Schloss Kühbach

Schloss Kühbach ist eine nach Süden hin offene zweigeschossige Dreiflügelanlage im Stil des Klassizismus. Es liegt mitten im Markt von Kühbach im Landkreis Aichach-Friedberg als Teil des historischen Wittelbacher Landes. Die heutige Bausubstanz geht auf die Zeit zwischen dem Ende des 17. und dem Beginn des 18. Jahrhunderts zurück.

Geschichte

Kloster Kühbach (1011–1803)

Urkundlich geht das heutige Schloss auf das Jahr 1011 zurück. Es ist hervorgegangen aus den ehemaligen Konventgebäuden des einstigen Benediktinerinnenklosters St. Magnus. König Heinrich II. bestätigte, dass Graf Adalbero von Sempt-Ebersberg als Schirmvogt des Klosters eingesetzt wird. Nachdem das Adelsgeschlecht ausgestorben war, ging das Areal im 12. Jahrhundert an die Wittelsbacher über. Damit hatte dieser auch die Schutzaufsicht über das Kloster inne. Die frühere Bedeutung des Klosters kann man einerseits an der Größe des vorhandenen Grundbesitzes ermessen. Im Spätmittelalter verfügte das Kloster unter anderem über rund 70 Höfe, sieben Hufen, vier Lehen, 85 Sölden und Hofstätten sowie über fünf Mühlen. Bereits im Mittelalter wurde hier auch Bier gebraut. Das Schloss war immer wieder Opfer von Kriegen und Bränden. Nach seiner Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster nur zum Teil wieder aufgebaut und im Lauf der Jahre mehrmals verändert.[1]

Säkularisation und Folgezeit (1803–1839)

Während der Säkularisation (1803) wurde der Grundbesitz des Klosters vom Staat eingezogen. Die Klostergebäude wurden 1804 an Philipp Jacobi aus München erworben und bereits 1805 an Martin von Lindner weiterverkauft. 1820 hatte man nach einem Brand den Südflügel abgerissen und durch eine Mauer mit schmiedeeisernen Gitter ersetzt.[2]

Herzog Max in Schloss Kühbach (1839–1862)

Herzog Max in Bayern, Vater von Elisabeth von Österreich-Ungarn, erwarb 1831 das Kloster mit dazugehörenden Gütern. Der Herzog, dem auch das benachbarte Wasserschloss Unterwittelsbach gehörte, nutzte das Schloss vor allem als Jagdschloss. Der Park sowie der prächtige Schlosssaal wurden von Herzog Max neu gestaltet. Zudem legte er 1841 den Grundstein für ein neues Brauhaus, welches bis heute die Brauerei Kühbach beherbergt. Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1860 wurde das Schloss im klassizistischen Stil wieder aufgebaut. Im Westflügel des Gebäudes befindet sich noch der Torturm aus dem Jahre 1696. 1862 ging das Schloss in Besitz der freiherrlichen Familie Beck-Peccoz[3] über.

Nach 1945 wurde das Schloss für kurze Zeit als Unterkunft für amerikanische Besatzungstruppen und Flüchtlinge genutzt. Danach ging es wieder in die Hände der Freiherren von Beck-Peccoz über, die es bis heute bewohnt.

Schloss und Vorpark sind nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Kunstgeschichtlich hervorzuheben sind an Schloss Kühbach besonders der rippengewölbte Kreuzgang, der unter der Abtissin Maria Helena von Lerchenfeld ab 1684 gebaut wurde. Dieser wurde im Zuge von Renovierungen in den 1990er Jahren wieder geöffnet. Für den Torturm an der Westseite ist der 1696 Baumeister Giovanni Androi belegt. 1690 wurde das in der Gartenalage stehende Lusthaus der Nonnen gebaut, es ist es das älteste erhaltene Haus in Kühbach. Der quadratische Walmdachbau besteht als drei Kreuzgratgewölben im Erdgeschoss und einem opulent stuckierten Saal darüber.[4]

Literatur

  • Wilfried Sponsel: Burgen, Schlösser und Residenzen in Bayerisch-Schwaben, Augsburg 2006, S. 140–141.
  • Georg Paula, Christian Bollacher: Landkreis Aichach-Friedberg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band VII.87). Karl M. Lipp Verlag, München 2012, ISBN 978-3-87490-591-6, S. 336–338.

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Liebhart: Das Benediktinerkloster Kühbach. In: Wilhelm Libhart, Rudolf Wagner (Hrsg.): Kühbach: Kloster, Markt und Schlossgut. Kühbach 2012, S. 33–58.
  2. Wilhelm Liebhart: Das Benediktinerinnenkloster Kühbach. In: Wilhelm Liebhart, Rudolf Wagner (Hrsg.): Kühbach: Kloster, Markt und Schlossgut. Kühbach 2012, S. 51 f.
  3. http://www.myheimat.de/kuehbach/kultur/150-jahre-familie-von-beck-peccoz-in-kuehbach-d2410788.html
  4. Georg Paula, Christian Bollacher: Denkmäler in Bayern Landkreis Aichach-Friedberg. Edition Lipp, München 2012, ISBN 978-3-87490-591-6, S. 336 ff.

Koordinaten: 48° 29′ 30,1″ N, 11° 10′ 57,7″ O