Schloss Ringelsdorf
Das Schloss Ringelsdorf ist das Herrenhaus eines ehemaligen Gutes im Ortsteil Ringelsdorf der Ortschaft Tucheim der Stadt Genthin im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Im örtlichen Denkmalverzeichnis ist das Schloss unter der Erfassungsnummer 094 75979 als Baudenkmal verzeichnet.[1]
Geschichte und Gestaltung
Ringelsdorf war ursprünglich ein Vorwerk des Gutes Dretzel, dessen Eigentümer Ludwig Hermann von Stilke (1764–1835)[2] es seiner Tochter Adelgunde (1798–1869)[3] und ihrem Ehemann Heinrich von Ostau (1790–1872) vererbte.[4] Nachfolger seit 1873 wurde Heinrich Wilhelm von Ostau, verheiratet mit Paula von Knobloch. Ihr Sohn Heinrich Paul Albrecht von Ostau (1873–1924) verkaufte Ringelsdorf laut dem Genealogischen Handbuch des Adels nach 1912. Sein Sohn aus erster Ehe wiederum Joachim-Heinrich von Ostau (1902–1969) erwarb wesentlich später, nach 1939, ein kleines Gut in Pommern. Die Schriftstellerin Ruth von Ostau ist dessen ältere Schwester.
Das Herrenhaus wurde 1870 im historistischen Baustil errichtet, es hat einen asymmetrischen Grundriss, auf einem hohen Kellergeschoss erhebt sich ein zweigeschossiger Putzbau mit einem vielgliedrigen Steildach. An der Westseite erhebt sich ein quadratischer Turm, im Nordosten wurde ein runder Eckturm angebaut. Das Schloss wurde um einen eingeschossigen Anbau mit Seitenrisalit und Freitreppe erweitert, die heute als Eingangsbereich dienen. Eine Restaurierung des Gebäudes erfolgte in den Jahren 1999 und 2000.
1912–1915 entstand südlich des Herrenhauses ein zweites Wohngebäude nach Entwurf des Berliner Architekten Alfred Grenander, das der Reformarchitektur zuzuordnen ist. Bauherr war der Sohn des Buchhändlers Georg Stilke,[Anmerkung 1] der Verlagsbuchhändler[5] und Buchhandels-Unternehmer Hermann Stilke (1870–1928). Zum Rittergut gehörten 1922 konkret 1282 ha.[6] Bis 1945 bewohnten es dessen Sohn Georg Stilke (1904–1974) und seine Ehefrau Karin Stilke geb. Lahl (1914–2013).
Nach 1945 diente die Anlage als Seniorenheim der Volkssolidarität. Heute werden die Gebäude als sozialtherapeutisches Zentrum „Schloss Ringelsdorf“ genutzt.
Literatur
- Ringelsdorf, In: Folkhard Cremer (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg. Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2002, ISBN 978-3-422-03069-5.
- Ringelsdorf, In: Deutsche Burgenvereinigung e. V., Bruno J. Sobotka (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Sachsen-Anhalt. Theiss, Stuttgart 1994, ISBN 978-3-8062-1101-6.
- Ringelsdorf, In: Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1981. Band XVI, Band 76 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1981, ISSN 0435-2408, S. 405–407.
- Schlossanlage Ringelsdorf, In: Hermann Muthesius (Red./Hrsg.), Harry Maasz (Gartentext): Landhaus und Garten. Beispiele neuzeitlicher Landhäuser nebst Grundrissen, Innenräumen und Gärten. 4, völlig umgearb. Auflage (19.–25. Tsd.), F. Bruckmann, München 1925. DNB 36125377X, u. a. S. 17, 18-Wikimedia Commons.
Weblinks
- Gutshaus Ringelsdorf in der privaten Datenbank Alle Burgen.
Einzelnachweise
- ↑ Padoka.Landtag.Sachsen-Anhalt.de.: Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt.
- ↑ Jahrbuch des Pädagogiums zum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg und Einladung zum Schulactus 1898 Freitag, den 25. März 1898, um 10 Uhr. 1898. Progr.-No. 248 Auflage. Neue Fortsetzung. Heft 62, Verzeichnis der Abiturienten des Klosters., Michaelis 1782. E. Baensch jun., Magdeburg 1898, S. 7–19 (Digitalisat).
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser 1900. Adelige Häuser nach alphabetischer Ordnung. In: "Der Gotha". 1. Auflage. Ostau, Dretzel. Justus Perthes, Gotha Januar 1900, S. 666–668 (Digitalisat).
- ↑ Marcelli Janecki (Hrsg.): Handbuch des Preußischen Adels. Band 2., von Ostau. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 468–469 (Digitalisat).
- ↑ Christine Haug: Reisen und Lesen im Zeitalter der Industrialisierung. die Geschichte des Bahnhofs- und Verkehrsbuchhandels in Deutschland von seinen Anfängen um 1850 bis zum Ende der Weimarer Republik. In: Leipziger Arbeitskreis zur Geschichte des Buchwesens. Veröffentlichungen des Leipziger Arbeitskreises zur Geschichte des Buchwesens. Schriften und Zeugnisse zur Buchgeschichte, Bd. 17. 1. Auflage. 5. Geschichte des Bahnhofs-und Verkehrsbuchhandels, 5.3.4. Das Unternehmen Georg und Hermann Stilcke in Berlin und Hamburg. Harrassowitz, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05401-0, S. 159–167 (Teil-Digitalisat).
- ↑ Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band V, Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S. (Hrsg.): Verzeichnis der für die Landwirtschaft wichtigen Behörden und Körperschaften. 3. Auflage. V der Reihe von Paul Niekammer, Kreis Jerichow II. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 38–39 (Digitalisat).
Anmerkungen
- ↑ Aktuell gibt es nur einen ersten genealogischen Hinweis zum erwähnten Stilke-Dretzel und der gleichnamigen bürgerlichen Unternehmerfamilie, mit ursprünglicher Herkunft aus Magdeburg. Siehe in: Oskar Häring, Georg Crusen, u. a.: Georg Stilke. 1872-1922. Denkschrift und Arbeitsbericht. Berlin 1922. (306 S., Taf. / Mit Erwähnung von Vorfahren).
Koordinaten: 52° 15′ 7,2″ N, 12° 8′ 47,1″ O