Schlacht um Grenada (1779)

Schlacht um Grenada
Teil von: Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg

Prise de l'île de la Grenade, 4 juillet 1779. Gemälde von Jean-François Hue, 1787.
Datum 2. Juli bis 5. Juli 1779
Ort Grenada, Westindische Inseln
Ausgang Französischer Sieg
Konfliktparteien

Frankreich Konigreich 1791 Frankreich

Großbritannien Konigreich Großbritannien

Befehlshaber

Frankreich Konigreich 1791 Charles Hector, Comte D’Estaing

Großbritannien Konigreich Lord Macartney

Truppenstärke

2100 Mann,
25 Linienschiffe[1]

125 Reguläre, 436 Mann
Miliz und Freiwillige[2]

Verluste

114 Gefallene, 200 Verwundete

700 Gefangene, 118 Geschütze und ca. 200 Handelsschiffe erbeutet

St. Lucia – Grenada (I)Grenada (II) – Martinique (I) – Guadeloupe – Martinique (II) – Fort RoyalChesapeakeSt. KittsLes Saintes – Mona-Passage – Hispaniola

Die Schlacht um Grenada (englisch: Capture of Grenada, französisch: Prise de la Grenade) war eine amphibische Expedition im Juli 1779 während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Charles Hector, Comte D’Estaing, führte französische Streitkräfte gegen die von Großbritannien besetzte westindische Insel Grenada. Die französischen Truppen landeten am 2. Juli, und der Angriff erfolgte in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli. Die französischen Streitkräfte griffen die britischen Befestigungen auf dem Hospital Hill oberhalb der Inselhauptstadt St. George’s an. Die britischen Kanonen wurden erbeutet und gegen Fort George gerichtet. Der britische Gouverneur Lord Macartney nahm Kapitulationsverhandlungen auf. Nach ergebnislosen Verhandlungen musste Macartney schließlich die bedingungslose Kapitulation schließlich akzeptieren. D’Estaing erlaubte seinen Truppen daraufhin, die Stadt zu plündern, und Macartney wurde als Kriegsgefangener nach Frankreich geschickt.

Am 5. Juli schifften sich die französischen Streitkräfte erneut ein, als die Nachricht eintraf, dass sich eine britische Flotte unter Admiral John Byron näherte. Am nächsten Tag lieferten sich die beiden Flotten die Seeschlacht von Grenada. Die Franzosen gelang die Abwehr der britischen Einheiten und sie beschädigten mehrere gegnerische Schiffe schwer; beide Flotten kehrten jedoch ohne Schiffsverlust zu ihren Stützpunkten zurück. Gemäß den Bedingungen des Pariser Vertrags gab Frankreich Grenada nach Kriegsende wieder in britische Kontrolle zurück.

Hintergrund

Nach dem Eintritt Frankreichs in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als amerikanischer Verbündeter Anfang 1778 traf der französische Admiral Comte d’Estaing Anfang Dezember 1778 in Westindien ein. Er befehligte eine Flotte von zwölf Linienschiffen und mehreren kleineren Schiffen.[3] Etwa zur gleichen Zeit traf auch eine britische Flotte unter Admiral William Hotham ein, die die westindische Flotte von Admiral Samuel Barrington verstärkte.[3] Die Briten eroberten daraufhin das von Frankreich besetzte St. Lucia, trotz d’Estaings Entsatzversuch. Die Briten nutzten St. Lucia in der Folge, um die Franzosen auf Martinique, wo d’Estaing stationiert war, zu überwachen.[3]

Die britische Flotte wurde im Januar 1779 durch weitere zehn Linienschiffe unter Admiral John Byron verstärkt, der das Kommando über die Station der britischen Leeward-Inseln übernahm.[4] Im ersten Halbjahr 1779 erhielten beide Flotten zusätzliche Verstärkungen, woraufhin die französische Flotte der britischen nunmehr überlegen war.[4] Byron verließ St. Lucia am 6. Juni, um britische Handelsschiffe zu begleiten, die sich in St. Kitts zu einem Konvoi nach Europa versammelten, wodurch d’Estaing freie Hand hatte. D’Estaing und der französische Generalgouverneur auf Martinique, François Claude Amour, Marquis de Bouillé, nutzten die Gelegenheit, um eine Reihe von Operationen gegen nahegelegene britische Besitzungen zu starten.[4]

Ihr erstes Ziel, die Insel St. Vincent, fiel am 18. Juni, und d’Estaing richtete seine Aufmerksamkeit auf andere Inseln. Er hatte gehofft, Barbados, einen wichtigen britischen Stützpunkt, einzunehmen, doch nachdem er trotz der vorherrschenden östlichen Passatwinde keinen Vorstoß dorthin zulies, richtete er seine Aufmerksamkeit stattdessen auf Grenada.[4]

Britische Verteidigung

Grenada war eine der reichsten Kolonien Großbritanniens und produzierte auf seinen Plantagen erhebliche Mengen Rohrzucker.[5] Lord Macartney, der britische Gouverneur, war vor einem möglichen französischen Angriff gewarnt worden. Er bat Admiral Byron und den britischen Kommandanten in St. Kitts wiederholt um Unterstützung, erhielt jedoch die Antwort, dass die Franzosen lediglich an St. Vincent interessiert seien und nicht weiter angreifen würden. Byron erklärte jedoch, er werde im Falle eines Angriffs auf Grenada Unterstützung leisten.[6]

Macartney verfügte über 101 Soldaten des 48. Infanterieregiments und 24 Artilleristen, außerdem über 400 Milizionäre und Freiwillige, hielt diese jedoch für nicht zuverlässig, da ein Drittel von ihnen französischer Abstammung war.[2] Er ordnete den Bau bedeutender Befestigungsanlagen auf dem Hospital Hill an, einer Anhöhe oberhalb der Inselhauptstadt St. George’s. Die steilen Hänge wurden mit Steinmauern befestigt, und die Hügelkuppe war mit einer Palisade um eine Reihe von Verschanzungen versehen.[7]

Französische Eroberung

Die französische Flotte ankerte am 2. Juli vor der Küste Grenadas nördlich von St. George’s.[8] Die Truppen, die d’Estaing an diesem Tag landete, bestanden aus dem 1.400 Mann starken irischen Regiment unter dem Kommando des Grafen Dillon und 700 Soldaten der Regimenter Champagne, Foix, Auxerrois und Hainault.[7] Mit der Ankunft der Franzosen befahl Macartney seinen Truppen, sich auf die Befestigungen des Hospital Hill zurückzuziehen. D’Estaing verbrachte den 3. Juli damit, die britische Stellung zu erkunden.[9] Aus Sorge, Byron könnte jederzeit auftauchen, beschloss er, den Hospital Hill anzugreifen.[1] Zunächst schickte er eine Verhandlungsflagge an Macartney und forderte seine Kapitulation; der britische Gouverneur lehnte die Forderung ab.[10]

D’Estaings Angriffsplan sah vor, dass drei Kolonnen die Rückseite der Befestigungen mit Bajonetten angreifen sollten, während eine kleine vierte Abteilung als Täuschung oder Ablenkungsmanöver ihre Präsenz an einer Stelle zeigte, an der die Briten eher mit einem Angriff rechneten. Am Abend des 3. Juli rückten die Formationen aus. Die Angriffskolonnen waren je 300 Mann stark und wurden von Arthur Dillon, Édouard Dillon und dem Grafen von Noailles angeführt. Arthur Dillons Kolonne wurde von einer 180 Mann starken Vorhut unter dem Grafen von Durat begleitet. De Ablenkungstruppe zählte nur 200 Mann. Am 4. Juli um 4:00 Uhr morgens eröffnete die Ablenkungstruppe das Feuer, während die anderen drei Kolonnen den Hospital Hill hinauf stürmten. Die britischen Verteidiger gerieten in Panik und die meisten flohen den Hügel hinunter in die scheinbare Sicherheit von Fort George.[10]

In ihrer Eile, das Gelände zu verlassen, versäumten es die Briten, einige Kanonen zu vernageln (normalerweise wurden Metallnägel in das Zündloch geschlagen und die Kanone wurde dadurch funktionsunfähig). Sie ließen auch viele Wertgegenstände zurück, die zur sicheren Aufbewahrung auf die Anhöhe gebracht worden waren. Die Franzosen nutzten die erbeuteten Kanonen, um auf Fort George zu feuern. Macartney erkannte die hoffnungslose Lage und hisste die weiße Flagge.[10] Die Franzosen nahmen etwa 700 Gefangene und gaben 36 Tote und 71 Verwundete an. Britische Berichte gingen jedoch von knapp 300 französischen Opfern aus.[10] Die Franzosen beanspruchten außerdem 200 im Hafen vor Anker liegende Handelsschiffe als Beute.[11]

Admiral d’Estaing und Macartneys konnten sich in der Folge nicht über Kapitulationsbedingungen verständigen, sodass Macartney schließlich bedingungslos kapitulierte. Infolgedessen erlaubte d’Estaing seinen Truppen, St. George’s zu plündern.[12] Zu den erbeuteten oder zerstörten Gegenständen gehörten der Großteil von Macartneys persönlichen Besitz, so etwa sein Silber und Geschirr, ein Großteil seiner Kleidung und seine persönlichen Papiere. Letztere waren ein besonders schwerer Schlag für den Gouverneur, denn Kopien dieser Papiere, die er zur Sicherheit mit seiner Frau nach St. Lucia geschickt hatte, wurden durch ein Feuer zerstört[13] Als d’Estaing Macartney zum Essen einlud, entschuldigte sich der Gouverneur für seine Kleidung und bemerkte, dass der Mantel, den er trug, der einzige war, der ihm noch geblieben war. Auch wurde Macartney und anderen führenden Grenadiern die Entlassung auf Bewährung verweigert und sie wurden als Kriegsgefangene nach Frankreich geschickt.[12]

Nachwirkungen

Admiral Byron war am 1. Juli über die Einnahme von St. Vincent informiert worden und befand sich mit einer Streitmacht auf dem Weg zur Rückeroberung, als er vom Angriff auf Grenada erfuhr. Er segelte sofort dorthin und traf am Morgen des 6. Juli ein. D’Estaing, der am 5. Juli über Byrons Absichten informiert wurde, schiffte den Großteil der Truppen ein und lichtete am 6. Juli um 4:00 Uhr morgens den Anker. Die Flotten kämpften vor Grenada, wobei d’Estaing Byrons unorganisierten Angriff abwehren konnte.[1] Dies war das letzte größere Gefecht in der Karibik, bevor d’Estaing nach Norden segelte und im September eine erfolglose Belagerung des von den Briten gehaltenen Savannah in Georgia anführte.[14]

D’Estaings Erfolge bei der Einnahme Grenadas und der Sieg gegen Byrons machten ihn in Frankreich äußerst beliebt.[15] Der Dramatiker und Schauspieler Pierre-Germain Parisau schrieb „Veni, Vidi, Vici, ou La Prise de Grenade“, das eine Nachstellung der Eroberung enthält. D’Estaing sah das populäre Werk nicht, doch John Paul Jones besuchte während eines Paris-Besuchs eine Aufführung.[16]

Während ihrer Besatzung begannen die Franzosen mit dem Bau einer Reihe von Befestigungsanlagen auf dem Richmond Hill. Die Kanonen waren zur Verteidigung gegen einen Angriff wie den ihren konzipiert und zeigten eher auf die Land- als auf die Seeseite. Diese Verteidigungsanlagen wurden nach 1783 von den Briten fertiggestellt.[10]

Sowohl Grenada als auch St. Vincent blieben bis Kriegsende in französischer Hand und wurden dann gemäß dem Pariser Vertrag von 1783 an Großbritannien zurückgegeben.[17] Die Herrschaft des Grafen von Durat, der von d’Estaing zum Gouverneur ernannt worden war, wurde von britischen Einwohnern als hart und repressiv beschrieben.[18] Nachdem die Briten die Kontrolle wiedererlangt hatten, gingen sie hart gegen die überwiegend römisch-katholische und französischsprachige Bevölkerung vor, was zu Unzufriedenheit und einem Exodus französischer Grenadier nach Trinidad führte.[18] Diese religiösen und kulturellen Spaltungen in der grenadischen Gesellschaft trugen zum Erstarken des lokalen Widerstands bei, der 1795–96 in der beinahe erfolgreichen Fédon’s Rebellion gipfelte.[18]

Literatur

  • Auguste Doniol: Histoire du XVIe Arrondissement de Paris. Hachette, Paris 1902, S. 421.
  • Jeremy Black: A Military History of Britain: From 1775 to the Present. Praeger Publishers, Westport, CT 2006, ISBN 978-0-275-99039-8.
  • George Brizan: Grenada: Island of Conflict. Zed Books. London. 1984. ISBN 978-0-86232-230-4.
  • Rene Chartrand: The French Army in the American War of Independence. Osprey Publishing, London 1992, ISBN 978-1-85532-167-0.
  • Jean Joseph Robert Colman-Maison: L’Amiral d’Estaing (1729–1794). Calmann-Lévy, Paris 1910.
  • Philip Colomb: Naval Warfare, its Ruling Principles and Practice Historically Treated. W. H. Allen, London 1895, S. 386.
  • Alfred Thayer Mahan: Major Operations of the Royal Navy, 1762–1783: Being Chapter XXXI in The Royal Navy. A History. Little&Brown. Boston. 1898.
  • David Marley: Wars of the Americas: a Chronology of Armed Conflict in the Western Hemisphere, 1492 to the Present. Volume 1. ABC-CLIO, Santa Barbara. 2008. ISBN 978-1-59884-100-8.
  • Andrew Jackson O’Shaughnessy: An Empire Divided: the American Revolution and the British Caribbean. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2000, ISBN 978-0-8122-3558-6.
  • Helen Henrietta Macartney Robbins: Our First Ambassador to China: An Account of the Life of George, Earl of Macartney. J. Murray, London 1908, S. 109 f.
  • John Barrow & George Macartney: The Public Life of the Earl of Macartney. Cambridge University Press, Cambridge. 1807. S. 62, ISBN 978-1-108-02619-2.
  • Unbekannter Autor: A Brief Historical Sketch of the Irish Infantry Regiment of Dillon and the Irish Stuart Regiments in the Service of France, 1690–1791. In: Journal of the Royal United Service Institution. Bd. 49, Juli–Dezember 1905.

Einzelnachweise

  1. a b c Philip Colomb: Naval Warfare, its Ruling Principles and Practice Historically Treated. W. H. Allen. London. 1895. p. 388 f. OCLC 2863262. S. 390–391.
  2. a b John Barrow & George Macartney: The Public Life of the Earl of Macartney. Cambridge University Press. Cambridge. p. 62. ISBN 978-1-108-02619-2. S. 56.
  3. a b c Alfred Thayer Mahan: Major Operations of the Royal Navy, 1762–1783: Being Chapter XXXI in The Royal Navy. A History. Little, Brown. Boston. 1898. OCLC: 46778589. S. 429 f.
  4. a b c d Philip Colomb: Naval Warfare, its Ruling Principles and Practice Historically Treated. W. H. Allen. London. 1895. p. 388 f. OCLC 2863262.
  5. Andrew Jackson O’Shaughnessy: An Empire Divided: the American Revolution and the British Caribbean. University of Pennsylvania Press. Philadelphia. 2000. ISBN 978-0-8122-3558-6. S. 60.
  6. John Barrow & George Macartney: The Public Life of the Earl of Macartney. Cambridge University Press. Cambridge. p. 62. ISBN 978-1-108-02619-2. S. 62.
  7. a b A Brief Historical Sketch of the Irish Infantry Regiment of Dillon and the Irish Stuart Regiments in the Service of France, 1690–1791. Journal of the Royal United Service Institution. Ausgabe 49. July–December 1905.
  8. Jean Joseph Robert Colman-Maison: L’Amiral d’Estaing (1729–1794). Calmann-Lévy. Paris. 1910. OCLC 2677381. S. 263.
  9. Jean Joseph Robert Colman-Maison: L’Amiral d’Estaing (1729–1794). Calmann-Lévy. Paris. 1910. OCLC 2677381. S. 264.
  10. a b c d e George Brizan: Grenada: Island of Conflict. Zed Books. London. 1984. ISBN 978-0-86232-230-4. S. 44–46.
  11. Alfred Thayer Mahan: Major Operations of the Royal Navy, 1762–1783: Being Chapter XXXI in The Royal Navy. A History. Little, Brown. Boston. 1898. OCLC: 46778589. S. 434.
  12. a b Helen Henrietta Macartney Robbins: Our First Ambassador to China: An Account of the Life of George, Earl of Macartney. J. Murray, London 1908, S. 109 f.
  13. John Barrow & George Macartney: The Public Life of the Earl of Macartney. Cambridge University Press, Cambridge. 1807. S. 62. ISBN 978-1-108-02619-2. S. 62, 408.
  14. Alfred Thayer Mahan: Major Operations of the Royal Navy, 1762–1783: Being Chapter XXXI in The Royal Navy. A History. Little, Brown. Boston. 1898. OCLC: 46778589. S. 440–443.
  15. Auguste Doniol: Histoire du XVIe Arrondissement de Paris. Hachette. Paris. 1902. S. 421. OCLC 123166366.
  16. Émile Campardon: Les Spectacles de la Foire. Volume 2. Berger-Levrault et Cie, Genf 1877. S. 210.
  17. Jeremy Black: A Military History of Britain: From 1775 to the Present. Praeger Publishers, Westport, CT 2006, ISBN 978-0-275-99039-8. S. 59.
  18. a b c George Brizan: Grenada: Island of Conflict. Zed Books. London. 1984. ISBN 978-0-86232-230-4. S. 48–52.