Schloss Duino

Castello di Duino

Schloss Duino, Ansicht vom Rilke-Weg

Alternativname(n) Schloss Duino
Staat Italien
Ort Duino-Aurisina (IT)
Entstehungszeit (Grundmauern) 11. Jahrhundert; Ausbauphasen ab 14. Jahrhundert
Burgentyp Felsenburg / Küstenlage
Erhaltungszustand erhalten
Geographische Lage 45° 46′ N, 13° 36′ O

Das Schloss Duino (italienisch Castello di Duino) befindet sich im Ortsteil Duino der Gemeinde Duino-Aurisina in der Provinz Triest (Friaul-Julisch Venetien).

Es befindet sich seit über 420 Jahren im Besitz der Familie Della Torre, zunächst des Zweigs Della Torre di Valsassina (von Thurn-Hofer und Valsassina) und später der Herzöge Della Torre e Tasso (Thurn und Taxis), die den Titel eines Reichsfürsten und Herzogs von Castel Duino tragen. Letzterer Titel wurde vom König Viktor Emanuel III. verliehen. Seit 2003 sind das Schloss und der Park für die Öffentlichkeit zugänglich.

Vom Schloss aus bietet sich ein weiter Blick über die steilen Felsklippen, die direkt ins Meer abfallen. Im Park befindet sich ein Bunker, der während des Zweiten Weltkriegs militärisch genutzt wurde.

Geschichte

Das Schloss wurde auf den Ruinen eines römischen Vorpostens errichtet und schließt einen Turm aus dem 16. Jahrhundert ein.

Die Errichtung des Schlosses wurde 1389 von Ugone di Duino, dem Hauptmann von Triest, veranlasst, als Ersatz für das ältere Castelvecchio aus dem 10. Jahrhundert, dessen Ruinen noch heute auf einem Felsvorsprung über dem Meer sichtbar sind.

Nach Ugones Tod erbte Ramberto von Walsee, Bruder seiner ersten Frau, die Anlage und vollendete sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts.[1]

Im Jahr 1472[1] ging die Herrschaft Duino, und damit das Schloss, von den Walsee an Kaiser Friedrich III. über, der dort seinen Hauptmann und Rentmeister zu Tybein und am Karst einsetzte. Es folgten Niklas Lueger, Jürgen von Ellach und Kaspar Rauber, die in der Verteidigung Triests gegen das venezianische Heer 1463 eine wichtige Rolle spielten. Die kaiserlichen Hauptleute verstärkten die Befestigungen des Schlosses[1], sowohl wegen der türkischen Bedrohung als auch zur Abwehr venezianischer Angriffe.

1514[1] erhielt Johann Hofer, Waffenbruder Kaiser Maximilians I., die Herrschaft Duino als erbliches Pfand für die Finanzierung neuer Festungsanlagen in Triest. 1522 fiel Duino an das Herzogtum Krain.[1] Nach dem Aussterben der Familie Hofer von Hoenfels im Jahr 1587[1] ging das Schloss an die beiden Töchter Ludovika und Maria Clara Orsa über.[2] Beide heirateten nacheinander den Grafen Raimondo della Torre di Valsassina, der auch den Namen Hofer übernahm, später in der deutschen Form von Thurn-Hofer und Valsassina. Das Schloss blieb über 250 Jahre im Besitz dieser Linie.

Im Jahr 1849 heiratete die Gräfin Theresa von Thurn-Hofer und Valsassina, letzte direkte Nachfahrin der Della Torre di Valsassina, den Fürsten Egon zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Ihre Tochter Maria ehelichte 1875 in Venedig den Prinzen Alexander von Thurn und Taxis aus dem böhmischen Zweig der Familie und brachte das Schloss als Mitgift in die Ehe ein.

Der Dichter Rainer Maria Rilke hielt sich 1912 als Gast der Prinzessin Marie von Thurn und Taxis (geborene Hohenlohe) im Schloss auf. Dort begann er die Arbeit an seinen Duineser Elegien, die er ihr später widmete.[3]

Bis 1918 lag das Schloss im Kronland Österreichisches Küstenland von Österreich-Ungarn fast unmittelbar zur Staatsgrenze zum Königreich Italien. Durch die Ereignisse des Ersten Weltkriegs wurde das Schloss schwer beschädigt.[4][5][6] Das K.u.k. Kriegspressequartier veröffentlichte Bilder der Schäden.

Der Sohn Alexander (Alessandro, geb. 1881) erbte das Schloss. König Viktor Emanuel III. erhob ihn zum ersten Herzog von Castel Duino, und 1923 wurde er samt seinen Nachkommen als italienischer Staatsbürger naturalisiert.[7]

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs diente das Schloss als Hauptquartier für das britische XIII Corps (United Kingdom) unter dem Kommando von Lt. Gen. Sir John Harding, 1. Baron Harding of Petherton. Diese Einheit war Bestandteil des Mediterranean Theater of Operations.

1945 gab die jugoslawische Besatzungsverwaltung eine Briefmarke mit dem Motiv des Schlosses Duino im Wert von zwei Triestiner Lire heraus, die in Istrien und im slowenischen Küstenland in Umlauf war.[8]

Im Schloss Duino hatte die Regierung der Zone A des Freien Staates Triest (1947/1954) ihren Sitz. Hier befindet sich auch das 1982 von der UNESCO gegründete United World College of the Adriatic.

Zu Ehren Rilkes wurde der etwa zwei Kilometer lange Rilkeweg (italienisch Sentiero Rilke) zwischen Duino und der Bucht von Sistiana nach ihm benannt. Der Weg wurde 1987 nach Restaurierungsarbeiten eröffnet und bietet eindrucksvolle Ausblicke auf die Naturreservat der Duiner Felsklippen.

Mit dem Schloss ist auch die Legende der „Weißen Dame“ verbunden, der Gattin eines Schlossherrn, die ins Meer gestürzt wurde und sich in den heute sichtbaren Felsen vor der Küste verwandelt habe.[9]

2008 und 2009 war das Schloss Austragungsort des Literaturpreises „Alabarda d’oro“ („Preis der Stadt Triest“).[10]

Sprachliches

Nach einem im Jahr 1860 in der Wiener Tageszeitung Die Presse erschienenen Artikel hätte das Schloss den eigentlichen Namen Tibein getragen.[11]

Literatur

  • Matthias Jacob. Triest : mit Ausflügen zum Schloss Miramare, nach Duino und ins Karstgebiet. Trescher Verlag, Berlin. 2025. ISBN 978-3-89794-8-341
  • Rodolfo Pichler. Il castello di Duino : memorie. Seiser. Trento. 1882[12]
  • Otto Piper. Die Burgen Kärntens : mit Krain, Istrien und Duino. Winkler-Hermaden, Schleinbach. 2014. ISBN 978-3-95036116-2
  • AA. VV.: Castello di Duino, Compiegne 1997.
  • Ettore Campailla, Gabriele Crozzoli: Il castello di Duino: dei principi della Torre e Tasso. Triest: Mgs Press, 1996, ISBN 978-88-86424-37-0.
  • Pierpaolo Dorsi (Hrsg.): Dottor Serafico. La memoria di Rainer Maria Rilke e l'archivio del castello di Duino. Triest: Lint Editoriale, 1999, ISBN 978-88-8190-100-5.
  • Rodolfo Pichler: Il castello di Duino: memorie. Trient: Seiser, 1882.
  • Dušan Jelinčič: La dama bianca di Duino. Reggio Emilia: Diabasis, 2011, ISBN 978-88-8103-749-0.
  • Giulia Schiberna: Guida al castello di Duino. Triest: Edizioni Fenice, 2005.
  • Josè Gustavo Martínez-Vilma Novick Freyre: L'ultimo maggiordomo. I segreti del Castello di Duino. Udine: Tipografia Savorgnan, 2000.

Siehe auch

Commons: Castello di Duino – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Paolo G. Parovel: Il tabor di Repen, Inserto Nr. 97, Documenti del Consorzio per la salvaguardia dei castelli storici del Friuli Venezia Giulia.
  2. Ettore Campailla: Il castello di Duino: dei principi della Torre e Tasso. Mgs Press, Triest 1996, ISBN 978-88-86424-37-0, S. 15 (Campailla).
  3. Pierpaolo Dorsi (Hrsg.): Dottor Serafico. La memoria di Rainer Maria Rilke e l'archivio del castello di Duino. Lint Editoriale, 1999, S. 30 (Dorsi).
  4. ANNO, Vorarlberger Volksfreund, 1916-02-08, Seite 1. Abgerufen am 2. November 2025.
  5. ANNO, Grazer Volksblatt, 1916-02-08, Seite 12. Abgerufen am 2. November 2025.
  6. ANNO, Lagerzeitung für Wagna, 1916-02-09, Seite 2. Abgerufen am 2. November 2025.
  7. Giulia Schiberna: Guida al castello di Duino. Edizioni Fenice, Triest 2005, S. 29 (Schiberna).
  8. Istria, litorale sloveno - 2 Lire
  9. Friuli Venezia Giulia, Guida Touring Club Italia, 1982; siehe auch Dušan Jelinčič: La dama bianca di Duino, Reggio Emilia 2011.
  10. Il castello di Duino cambia proprietario per 10 milioni. (gelocal.it [abgerufen am 31. Oktober 2025]).
  11. ANNO, Die Presse, 1860-07-03, Seite 9. Abgerufen am 2. November 2025.
  12. https://search.obvsg.at/primo-explore/fulldisplay?docid=OBV_alma71308849890003331&context=L&adaptor=Local%20Search%20Engine&vid=OBV&lang=de_DE&search_scope=OBV_Gesamt&tab=default_tab&query=addsrcrid,exact,AC10197862. Abgerufen am 1. November 2025 (englisch).