Schloss Siebeneichen
Das Schloss Siebeneichen in Meißen wurde im 16. Jahrhundert durch Ernst von Miltitz anstelle einer älteren Anlage errichtet.
Lage
Das Schloss liegt am südlichen Elbhang gegenüber dem Spaargebirge stromaufwärts der Meißner Altstadt im Stadtteil Siebeneichen. Das Anwesen befindet sich an der Siebeneichener Straße, die als Bundesstraße 6 nach Dresden läuft. Westlich verläuft die Staatsstraße 177.
Geschichte
Die Anlage wurde 1220 erstmals erwähnt. Nach Siebeneichen nannte sich im 12. Jahrhundert ein Adelsgeschlecht. Der Name kommt wahrscheinlich aus dem Slawischen.
Etwa zwischen 1553 und 1555 errichtete der kursächsische Rat und Hofmarschall Ernst von Miltitz einen dreigeschossigen, mit zwei Ecktürmen und Zwerchhäusern versehenen Renaissanceschlossbau, der noch weitgehend erhalten ist. 1591 ließ sein Sohn Nickel von Miltitz einen ummauerten Renaissancegarten mit Wasserspielen anlegen.
1748 wurde das Schloss unter Heinrich Gottlob von Miltitz auf der Westseite um einen Dreiflügelbau erweitert, der eine neunachsige Schaufassade und ein hohes Mansarddach hat. Anfang des 19. Jahrhunderts ließ Sarah Anna Constable, die Frau Dietrichs von Miltitz, auf 35 ha Fläche einen Landschaftspark nach englischen Vorbildern anlegen, der heute einer der ältesten in Sachsen ist.
Schloss Siebeneichen war ein bedeutender Ort der Romantik in Sachsen. Hier verkehrten u. a. Heinrich von Kleist, Novalis und Johann Gottlieb Fichte.
Spätere Gutsherren[2] waren Alfred von Miltitz ab 1880 und folgend nach 1912 dessen Sohn Ludwig Karl (Carl) Freiherr von Miltitz. Ihm gehörten mit Körbitz und Schloss Scharffenberg-seit 1385 der älteste Miltitz-Besitz-weitere Begüterungen.[3] Mitte der 1920er Jahre beinhaltete das Rittergut Siebeneichen 343 ha, davon waren 134 ha Waldbestand. Für den Eigentümer Karl Freiherr von Miltitz waren als Verwalter tätig Administrator Baron von Rosen, des Weiteren Diplom-Landwirt Wolfgang Weiß und Förster Walter Türke.[4]
Letzte Gutsherrin war dessen Ehefrau Monica Freifrau von Miltitz-Friesen.
1945 wurde das Schloss enteignet und das Gut an Neubauern aufgeteilt. Das Schloss wurde ab 1946 zunächst als Naturkundemuseum genutzt. Von 1958 bis 1991 war im Schloss die Fachschule für Klubleiter „Martin Andersen Nexö“ untergebracht, danach die Heimvolkshochschule für Erwachsenenbildung im ländlichen Raum. Ab 1997 ist es der Sitz der Sächsischen Akademie für Lehrerfortbildung, die als Fortbildungs- und Tagungszentrum Meißen[5] im heutigen Landesamt für Schule und Bildung[6] aufgegangen ist.
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Ansicht von Osten.
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Blick auf Siebeneichen.
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Hauptportal in der barocken Westfassade, links d. v. Miltitz-Wappen. 2005.
Die Ortschaft Siebeneichen wurde 1978 nach Meißen eingemeindet.
Literatur
- A. Leicht: Siebeneichen und Ernst von Miltitz, In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen. 5/1900, H. 2, Meißen 1900, S. 113–164.
- Cornelius Gurlitt (Hrsg.): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 41: Amtshauptmannschaft Meißen-Land. Verlag C. C. Meinhold, Dresden 1923, S. 469–480.
- Monica Freifrau von Miltitz-Friesen: Das Schloß Siebeneichen, Dresden 1930.
- Matthias Donath: Schlösser im Elbland (Edition Sächsische Zeitung), Dresden 2004.
Weblinks
- Darstellung als Sehenswürdigkeit der Stadt Meißen
- Siebeneichen auf stadtbild-meissen.de ( vom 11. April 2011 im Internet Archive)
- Informationen zum Landschaftspark auf Wanderwelt Mittelsachsen
Schlossbesitzer:
- Biografie des Gründers des Renaissanceschlosses Siebeneichen- Ernst von Miltitz
- Biografie des zweiten Bauherren des Renaissanceschlosses Siebeneichen-Nickel von Miltitz
- Kurzbiografie der letzten Schlossherrin Monica von Miltitz
Einzelnachweise
- ↑ Siehe: Eduard Sommer: Saxonia. Museum für Sächsische Vaterlandskunde. Band [3], B. G. Teubner Officin-Verlag Eduard Pietzsch und Comp., Dresden 1839.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1898. 48. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1897, S. 628 f.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1920. 70. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1919, S. 688.
- ↑ Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. 1925. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 15 ha. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band IX, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1925, S. 232.
- ↑ Landesamt für Schule und Bildung, Standort Radebeul. Abgerufen am 5. April 2021.
- ↑ Landesamt für Schule und Bildung, BSZ Bautzen. Abgerufen am 29. Juni 2020.
Koordinaten: 51° 8′ 53,9″ N, 13° 28′ 52,7″ O