Schlachtendenkmal
Das Schlachtendenkmal ist eine 1899 errichtete Gedenkstätte auf dem Zürichberg in Zürich-Fluntern, die an die Erste und Zweite Schlacht bei Zürich 1799 erinnert.
Geschichte
Das Denkmal geht auf die Initiative des Verschönerungsvereins Zürich zurück, der das Zentenarium der beiden Franzosenschlachten mit einer kleinen Feier und der Errichtung eines Gedenksteins begehen wollte. Im April 1899 erteilte der Zürcher Stadtrat die Bewilligung zum Bau des Denkmals.[1] Louis Wethli fertigte die Pläne an, die von Baumeister Albert Grether ausgeführt wurden.[2]
Die Einweihung fand am 5. Juni 1899 statt. Ein Quintett der Stadtmusik «Concordia» eröffnete den Anlass, woraufhin Conrad Escher, der Präsident des Verschönerungsvereins, eine Rede hielt, in der er die Ereignisse von 1799 resümierte und an die Jugend appellierte, «sich willig dem vom Staate geforderten vaterländischen Dienste zu unterziehen, dem einzigen Mittel, um inskünftig zu hindern, daß fremde Heere auf unserm Boden ihre Schlachten ausfechten». Die Festgemeinde besichtigte die Reste der französischen Befestigungsanlagen. Zum Schluss ergriffen Albert Gattiker, der letzte Präsident der 1892 eingemeindeten Gemeinde Hirslanden, und der Stadtrat Elias Hasler im Namen der Stadt Zürich das Wort.[3]
Im Juni 1961 wurde das Denkmal von Unbekannten mit roter Farbe beschmiert.[4]
Der Verschönerungsverein ergänzte 1973 (Zweite Schlacht) und 1975 (Erste Schlacht) Informationstafeln, die den Verlauf der Gefechte kurz erläuterten und grafisch darstellten.[5]
Zweites Denkmal
1911 errichtete der Verschönerungsverein auf dem «Hüttenkopf» (anderthalb Kilometer nordöstlich, bei der Ziegelhütte oberhalb von Schwamendingen) ein zweites, kleineres Denkmal, das an die Schlacht erinnert. Es besteht aus ein paar kleinen Findlingen, eingemauerten Kanonenkugeln und einer Tafel, deren Text die «Zeit des Schreckens und der Noth» für die Bevölkerung hervorhebt.[6]
Lage
Das Denkmal befindet sich inmitten des Waldes auf dem Rücken des Zürichbergs. Es steht leicht erhöht am Hanslinweg (1972 nach Oberstkorpskommandant Adolf Hanslin benannt, zuvor Schattengasse).[7] Beim Denkmal endet die Massénastrasse, benannt nach André Masséna, eine Alternative zum steilen Hanslinweg, der gerade die Südwestflanke des Zürichbergs hochführt und seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf der Nordseite hinunter nach Schwamendingen führt. 365 Meter südöstlich vom Denkmal liegt tief im Wald die Escherhöhe, der höchste Punkt des Berges. Nordwestlich, auf der anderen Seite des Hanslinwegs, finden sich bis heute Gräben und Wälle (Batterien) – 2010 wurde dazwischen ein Pumptrack angelegt.
Beschreibung
Eine kleine Treppe führt zwischen Steinbrocken vom Hanslinweg zur Plattform des Denkmals. Dieses ist 3 Meter hoch und 2,5 Meter breit[2] und bildet eine Art Pyramide aus kunstvoll zusammengefügten, rohen Bruch- und Feldsteinen. Darin sind Kanonenkugeln eingemauert.[8][9]
Ursprünglich war an der Frontseite eine weisse Marmortafel mit folgender Inschrift eingelassen:[2]
«Zur Erinnerung
an die
Schlachten bei Zürich
Am 2. 3. 4. u. 5. Juni
und 25. u. 26. September
1799.
Errichtet durch den
Verschönerungsverein von Zürich
Im Juni 1899»
Im Rahmen der Restaurierung durch Grün Stadt Zürich im Jahr 2006 wurde sie durch eine schwarze Tafel mit gleichlautender Inschrift ersetzt und mit der folgenden Zeile ergänzt: «Erneuert durch Grün Stadt Zürich 2006».
Auf der Rückseite steht auf einer weiteren Tafel ein Gedicht von Nanny von Escher. Die 14 paargereimten fünfhebigen Jamben mit wechselnder Kadenz lauten:
«Was unsere Stadt vor hundert Jahren litt,
Als hier der Fremde mit dem Fremdling stritt,
Als durch den stillen Wald Geschosse knallten,
Die Feuersäulen rauchten, Fahnen wallten,
Der Vater sagt’s dem Sohn und dieser dann
Ermahnt den Enkel: Knabe, werde Mann!
Ob jene alten Wunden auch vernarbten,
Vergiss es nicht, wie unsere Mütter darbten;
Der Feinde Heer verschlang der Kinder Brot,
Gross war der Jammer, übergross die Not!
Soll nimmer solches Leid die Stadt erfahren,
So muss das kommende Geschlecht sich schaaren:
Es halte Wacht und halte blank die Wehr,
Zu schützen Schweizergrenzen, Schweizer-Ehr!
N.v.E.»
Seitlich des Denkmals stehen zwei Informationstafeln, die die Schlachtverläufe erläutern.
Rezeption
Der Schriftsteller Emil Zopfi schrieb 2013 über das Denkmal:
«Ob das vom Verschönerungsverein errichtete Schlachtendenkmal mit dem Gedicht des Fräulein Nanny den Ort tatsächlich verschönert, ist umstritten. Aber hässlicher als damals kann er nicht sein, denn die fremden Heere hatten alles kurz und klein geholzt und zerschossen, und was sie mit den Schwamendingern und Dübendorfern anstellten, daran man mag man nicht denken.»
Siehe auch
Literatur
- Lokales. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage zu Nr. 148, 30. Mai 1899, S. 1 (online).
- Hundertjährige Erinnerungen. In: Zürcher Wochen-Chronik. Band 2, Nr. 32, 11. August 1900, S. 252 f. (online).
- Alfred Senti: Zürcher Denkmäler. In: Zürcher Statistische Nachrichten. Band 17, 1940, S. 131–148, hier 144 f. (PDF; 7,9 MB).
- tp: Kleines Denkmal für eine große Schlacht. In: Neue Zürcher Zeitung. Mittagausgabe. Nr. 349, 30. Juli 1970, S. 13 (online).
Weblinks
- Zürich (Schlachtendenkmal) im Onlineprojekt Gefallenendenkmäler
Einzelnachweise
- ↑ Aus den Stadtratsverhandlungen. In: Zürcherische Freitagszeitung. Nr. 16, 21. April 1899, S. 2 (online).
- ↑ a b c Hundertjährige Erinnerungen. In: Zürcher Wochen-Chronik. Band 2, Nr. 32, 11. August 1900, S. 252 f. (online).
- ↑ Lokales. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage zu Nr. 156, 7. Juni 1899, S. 1 (online).
- ↑ Schmierfinken am Werk. In: Berner Tagwacht. Band 69, Nr. 137, 15. Juni 1961, S. 4 (online).
- ↑ Zwei Neuerungen auf dem Rollstuhlpfad. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 205, 5. September 1975, S. 50 (online).
- ↑ tp.: Kleines Denkmal für eine grosse Schlacht. In: Neue Zürcher Zeitung. Mittagsausgabe, Nr. 349, 30. Juli 1970, S. 13 (online).
- ↑ Der Hanslinweg. In: Alt-Zueri.ch. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
- ↑ Lokales. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage zu Nr. 148, 30. Mai 1899, S. 1 (online).
- ↑ Alfred Senti: Zürcher Denkmäler. In: Zürcher Statistische Nachrichten. Band 17, 1940, S. 131–148, hier 144 f. (PDF; 7,9 MB).
- ↑ Emil Zopfi: Der neue Hausberg. In: Bergliteratur. 8. April 2013, abgerufen am 28. Dezember 2025.
Koordinaten: 47° 23′ 13″ N, 8° 33′ 44,8″ O; CH1903: 684854 / 249065