Schlagregen
Als Schlagregen wird Regen bezeichnet, der vom Wind aus seiner lotrechten Fallrichtung abgelenkt wird. Die Regentropfen können so auch senkrechte Flächen erreichen, die durch ein Gesims, eine vorstehende Mauerkrone oder einen Dachüberstand geschützt sind.
Schlagregen hat Einfluss auf die Beständigkeit von Mauern, Außenwänden und Fassaden, insbesondere auf deren Anstriche, Verputze oder Verkleidungen.
Poröse Baustoffe können auftreffendes Wasser aufsaugen (Kapillarwirkung). Ab einem bestimmten Feuchtigkeitsgehalt kann es zu Feuchteschäden wie Ausblühungen, Frostschäden, Auswaschung, Schimmel- und Pilzbefall kommen.
Feuchte Bauteile unterliegen oft einer beschleunigten Verwitterung. Besonders gefährdet sind Holzoberflächen und unverputztes Mauerwerk, da die Feuchtigkeit in Fugen und Risse eindringt.
Im Bemühen, die Wasseraufnahme der Außenwand zu begrenzen, dürfen jedoch keine allzu dichten Materialien oder Beschichtungen gewählt werden. Einschalige Außenwände müssen durchgängig zum kapillaren Wassertransport befähigt sein, um Wasser abführen zu können, welches aus verschiedenen Quellen in die Wand gelangt:
- durch Aufnahme von Schlagregen in der Fläche, durch Anschlussfugen oder durch Schadstellen wie Risse
- durch einen Wasserschaden
- durch Aufnahme von Wasser aus der Innenraumluft (Feuchteaustausch durch Diffusion, Oberflächen- und Kapillarkondensation)
Einschätzung der Schlagregen-Intensität
Die Menge des auf eine vertikale Wand auftreffenden Schlagregens beträgt etwa ein Fünftel der horizontal gemessenen Regenmenge multipliziert mit der Windgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde. Bei einer Windgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde (18 km/h) ist die vom Wind an eine Wand getriebene Regenmenge also etwa gleich groß wie die auf den Boden treffende Regenmenge, da der Regeneinfallswinkel dann rund 45° beträgt.[1]
Die Schlagregen-Intensität an Küstengebieten kann anhand der mittleren jährlichen Regenmenge und der mittleren Windgeschwindigkeit abgeschätzt werden. Für das Inland gilt dies nicht, da hier der Wind weniger regelmäßig und gleichmäßig weht. Stattdessen treten hier Wind und Regen oft zeitgleich auf.[1]
Die DIN 4108 Wärmeschutz im Hochbau, Teil 3, definiert drei Beanspruchungsgruppen.[2]
- Beanspruchungsgruppe I - Geringe Schlagregenbeanspruchung
- Im allgemeinen Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen unter 60D mm sowie besonders windgeschützte Lagen auch in Gebieten mit grösseren Niederschlagsmengen.
- Beanspruchungsgruppe II - Mittlere Schlagregenbeanspruchung
- Im allgemeinen Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen von 600 bis 805 mm sowie windgeschützte Lagen auch in Gebieten mit grösseren Niederschlagsmengen. Hochhäuser und Häuser in exponierter Lage in Gebieten, die auf Grund der regionalen Regen- und Windverhältnisse einer geringen Schlagregenbeanspruchung zuzuordnen wären.
- Beanspruchungsgruppe III - Starke Schlagregenbeanspruchung
- Im allgemeinen Gebiete mit Jahresniederschlagsmengen über 800 mm sowie windreiche Gebiete auch mit geringeren Niederschlagsmengen (z. B. Küstengebiete, Mittel- und Hochgebirgslagen, Alpenvorland). Hochhäuser und Häuser in exponierter Lage in Gebieten, die auf Grund der regionalen Regen- und Windverhältnisse einer mittleren Schlagregenbeanspruchung zuzuordnen wären.
Zusätzlich enthält die DIN 4108-3 eine Karte, die Deutschland in drei Schlagregenzonen aufteilt, in denen überwiegend die oben genannten Beanspruchungsgruppen vorliegen:
- Zur Schlagregenzone/Beanspruchungsgruppe I gehören ein Gebiet unterhalb von Mainz, der östliche Teil von Mecklenburg-Vorpommern, Sachen-Anhalt mit Ausnahme des Harz, der nordöstliche Teil von Thüringen, der nordwestliche Teil von Sachsen und Brandenburg insgesamt.
- Zur Schlagregenzone/Beanspruchungsgruppe II gehört das östliche Niedersachsen, das westliche Franken, die Rhein-Main-Region, das Rheinland und der Niederrhein sowie Gebiete im Regenschatten von Mittelgebirgen.
- Zur Schlagregenzone/Beanspruchungsgruppe III gehören das westliche Niedersachsen, Schleswig-Holstein und die Küstengebiete der Ostsee bis Rügen, das Alpenvorland und alle Mittelgebirge.
Schutz vor Schlagregen
Lässt sich durch eine Überdachung kein ausreichender konstruktiver Schutz erreichen, so kann die Schlagregen-Beständigkeit der Wandoberfläche durch andere Maßnahmen erhöht werden:
- Die vom Regen benetzbare Wandoberfläche wird möglichst klein gehalten, etwa indem Löcher und Risse ausgebessert werden. Kleinteilige Unebenheiten und unerwünschte Strukturen können gegebenenfalls durch Verputz oder Verkleidung überdeckt werden.
- Die Wasseraufnahme von porösen Bauteiloberflächen wird reduziert, indem ein Anstrich, eine Bekleidung oder eine Verkleidung aufgebracht wird.
- Wandoberfläche sowie Kapillaren werden durch Hydrophobierung wasserhemmend oder wasserabweisend ausgerüstet.
- Waagerechte Flächen wie Absätze und Hinterschneidungen werden durch Anschrägung, Verputz, Anstrich oder Verblechung (Verwahrung) geschützt.
- Die Wandfläche wird durch Fassadenbewuchs vor Schlagregen geschützt.
Als Verkleidung werden heute eine Vielzahl an Materialien angeboten, etwa Keramik- bzw. hartgebrannte Ziegelplatten, Glas, profilierte Blechtafeln oder -elemente, Alucobond-Platten, Faserzement-Platten und beschichtete Holzwerkstoffplatten.
Um Schäden zu vermeiden, müssen die Bauteile, die mit dem Schlagregen in Berührung kommen können, möglichst dicht sein, oder sie müssen unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit sein. Bei Holzoberflächen versucht man beispielsweise, Tropfkanten anzuordnen oder Holzschutzmittel aufzutragen. Mauerwerksfugen dürfen nicht zu tief liegen, sondern müssen nahezu bündig mit dem Mauerstein sein. Putz schützt besonders gut, wenn er hydrophob, also wasserabweisend ist.
In exponierten Lagen wie an der Meeresküste und in Mittelgebirgen wird insbesondere das Mauerwerk an der Wetterseite durch verschiedene traditionelle Verfahren geschützt:
- Die Wand wird zweischalig mit zwischenliegender Luftschicht aufgemauert.
- Die Fassade wird durch eine (hinterlüftete) Holzverschalung geschützt.
- Die Fassade wird durch angenagelte Ziegel, Blechelemente, Schieferplatten oder Stehfalzprofile geschützt.
- Fassaden-Ziegel oder Verputz werden mit porenschliessender und zugleich diffusionsoffener Kalk- oder Kalkkaseinfarbe gestrichen.
- Die äußere Mauerschicht wird aus dichten Naturstein oder wenig saugenden Ziegeln wie Klinker oder Vormauerziegeln hergestellt.
- In Ländern wie Dänemark ist es üblich, die Mauerziegel mit einem Schlämm- oder dünnem Spritzputz zu überziehen.
Siehe auch
Literatur
- Batran, Bläsi, Eichner: Fachwissen Bau. 8. Auflage. Handwerk und Technik Verlag, 2002, ISBN 3-582-03503-4.
Einzelnachweise
- ↑ a b Schlagregenbeanspruchung von Gebäuden und Beurteilung des Schlagregenschutzes von Aussenputzen (pdf-Datei), F 1775, Fraunhofer Institut für Bauphysik - Aussenstelle Holzkirchen, Fraunhofer IRB Verlag, August 1981. In: irbnet.de
- ↑ Sylvia Stürmer, Lars Dahlem: Witterungsschutz bei Außenputzen - Eine vergleichende Bewertung unterschiedlicher Prüfverfahren zur kapillaren Wasseraufnahme (pdf-Datei), Zeitschrift Bausachverständige, 2/2024. In: bausv.online