J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
  6. a b Storrs L. Olson: The Endemic Vireo of Fernando de Noronha (Vireo gracilirostris). In: The Wilson Bulletin, Band 106, Nummer 1, S. 1–17, 1994, JSTOR
  7. IOC World Bird List Shrikes, vireos, shrike-babblers
  8. AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
  9. Vireo gracilirostris in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2024. Eingestellt von: BirdLife International, 2024. Abgerufen am 05. Oktober 2025.
  10. Vireo gracilirostris in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2016. Eingestellt von: BirdLife International, 2016. Abgerufen am 01. Oktober 2016.