Schloss Schlanz

Schloss Schlanz (polnisch Pałac w Krzyżowicach) ist eine gut erhaltene Schlossanlage in Krzyżowice (Schlanz) in der Landgemeinde Kobierzyce im Powiat Wrocławski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geschichte

Das Dorf Schlanz ist 1307 als „Slanza“ erstmals belegt. Zu dieser Zeit wurde vermutlich ein Wohnturm errichtet, dessen Reste bis heute nachweisbar sind. 1574 wurde das Gebäude unter den Freiherren Saurma zu einem Rittergut mit Turm und Wallgraben ausgebaut. Von diesem Gebäude sind noch Mauerreste erhalten. Nach 1550 waren die Freiherren von Reichell Besitzer des Gutes. Diese ließen 1713 ein barockes Herrenhaus, einen Seitenflügel und ein Gesindehaus südlich des bestehenden Rittersitzes errichten. Namhafter Gutsherr dieser Familie war der Rittmeister und Landschaftsdirektor Wilhelm von Reichell, verheiratet mit Henriette Gottliebe von Netz-Schlause.

Im Dezember 1796 heiratete ihre Tochter, die Letzte ihres Hauses, Charlotte von Reichell (1771–1837), geschiedene Gräfin von Dyherrn, den späteren Major im Elite-Regiment Gardes du Corps Karl von Tschirschky (1766–1851).[1] Die Namensfusion,[2] auch zur Übernahme der Tradition, erhielten die Familienangehörigen in Preußen im Mai 1838.

Ab 1854 ließ der Erbe Benno von Tschirschky-Reichell das Ensemble durch Anbindung des Gesindehauses zu einer Dreiflügelanlage erweitern. Nach einem Brand wurde der Hauptflügel in einer Stilmischung aus Neobarock und Neorenaissance wiederhergestellt. Zugleich wurden zwei neue Treppenhäuser, ein Standerker und ein repräsentatives Hauptportal errichtet. Sein Sohn Mortimer von Tschirschky wirkte nicht nur als Grundbesitzer, sondern pflegte ebenso eine größere genealogische Sammlung der Vorfahren und anderer Geschlechter sowie von Breslauer Patrizierfamilien.[3]

Durch Hochzeit der Tochter Euphemie von Tschirschky-Reichell[4] mit Richard Graf zu Eulenburg-Prassen[5] wurden die Grafen von Eulenburg die Besitzer des Guts. Im Mai 1945 floh die Erbin Marie-Antoinette zu Eulenburg, kehrte jedoch bald zurück und nahm den Gutsbetrieb wieder auf.

Nachdem Schlanz als Folge des Zweiten Weltkriegs 1945 mit fast ganz Schlesien an Polen gefallen war, wurde Gut Schlanz als ein landwirtschaftliches Lehr- und Versuchsgut der Universität Breslau übertragen. Seit 1989 ist im Schloss ein Schulzentrum mit einem Internat untergebracht.

Im Inneren sind große Teile der historischen Wanddekoration erhalten. Der Garten beruht auf einer barocken Anlage mit hohen Heckenwänden.

Literatur

  • Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text. Band 3, Selbstverlag, Berlin 1860/1861. Text-Blatt 171.
  • Helmut Sieber: Burgen und Schlösser in Schlesien. Nach alten Stichen. In: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 35; Verlag Weidlich, Frankfurt/Main 1962, S. 90.
  • Arne Franke (Hrsg.): Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser. Band 1: Niederschlesien. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Görlitz 2015, S. 265–267.
Commons: Palace in Krzyżowice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1888. Jahrgang 13, Verlag Friedr. Irrgang, Brünn/Göttingen 1887, S. 529 f.
  2. Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Band 6–8: Der abgestorbene Adel der Preussischen Provinz Schlesien. Teil 2, Verlag Bauer und Raspe Emil Küster, Nürnberg 1890, S. 101.
  3. Hermann Luchs, Wilhelm Grempler, Martin Zimmer (Hrsg.): Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift. Zeitschrift des Vereins für das Museum schlesischer Altertümer. Band III, Hrsg. Schlesischer Altertumsverein, Selbstverlag, Breslau 1881, S. 353.
  4. Tschirschky und Boegendorff (Tschirschky-Reichell), In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser 1942. Teil A (Uradel). Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. 41. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1941, S. 531 f.
  5. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1922. 95. Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1921, S. 305.

Koordinaten: 50° 59′ 42″ N, 16° 52′ 38″ O