Schloss Grabow
Das Schloss Grabow, auch als Burg Grabow oder Herrenhaus Grabow bezeichnet, ist eine denkmalgeschützte Schlossanlage an der Adresse Schulstraße 5 im südlichen Teil des zur Stadt Möckern gehörenden Dorfes Grabow in Sachsen-Anhalt. Das Schloss ist sowohl als Baudenkmal wie auch als Bodendenkmal unter Denkmalschutz gestellt.[1][2]
Architektur und Geschichte
Die Anlage ging aus einer Wasserburg hervor, die erstmals bereits in der Zeit um 940 erwähnt wurde. Im Jahr 948 wurde die Burg von Otto I. dem Magdeburger Mauritiuskloster gegeben. 1334 ging die Burg an die Familie von Wulffen.
Die Burg wurde als Rundburg angelegt. Sie steht auf einer künstlich aufgeschütteten Erhebung und wurde von einem breiten Wassergraben umgeben. Dieser Ringgraben ist noch heute erhalten. Nach Osten zur Schulstraße hin wird der Graben von einer einfeldrigen Steinbogenbrücke überspannt, über die der zur Burg hin ansteigende Burgzugang führt. Aus der frühen Zeit der Anlage ist im nördlichen Bereich auch ein Teil der Ringmauer erhalten. Sie wurde im 12. Jahrhundert mit einer Höhe von ungefähr sechs Metern errichtet und mit Zinnen bekrönt. Vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte eine Erhöhung auf in etwa elf Meter, wobei die ursprünglichen Zinnen zum Teil erkennbar blieben. Als Fragment sind noch Reste eines auf quadratischem Grundriss angelegten Bergfried zu erkennen, der den ursprünglich im nördlichen Teil der Ringmauer befindlichen Zugang zur Burg schützte. Der Zugang zum Inneren der Burg führte durch einen Zwinger von Osten bzw. Norden her.
An der Südostseite des Hofs befindet sich zwischen der nördlich angrenzenden Ringmauer und dem südlich gelegenen Wohnhaus das heutige Eingangsportal. Es entstand Anfang des 18. Jahrhunderts und ist als Korbbogen ausgeführt und wird von einem Sprenggiebel bekrönt.
Die Südseite des Hofs wird vom zweigeschossigen Herrenhaus eingenommen. Das Gebäude wurde 1621 im Barock, wohl unter Einbeziehung ältere Teile, für Hans-Christoph von Wulffen errichtet und 1713 umgestaltet. Vom Vorgängerbau stammt eine oberhalb des Eingangs angebrachte Wappentafel aus dem Jahr 1621. Der große zweigeschossige Bau verfügt über zwölf Achsen und wird schlicht durch Pilaster gegliedert. Der von einem Mansardwalmdach bedeckte Bau wurde in der Zeit um 1900 umgebaut. In dieser Zeit entstand auch ein Wintergarten, der eine Beziehung zum großen Gutspark herstellte, wobei die Sichtbeziehung durch Neubauten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinträchtigt wurde.
Der Gutspark war ab 1901 durch den damaligen Eigentümer, dem Landschaftsrat (ähnlich dem Ritterschaftsrat), Olof von Lindequist[3][4] angelegt wurden. Hr. O. von Lindequist war im Hauptberuf[5] kgl. preuß. Forstmeister in der Letzlinger Heide und betreute dort seit 1894 mehrfach Kaiserjagden[6] und war ebenso als Forstmann Autor von verschiedener Fachpublikationen.[7] Durch sein Wirken entstanden am Herrenhaus Grabow Brücken und auch Grab- und Gedenksteine für Angehörige der Familien von Lindequist und von Rohr. Der Garten im unmittelbaren Umfeld des Herrenhauses entstand als Terrassengarten. Die alten Burggräben wurden zum Teil zu Teichen erweitert und mit Gehölzen in Form von Kulissen bepflanzt.
Das zum Herrenhaus zugehörige 719 ha große Rittergut wurde bis in die 1920er Jahre in Eigenregie bewirtschaftet.[8] Da der einzige Sohn der Familie von Lindequist im Ersten Weltkrieg starb[9] übernahm zuletzt der Enkel des Eigentümers Olaf von Lindequist, der Rechtsanwalt Hans Olof von Rohr (1908–1966), den Besitz als Gutsleiter. Er lebte später mit seiner Familie in der Republik Südafrika, war dort Konsul und starb mit seiner Ehefrau Valérie von Rohr-Manze in der neuen Heimat.[10]
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss enteignet und als Schule und Gemeindeverwaltung genutzt.
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Reste der nördlichen Ringmauer, Außenseite.
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Ringmauer, Innenseite.
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Blick vom Hof zum Portal.
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Südseite des Herrenhauses.
Im Jahr 1997 wurde das Schloss von der Familie[11] des S. von Eichborn erworben und dient Wohnzwecken.[12]
Im Denkmalverzeichnis der Stadt Möckern ist das Schloss unter der Erfassungsnummer 094 05692 als Baudenkmal eingetragen.[13]
Literatur
- Folkhard Cremer, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg. Hrsg. Georg Dehio Nachfolge / Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 416.
- Matthias Prasse: Historische Häuser und Gärten in Sachsen-Anhalt. Hrsg. Historische Häuser und Gärten Sachsen-Anhalt e.V., Maxdorf/Cattenstedt 2017, S. 23.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Landtag.Sachsen-Anhalt.de: Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt.
- ↑ Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 25.02.2016 Drucksache 6/4829 (KA 6/9061) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel) 1940. Jg. 32. (GGT), Justus Perthes, Gotha 1939, S. 358 f. Siehe: FamilySearch (Kostenfrei).
- ↑ Vgl. Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke: Gothaisches Genealogisches Handbuch, Adelige Häuser, Band 2, Verlag des Deutschen Adelsarchivs, Marburg 2016. ISBN 978-3-9817243-3-2.
- ↑ Fritz Graf von Schwerin: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. 1912. Nr. 21, Expedition L. Beissner, Berlin/Bonn-Poppelsdorf 1912, S. 445.
- ↑ Wolfram Theilemann: Adel im grünen Rock. Adliges Jägertum, Großprivatwaldbesitz und die preußische Forstbeamtenschaft 1866-1914. Auflage Online-Ressource, Akademie Verlag / de Gruyter, Berlin/Boston 2009, ISBN 978-3-05-004746-1, S. 467.
- ↑ Vgl. Olof von Lindequist: Die Entwicklung und die Folgen des Spannerfrasses in der Letzlinger Heide. Bericht. Hrsg. Märk. Forstverein, Verlag Neumann, Neudamm 1903, S. 9–24. In: Helios. Verlag R. Friedländer. Berlin 1903.
- ↑ Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. [1922]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 26–27.
- ↑ Alexis von Schoenermarck (Hrsg.): Helden-Gedenkmappe des deutschen Adels. Verlag Wilhelm Petri, Stuttgart 1921, S. 184. Siehe: Internet Archive.
- ↑ Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1985. Band XVIII, Band 87 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, S. 380.
- ↑ Balley Brandenburg/Johanniterorden (Hrsg.): Verzeichnis der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. Stand Januar 2019. Ber. Prov. Schlesien, Eigenverlag, Potsdam/Berlin 2019, S. 521.
- ↑ Matthias Prasse: Historische Häuser und Gärten in Sachsen-Anhalt. Hrsg. Historische Häuser und Gärten Sachsen-Anhalt e.V., 2017, S. 23.
- ↑ Landtag.Sachsen-Anhalt.de: Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, S. 2496.
Koordinaten: 52° 14′ 43,6″ N, 11° 57′ 40″ O