Schlacht von Cape Esperance
| Seeschlacht von Cape Esperance | |||||||||||||||||
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| Teil von: Zweiter Weltkrieg, Pazifikkrieg | |||||||||||||||||
Der japanische Schwere Kreuzer Furutaka, der während der Schlacht versenkt wurde. | |||||||||||||||||
| Datum | 11. Oktober bis 12. Oktober 1942 | ||||||||||||||||
| Ort | Cape Esperance, nordwestlich Guadalcanal, Salomonen | ||||||||||||||||
| Ausgang | Taktischer Sieg der US-Streitkräfte | ||||||||||||||||
| Folgen | Die japanischen Sicherungskräfte erlitten beträchtliche Verluste, der japanische Truppennachschub konnte jedoch Guadalcanal erreichen. | ||||||||||||||||
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Tulagi und Gavutu-Tanambogo – Savo Island – Tenaru – Ost-Salomonen – Bloody Ridge – Operationen am Fluss Matanikau – Cape Esperance – Henderson Field – Santa-Cruz-Inseln – Matanikau-Offensive – Koli Point – Carlsons Patrouille – Guadalcanal – Tassafaronga – Mount Austen – Rennell Island – Operation Ke – Operation Cleanslate
Die Schlacht von Cape Esperance (englisch Battle of Cape Esperance, japanisch サボ島沖海戦), teils als Zweite Schlacht vor Savo Island oder auch (in der deutschen Fachliteratur) als Nachtgefecht bei Kap Esperance bezeichnet,[1] war eine Seeschlacht zwischen der United States Navy und der Kaiserlich Japanischen Marine, die im Zweiten Weltkrieg beziehungsweise im Kontext des Pazifikkriegs in der Nacht des 11./12. Oktober 1942 ausgetragen wurde. Die Schlacht ereignete sich nördlich von Cape Esperance, dem nordwestlichsten Punkt der Insel Guadalcanal, und war ein separates Gefechtsereignis im Rahmen des mehrere Monate andauernden Kampfes um Guadalcanal. Das Nachtgefecht endete mit einem Erfolg der US-Streitkräfte.
Hintergrund
Das Nachtgefecht war eine direkte Folge des seit August 1942 bestehenden Ringens um Guadalcanal zwischen Amerikanern und Japanern. Nach der Niederlage der Streitkräfte Kawaguchis im September 1942, versuchten die Japaner schnellstmöglich Verstärkungen nach Guadalcanal zu bringen und die Insel rückte ins Zentrum der strategischen Planungen der japanischen Führung für den Südwestpazifik.[2] Am 9. Oktober 1942 landete General Hyakutake, der Oberbefehlshaber der (auch) für das Gebiet der Salomonen zuständigen japanischen Südarmee, persönlich auf der Insel, um den Angriff auf den schwer umkämpften und von den US-Marines gehaltenen Flugplatz Henderson Field vor Ort direkt zu koordinieren.[2] Zur Unterstützung der geplanten Angriffsoperationen entsandten die Japaner Flottenkräfte unter Konteradmiral Gotō Aritomo, diese sollten einerseits das Henderson-Flugfeld beschießen und die US-Truppen dort niederhalten und andererseits japanische Bodentruppen nachführen, um die eigenen Kräfte vor Ort weiter zu verstärken.
Zu diesem Zweck wurden Anfang Oktober zwei Schiffsverbände zusammengezogen.[A 2] Der Transportverband (unter Konteradmiral Jōjima Takatsugu) wurde bei den Shortland-Inseln gebildet und setzte sich aus den beiden Seeflugzeugträgern Chitose und Nisshin sowie sechs Zerstörern zusammen, die Schiffe hatten rund 730 Soldaten sowie Panzer und Artillerie an Bord.[3] Der Transportkonvoi sollte am späten Abend des 11. Oktober vor Guadalcanal eintreffen und mit dem Entladen beginnen. Konteradmiral Gotō selbst wollte gegen Mitternacht mit seinem Kampfverband (6. Kreuzerdivision, japanisch 第六巡洋戦隊), der aus drei Schweren Kreuzern und zwei Zerstörern bestand, diese Kreuzerdivision fungierte zugleich als Sicherung für den Truppentransport, eintreffen und Henderson Field beschießen. Da seitens der US-Marine bislang keine Versuche unternommen worden waren, den sogenannten Tokyo Express zu stören, rechnete Gotō nicht mit einem Eingreifen von US-Seestreitkräften.[4]
Etwa zur gleichen Zeit versuchten auch die Amerikaner ihre Truppen auf Guadalcanal zu verstärken, so wurden ebenfalls am 9. Oktober 1942 unter anderem Teile (etwa 2.800 Soldaten[5]) der sogenannten Americal Division von Nouméa (Neukaledonien) aus in Richtung Guadalcanal an Bord von zwei Truppentransportern und acht schnellen, umgebauten Transportzerstörern (APDs) in Marsch gesetzt.[3] Die Sicherung dieses Truppentransportes übernahm die neu gebildete Task Force 64 unter Konteradmiral Norman Scott mit vier Kreuzern und fünf Zerstörern.
Im Tagesverlauf des 11. Oktober 1942, gegen 14:45 Uhr, wurde der anmarschierende japanische Nachschubtransport von Konteradmiral Jōjima von der US-Luftaufklärung erfasst, wobei die beiden Seeflugzeugtender aber irrtümlich als zwei Kreuzer gemeldet wurden.[4] (Gotōs Kreuzerverband, der dem Truppentransport folgte, wurde indessen nicht entdeckt.) Daraufhin wurde die Task Force 64 unter Konteradmiral Scott von ihrer Geleitsicherungsaufgabe entbunden und umgeleitet, um die Japaner abzufangen.[5] Wissend, dass die Japaner durchaus manche Vorteile im Nachtkampf hatten, sowohl bezüglich des Ausbildungsstandes als auch beispielsweise hinsichtlich des leistungsstarken und gefürchteten Typ-93-Torpedos, plante Scott seine Zerstörer zu benutzen, um die Ziele mit Suchscheinwerfern zu beleuchten und sie mit Granatfeuer der Kreuzer auf größere Distanz niederzukämpfen. Von großem Vorteil für Scott war hierbei, dass die US-Schiffe mit Radar ausgestattet waren.[1]
Schlachtaufstellung
Scotts Verband umfuhr Guadalcanal südlich und erreichte, von Süden kommend, den westlichen Eingang des Ironbottom Sound. Damit schob er sich, ohne es zu wissen, zwischen die bereits in den Ironbottom Sound eingelaufene japanische Verstärkungsgruppe und die noch im Anmarsch befindliche Bombardierungsgruppe. Die amerikanische Formation war eine einfache Kiellinie. Vorne liefen die Zerstörer Fahrenholt, Duncan und Laffey, dann folgten die Schweren Kreuzer San Francisco und Salt Lake City und die Leichten Kreuzer Boise und Helena. Den Schluss bildeten die Zerstörer Buchanan und McCalla.
Konteradmiral Gotōs Verband bestand aus den Schweren Kreuzern Aoba, Furutaka und Kinugasa, die ebenfalls in Kiellinie liefen. Zu beiden Seiten des führenden Kreuzers liefen die Zerstörer Fubuki und Hatsuyuki. Die Verstärkungsgruppe mit den beiden Seeflugzeugträgern und den sechs Zerstörern nahm am folgenden Gefecht nicht teil und hatte zum Zeitpunkt der Schlacht bereits mit dem Entladen von Truppen an der Nordküste Guadalcanals begonnen.
Verlauf
In den frühen Nachtstunden des 11. Oktober, kurz nach 22:00 Uhr, starteten von Bord der US-Kreuzer drei Aufklärungsflugzeuge zu einer nächtlichen Erkundungsmission, um das Seegebiet nordwestlich von Cape Esperance abzusuchen. Dabei stürzte allerdings das Bordflugzeug der Salt Lake City ab, als sich an Bord des Flugzeuges versehentlich Leuchtbomben (die zur Beleuchtung des Seegebietes hätten genutzt werden sollen) entzündeten.[6] Der Pilot konnte später gerettet werden.
Unmittelbar zuvor hatte der Transportverband von Konteradmiral Jōjima (von den US-Bordflugzeugen unbemerkt) mit hoher Fahrt Cape Esperance passiert und war vor der Nordküste Guadalcanals vor Anker gegangen. Jōjima meldete gegen 22:20 Uhr an Gotō, dass keine US-Schiffe vor Guadalcanal anzutreffen seien, allerdings versäumte es Jōjima in diesem Funkspruch darauf hinzuweisen, dass er Flugzeuge über sich in der Dunkelheit hören könne.[7] Die Meldung bestärkte Gotō in seiner Annahme, dass sich keine US-Seestreitkräfte in der Nähe befinden würden. Weder Gotō noch Jōjima waren sich des Umstandes bewusst, dass zu dieser Zeit der aus Richtung Südwest herankommende US-Kreuzerverband von Konteradmiral Scott bereits westnordwestlich von Cape Esperance stand.
Um 23:25 Uhr erfassten die Radargeräte der beiden US-Kreuzer Salt Lake City und Helena den aus Richtung Nordwest anmarschierenden Kreuzerverband Gotōs – auf eine Distanz von rund zwölf Seemeilen (etwa 23 Kilometer).[8]
Konteradmiral Scott befahl daraufhin gegen 23:35 Uhr seiner in Richtung Nordost marschierenden Formation eine Kursänderung auf Südwest, d. h. eine sogenannte Gefechtskehrtwende um 180 Grad, um dann danach das Manöver Crossing the T vor den ankommenden Japanern auszuführen zu können. Dies war notwendig, da der US-Verband bereits zu weit Backbord querab von den Spitzenschiffen des japanischen Verbandes stand.
Durch Irrtümer in der Kommunikation änderte jedoch zuerst sein Flaggschiff, der an vierter Stelle in der Kiellinie befindliche Kreuzer San Francisco, den Kurs und drehte nach Backbord ein. Nach einigem Zögern entschlossen sich auch die Kommandanten der drei anderen Kreuzer, dem Führungskreuzer zu folgen, womit die US-Formation auseinanderbrach, da sich die beiden Zerstörer der Nachhut (Buchanan und McCalla) nun ebenso den Kreuzern anschlossen, während die Spitzenschiffe (die drei Zerstörer Fahrenholt, Duncan und Laffey) zunächst weiter ihren Kurs fortsetzten.[9] Der amerikanische Verband bestand jetzt aus zwei Kolonnen, der von Kreuzern und den (hinteren) Zerstörern gebildeten Hauptgruppe sowie der aus den vorderen drei Zerstörern bestehenden zweiten Kolonne, die sich jetzt (steuerbordseitig) zwischen der Führungsgruppe und den Japanern befand.
In der Folge versuchten die drei Zerstörer der Vorhut nun, die verspätet ebenfalls nach Backbord beziehungsweise auf Südwest-Kurs eingedreht hatten, sich mit hoher Geschwindigkeit wieder vor die eigenen Kreuzer zu setzen. Dabei verlor der Zerstörer Duncan den Anschluss an seine Gruppe, verirrte sich in der Dunkelheit und lief den Japanern später fast direkt vor die Rohre; er ging als einziges Schiff des US-Verbandes verloren.[8] Scott wusste, dass seine drei Vorhut-Zerstörer nun von Steuerbord achtern mit hohen Fahrtstufen heranliefen, um wieder zu den Kreuzern aufzuschließen[10] – womit sich diese drei Zerstörer jedoch genau im Schussfeld zwischen den US-Kreuzern und dem japanischen Verband befanden. Um zu verhindern, dass seine eigenen Zerstörer unter den Beschuss der eigenen Kreuzer gerieten, und weil er der neuen Radartechnik noch nicht ganz traute, zögerte Scott noch mehr als zehn Minuten, bevor er den Feuerbefehl erteilte. Um 23:46 Uhr eröffneten die US-Kreuzer schließlich das Feuer auf die nur noch ca. 6,5 Seemeilen (rund zwölf Kilometer) entfernten japanischen Schiffe. Durch das Durcheinander ging den Amerikanern ein wertvoller Teil des Überraschungsmomentes, das ihnen die Radargeräte ermöglicht hatten, verloren. Bereits kurz vor der Feuereröffnung hatte die Brückenbesatzung des Kreuzers Helena lakonisch gemeldet, dass man die gegnerischen Schiffe nun schon mit bloßem Auge sehen könnte.[9]
Die Japaner wurden von dem Feuerüberfall vollständig überrascht, obwohl auch die Brückenbesatzungen der japanischen Schiffe, die über kein Radar verfügten, in der Dunkelheit die US-Schiffe bereits hatten ausmachen können. Irrtümlicherweise hatten die Japaner jedoch angenommen, dass sie die Einheiten der eigenen Verstärkungsgruppe von Konteradmiral Jōjima vor sich hätten und hatten diesen Schiffen (in Wirklichkeit waren es die US-Schiffe) sogar ihre Erkennungssignale übermittelt.[11] Das Feuer der Amerikaner konzentrierte sich zunächst auf den führenden Schweren Kreuzer der Japaner, Gotōs Flaggschiff Aoba, der innerhalb von wenigen Minuten zahlreiche Treffer erhielt, wobei auch Konteradmiral Gotō auf der Kommandobrücke tödlich verwundet wurde. Die Verwunderung über diesen Beschuss zeigte sich auch in Gotōs Reaktion, der – in der Annahme, von Jōjimas Kräften irrtümlich beschossen zu werden – bereits schwer verletzt die Beleidigung „Bakayarō!“ (japanisch ばかやろう) fallen ließ.[11][A 3]
Die japanische Formation brach daraufhin auseinander, als die einzelnen Schiffe eigenmächtig abdrehten, um dem feindlichen Feuer auszuweichen. Die Kinugasa und die Hatsuyuki drehten nach Backbord ab, womit sie auf Gegenkurs zum amerikanischen Verband gingen und die Entfernung zum Feind schnell größer wurde. Das Flaggschiff Aoba sowie der Kreuzer Furutaka und der Zerstörer Fubuki drehten jedoch nach Steuerbord und gingen damit auf parallelen Kurs zu den US-Schiffen, die Gotōs Schiffe weiterhin mit massivem Feuer belegten. Der Kreuzer Furutaka (unter Kapitän zur See Araki Tsutau) versuchte, das amerikanische Feuer auf sich zu ziehen und den Gegner von der bereits schwer beschädigten Aoba abzulenken, die etwa 40 Treffer erhalten hatte (an Bord gab es 81 Gefallene, darunter auch Konteradmiral Gotō).[12] Dabei wurde die Furutaka selbst jedoch massivem Feuer der amerikanischen Kreuzer San Francisco, Boise und Helena ausgesetzt und erhielt schätzungsweise 90 Treffer im Kaliber 15,2 cm und 20,3 cm.[13]
Hinzu kam, dass die Furutaka um 23:54 Uhr einen Torpedotreffer mittschiffs im Bereich der Maschinenräume erlitt[13] – möglicherweise stammte dieser Torpedo vom US-Zerstörer Duncan (Lieutenant Commander Edmund B. Taylor), der zwischen den Linien umhergeirrt und unvermittelt auf die japanischen Spitzenschiffe gestoßen war und einen Torpedoangriff auf diese ausgeführt hatte. Die Beschädigungen waren so schwer, dass der Kreuzer rapide an Fahrt verlor und gegen 0:40 Uhr bewegungsunfähig liegenblieb (zu einem Zeitpunkt, als das Gefecht bereits geendet und sich der US-Verband in Richtung Südwest entfernt hatte). Die Wassereinbrüche und die Brände an Bord waren von der Lecksicherung nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen und so sank die zusammengeschossene Furutaka gegen 2:28 Uhr langsam über das Heck, wobei der Untergangsort etwa 22 Seemeilen nordwestlich von Savo Island liegt (etwa auf Position 9° 2′ N, 159° 33′ O).[13] Die Besatzung zählte 33 Gefallene und 225 Vermisste.[A 4] Das Opfer der Furutaka rettete jedoch das Flaggschiff und ermöglichte den anderen japanischen Schiffen, sich dem starken US-Feuer zu entziehen und zurück durch die Meerenge zu entkommen. Darüber hinaus wurde auch der japanische Zerstörer Fubuki durch das Feuer der US-Kreuzer schwer getroffen und sank gegen Mitternacht. Mit dem Schiff gingen 78 Besatzungsangehörige unter.
Der dritte japanische Schwere Kreuzer, die Kinugasa (Kapitän zur See Sawa Masao), blieb durch den Feuerüberfall von Scotts Geschwader quasi unbehelligt und konnte nachfolgend den Amerikanern die schwersten Verluste während der gesamten Schlacht zufügen. Zunächst erzielte der Kreuzer gegen 0:10 Uhr zwei beinahe verhängnisvolle Treffer mit seinen 20,3-cm-Geschützen auf dem Leichten Kreuzer Boise, wodurch Bereitschaftsmunition in den vorderen Drillingstürmen des US-Schiffes explodierte und 107 Seeleute in den Türmen 1 und 2 tötete.[14] Ferner gab es mindestens 32 Verwundete. Durch das Fluten von vom Feuer bedrohten Räumen konnten weitere Explosionen verhindert und konnte der Kreuzer schließlich gerettet werden.[15][A 5] Im Nachgang führte die Kinugasa noch ein kurzes Artillerieduell mit dem Schweren Kreuzer Salt Lake City und traf diesen mit drei 20,3-cm-Granaten,[6] die an Bord des US-Schiffes vier Besatzungsangehörige töteten und 21 verwundeten. Gleichwohl blieben die Beschädigungen an Bord der Salt Lake City überschaubar.
Auch der US-Zerstörer Duncan, der im Alleingang einen Torpedoangriff auf die Furutaka durchgeführt hatte, erlitt starke Beschädigungen durch Beschuss von der Kinugasa und vom Zerstörer Hatsuyuki aus. Zudem wurde der Zerstörer aller Wahrscheinlichkeit nach in dem unübersichtlichen Nachtgefecht irrtümlich auch von Granaten des Kreuzers Salt Lake City getroffen.[11] Der brennende und infolge eines beschädigten Ruders langsam Kreise fahrende Zerstörer trieb in Richtung Nordost ab und wurde gegen 2:00 Uhr nachts von seiner Besatzung aufgegeben.[16] Die Crew des Zerstörers zählte insgesamt 50 Gefallene.[17] Dennoch ging gegen 3:00 Uhr noch einmal ein Leckabwehrtrupp des Zerstörers McCalla (der zuvor alle 195 überlebenden Crewangehörigen der Duncan abgeborgen hatte) an Bord der treibenden Duncan und versuchte bis in die Morgenstunden des 12. Oktober, die Wassereinbrüche unter Kontrolle zu bringen. Als aber das Hauptdeck überflutet wurde, wurden die Bergeversuche eingestellt und die Duncan ihrem Schicksal überlassen. Der Zerstörer sank schließlich in den Mittagsstunden des 12. Oktober 1942, wobei der Untergangsort rund acht Seemeilen nördlich von Savo Island liegt.
Darüber hinaus wurde auch der US-Zerstörer Farenholt während des nächtlichen Kampfes durch drei Artillerietreffer beschädigt (an Bord gab es drei Tote und 43 Verwundete), wobei jedoch auch in diesem Fall davon ausgegangen wird, dass es versehentlich zu einem Eigenbeschuss gekommen ist, da zwei der drei Treffer einem US-Kreuzer zugeordnet werden konnten.[18]
Die Schlacht bei Cape Esperance endete schließlich gegen 0:20 Uhr mit dem Rückzug der Japaner.
Beurteilung und Nachwirkung
Die Schlacht bei Cape Esperance endete, rein nach Verlusten betrachtet, mit einem klaren taktischen Erfolg der US-Streitkräfte. Gleichwohl war die Schlacht von einer Verkettung von Irrtümern und Kommunikationsfehlern auf beiden Seiten geprägt. Die Amerikaner nahmen an, den japanischen Nachschubtransport geortet zu haben (Gotōs Kreuzerverband war von der US-Luftaufklärung zuvor nicht erfasst worden), und gaben den Vorteil des Überraschungsmomentes durch das radargestützte Artilleriefeuer infolge von Fehlern bei der Verbandsführung in erheblichem Umfang aus der Hand, während die Japaner bis zuletzt davon ausgingen, dass sich keine gegnerischen Schiffe vor Cape Esperance aufhalten würden und den US-Schiffen sogar ihre Erkennungssignale übermittelten.
Insgesamt betrachtet hätte die US-Seite ihre Überlegenheit – einerseits rein zahlenmäßig (neun US-Schiffe standen fünf japanischen gegenüber), andererseits artilleristisch (die US-Kreuzer verfügten über 19 20,3-cm- und 30 15,2-cm-Geschütze, denen auf japanischer Seite nur 18 20,3-cm-Geschütze gegenüberstanden) – stärker zum Tragen bringen müssen. Hinzu kam noch der bereits erwähnte radartechnische Vorteil. Vor diesem Hintergrund, und auch da die Japanern selbst taktischen Fehleinschätzungen unterlagen, hatten die japanischen Streitkräfte Glück, dass ihre Verluste nicht noch höher ausfielen.
Strategisch betrachtet war es den US-Streitkräften indessen nicht gelungen, ihr eigentliches Ziel (das Unterbinden von japanischem Truppennachschub nach Guadalcanal) zu erreichen. Zwar erlitten die japanischen Sicherungs- und Beschießungskräfte empfindliche Verluste – was den US-Marines auf der Insel eine gewisse Atempause vor Beschießungen von der Seeseite aus verschaffte –, doch gelangten die japanischen Heeresverbände samt ihrer Artillerie ans Ziel, was in den folgenden Tagen und Wochen zu einer zusätzlichen Belastung für die US-Truppen vor Ort wurde.[15]
Trivia
Konteradmiral Norman Scott, der Gegner von Konteradmiral Gotō in jener Nacht, überlebte diesen nur um rund vier Wochen. Scott wurde am 13. November 1942 auf der Brücke seines Flaggschiffes San Francisco während der Seeschlacht von Guadalcanal durch japanisches Artilleriefeuer getötet.
Literatur
- David C. Evans und Mark R. Peattie: Kaigun: Strategy, Tactics, and Technology in the Imperial Japanese Navy 1887–1941. US Naval Institute Press, Annapolis 1979, ISBN 0-87021-192-7 (englisch).
- Samuel Eliot Morison: The struggle for Guadalcanal, August 1942 – February 1943. Little Brown, Boston 1964, OCLC 17827745 (englisch).
- Eric LaCroix, Linton Wells: Japanese Cruisers of the Pacific War. Naval Institute Press, Annapolis MD 1997, ISBN 0-87021-311-3 (englisch).
- Mark Stille: USN Cruiser Vs IJN Cruiser. Guadalcanal 1942. Osprey Publishing, Oxford 2009, ISBN 978-1-84603-466-4 (englisch).
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Hierbei handelt es sich um gängigste Angabe. Infolge der Unsicherheiten bei der Vermischung von Geretteten bzw. Kriegsgefangenen, siehe dazu auch Anmerkung 4, gibt es allerdings auch leicht abweichende Angaben.
- ↑ Diese Darstellung ist nur begrenzt zutreffend, denn die hier genannte japanische Kreuzerkampfgruppe (6. Kreuzerdivision, siehe Text) bestand bereits seit 1933, dieser Verband hatte allerdings im Laufe des Jahres 1942, auch bedingt durch vorangegangene Verluste, mehrere Umgruppierungen erfahren. Vgl. hierzu u. a.: Eric LaCroix, Linton Wells: Japanese Cruisers of the Pacific War. Naval Institute Press. Annapolis (MD) 1997, S. 79f.
- ↑ Etwa frei übersetzbar mit „diese verfluchten Idioten“. Vgl. hierzu: Andrew Wiest, Gregory Louis Mattson: Krieg im Pazifik 1941 – 1945. Von Pearl Harbor bis Hiroshima. Tosa Verlag. Wien 2002, S. 113.
- ↑ Von den 225 anfangs als vermisst gemeldeten Besatzungsangehörigen sollen allerdings 115 am nächsten Tag von US-Schiffen aus dem Wasser geborgen und gefangen genommen worden sein. Weitere 518 Seeleute, darunter auch Kommandant Araki, wurden von den Japanern gerettet. Insgesamt dürfte sich die Zahl der Gefallenen beim Untergang der Furutaka somit auf mindestens 143 belaufen. Indessen wird ein Teil dieser 115 von den Amerikanern Geretteten in manchen Publikationen auch der Besatzung des gesunkenen Zerstörers Fubuki zugerechnet, womit die Zahl der Opfer beim Untergang der Furutaka wiederum höher gelegen hätte.
- ↑ Die Schäden durch diese beiden Treffer waren so beträchtlich, dass die Boise im Nachgang fast für ein halbes Jahr in die Werft musste. Vgl. hierzu: Mike J. Whitley: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg. Klassen, Typen, Baudaten. Motorbuch Verlag. Stuttgart 1997, S. 293.
Einzelnachweise
- ↑ a b Helmut Pemsel: Seeherrschaft. Eine maritime Weltgeschichte von der Dampfschiffahrt bis zur Gegenwart. Band 2. Augsburg 1995, S. 588.
- ↑ a b Robert D. Ballard, Rick Archbold: Versenkt im Pazifik. Schiffsfriedhof Guadalcanal. Verlag Ullstein GmbH. Berlin/Frankfurt a. M. 1993, S. 114.
- ↑ a b Rohwer, Jürgen / Hümmelchen, Gerhard: Seekrieg 1942, Oktober. In: Chronik des Seekrieges 1939 – 1945. Württembergische Landesbibliothek, abgerufen am 31. August 2025.
- ↑ a b Samuel Eliot Morison: History of the United States Naval Operations in World War II. Volume 5 (The Struggle for Guadalcanal, August 1942 – February 1943). Little, Brown & Company. Boston (MA) 1964, S. 149f.
- ↑ a b Ballard: Versenkt im Pazifik, S. 115.
- ↑ a b Salt Lake City I (CL-25). In: Dictionary of American Naval Fighting Ships. Naval History and Heritage Command, 2. September 2015, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
- ↑ Morison: United States Naval Operations, S. 152.
- ↑ a b Young, Peter (Hrsg.): Der große Atlas zum Zweiten Weltkrieg. Bechtermünz. Augsburg 1998, S. 142.
- ↑ a b Ballard: Versenkt im Pazifik, S. 116.
- ↑ Morison: United States Naval Operations, S. 154ff.
- ↑ a b c Samuel J. Cox: Guadalcanal: Victory at Cape Esperance, 11/12 October 1942. Naval History and Heritage Command, 25. Oktober 2017, abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
- ↑ Bob Hackett, Sander Kingsepp: IJN Aoba: Tabular Record of Movement. In: CombinedFleet.com. 2019, abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ a b c Bob Hackett, Sander Kingsepp: IJN Furutaka: Tabular Record of Movement. In: CombinedFleet.com. 2020, abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ Mark Stille: USN Cruiser vs IJN Cruiser. Guadalcanal 1942. Osprey Publishing. Oxford, New York 2009, S. 68.
- ↑ a b Ballard: Versenkt im Pazifik, S. 117.
- ↑ E. Andrew Wilde: U.S.S. Duncan (DD 485) in World War II. Destroyer History, 2001, abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ Fred Willshaw, Paul R. Yarnall: Destroyer Photo Index: USS Duncan (DD-485). NavSource Naval History, 2017, abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ Vincent P. O'Hara: The U.S. Navy Against the Axis: Surface Combat, 1941–1945. U. S. Naval Institute Press. Annapolis (MD) 2007, S. 93.