Schmähgedicht

Das Wort Schmähgedicht wurde 2017 zusammen mit etwa 5000 weiteren Wörtern in den Duden aufgenommen. Es beschreibt ein Gedicht, das andere herabsetzt und verächtlicht macht.

Linguistik

Ein Schmähgedicht (IPA: [ˈʃmɛːɡəˌdɪçt]), Plural: Schmäh·ge·dich·te, beschreibt in der Literatur ein Gedicht, das bewusst verhöhnt, verletzt und verspottet. Das Wort ist ein Determinativkompositum aus dem Stamm des Verbs schmähen und dem Substantiv Gedicht. Antonyme hierzu sind Eloge und Lobgedicht.[1]

Geschichte

Klassische Historie

Belegt ist der Ausdruck bereits bei Goethe und Friedrich Rückert.[2]

Karl Ernst Georges unterteilte 1910 die Schmähgedichte in unterschiedliche Arten:[3]

  • carmen probrosum: Ein Gedicht, das Schimpf u. Schande bringt.
  • carmen famosum: Ein Gedicht, das üblen Ruf bringt.
  • carmen maledicens oder maledicum: Ein Gedicht in schmähenden Äußerungen.
  • carmen refertum contumeliis alcis: Ein mit schmachvollen Ausdrücken auf jemanden angefülltes Gedicht.

Neumoderne Geschichte

Aus neuzeitlicher Perspektive erlangte des Wortes Schmähgedicht im Jahr 2016 eine Renaissance durch den Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann. Dieser titulierte in seiner Show eine lyrische Dichtung mit dem Determinativkompositum von Gedicht und Schmähen (ursprünglich Schmähkritik). Gegenstand der schmähenden Verse war der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der daraufhin über seinen Anwalt eine Unterlassungsklage vor der deutschen Gerichtsbarkeit anstrengte, was eine internationale Kontroverse auslöste. Die wiedererlangte Bekanntheit des Wortes Schmähgedicht veranlasste den Duden, die Bezeichnung zusammen mit 5000 weiteren Wörtern in die 2017er Auflage seines Sammelwerks neu aufzunehmen.[4]

Einzelnachweise

  1. Schmähgedicht. In: Wiktionary.
  2. Frauke Rüdebusch: Zeit-Wort: Schmähen. In: Der Sprachdienst. Heft 3, 2016, S. 149–150.
  3. Karl Ernst Georges: Schmähgedicht. In: Kleines deutsch-lateinisches Handwörterbuch. 7. Auflage. Hahnsche Buchhandlung, Hannover / Leipzig 1910, Sp. 2047 (Digitalisat. zeno.org).
  4. „Fake News“, „Schmähgedicht“ und „Flüchtlingskrise“: Der Duden enthält 5.000 neue Wörter. In: meedia.de. Meedia, archiviert vom Original am 19. Oktober 2020; abgerufen am 30. September 2025.