Schleuse Lanaye
| Schleuse Lanaye | ||
|---|---|---|
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Schleusenkomplex Lanaye (2021) | ||
| Lage | ||
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| Koordinaten | 50° 47′ 40″ N, 5° 41′ 21″ O | |
| Land: | Belgien | |
| Gewässer: | Albert-Kanal | |
| Daten | ||
| Betreiber: | Wallonie Infrastructures SOFICO | |
| Planungsbeginn: | 1930 | |
| Betriebsbeginn: | 1939 | |
| Schleuse | ||
| Typ: | 4 Kammerschleusen | |
| Durchschnittliche Fallhöhe: |
13,7 m | |
| Sonstiges | ||
Die Schleuse Lanaye (NL: Schleuse von Ternaaien) ist eine Schleusenanlage am Albert-Kanal in Belgien an der Grenze zu den Niederlanden. Sie markiert einen Knotenpunkt der Binnenschifffahrt in Europa, der die Wasserstraßen Belgiens, Frankreichs, der Niederlande, Deutschlands und Zentraleuropas miteinander verbindet. Vier Schleusen überwinden einen Höhenunterschied von rund 15 Metern und führen zum Ternaaien-Kanal, der zwei Kilometer kurzen Verbindung zur Maas, worüber die Schiffe nach Maastricht und weiter zum Rhein und nach Rotterdam gelangen.[1]
Lage
Der kleine namensgebende Ort Lanaye (ndl. Ternaaien) liegt sieben Kilometer südlich von Maastricht an der Maas, die dort die Grenze zwischen Belgien und den Niederlanden bildet. Nördlich vom Ortszentrum befindet sich unterhalb des Caestert-Bergmassivs aus Kalkstein der Schleusenkomplex von Lanaye. Im Oberwasser verläuft der Albert-Kanal weiter in Richtung Nordwesten und durchschneidet das Bergmassiv, in dem unterirdisch die ehemalige Festung Eben-Emael gebaut worden war. Das Unterwasser vereinigt sich nach zwei Kilometern als Ternaaien-Kanal (FR: Canal de Lanaye) mit der Maas.
Geschichte
In der Nähe der heutigen Schleusenanlage standen seit Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Schleusen des ehemaligen Lüttich-Maastricht-Kanals, der als Seitenkanal der Maas am linken Ufer verlief. Sein südlicher Ast wurde in den 1930er Jahren bis zum neu angelegten Durchstich am Caestert-Bergmassiv bei Lanaye durch den Albert-Kanal überbaut. Um den Bergabtrag am Durchstich zu minimieren, erhielt der Kanal eine erheblich höhere Wasserspiegellage, die durch hohe Dämme an beiden Seiten des alten Kanals erreicht wird. Um am Abzweig nach Maastricht das alte Kanalbett bei Petit Lanaye (NL: Klein Ternaaien) wieder zu erreichen, war eine neue Schleuse mit 15 m Fallhöhe erforderlich. Ab 1939 konnte über eine Zwillingsschleuse mit zwei 55 m langen Kammern der nun Ternaaien-Kanal genannte Abschnitt im Unterwasser erreicht werden. Die Abmessungen reichten zu der Zeit für die vielfach vorhandenen Kempenaar-Schiffe der CEMT-Klasse II, die eine Tragfähigkeit von 600 Tonnen besitzen. Die beiden Schleusen sind heute nicht mehr in Betrieb.[2]
Mit dem Anwachsen des Schiffsgrößen in den 1950er Jahren kamen immer größere Binnenschiffe in Fahrt – auf dem Albert-Kanal und Julianakanal, dem Seitenkanal der Maas, waren schon 2.000-Tonnen-Schiffe zugelassen. Damit wurde die alte Zwillingsschleuse immer mehr zu einem Engpass im Schiffsverkehr und sorgte als „Stop von Ternaaien“ für Streitigkeiten zwischen Belgien und den Niederlanden.[3] Um dem Trend Rechnung zu tragen, ließ Belgien eine größere Schleusenkammer in Lanaye hinzubauen. Aufgrund ihrer Länge von 136 Metern und der vergrößerten Breite können seit 1961 auch die großen Rheinschiffe mit 2000 Tonnen Tragfähigkeit die Fallstufe passieren.
Die Regierungen der Wallonie und der Niederlande trafen 2001 eine Vereinbarung über den gemeinsamen Bau einer vierten Schleusenkammer, die noch deutlich länger und breiter werden sollte. 2011 begannen die Bauarbeiten, die mit der Eröffnung durch König Philippe von Belgien im November 2015 endeten. Sie besitzt eine 225 m lange Schleusenkammer mit einer Breite von 25 Meter, wodurch nun bis zu vier Einheiten der Großmotorgüterschiffe (CEMT-Klasse Vb) gleichzeitig in die Schleusen passen. Auch zwei lange Schubverbände mit jeweils zwei Leichtern in Längsrichtung können nebeneinander in der Kammer liegen. Auch Schubverbände in 2+2 Anordnung mit bis zu 9.000 Tonnen wären möglich, die aber die Maas nicht befahren können. Mit der Baumaßnahme wurde eine Pumpstation errichtet, um den Schleusenverlust auszugleichen sowie ein Wasserkraftwerk angelegt, das in Abhängigkeit der Strömungsverhältnisse in der Maas Energie produziert.[2] Verantwortlicher Bauherr und Betreiber der Schleusenanlage ist die wallonische Behörde SOFICO.
Die Europäische Investitionsbank hat den Neubau der großen Schleuse mit finanziert, da sie das Verbindungsstück auf der Binnenwasserstraße Rhein/Maas-Main-Donau darstellt, die seit 1996 zum Transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V) gehört. Es wird erwartet, dass sich aufgrund der größeren Kapazität der Verkehr auf der Maas spürbar erhöhen wird.[4] Insgesamt kostete der Bau 153 Millionen Euro, von denen der größte Teil mit 115 Millionen Euro von der Wallonie beigesteuert wurden. 28 Millionen Euro kamen von der Europäischen Kommission und zehn Millionen Euro hatte der niederländische Staat aufgebracht.[5]
Tabelle Schleusendaten
| Technische Daten der Schleusen | |||
|---|---|---|---|
| Kammer | Altschleuse | Großschleuse | Neue Schleuse |
| Bauzeit: | 1930–1939 | 19??–1961 | 2011–2015 |
| Typ: | Zwillingsschleuse | Kammerschleuse | Kammerschleuse |
| Kategorie: | II | Va | VIb |
| Länge: | 2 * 55 m | 136 m | 225 m |
| Breite: | 2 * 7,50 m | 16 m | 25 m |
| Drempeltiefe: | m | m | m |
| max. Schiffsgröße | 600 t | 2.000 t | 9.000 t |
| Oberwasser: | 2 Stemmtore | Hubtor seitl. | Klapptor |
| Unterwasser: | 2 Hubtore | Stemmtor | Stemmtor |
Auffällige Hochbauten an den Schleusenkammern sind die Torbrücken über den Hubtoren. Die Altschleuse von 1939 besitzt für jede Kammer ein Hubtor. Beide Tore hängen in einer massiven Torkonstruktion über dem Unterhaupt. Das Oberhaupt der Großschleuse wird von einem Stahlgerüst überspannt, das bis auf die Ostseite neben der Kammer reicht. Das Tor ist am Gerüst über Seile aufgehängt und wird zum Bewegen zunächst leicht angehoben. Anschließend wird zur Öffnung das Tor seitlich verfahren und in der seitlichen Torkammer abgesetzt.
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Zwei Hubtore am Unterhaupt der Altschleuse
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Hubtor hängend über Oberhaupt der Großschleuse
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Stemmtor in Nische am Unterhaupt der Neuen Schleuse
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Klapptor am Oberhaupt Neue Schleuse
Weblinks
- Design and construction of the fourth Lock of Lanaye Bundesanstalt für Wasserbau – Kolloquium Neubau von Wasserbauwerken 14. und 15. Mai 2019
- Studie für die neue 225 m x 25 m Schleuse in Ivoz-Ramet
- Neue Schleusenkammer bringt 9.000-Tonnen-Verbände auf die Maas Nachrichtenportal bonapart.de
Einzelnachweise
- ↑ Die Schleuse von Lanaye. In: paysdeherve.be. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ a b Schleuse in Lanaye. In: sofico.org. Wallonie Infrastructures, abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Die Schleuse von Lanaye. In: opdegrens.eu. 2011, abgerufen am 6. Januar 2026 (niederländisch).
- ↑ EIB unterstützt Ausbau des Wasserstraßennetzes im Herzen Europas. In: eib.org. Europäische Investitionsbank, 13. November 2015, abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Schleuse zwischen Lüttich und Maastricht eingeweiht. In: grenzecho.net. 13. November 2015, abgerufen am 14. Dezember 2025.