Schloss Friedrichshof

Schloss Friedrichshof ist ein kaiserliches Schloss in Kronberg im Taunus. Seit 1954 beherbergt das Gebäude das Schlosshotel Kronberg.

Geschichte und Architektur

Schloss Friedrichshof wurde von 1889 bis 1893/1894 als Witwensitz für die ehemalige deutsche Kaiserwitwe Victoria, genannt Kaiserin Friedrich, errichtet, die es zu Ehren ihres verstorbenen Ehemanns Kaiser Friedrich III. „Friedrichshof“ nannte. Das Gebäude ist in einer eklektizistischen Mischung aus englischem Tudorstil und deutscher Neorenaissance erbaut.

Das repräsentative Bauwerk diente als Anregung für einige hochherrschaftliche Villen in Deutschland. Die in England übliche Aufteilung eines Schlosses bzw. Herrenhauses in Herrschaftsflügel und Wirtschaftsflügel und die räumliche Anordnung und Gestaltung einer „Englischen Halle“ ließen sich hier beispielhaft studieren.

Geschichte des Bauvorhabens

Die Kaiserin erwarb am 28. September 1888 das ca. 100 Morgen große Gelände einschließlich der erst 12 Jahre zuvor fertiggestellten Villa Schönbusch von den Erben des 1887 verstorbenen Frankfurter Bankiers, Teehändlers und Ehrenbürgers der Stadt Kronberg, Jacques Reiß, und erweiterte es durch einige Zukäufe. Sie finanzierte es großteils aus einem Vermächtnis von fünf Millionen französischen Francs, die ihr die bedeutende Genueser und Pariser Mäzenin Maria Brignole Sale De Ferrari, Herzogin von Galliera, 1888 hinterlassen hatte. Die Bauplanung übernahm der kaiserliche Hofarchitekt Ernst von Ihne in Berlin, der in dem von 1889 bis 1893 errichteten Witwensitz „Elemente der deutschen und italienischen Renaissance mit denen der englischen Tudor-Gotik sowie mit hessisch-fränkischem Fachwerk[1] verband. Zum Sammeln von Anregungen unternahm der in England aufgewachsene Ernst Ihne noch vor Beginn der eigentlichen Friedrichshof-Planungen diverse Studienreisen durch Deutschland und England (u. a. zum preußisch-hessischen Herrensitz Neu-Potsdam in Rauischholzhausen bei Marburg und zum königlichen Schloss Sandringham House in der englischen Grafschaft Norfolk).

Baustruktur, Nebengebäude

Die Kaiserwitwe ließ das Schloss bewusst nach dem Strukturprinzip englischer Herrensitze errichten. Somit erfolgte eine klare Trennung zwischen Herrschaftsflügel und Wirtschaftsflügel – mit unterschiedlicher Fassadengestaltung (schlichtere Architektur am Wirtschaftsflügel) und einer geringeren Bauhöhe des Wirtschaftstrakts gegenüber dem Herrschaftstrakt.

Auf alten Luftbildern kann man besonders deutlich erkennen, dass es sich bei dem Gesamtbauwerk um eine langgestreckte, asymmetrische Schlossanlage handelt, eine Mehrflügelanlage mit zwei- bzw. dreifacher Abwinklung. Dabei erinnert das Erscheinungsbild des Herrschaftsflügels deutlich an englische Schlösser bzw. an stattliche Herrensitze des späten Mittelalters. Die ankommenden Besucher sehen das Schloss von der Hofseite aus, d. h. von der Empfangsseite her, als Zweiflügelanlage mit weit gespreizten Hofwinkel und einem – zum Herrschaftstrakt gehörenden – Hauptturm am Übergangsbereich zum Wirtschaftstrakt.

Mit der bemerkenswerten Flügelspreizung von 135° stellt das historistische Schloss Friedrichshof eine ziemliche Seltenheit unter den Schlössern des deutschen Kaiserreichs dar. Lediglich am kleineren Schloss Wiligrad, das 1896–1898 im Auftrag von Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg – einem Freund von Kaiser Wilhelm II. (des Sohns der Kaiserin Victoria) – am Hochufer des Schweriner Sees in Westmecklenburg errichtet wurde, kann man – neben weiteren Anregungen – auch diese Flügelspreizung wiederfinden.

Die Fassaden des Herrschaftsflügels sind komplett in Haustein errichtet. Für die Fassaden des Wirtschaftstrakts wurde im Obergeschoss und an den Querhausgiebeln des Dachgeschosses ein Gemisch aus niedersächsischem und hessisch-fränkischem Fachwerk gewählt.

Betreten wird der Herrschaftsflügel über die eingeschossige, als Kommunikations- und Verteiler-Zentrum wirkende, prächtige „Englische Halle“, an die sich auf der linken Schmalseite ein langer Flur anschließt, der zu den weiteren Gesellschaftsräumen des Erdgeschosses führt. Auf der rechten Schmalseite (vom Hofeingang her gesehen) der Halle beginnt in seiner vollen Breite der offen angesetzte, repräsentative Treppenaufgang zu den früheren Privaträumen im Obergeschoss, die von der Kaiserinwitwe und ihren Gästen genutzt wurden. Historische Aufnahmen der „Englischen Halle“ und anderer Räumlichkeiten auf Schloss Friedrichshof wurden vom Berliner Hoffotografen Hermann Rückwardt angefertigt.

Im Erdgeschoss des Wirtschaftsflügels waren die Küchenräume und Speisekammern untergebracht. Im Obergeschoss darüber befanden sich die Wohn- bzw. Schlafräume der Dienerschaft. Für die Räume des weiblichen Personals und jene der männlichen Dienerschaft hatte man im Wirtschaftsflügel unterschiedliche Gebäudeabschnitte ausgewählt.

Innerhalb des Schlossparks liegen außerdem das als Cottage gestaltete Wohnhaus des Hofmarschalls und der großzügig angelegte Marstall. Zumindest das Pförtnerhaus weist dieselbe Fassadengestaltung auf wie der Wirtschaftstrakt des Schlosses. Weitere Wirtschaftsgebäude (Gärtnerei, Meierei, Verwaltung) liegen außerhalb des Parks (im heutigen Stadtteil Schönberg).

Die Kaiserwitwe ließ auch den Kaiserin-Friedrich-Weg über die Kaiserin-Friedrich-Brücke als direkte Verbindung vom Nordtor von Schloss Friedrichshof nach Bad Homburg anlegen.

Nutzungsgeschichte, nennenswerte Ereignisse

Zeit bis 1945

Die Kaiserin wirkte maßgeblich an der Gestaltung des Denkmals für ihren verstorbenen Ehemann im benachbarten Stadtpark mit.[2] Sie erlebte die Einweihung des Denkmals im Jahr 1902, an der auch ihr Sohn Kaiser Wilhelm II. teilnahm, nicht mehr, sondern starb bereits 1901 an einem Krebsleiden. Das Schloss mit dem gesamten Inventar, den verschiedenen Kunstsammlungen und ihrem schriftlichen Nachlass hinterließ die Kaiserinwitwe ihrer jüngsten Tochter, der Landgräfin Margarethe von Hessen-Kassel mit der Auflage, Schloss Friedrichshof und die Parkanlagen unverändert zu lassen. 1928 ging Schloss Friedrichshof in die Kurhessische Hausstiftung ein, um der Verstaatlichung fürstlichen Eigentums zu entgehen.

Diebstahl der hessischen Kronjuwelen

Nach der Besetzung Kronbergs am 29. März 1945 wurde das Schloss von der US-Armee beschlagnahmt und zunächst als Truppenunterkunft, später als Offiziersklub und zeitweilig als Residenz des US-amerikanischen Oberkommandierenden in Europa, General Dwight D. Eisenhower genutzt. Die hessischen Kronjuwelen im Wert von mehreren Millionen Dollar waren von der Familie in einem Seitenkeller vergraben worden. Nach dem Krieg entdeckte sie die Club-Managerin Kathleen Nash. Zusammen mit ihrem späteren Ehemann, dem US-amerikanischen Colonel Jack W. Durant, stahl sie die Juwelen im November 1945. Sie wurden in Einzelteile zerlegt und anschließend in der Schweiz verkauft. Nach langen und schwierigen Verhandlungen (in deren Verlauf ein US-amerikanisches Gericht die Klage des Prinzen von Hessen auf Herausgabe der Juwelen nicht zuließ, da er als „feindlicher Ausländer“ in den USA nicht prozessfähig sei) erhielt das Haus Hessen die verbliebenen Juwelen zurück, von denen ein Teil bis heute verschollen ist. Durant wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Zeit nach 1945

Während der US-amerikanischen Besetzung des Schlosses arbeitete der spätere Reitsportler Hans Günter Winkler dort als Stalljunge und Reitlehrer.

1953 gelangte Schloss Friedrichshof wieder in den Besitz der Hessischen Hausstiftung.

Nach notwendigen Umbauten und durch die US-amerikanische Besatzung erforderlich gewordenen Renovierungen wurde Schloss Friedrichshof 1954 als „Schlosshotel Kronberg“ eröffnet. Es wird vom Haus Hessen betrieben, gehört mittlerweile zu den „Small Luxury Hotels of the World[3] und wird als 5-Sterne-Haus kategorisiert. In den Räumen des Hotels befinden sich noch große Teile des ursprünglichen Mobiliars sowie Kunstwerke aus der Sammlung der Kaiserin Friedrich. Auch ihre umfangreiche Bibliothek ist weitgehend erhalten.

Am 8. März 1967 wurden das Obergeschoss sowie der Dachstuhl durch einen Großbrand zerstört. Das Feuer brach morgens um 6 Uhr im Wirtschaftsflügel aus und breitete sich langsam bis zum Dach aus. Als an einer Stelle das Schieferdach gesprengt wurde, führte die nun zufließende Außenluft zu einer explosionshaften Ausdehnung.[4] Nach umfangreichen Veränderungen (Anpassung der Räume an den Hotelbetrieb) wurden die zerstörten Teile neu aufgebaut.

In Teilen des Schlossparks und im angrenzenden Gelände jenseits der Hainstraße liegt der 18-Loch-Golfplatz des Golf- und Landclub Kronberg e. V. Hier und im Hotel fanden und finden abseits des Hauptstadtrummels auch bedeutende Gipfeltreffen statt.[5][6]

Literatur

  • Johannes Martin Müller: Schloss Friedrichshof im Taunus. Der Witwensitz der Kaiserin Friedrich und seine räumlichen Bedeutungsebenen. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmalpflege & Kulturgeschichte, Jahrgang 2020, Heft 4, S. 20–26.
  • Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei. Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 222–224.
Commons: Schloss Friedrichshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Claudia Schneider: Schloß Friedrichshof. Magisterarbeit, Frankfurt am Main 1983.
  2. Als Geburtsjahr der Parkidee für den Stadtpark kann das Jahr 1896 angesehen werden, in dem in der Kronberger Bürgerschaft der Wunsch entstand, „in der Nähe des Schlosses Friedrichshof zur Erinnerung an unseren hochseligen Kaiser Friedrich, unter Umgestaltung des zwischen dem Schlosse und dem Bahnhof gelegenen [...] Wiesengrundes zu einer öffentlichen Anlage, ein würdiges Denkmal zu errichten.“ (aus dem Protokoll einer Bürgerversammlung vom 15. November 1896 nach Wilhelm Jung, 1976), zitiert nach Andrea Sliwka (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive)
  3. Schlosshotel Kronberg, Luxury Hotel in Taunus, Germany | Small Luxury Hotels of the World
  4. Vor 50 Jahren brannte das Schloss. In: Taunus-Zeitung vom 8. März 2017, S. 12.
  5. „Erst als Gromyko am 30. Oktober 1970 am 14. Loch auf dem Golfplatz des Schlosshotels in Kronberg zu Scheel […] ,ja’ gesagt hatte und das Viermächteabkommen [über Berlin] in trockenen Tüchern war, konnten die Ratifizierungsverfahren für den Moskauer und Warschauer Vertrag eingeleitet werden.“ Daniel Koerfer in Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26. Juli 2013.
  6. G5-Finanzminister-Treffen 8.–9. Dezember 1982.

Koordinaten: 50° 11′ 20″ N, 8° 30′ 36″ O