Schloss Voltaire

Schloss Voltaire (französisch Château de Voltaire) befindet sich in der Gemeinde Ferney-Voltaire im Département Ain in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes. Es liegt nahe der Schweizer Grenze und der Stadt Genf. Von 1761 bis zu seinem Tod 1778 war es der Wohnsitz des Philosophen Voltaire. Das Anwesen wurde 1958 als historisches Denkmal eingetragen und 1999 vom französischen Staat erworben.

Lage

Das Schloss liegt am westlichen Rand der Genfer Ebene, auf einer Anhöhe mit Blick auf die Alpen und den Mont-Blanc. Der Park grenzt an die Ortsmitte von Ferney-Voltaire und wird heute vom Centre des monuments nationaux verwaltet.

Geschichte bis 1778

An der Stelle des heutigen Schlosses befand sich bereits im 14. Jahrhundert ein kleiner Herrensitz. Im 15. Jahrhundert gründete der Herzog von Savoyen hier eine Seigneurie. Das Gut ging später durch mehrere Genfer Familien, darunter 1594 an die Familie Chevallier und 1674 an die Familie Budé.[1]

Voltaire, der 1755 zunächst ein Anwesen in Genf (Les Délices) erworben hatte, suchte bald nach einem sichereren Wohnsitz außerhalb der Genfer Republik. Nach Streitigkeiten über die Veröffentlichung des Artikels „Genève“ in der Encyclopédie beschloss er, sich in Ferney niederzulassen – nahe genug, um Kontakt zu seinen Ärzten und Druckern in Genf zu halten, aber außerhalb der dortigen Jurisdiktion.

Er erwarb das Gut 1758 über seine Nichte Marie Louise Mignot (Mme Denis) aus steuerlichen Gründen von Guillaume de Budé. Gemeinsam mit dem Genfer Architekten Jean-Michel Billon ließ er das alte Gebäude abreißen und errichtete den Kern des heutigen Schlosses, das er 1761 bezog. 1766 beauftragte er den Architekten Léonard Racle, zwei Seitenflügel anzubauen und damit den heutigen Grundriss zu vollenden.[1]

Das Erdgeschoss beherbergte die Wohnräume: im Süden das Vorzimmer, das Wohnzimmer, Voltaires Schlafzimmer und eine Bibliothek mit fast 7000 Bänden; im Norden, hinter dem großen Salon, die kleine Gemäldekammer und die Räume von Mme Denis. Im Gartengeschoss lagen Küche und Vorratsräume, im ersten Stock die Gästezimmer, darüber die Kammern der Bediensteten, im dritten Stock der Dachboden.[1]

Geschichte 1778–1999

Nach Voltaires Tod verkaufte Mme Denis das Anwesen an den Marquis de Villette, der das Schloss in eine Gedenkstätte für den Philosophen umwandelte und im Salon ein Kenotaph errichten ließ.[2]

Das gesamte Mobiliar wurde verkauft; die Bibliothek erwarb Katharina II. vollständig und ließ sie nach Sankt Petersburg bringen, wo sie heute in der Eremitage und in der Nationalbibliothek Russlands erhalten ist.[3]

Im 19. Jahrhundert gehörte das Schloss der Familie Lambert, die bedeutende Umbauten vornahm: Speise- und Bibliotheksraum wurden zu einem großen Salon vereinigt, mit Kamin und einer Veranda, die den Blick auf die Alpen und den Mont-Blanc öffnete.[4]

Voltaires Schlafzimmer und das seines Dieners wurden zu einem Kabinett für Gemälde zusammengelegt, Teile der Küchen in ein chemisches Labor umgewandelt.[1]

Architektur und Innenräume

Das Schloss ist ein rechteckiger, dreigeschossiger Bau mit flachen Seitenflügeln, errichtet in klassizistischer Strenge. Die Fassaden zeigen regelmäßig gegliederte Fensterachsen mit einem Mittelrisalit zur Gartenseite. Die Innenräume bewahren noch Teile der Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert, darunter Kamine, Parkettböden und Stuckdecken. Die Bibliothek wurde nach Vorbild der Originaleinrichtung rekonstruiert.

Denkmalschutz und heutige Nutzung

Das Château de Voltaire wurde am 15. April 1958 als Monument historique eingetragen.[5]

Seit der Übernahme durch den französischen Staat im Jahr 1999 ist es öffentlich zugänglich. Nach umfassender Restaurierung wurde es 2018 wiedereröffnet und dient heute als Museum und kulturelles Zentrum (Maison des Illustres)[6], das dem Leben und Werk Voltaires gewidmet ist.

Literatur

  • Christophe Paillard: Voltaire en son château de Ferney. Éditions du Patrimoine, Paris 2019, ISBN 978-2-7577-0643-5.
  • Renaud Camus: Demeures de l’esprit – France IV Sud-Est. Librairie Arthème Fayard, Paris 2012, ISBN 978-2-213-66938-0.
Commons: Schloss Voltarie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Christophe Paillard: Voltaire in seinem Schloss zu Ferney. Éditions du Patrimoine, Reihe Itinéraires, Paris 2019, ISBN 978-2-7577-0643-5, S. 5–6, 32–33.
  2. Marguerite Power: Once a Week. Bradbury & Evans, London 1861, S. 69. (online), abgerufen am 5. November 2025.
  3. The Voltaire Library, National Library of Russia, nlr.ru, abgerufen am 5. November 2025.
  4. Renaud Camus: Demeures de l’esprit – France IV Sud-Est. Librairie Arthème Fayard, Paris 2012, ISBN 978-2-213-66938-0, S. 150 ff. (online), abgerufen am 5. November 2025.
  5. Château de Voltaire, Base Mérimée – Patrimoine architectural (PA00116395), Ministère de la Culture, pop.culture.gouv.fr, abgerufen am 5. November 2025.
  6. Château de Ferney-Voltaire, POP – Maisons des Illustres (MI151), pop.culture.gouv.fr, abgerufen am 5. November 2025.

Koordinaten: 46° 15′ 26,6″ N, 6° 6′ 13″ O