Schloss Isenschnibbe

Das Schloss Isenschnibbe ist ein denkmalgeschütztes Gutshaus in der Stadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Lage

Das „Gut Isenschnibbe“ entstand im Areal der einstigen Burg Gardelegen auf einem Sumpfhorst nördlich der Altstadt zwischen Milde und Lausebach.[1] Es gehörte zum Landkreis Gardelegen, da es sich außerhalb der Stadt befand, und bildete hier zusammen mit der Burgmühle eine Nebensiedlung. Unmittelbar zum Schloss gehörten 1875 Wirtschafts- und Fabrikgebäude, der Hof, ein Garten sowie 13½ Morgen Wiesen.[2] Südlich vom Schloss befindet sich der historische Schlosspark.[1]

Geschichte

Nach dem schrittweisen Abriss der mittelalterlichen Wasserburg, der von 1756 bis 1786 erfolgte, entstand zunächst ein barockes Herrenhaus. Dieses „Gut Isenschnibbe“ wurde von der – seit Jahrhunderten hier ansässigen – Familie von Alvensleben im Jahr 1857 verkauft, da man das nahe Schloss Weteritz als neuen Wohnsitz hatte herrichten lassen.[3] Durch mehrere Besitzerwechsel in der Folgezeit sank die Einwohnerzahl deutlich, weshalb 1875 eine Umpfarrung der Bewohner zur Nikolaikirche in Gardelegen erfolgte, nachdem zuvor der Schlosskeller zur Abhaltung von Gottesdiensten genutzt worden war.[2]

Zwischen 1945 und 1990 befanden sich hier eine Parteischule der SED und der Verwaltungssitz der VEG Saatzucht.[4] Im Jahr 2007 wurde das Gebäude durch eine Familie erworben, die unter anderem das Dach mit grünglasierten Dachsteinen neu decken und eine Schwammsanierung im Fachwerk vornehmen ließ sowie 2013 den Förderverein „Kulturdenkmal Schloss Isenschnibbe“ gründete, der die Instandsetzung des Schlosses zum Ziel hatte sowie die Parkanlage entwickeln und Teile des Schlosses für Kunst und Kultur öffentlich zugängig machen wollte.[5][6] Im Folgejahr wurde die Fassade saniert sowie eine neue Wetterfahne auf das Dach gesetzt.[7][8]

Im Dezember 2016 wurde das Gut Isenschnibbe, bestehend aus 18 Gebäuden, versteigert. Zu ihm gehören der alte Schafstall, der einstige Pferdestall, die ehemalige Brennerei sowie Wohngebäude. Das Areal umfasst 43.300 Quadratmeter.[9] Im März 2024 wurde bekannt, dass das Schloss für eine Seniorentagesstätte umgebaut wird.[10] Hierfür hatte der gemeinnützige Verein „Seniorentagesstätte Schloss Kläden“ im Jahr 2023 seinen Sitz nach Gardelegen verlegt, sich in „Schloss Isenschnibbe“ umbenannt und die Anmietung von Räumlichkeiten im Schloss beschlossen.[11]

Baubeschreibung

Das Herrenhaus ist ein neobarocker Putzbau von 1906 mit gut erhaltener Innenausstattung in Neobarock- und Jugendstilformen.[12] Mit dem Entwurf beauftragte man Karl Munte (Braunschweig), Bruder von Hans Munte. Geprägt wird der Außenbau durch einen Risalit an der Südseite, auf dem sich ein Balkon befindet und zu dem vom Park aus eine Freitreppe führt. Auf dem ausgebauten Mansarddach befindet sich ein Dachturm mit Schweifhaube.[1] Zudem wird das Dach durch Zwerchhäuser, Fledermausgauben und dekorative Türmchen gestaltet.

Im Innenbereich finden sich Stuckdecken, die neben dem Neobarock und dem Jugendstil auch dem Art-déco-Stil zugeordnet werden. Die Relieffriese, Wandvertäfelungen, Balkendecken und Kachelöfen wurde spätklassizistisch gestaltet, im Keller wurde eine neoromanische Pfeilerhalle eingerichtet.[1]

Bei der Toranlage des Wirtschaftshofes befindet sich das Verwalterhaus mit Krüppelwalmdach und Zwerchhaus. Die neogotischen Ziegelputzbauten sind ebenfalls auf das Jahr 1906 datiert.[1] Im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt ist das Areal als Gutshof mit der Erfassungsnummer 094 85569 registriert.[13]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e Dehio. Sachsen Anhalt I, S. 242.
  2. a b D. Roeldechen, Schmidt: Betreffend die Aufhebung der Kirche zu Isenschnibbe und die Umpfarrung der dortigen Parochianen in die Parochie der Stadt Gardelegen. In: Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg. Nr. 51. Magdeburg 1875, S. 398 (google.de).
  3. Berent Schwineköper: Provinz Sachsen Anhalt (= Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Band 11). 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9, S. 131.
  4. Schloss Isenschnibbe. Abgerufen am 3. September 2025.
  5. Berichte zur Denkmalpflege 2013. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2014, S. 14 (lda-lsa.de [PDF]).
  6. Cornelia Ahlfeld: Gründungsversammlung am Sonntagnachmittag / Erstes Projekt: Umgestaltung der Parkanlage. Ein Verein mit Schlüssel zum Schloss. In: volksstimme.de. 24. September 2013, abgerufen am 6. September 2025.
  7. Karsten Tenbrink: Neue Wetterfahne als Startsymbol. In: az-online.de. 27. März 2014, abgerufen am 6. September 2025.
  8. Förderverein finanziert die Arbeiten / Nutzungskonzept wird erstellt. Sandsteinfassade von Schloss Isenschnibbe gereinigt. In: volksstimme.de. 3. Mai 2014, abgerufen am 6. September 2025.
  9. Stefan Schmidt: 352.000 Euro für Gut Isenschnibbe. In: az-online.de. 20. Dezember 2016, abgerufen am 6. September 2025.
  10. Cornelia Ahlfeld: Einzug schon im Herbst? Neue Herrin für Schloss Isenschnibbe – mit Plänen für Senioren. In: gardelegen.de. 22. März 2024, abgerufen am 3. September 2025.
  11. Verein Schloss Isenschnibbe lädt zum „Tag der offenen Tür“ ein. In: meingardelegen.de. 26. Mai 2024, abgerufen am 6. September 2025.
  12. Markus Jager, Freundeskreis der Schlösser und Gärten der Mark: Schlösser und Gärten der Mark: Festgabe für Sibylle Badstübner-Gröger. Lukas Verlag, 2006, ISBN 978-3-936872-96-5 (google.de [abgerufen am 3. September 2025]).
  13. Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung. (PDF) 19. März 2015, abgerufen am 5. September 2025 (9,9 MB; Anfrage der Abgeordneten Olaf Meister und Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) – Kleine Anfrage 6/8670; Drucksache 6/3905 – Antwort durch das Kultusministerium – betrifft: Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt – siehe PDF-Seite 3900).

Koordinaten: 52° 32′ 5,5″ N, 11° 23′ 19,2″ O