Schloss Bertoldsheim

Das Schloss Bertoldsheim ist eine barocke zweigeschossige Dreiflügelanlage mit dreigeschossigem Walmdach. Es steht am Rande eines felsigen, vorspringenden Hügels, einem südlichen Ausläufer des schwäbisch-fränkischen Jura, im Ortsteil Bertoldsheim des Marktes Rennertshofen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Anlage ist unter der Aktennummer D-1-85-153-46 als denkmalgeschütztes Baudenkmal von Bertoldsheim verzeichnet. Ebenso wird sie als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-1-7232-0259 im Bayernatlas als „spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Burgstall, frühneuzeitliches Schloss Bertoldsheim“ geführt.

Geschichte

Wo heute das Schloss steht, stand bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ein dicker, viereckiger Kropfquaderturm, an dem dann eine Burg angebaut wurde. Besitzer waren die Grafen von Graisbach.

Nach mehreren Herrschaftswechseln kaufte in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts Freiherr Franz Fortunat von Ysselbach, der unter anderem kurpfälzischer General, Gouverneur von Mannheim und kaiserlicher Generalfeldzeugmeister war, Bertoldsheim. Er ließ dort in den Jahren 1714 bis 1730 ein repräsentatives Barockschloss mit 25 Tagewerk Parklandschaft errichten.[1] Als Bauleiter beauftragte er den Schweizer Fürstbischöflich Eichstätter Hofbaudirektor Gabriel de Gabrieli.

1790 ging das Mann- und Ritterlehen an die Freiherrn von Hornstein über. Freiherr Adam Bernhard von Hornstein-Göffingen ließ einige Innenräume verschönern, gestaltete den Park neu und ließ eine Lindenallee anlegen, die heute noch teilweise vorhanden ist, bzw. neu aufgeforstet wurde. 1800 kaufte der Hoffaktor des bayerischen Königs, Graf von Eckart († 1828), die Hofmark Bertoldsheim, die schließlich an seinen französischen Schwiegersohn General Graf Charles Dumoulin-Eckart (1768–1847) (Karl Du Moulin; Adelsgeschlecht Du Moulin-Eckart) überging. 1856 kam das gesamte Areal in den Besitz von dessen Sohn Graf Karl Eduard Marcell Du Moulin-Eckart (1808–1891), der Großvater[2] von Richard Du Moulin-Eckart und Schwiegersohn von Maximilian Seyssel d’Aix. Zwischenzeitlich stand der bayrische Kammerherr Graf Karl H. F. du Moulin-Eckart dem Gutsbesitz vor.[3]

Nach Kriegsende, 1945/46, hatten amerikanische Soldaten Kunstschätze aus dem Herrenhaus verschleppt.

Die Familie[4] von Karl Leon Du Moulin-Eckart (1900–1991) war bis 2008 Schlosseigentümer. Die Witwe Eva Gräfin Du Moulin-Eckart (geb. Kusche) veräußerte als Eigentümerin des Schlosses im Jahr 2005 bewegliche Kunstschätze wie zum Beispiel Barockkommoden, Ölgemälde, Bücher, Büsten, Stiche, Schreibtischsekretäre über das Aktionshaus Sotheby’s.[5]

Das Ehepaar Erina Gräfin und Josef Paul Graf Du Moulin Eckart erwarb das Barockbauwerk mit seinem ihn umgebenden Park und Nebengebäuden 2008 und sanierte die Anlage in den folgenden Jahren.[6] Dafür erhielten sie 2022 die Bayerische Denkmalschutzmedaille.[7]

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Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band III: Süddeutschland. Hrsg. Tag der Denkmalpflege, Ernst Wasmuth A.-G. Berlin 1908, S. 61.
  • Adam Horn und Werner Meyer: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Regierungsbezirk Schwaben, Band V., Stadt und Landkreis Neuburg a. d. Donau. München 1958, ISBN 3-486-50516-5, S. 411–418.

Quellen

  1. Siehe Literatur: Horn/Meyer, München 1958, S. 411 ff.
  2. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel) 1941. Jahrgang 114, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 330 ff.
  3. Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist`s? Zeitgenossenlexikon. IV. Ausgabe, Oscar Brandstetter-Leipzig, Selbstverlag, Leipzig 1909, S. 953.
  4. Vgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1965. Band III, Band 35 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1965, ISSN 0435-2408, S. 186.
  5. Donaukurier vom 13. Dezember 2007
  6. Donaukurier vom 10. September 2008
  7. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalschutzmedaille 2022. München 2022, S. 13 (online [PDF; 5,7 MB; abgerufen am 21. September 2025]).

Koordinaten: 48° 44′ 29,3″ N, 11° 1′ 9,2″ O