Schloss Oberpullendorf
Das Schloss Oberpullendorf (auch als Rohonczy-Schloss bekannt) befindet sich im Ortsgebiet von Oberpullendorf im österreichischen Bundesland Burgenland.
Geschichte
Mangels einschlägiger Literatur lässt sich nicht genau bestimmen, wann das Schloss erbaut wurde. Vermutlich stammt der Bau aus dem Mittelalter, da noch Mauerreste von 150 cm Dicke vorhanden sind. Im 17. Jahrhundert wurde es auf einem hakenförmigen Grundriss neu gebaut. Im 18. Jahrhundert wurde der Bau als Gasthof verwendet. Ab dieser Zeit wurde er als Schloss Rohonczy bekannt. Später erwarb die Familie Niczky aus Nebersdorf das Schloss und ließ es kastellartig ausbauen. Erneut restauriert wurde es 1880 im Stil des Historismus.
Ab 1921 war György Rohonczy Gutsherr im Schloss Oberpullendorf, welches ihm sein Vater vererbt hatte. Ihm gelang es während des NS-Regimes, aus dem Anhalte- und Arbeitslager Lackenbach zahlreiche Romnja und Roma als Arbeitskräfte für sein Gut herauszuholen. Der Gutshof war als kriegswichtiger Betrieb eingestuft. Die Betroffenen bekamen ordentliche Wohnplätze und ausreichend Verpflegung, vor allem aber entgingen sie den Transporten in die Vernichtungslager des NS-Regimes. Eine Reihe der von ihm Geretteten konnten über die benachbarte Grenze nach Ungarn flüchten. In Summe rettete György Rohonczy rund 120 Romnja und Roma das Leben.[1]
Im 20. Jahrhundert erwarb die Burgenländische Landwirtschaftskammer das Schloss und brachte für kurze Zeit eine landwirtschaftliche Fachschule für Mädchen darin unter. Ende der 1980er Jahre erwarb die Diözese Eisenstadt das Gebäude. Das Schloss beherbergt heute das Haus St. Stephan, ein Bildungs- und Jugendzentrum.
Siehe auch
Weblinks
- Oberpullendorf – Schloss Rohonczy. In: burgen-austria.com. Martin Hammerl
- Haus St. Stephan
Einzelnachweise
- ↑ OEAD: Gedenkzeichen für den „Roma-Retter“ György Gedeon Rohonczy, 5. November 2025
Koordinaten: 47° 30′ 9,9″ N, 16° 30′ 7,8″ O