Schlüsselkind
Als Schlüsselkind wird ein Kind bezeichnet, das nach Schulschluss regelmäßig ohne Betreuung ist, zum Beispiel, weil seine Eltern berufstätig sind.
Geschichte
Der heute eher selten verwendete Begriff, der 1956 vom Münchner Pädagogen und Psychologen Otto Speck geprägt wurde, existierte vorher in den USA schon seit 1944 unter dem Begriff Latchkey Child.[1] Das Wort spielt darauf an, dass solche Kinder meist einen eigenen Wohnungsschlüssel haben, der oft sichtbar an einer Schnur um den Hals getragen wird, damit das Kind ihn nicht verliert. Mit diesem Schlüssel kann das Kind die Tür der elterlichen Wohnung öffnen und dort darauf warten, dass die Eltern von der Arbeit nach Hause kommen.
Im Rahmen der PISA-Studie 2000 wurden beim Bildungserfolg 15-jähriger deutscher Schüler keine wesentlichen Unterschiede zwischen Schlüsselkindern und Kindern festgestellt, bei denen mindestens ein Elternteil ganztags zu Hause ist.[2] Die Schlüsselkinddebatte spielt auch in der Diskussion um Ganztagsschulen eine Rolle.
Literatur
- Peter Friedrich: Schlüsselkinder. Berlin 1982
- Bernd Ahrbeck: Das Schlüsselkind als Held der neuen Zeit. Über die Verflüchtigung und Wiederbelebung der Erziehungsidee, PDF, Humboldt-Spektrum, 1/2004.
- Horst Bosetzky: Brennholz für Kartoffelschalen. Argon, 1995, ISBN 978-3-8702-4312-8.
Weblinks
- Literatur von und über Schlüsselkind im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Latch-key children, Word of the Day, Randomhouse.
- ↑ J. Baumert et al. (Hrsg.): Pisa 2000 – Ein differenzierter Blick auf die Länder der Bundesrepublik Deutschland: Zusammenfassung zentraler Befunde. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin 2003. Zitat: „… Familientyp ['Kernfamilie' bzw. alleinerziehende Eltern] und mütterliche Erwerbstätigkeit stehen in keinem durchgängigen Zusammenhang zu den Merkmalen des Bildungserfolgs der 15-Jährigen. Weder die gymnasiale Bildungsbeteiligung noch der Erwerb der Lesekompetenz scheinen davon unmittelbar beeinflusst zu werden.“
Alternativer Link für diese Veröffentlichung: http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2003/PISA3.pdf ab Seite 78.