Schloss Primkenau
Schloss Primkenau (auch „Schloss Luisenhof“) war ein Schloss im heute polnischen Przemków (dt. Primkenau), Powiat Polkowicki (Kreis Polkwitz), Woiwodschaft Niederschlesien.
Geschichte
Ab 1391 war der Ort in Besitz der von Rechenberg, die vermutlich eine renaissancezeitliche Residenz errichten ließen. Sie profitierten hier von den fianziellen Schwierigkeiten der Erben des Glogauger Fürstentums. Später kamen sie selbst unter erheblichen wirtschaftlichen Problemen.[1]
Ab 1752 war Heinrich IX. Graf von Reuß Besitzer, der westlich der vorherigen Residenz, die nunmehr „Altes Palais“ oder „Prinzenpalais“ genannt wurde, ein dreiflügeliges Barockschloss errichten ließ.
Nach mehreren Besitzerwechseln[2] war ab 1853 Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg Eigentümer. Schloss und Altes Palais wurden neogotisch umgeformt. Dessen Enkel Ernst Günther von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und Enkelin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, spätere Ehefrau von Wilhelm II., erbten 1884 das Schloss. Ernst Günther nutzte das Schloss als Wohnsitz und ließ das Neue Schloss abreißen, um von 1895 bis 1897 einen Neubau im Stil der deutschen Frührenaissance erbauen zu lassen. Die Innenausstattung stammte teils aus dem Familiensitz Augustenburg in Dänemark.
Vor 1900 war die Begüterung Primkenau eine Fideikommissherrschaft, bestehend aus vierzehn Güter und weiterem Nebenbesitz. Hinzu kam die Henriettenhütte (Eisenhüttenwerk), eine Stärkefabrik, zwei Schneidemühlen und zwei Ziegeleien. An der Spitze der Gutsverwaltung stand der Generaldirektor Hofrat Surén mit Sitz in Primkenau, es folgten Oberförster und ein Generalkassenrendant.[3] Früher betrieb man noch zusätzlich eine Brauerei.[4]
Nach Ernst Günthers Tod 1921 ging das Schloss mit dem Tod von Herzog Albert von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg an Kronprinz Wilhelm auf Schloss Oels.
In Kämpfen zwischen deutschen Truppen und der Roten Armee brannten Schloss und Prinzenpalais am 10. Februar 1945 aus. Die Ruinen wurden zwischen 1950 und 1970 vollständig abgetragen.
Bauwerk und Umgebung
Durch seine vor- und zurückspringenden Teile, Renaissance- und Fachwerkfassaden, Türme, Erker und Galerien wirkte das Schloss wie ein historisch gewachsener Bau. Auf der Gartenseite wies das Schloss einen Rundturm mit Kegelhaube, Volutengiebel und ein weit heruntergezogenes Walmdach auf. Christian August hatte einen Landschaftspark anlegen lassen. Nach 1890 wurde der Park umgestaltet und um zwei miteinander verbundenen Teiche angelegt. Im Waldgebiet westlich des Parks wurden Spazierwege zum Fuchsberg, an dessen Fuß sich eine Kapelle mit Friedhof befand, und unweit davon ein Schweizerhaus. Nordwestlich des Schlosses wurde auf dem für ein größeres Jagdbebiet erkauften Lerchenberg ein Jägerhof errichtet.
Heute ist die Parkanlage ein Stadtpark. Vom alten historischen Gesamtkomplex ind heute als Wohnhäuser genutzte Wirtschaftsbauten, von etwa 1850, erhalten.
Literatur
- Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern. Band 2, Selbstverlag, Berlin 1859/1860, Blatt 90.
- Helmut Sieber: Schlösser und Herrensitze in Schlesien. Band 2, Verlag Weidlich, Frankfurt/Main 1961. ISSN 0521-8144
- Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien. In: Kröners Taschenausgabe, Band 316, Selbstverlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 419 f.
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 775 f.
- Arne Franke (Hrsg.): Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser. Band 1 (Niederschlesien), Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Görlitz 2015, ISBN 978-3-87057-336-2, S. 262.
Einzelnachweise
- ↑ Wolfrad von Rechenberg: Die Familie von Rechenberg. Von ihrem Ursprung bis zur Gegenreformation. Neuere Beiträge zur Familiengeschichte. Edition Octopus/Monsenstein und Vannerdat, Münster 2013, ISBN 978-3-86991-889-1, S. 48 f.
- ↑ Wilhelm Carl Bach: Kaiserin Auguste Viktoria. Ein Bild des Lebens. Ferdinand Hirt, Breslau 1898, S. 12.
- ↑ Schlesisches Güter-Adreßbuch. [1894]. Verzeichniß sämmtlicher Rittergüter und selbstständigen Guts- und Forstbezirke. Fünfte Ausgabe, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1894, S. 341 f.
- ↑ Johann Georg Knie, J. M. L. Melcher: Geographische Beschreibung von Schlesien preußischen Antheils, der Graffschaft Glatz und der preußischen Markgraffschaft Ober-Lausitz. (Abth. III), Graß, Barth und Comp., Breslau 1830, S. 593.
Quellen
- Lage nach historischer Karte:
- Meßtischblatt 4460 : Primkenau, 1933 Primkenau - Hrsg. 1900, Bericht. 1933. - 1:25000. - Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin 1936
- Ausschnitt: Kartenforum.Slub-Dresden (Nicht aktiv).
Koordinaten: 51° 31′ 39,6″ N, 15° 46′ 57,8″ O