Schizoide Persönlichkeitsstörung

Klassifikation nach ICD-10
F60.1 Schizoide Persönlichkeitsstörung
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Die schizoide Persönlichkeitsstörung (SPS) zeichnet sich durch einen Rückzug von gefühlsbetonten und zwischenmenschlichen Kontakten aus. Dies äußert sich durch eine Vorliebe für Fantasien und Selbstbeobachtung, Einzelgängertum und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu zeigen.

Psychodynamische Ansätze sehen den Wunsch nach Nähe und Intimität bei gleichzeitiger Angst vor Überwältigung und Fremdbestimmung als Kernkonflikt schizoider Persönlichkeiten.[1][2] Hierfür wurde auch die Bezeichnung schizoides Dilemma geprägt.[3] Betroffene Menschen neigen deshalb dazu, Beziehungen überwiegend in ihrer Fantasie zu führen, während diese in der Realität vermieden werden und eine Betonung der Autonomie und Autarkie erfolgt. Als Folge davon entsteht eine charakteristische Gegenläufigkeit zwischen innerer Welt und äußerem Verhalten.[4]

Geschichte des Konzepts

Der Ausdruck schizoid wird auf Eugen Bleuler zurückgeführt und bedeutet wörtlich „spaltungsähnlich“ (altgriechisch σχίζειν schízein „spalten“ und -oid „ähnlich“).[5.1] Damals bezog sich der Begriff schizoid allerdings auf einen weitaus größeren Formenkreis von Persönlichkeitsmerkmalen. Ernst Kretschmer entwickelte daraus dann ein eigenes Konzept: Zentral darin war bereits das Auseinanderfallen von innerem Erleben und äußerem Verhalten und ein daraus entstehendes inneres Spannungsverhältnis.[6]

Beschreibung

Außensicht

Eine tiefgehende Kontaktstörung prägt die Betroffenen. Emotionaler Bezug und Zuwendung zur Umwelt sind vermindert, die spontane Erlebnisfähigkeit und das unmittelbare Ansprechen der Gefühle gehemmt. Ihre Beziehung zu Menschen und Dingen erscheint ungewöhnlich locker und unverbindlich. Auffallend sind eine fehlende „emotionale Authentizität“, die Abflachung der Gemütserregungen (Affekte) sowie geringe emotionale Reaktionen auf die Gefühle von Mitmenschen. Tiefsitzendes Misstrauen mit einer Tendenz, sich kaum zu öffnen oder intim zu offenbaren, hält die Betroffenen anderen Menschen gegenüber auf Distanz.[7][8]

Einige dieser Menschen treten starr und hölzern auf, andere wiederum überaus freundlich und vertrauenswürdig. Unter Druck gesetzt (z. B. durch zu enges Zusammenleben), reagieren sie oft abrupt und befremdlich. Sie ziehen sich dann für Außenstehende unerwartet zurück, schotten sich ab und meiden für einige Zeit Kontakte. Sowohl perfekte Selbstkontrolle als auch plötzliches Ausbrechen sind meist Seiten dieser Persönlichkeiten.

In von außen angestoßenen Veränderungen und neuen Dingen wird meist eine Gefahr gesehen, vor der es sich zu schützen gilt – vorzugsweise durch Rückzug oder Kontrolle. Menschen mit einer schizoiden Störung bilden kompensatorisch daher oft ein hohes Maß intuitiver Fähigkeiten aus, mit denen sie sich schützen und zugleich Überlegenheit und Kontrolle gewinnen wollen. Diese antrainierten Fähigkeiten helfen dem schizoiden Menschen bei der Alltagsbewältigung, belasten engere soziale Kontakte jedoch schnell.

Nach außen hin zeigen viele Betroffene meist eine „glatte“ Oberfläche ohne sichtbares emotionales Mitschwingen. Gesten oder Gesichtsausdrücke (z. B. ein Lächeln oder Nicken) werden selten erwidert und eigene Gefühle nicht nach außen getragen. Selbst bei direkter Provokation fällt es ihnen ungemein schwer, innerer Aggression oder Feindseligkeit Ausdruck zu verleihen. Schizoide Persönlichkeiten können daher in solchen Situationen passiv und gefühlsarm wirken – auch wenn das häufig gar nicht ihrem wirklichen Gefühlszustand entspricht. Deshalb haben sie oft Probleme, angemessen auf wichtige oder unangenehme Lebensereignisse zu reagieren.[9]

Außenstehenden erscheint es, als würden schizoide Menschen richtungslos vor sich hin leben und sich bezüglich ihrer Ziele „treiben lassen“. Die betreffenden Personen können auch selbstversunken und losgelöst von ihrer Umgebung wirken – in exzessives Tagträumen vertieft oder wie „im Nebel“. Im zwischenmenschlichen Umgang beachten einige Schizoide zudem feine, unterschwellige Details zu wenig. So übersehen sie auch soziale Hinweisreize und verstoßen dann ungewollt gegen übliche gesellschaftliche Regeln. Dadurch können andere ihr Verhalten als unpassend, sozial unbeholfen oder oberflächlich empfinden.[9]

Nicht jeder Betroffene entspricht zwingend dem eben beschriebenen Bild. Der Psychoanalytiker Ralph Klein hat den Begriff des „geheimen Schizoiden“ geprägt. Er bezeichnet damit Personen, die nicht gängigen Vorstellungen über schizoide Menschen entsprechen, sondern nach außen hin freundlich, gesellig und leistungsfähig auftreten. Ihre innere Erlebniswelt sei jedoch ebenfalls durch Rückzug, Introversion, intensive Fantasietätigkeit und eine ausgeprägte Angst vor echter Nähe gekennzeichnet. Entstehende Spannungen werden laut ihm nicht selten als „Angst vor Verantwortung“ oder „Bindungsscheu“ rationalisiert.[3.1]

Innensicht

Typisch für schizoide Menschen ist der Rückzug in eine reiche innere Fantasiewelt. Diese dient nicht nur als Ersatz für fehlende zwischenmenschliche Beziehungen, sondern ist oft auch eine Quelle ausgeprägter Kreativität. Künstlerisches Schaffen, Schreiben, Musik oder wissenschaftliche Arbeit können für schizoide Menschen Wege sein, innere Erfahrungen auszudrücken und zu verarbeiten. Anders als etwa Menschen mit starken narzisstischen Zügen suchen schizoide Personen jedoch selten öffentliche Anerkennung (siehe auch Abgrenzung), weshalb daraus entstehende Werke oft geheim gehalten oder nur mit wenigen ausgewählten Menschen geteilt werden.[10.1] Für den Zusammenhang zwischen schizoider Persönlichkeit und Kreativität gibt es vereinzelt auch empirische Belege. So zeigten in einer ersten Studie Personen mit schizoider Tendenz eine bessere Fähigkeit zu divergentem Denken.[11]

Entgegengesetzt zur Außensicht besteht bei schizoiden Menschen oft ein starkes inneres Bedürfnis nach Bindung.[12] Der Verlust einer der oft nur wenigen wichtigen Bezugspersonen kann deshalb besonders schmerzhaft sein und Gefühle von Leere, Traurigkeit und Wut hervorrufen. Das ist nicht selten eine Motivation für den Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung.[10.2][2.1] Trotz dieses inneren Bindungswunsches empfinden schizoide Menschen soziale Kontakte tendenziell als einengend, bedrängend, teils sogar beängstigend.[4.1] Harry Guntrip prägte die oft zitierte Formulierung, dass schizoide Menschen befürchten, von anderen „verschlungen“ zu werden.[13.1] Andere Personen werden von schizoiden Menschen tendenziell als aufdringlich oder kontrollierend empfunden und es kann teils zu starken Ängsten vor dem Verlust der eigenen Autonomie kommen.[2.2][14.1][10] Typisch ist oft auch ein Gefühl innerer Leere oder Entfremdung, das mit Rückzug, Antriebslosigkeit und Passivität verbunden sein kann.[10.3]

Schizoide Menschen erleben sich oft als unbeteiligte Beobachter der Welt um sie herum – aber nicht als Teilnehmer. Der Gedanke, nicht zugehörig oder anders zu sein, kann bei Schizoiden dann ausgelöst werden, wenn deutlich wird, wie sehr sie sich von anderen unterscheiden. Vielen wird das besonders bewusst, wenn sie andere direkt beobachten, Filme sehen oder Bücher lesen, die von Beziehungen handeln.[15]

Einige beschreiben in ihrer Behandlung das Gefühl, „innerhalb einer Schale“ oder „unter einer Glasglocke“ zu leben und den Anschluss verpasst zu haben. Sie klagen darüber, dass „das Leben an ihnen vorüberzieht“ und sie den anderen von einer Distanz aus zuschauen müssen. In solchen Situationen können Menschen mit schizoider PS schmerzliche Gefühle darüber einräumen, dass sie Eigenbrötler sind, die nicht in die Gesellschaft passen.[15][16]

Schule und Beruf

Soweit die Voraussetzungen bestehen, entwickeln schizoide Persönlichkeiten nicht selten ein hohes Maß an intellektueller Differenziertheit. Viele Schizoide sind „Kopfmenschen“ und neigen zu einer ausgeprägten Betonung des Verstandes mit einem Rückzug ins Denken („Flucht in den Intellekt“, siehe auch Intellektualisierung). Obwohl sie dadurch eher für geistige Reize statt für sinnliche Genüsse empfänglich sind, besitzen manche dennoch einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Schönes.[17][18][4.2] Als Stärke wird neben dem zum Abstrakten neigenden Denken, das oft neue Sichtweisen ermöglicht, auch Selbstironie als häufige Ressource erwähnt.[18][19]

Beruflich neigen schizoide Menschen verstärkt zu theoretischen Arbeitsfeldern sowie Tätigkeiten, die allein oder in konstanten Kleingruppen durchgeführt werden. Dazu zählen auch Dienstleistungsberufe, in denen die Interaktionsmöglichkeiten zwischen Kunden und Anbieter begrenzt und durch soziale Normen zu einem erhöhten Grade formalisiert sind. Wo die berufliche Tätigkeit alleine und sozial isoliert möglich ist, können gelegentlich äußerst gute Leistungen erreicht werden.[9] Es gibt allerdings auch Betroffene mit hohen kompensatorischen Fähigkeiten, die – laut einigen Autoren – sogar Berufe wählen, bei denen wenig formalisierte soziale Beziehungen eine große Rolle spielen. Oft dient Arbeit schizoiden Menschen auch als Schutz vor Einsamkeit, da der Arbeitsplatz gut regulierbare, steuerbare und begrenzte soziale Kontakte beinhaltet. Manche neigen deshalb dazu, besonders viel zu arbeiten.[4.3][14.2]

In der Schule liefern sie mitunter schlechte Leistungen, die ihren intellektuellen Fähigkeiten nicht entsprechen (Minderleistung).[9.1][10.4][20]

Krankheitswert

Die beschriebenen Verhaltensweisen gelten nur dann als Persönlichkeitsstörung (PS), wenn sie chronisch, unflexibel und extrem ausgeprägt sind. Bei milderen Formen spricht man dagegen von einer schizoiden Persönlichkeit oder schizoiden Persönlichkeitszügen. Solche Persönlichkeitszüge werden heute nicht mehr als starre Kategorien verstanden (wie sie noch im DSM-5 und der ICD-10 gebräuchlich waren), sondern als Kontinuum, das von gesunden Ausprägungen bis hin zu Persönlichkeitsstörungen mit hohem Leidensdruck reicht. Krankhaft werden solche Züge erst dann, wenn sie starr und unangemessen sind und zu Leiden oder Beeinträchtigungen führen.[21][22][23][24]

Lebensqualität

Es gilt als gut gesichert, dass Menschen mit schizoider PS zu den am stärksten eingeschränkten unter den Betroffenen von Persönlichkeitsstörungen gehören.[4.4] Als negative Folgen einer schizoiden PS wurden bisher beobachtet:

Schizoide Persönlichkeitszüge zeigen ein hohes Ausmaß an Stabilität über die Zeit.[31.1][32]

Suizidalität

Schizoide Merkmale (wie emotionale Distanziertheit und ein einzelgängerischer Lebensstil) hängen mit Suizidversuchen zusammen.[31.2][33][34] Personen mit diesen Merkmalen hatten in einer Studie etwa doppelt so häufig einen lebensbedrohlichen Suizidversuch unternommen, selbst wenn begleitende Depressionen, Hoffnungslosigkeit und empfundenes psychisches Leiden berücksichtigt wurden. Die Autoren empfehlen daher, bei der klinischen Einschätzung des Suizidrisikos auch gezielt nach schizoiden Merkmalen zu fragen, da diese ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für besonders gefährliche Suizidhandlungen sein können. Beispielhaft genannt werden diese Fragen:[34]

  • Haben Sie enge Freunde?
  • Würden Sie sagen, dass Sie einen eher zurückgezogenen Lebensstil führen?
  • Würden Sie sich als distanziert oder emotional zurückhaltend beschreiben?

Diagnose

DSM-5

Laut DSM-5 handelt es sich um ein tiefgreifendes Muster, das durch Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eine eingeschränkte Bandbreite des Gefühlsausdrucks im zwischenmenschlichen Bereich gekennzeichnet ist. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und das Muster zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens vier der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:[9.2]

  1. Hat weder den Wunsch nach engen Beziehungen noch Freude daran, auch nicht, Teil einer Familie zu sein.
  2. Wählt fast immer einzelgängerische Unternehmungen.
  3. Hat, wenn überhaupt, wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen.
  4. Wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude (Anhedonie).
  5. Hat keine engen Freunde oder Vertraute, außer Verwandten ersten Grades.
  6. Erscheint gleichgültig gegenüber Lob und Kritik von Seiten anderer.
  7. Zeigt emotionale Kälte, Distanziertheit oder eingeschränkte Affektivität.

Die Symptome dürfen nicht durch eine andere Störung besser erklärt werden können (z. B. Schizophrenie, bipolare Störung oder depressive Störung mit psychotischen Merkmalen, eine andere psychotische Störung oder eine Autismus-Spektrum-Störung).[9]

ICD-10

Die ICD-10 führt die schizoide Persönlichkeitsstörung unter F60.1 auf. Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:[35]

  1. wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude (Anhedonie);
  2. emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachte Affektivität;
  3. reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle oder auch Ärger anderen gegenüber auszudrücken;
  4. erscheint gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik von anderen;
  5. wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen (unter Berücksichtigung des Alters);
  6. fast immer Bevorzugung von Aktivitäten, die allein durchzuführen sind;
  7. übermäßige Inanspruchnahme durch Fantasien und Introspektion;
  8. hat keine oder wünscht keine engen Freunde oder vertrauensvollen Beziehungen (oder höchstens eine);
  9. deutlich mangelndes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen. Wenn sie nicht befolgt werden, geschieht das unabsichtlich.

ICD-11

Die ICD-11 klassifiziert keine schizoide Persönlichkeitsstörung mehr als eigene Kategorie, für die eine bestimmte Anzahl an Diagnosekriterien erfüllt sein müssen. Es gibt stattdessen die allgemeine Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit verschiedenen Schweregraden, bei der durch sogenannte Merkmalsdomänen die strukturellen Merkmale der Persönlichkeit beschrieben werden können. Wenn die allgemeinen Voraussetzungen für die Diagnose 6D10 Persönlichkeitsstörung vorliegen, können beteiligte schizoide Züge durch das Merkmal 6D11.1 Distanziertheit angegeben werden. Hierdurch wird die Tendenz zu emotionaler und zwischenmenschlicher Distanz beschrieben. Dazu gehören mögliche Eigenschaften wie Vermeidung sozialer Interaktionen, Mangel an Freundschaften, Vermeidung von Intimität, Zurückhaltung, Unnahbarkeit und Einschränkungen im Ausdruck und Erleben von Emotionen.[21][23][24]

Kritik an der deskriptiven Diagnose

Das Konzept der schizoiden Persönlichkeitsstörung in den Diagnosesystemen, wie es seit dem DSM-III und bis einschließlich zur ICD-10 und dem DSM-5-TR bestand, wurde allgemein als Fortschritt gesehen. Dennoch kritisierten manche, dass es zu inhaltsarm, realitätsfern und unabhängig vom sozialen Kontext sei.[36][6] Die Kritik fokussierte sich hierbei im Wesentlichen auf drei Bereiche.

Aufteilung des ursprünglichen Konzepts

Ernst Kretschmer beschrieb in seiner Konstitutionslehre (1921) einen fließenden Übergang von Gesundheit zu Krankheit: Von den Schizothymen (gesund) – über die Schizoiden (Grenzfall) – bis zu den Schizophrenen (krankhaft). Typisch für den schizoiden Charakter waren laut ihm das „In-sich-hinein-Leben“ und Kontaktschwäche. Er betonte hierbei das Pendeln zwischen zwei gegensätzlichen Eigenschaftspolen: Einerseits seien Schizoide zwar überempfindlich (hyperästhetisch), d. h. leicht verletzbar und reizbar, empfindsam, launisch, nervös, exzentrisch. Paradoxerweise wären sie aber gleichzeitig auch unempfindlich (anästhetisch), also unterkühlt, Kontakte schroff ablehnend, farblos und gleichgültig. Dabei verstecke sich hinter einer stumpfen, schwer durchdringbaren Verhaltensmaske eine tiefe gemütsmäßige Ansprechbarkeit.[19]

Seit 1980 jedoch wurde die Definition der schizoiden Persönlichkeitsstörung auf die unempfindlichen Eigenschaften begrenzt – die überempfindlichen Merkmale dagegen ordnete man der schizotypischen und ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung zu. Dadurch wurde der schizoide Charakter in drei getrennte Persönlichkeitsstörungen unterteilt.[35][37]

Zurück ging diese Differenzierung ursprünglich auf die Arbeit Theodore Millons, der auf Kretschmers Beschreibung von hyperästhetischen und anästhetischen Schizoiden zurückgriff und darin getrennte Subtypen sah, die sich laut ihm grundlegend in ihrer Motivation unterscheiden. Millon konzeptualisierte die schizoide Persönlichkeit daraufhin in seiner erstmals 1969 veröffentlichten Theorie als passiv distanziert, affektiv weitgehend unempfindlich und teilnahmslos, die ängstlich-vermeidende Persönlichkeit hingegen als aktiv distanziert aufgrund interpersoneller Ängste. Laut ihm führen sowohl positive als auch negative emotionale Reize bei schizoiden Personen nur zu schwachen Verstärkungseffekten, sodass Nähe oder Zurückweisung überwiegend als emotional neutral erlebt werden. Die Folge davon ist sozialer Rückzug aufgrund fehlender Motivation und dem Empfinden von Nähe als nicht lohnend. Laut ihm verfügen schizoide Menschen auch über ein (von ihm selbst als spekulativ bezeichnetes) angeborenes emotionales Defizit, welches zu dieser Unempfindlichkeit sowohl gegenüber positiven als auch negativen Reizen beitrage.[5]

Kritisiert wurde an dieser Theorie, dass sie empirisch nicht ausreichend untermauert sei und auch nicht klinischen Erfahrungen entspreche. Insbesondere sei die angenommene Unempfindlichkeit gegenüber positiven und negativen Reizen nicht geeignet, um sozialen Rückzug und weitgehende Isolation zu erklären. Es wurde auch angemerkt, dass Kretschmer inkorrekt wiedergegeben wurde, der die Typen als Pole eines Kontinuums sah, auf dem sich jeder Betroffene bewege und nicht als voneinander klar unterscheidbare Subtypen. Kretschmers dimensionaler Ansatz wurde vor diesem Hintergrund als nach wie vor bedeutsam hervorgehoben.[38][39]

Seit der erstmaligen psychodynamischen Konzeptualisierung der Schizoidie durch William R. D. Fairbairn[40] wurden allerdings bereits lange vor 1980 insbesondere die distanzierten, kühlen und ungeselligen Seiten schizoider Menschen betont.[4.6] So schrieben auch Sabine Herpertz und Peter Fiedler: „Andererseits entspricht die damalige Einsetzung wesentlichen Vorstellungen, wie sie zu diesem Störungsbild durchgängig in der Psychoanalyse vertreten wurden.“[41]

Behauptung des fehlenden Beziehungswunsches

Es wurde kritisiert, dass die Diagnosekriterien das Unbehagen schizoider Menschen in Beziehungen vorschnell in das Diagnosekriterium „Hat weder den Wunsch nach engen Beziehungen noch Freude daran […]“ übersetzt haben. Dies stelle eine Generalisierung eines Extremfalls dar und könne bei Behandelnden den Eindruck erwecken, therapeutische Fortschritte seien mit schizoiden Patienten kaum möglich. In der Folge werde die Störung selten gelehrt, wenig verstanden und es existierten nur wenige Behandlungsempfehlungen.[10.5] Auch führe es dazu, dass die Erfahrungen von Depression und Niedergeschlagenheit bei Betroffenen unterschätzt werden.[10.6]

Laut Salman Akhtar verkenne das DSM die Bedeutung, die soziale Beziehungen für schizoide Menschen haben und beschränke sich stattdessen auf eine gleichgültige und desinteressierte Fassade.[36][42]

Unzureichende Beschreibung

Theodore Millon kritisierte am DSM, dass die Diagnose der schizoiden PS rein negativ definiert sei, d. h., es wird dort nur angegeben, welche Merkmale fehlen – aber nicht, welche vorhanden sind. Das lasse die schizoide PS wie eine „Persönlichkeitsstörung ohne Persönlichkeit“ bzw. als „Defizit-Syndrom“ oder „Vakuum“ erscheinen und erschwere ihre Erforschung sehr. Seiner Meinung nach sind die schizoide und die histrionische Persönlichkeitsstörung in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil voneinander.[5] Auch Otto Kernberg bezeichnete die Definition der schizoiden Persönlichkeitsstörung als diffus und unpräzise und erklärte, dass ihre Erforschung erschwert sei.[1.1]

Salman Akhtar hob positiv hervor, dass die Beschreibung im DSM durch Wörter wie „zeigt“ oder „erscheint“ teils subtil deutlich macht, dass es sich um Beschreibungen der Außenwirkung handelt. Er merkte jedoch an, dass die Kriterien zahlreiche typische schizoide Eigenschaften auslassen, die bis dahin gut beschrieben waren:[36.1]

  • das schizoide Dilemma: Gefühle von Verschlungenwerden in Beziehungen, Einsamkeit außerhalb von Beziehungen
  • das reiche Fantasieleben (In der ICD allerdings vorhanden, siehe Kriterium 7.)
  • unklare Lebensziele
  • Depersonalisation
  • Gefühle innerer Leere
  • Intellektualisierung
  • ausgeprägte Hypersensitivität
  • fehlender äußerer Ausdruck von Aggression (In der ICD allerdings vorhanden, siehe Kriterium 3.)

Als weitere durch die Kriterien nicht beschriebene Eigenschaften wurden genannt: Die ausgeprägte Introversion, permanente Ambivalenz in Bezug auf Beziehungen („Oszillation in und aus Beziehungen“), Leugnung von Bedürfnissen und ein omnipotentes (allmächtiges) Selbstbild.[10.6]

Psychoanalytische Konzeptionen

Vonseiten psychoanalytischer Autoren wurden Versuche unternommen, schizoide Persönlichkeiten auf eine Weise zu erfassen, die über eine reine Beschreibung des äußeren Eindrucks hinausgeht. Als eine im deutschen Sprachraum besonders einflussreiche und auch für die Allgemeinheit leicht verständliche Beschreibung gilt das Kapitel Die schizoiden Persönlichkeiten aus Fritz Riemanns im Jahr 1961 erschienenen Buch Grundformen der Angst. Seine Beschreibung entspricht allerdings auch innerhalb der Psychoanalyse nur noch in Teilen dem heutigen Verständnis schizoider Persönlichkeiten.[4.7] Weitere psychoanalytische Ansätze, die auch das innere Erleben schizoider Menschen mit einbeziehen, sollen nachfolgend vorgestellt werden.

Guntrip-Kriterien

Harry Guntrip beschrieb erstmals 1951 neun Merkmale zur Definition schizoider Persönlichkeiten.[43][13.2] Es handelte sich um den ersten bedeutenden Ansatz einer diagnostischen Erfassung und Abgrenzung schizoider Patienten anhand konkreter Kriterien. Diese Kriterien schließen Objektbeziehungen, Abwehrmechanismen und andere phänomenologische Aspekte aus psychodynamischer Perspektive ein, welche von den 1980 veröffentlichten deskriptiven Kriterien des DSM nicht miterfasst wurden.[10.7] Die nachfolgende Erklärung seiner Kriterien folgt der Beschreibung von Ralph Klein.[3.2]

Introversion

Introversion gilt laut Guntrip als zentrales Merkmal schizoider Persönlichkeiten. Sie bezeichnet eine vorwiegend nach innen gerichtete psychische Orientierung, bei der sich die emotionale Energie von der äußeren Realität abwendet und auf das innere Erleben konzentriert. Betroffene neigen dazu, ein ausgeprägtes inneres Fantasieleben zu entwickeln, das ihnen Sicherheit und Stabilität vermittelt. Die Außenwelt wird dagegen häufig als potenziell gefährlich oder überfordernd erlebt, weshalb der Rückzug in die innere Welt eine Schutzfunktion erfüllt.

Verschlossenheit

Verschlossenheit beschreibt bei Guntrip die nach außen sichtbare Seite der Introversion. Sie zeigt sich in einer emotionalen oder sozialen Distanziertheit von der Umwelt, die jedoch nicht zwangsläufig als Gleichgültigkeit zu verstehen ist. Manche Betroffenen wirken still, scheu oder vermeidend, während andere nach außen hin gesellig und kontaktfreudig erscheinen, innerlich jedoch ein starkes Gefühl der Abgeschiedenheit erleben. Diese innere Distanz dient dem Schutz vor als bedrohlich empfundenen Bindungen und spiegelt den Versuch wider, ein sicheres inneres Gleichgewicht zu bewahren. Verschlossenheit kann daher offen zutage treten oder verdeckt bleiben, etwa hinter einer freundlichen, angepassten Fassade.

Narzissmus

Der Begriff wird von Guntrip im Sinne Freuds benutzt (siehe Freuds Narzissmusbegriff). Er beschreibt damit, dass schizoide Persönlichkeiten scheinbar ihre libidinöse Energie auf sich selbst richten, weil sie auch ihre Liebes- und Bindungswünsche nach innen verlagern und Beziehungen zu anderen Menschen sich überwiegend in ihrer Fantasie abspielen. Teils kann eine starke Identifikation mit diesen verinnerlichten Bildern anderer Personen entstehen. Er beschreibt eine Patientin, die sich zum Trost an ihre eigene Schulter anlehnt, damit aber eigentlich nicht sich selbst, sondern ihre Mutter meint. Außerdem schildert er, dass hierdurch auch scheinbare Aggressionen gegen die eigene Person entstehen können: Eine seiner Patientinnen, die in der Realität nicht sichtbar wütend auf eine andere Person sein konnte, schlug sich stattdessen selbst, nachdem sie wieder allein war.[13.3] Was hier als Narzissmus bezeichnet wird, unterscheidet sich somit grundlegend von den Merkmalen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung: Es beschreibt die Fähigkeit schizoider Menschen, allein zu sein und Affekte ohne Einbezug realer anderer zu regulieren.[3.3]

Selbstgenügsamkeit

Selbstgenügsamkeit bezeichnet die ausgeprägte Fähigkeit schizoider Persönlichkeiten, ihre emotionalen Bedürfnisse weitgehend unabhängig von anderen zu regulieren. Da zwischenmenschliche Abhängigkeit häufig mit Angst oder dem Gefühl von Bedrohung verbunden ist, entwickeln Betroffene ein starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und innerer Kontrolle. Diese Haltung entsteht meist früh als Anpassung an eine Umwelt, die als emotional unzuverlässig erlebt wurde. Der damit verbundene Rückzug in die eigene Autonomie ermöglicht Sicherheit, führt jedoch auch zu sozialer Isolation. Charakteristisch ist oft ein überreifes, „erwachsenes“ Verantwortungsgefühl bereits im Kindesalter, das als Ersatz für fehlende äußere Unterstützung dient.

Überlegenheitsgefühle

Überlegenheitsgefühle dienen schizoiden Persönlichkeiten als psychologischer Schutzmechanismus. Durch die Vorstellung, „über“ anderen zu stehen oder ihnen distanziert gegenüberzustehen, wird eine sichere emotionale Entfernung gewahrt. Diese Form der Überlegenheit unterscheidet sich vom grandiosen Selbstbild narzisstischer Persönlichkeiten: Sie dient nicht primär der Selbstaufwertung, sondern dem Schutz vor Nähe und Abhängigkeit. Die empfundene Distanz vermittelt Kontrolle und Unabhängigkeit und hilft, die als riskant erlebte Verletzlichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen zu vermeiden.

Affektverlust

Affektverlust bezeichnet bei schizoiden Persönlichkeiten eine verminderte Fähigkeit, Gefühle nach außen auszudrücken oder emotionale Resonanz in Beziehungen herzustellen. Diese Einschränkung entsteht nicht durch Gefühllosigkeit, sondern als Folge der starken Selbstbezogenheit und des Bedürfnisses nach innerer Sicherheit. Da emotionale Offenheit als potenziell gefährlich erlebt wird, werden Affekte kontrolliert oder unterdrückt, um das innere Gleichgewicht zu bewahren. Viele Betroffene berichten nicht von einem Mangel an Emotionen, sondern von einer Unsicherheit darüber, was sie empfinden oder wie sie Gefühle ausdrücken können.

Einsamkeit

Einsamkeit gilt bei Guntrip als unvermeidliche Folge der schizoiden Introversion und der Abkehr von äußeren Beziehungen. Obwohl der Rückzug als Schutz vor Bedrohung dient, bleibt ein tiefes Bedürfnis nach Nähe und emotionaler Verbundenheit bestehen. Nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen ist der Wunsch nach Bindung nahezu erloschen.

Depersonalisation

Depersonalisation tritt meist in Situationen auf, die als emotional überwältigend oder bedrohlich erlebt werden, und dient als kurzfristige Schutzreaktion gegen übermäßige Angst. Betroffene berichten häufig, sich wie außerhalb ihres Körpers zu befinden oder die eigene Person und Umgebung wie von außen zu beobachten. Diese Form der Selbstentfremdung unterscheidet sich von chronischer Gefühllosigkeit: Sie ist eine akute Reaktion, die vor innerer Überflutung bewahren soll. Depersonalisation stellt somit eine Fortsetzung des schizoiden Grundmusters dar, Distanz zu schaffen, um psychische Sicherheit zu erhalten.

Regression

Regression bezeichnet bei Guntrip die Tendenz des schizoiden Menschen, sich innerlich von der als überwältigend erlebten Außenwelt zurückzuziehen und in frühere, psychisch sichere Zustände zu fliehen. Diese Bewegung erfolgt sowohl nach innen – in eine Welt der Fantasie und Selbstgenügsamkeit – als auch „zurück“, im Sinne eines unbewussten Wunsches nach Rückkehr in einen Zustand völliger Geborgenheit.

Akhtars Modell

Salman Akhtar veröffentlichte 1987 als Alternative zu den deskriptiven Diagnosekriterien ein umfassendes phänomenologisches Profil, das sowohl klassische psychoanalytische als auch deskriptive Beobachtungen berücksichtigt.

Sein Modell ist in untenstehender Tabelle zusammengefasst. Die erste Spalte beschreibt sechs psychologische Funktionsbereiche. Jeder Bereich enthält bestimmte Charakterzüge und Verhaltensweisen, die weiter in zwei Gruppen unterteilt sind – in direkt sichtbare und in verborgene Merkmale. Beide Gruppen stellen jedoch keine Subtypen dar und die Bezeichnungen beziehen sich auch nicht auf bewusste oder unbewusste Vorgänge. Stattdessen stehen sie Akhtar zufolge für mehr oder weniger leicht erkennbare, widersprüchlich erscheinende Aspekte, die gleichzeitig innerhalb einer Person vorhanden sind. Zudem betont diese Art der Symptomeinteilung laut ihm die zentrale Bedeutung der Spaltung und Identitätsverwirrung für das Verständnis der schizoiden Persönlichkeit. Da es sich um ein allgemeines Modell handelt, trifft naturgemäß nicht jedes Merkmal auf jeden Einzelfall zu.[36.2]

Bereich Sichtbare Merkmale (overt) Verdeckte Merkmale (covert)

Selbstkonzept

  • folgsam und kooperativ
  • stoisch, erträgt gleichmütig
  • meidet Wettbewerb und Rivalität
  • selbstgenügsam, auf keinen angewiesen
  • nicht durchsetzungsorientiert
  • hält sich für minderwertigen Außenseiter
  • zynisch
  • unecht, nicht authentisch
  • entpersönlicht oder depersonalisiert
  • fühlt sich abwechselnd leer, roboterhaft oder voller rachsüchtiger Allmachtsphantasien
  • versteckte Grandiositätsgefühle

Beziehungen

  • zurückgezogen
  • abgehoben und unnahbar
  • wenig enge Freunde
  • emotional „undurchlässig“
  • Gefühle anderer „perlen ab“
  • Angst vor Nähe und Intimität
  • sehr sensibel und feinfühlig
  • tiefe Neugier gegenüber anderen
  • liebeshungrig
  • Neid auf ungezwungene Spontanität anderer
  • starke Sehnsucht nach Kontakt zu anderen
  • bei ausgesuchten Vertrauten begeisterungsfähig

Soziale Anpassung

  • in Beruf und Freizeit bevorzugt alleine
  • kaum gesellig, nur in ausgewählten Gruppen
  • anfällig für Esoterikbewegungen wegen starken Zugehörigkeitsbedürfnisses
  • eher träge und indifferent
  • keine Klarheit über eigene Ziele
  • schwache ethnische Verwurzelung
  • meist in der Lage, beständig zu arbeiten
  • ziemlich kreativ, könnte besondere und originelle Beiträge leisten
  • leidenschaftliche Ausdauer bei bestimmten Interessensgebieten

Liebe und Sex

  • kaum Interesse an Sex
  • kein Interesse an Romantik
  • lehnt sexuellen Klatsch und Frivolitäten ab
  • geheime voyeuristische Interessen
  • Tendenz zu Erotomanie
  • neigt zu zwanghaften Perversionen

Werte und Ideale

  • moralische Ungleichmäßigkeit
  • vereinzelt auffallend unmoralisch, anfällig für skurrile Straftaten
  • später dann aber selbstlos und aufopferungsvoll

Art des Denkens

  • geistesabwesend
  • in Phantasien vertieft
  • verschwommene und gekünstelte Sprache
  • Eloquenz wechselt ab mit unklarem Ausdruck
  • autistischer Denkstil (intensives Reflektieren über eigenes Seelenleben)
  • schwankt zwischen „Selbstbeschau“ und scharfem Kontakt mit der Außenwelt
  • selbstzentrierte Benutzung der Sprache

Abgrenzung

Eine Herausforderung bei der Diagnostik ist die Überlappung mit anderen Persönlichkeitsstörungen oder Erkrankungen und das häufige Auftreten von Komorbiditäten.[44][4][9]

Schizophrenie und schizotype Störung

Die Symptome der schizoiden PS überschneiden sich mit den Negativsymptomen der Schizophrenie.[31.3] Historisch wurden schizoide Persönlichkeitszüge als prämorbid für die Schizophrenie bzw. das Auftreten psychotischer Symptome betrachtet. Ein eindeutiger genetischer Zusammenhang zur Schizophrenie konnte empirisch allerdings lediglich für die schizotype Störung nachgewiesen werden, deren Symptome sich teils stark mit der schizoiden PS überschneiden.[45.1] Menschen mit schizotyper Störung zeigen jedoch in Verhalten, Sprache und Wahrnehmung deutlich stärkere Auffälligkeiten als schizoide Personen. Dazu gehören etwa esoterisches und magisches Denken, sprachliche Besonderheiten und eine stärkere Ambivalenz in der Kontaktaufnahme.[4.8]

Die empirischen Daten zum Zusammenhang zwischen schizoider PS und Schizophrenie sind widersprüchlich und lückenhaft, da in früheren Studien oft aus schizotypen Gruppen auf schizoide geschlossen wurde. Es existieren keine gesicherten empirischen Belege für einen Zusammenhang zwischen schizoider Persönlichkeitsstörung und Schizophrenie.[10.8] Wenn für die schizoide PS ein signifikanter genetischer Zusammenhang mit der Schizophrenie nachgewiesen werden kann, so fällt dieser schwach aus.[45.2] Eine Zwillingsstudie fand auch für den Zusammenhang mit der schizotypen Störung nur eine niedrige genetische Überlappung in Höhe von 26 %. Sie liegt damit unter der der paranoiden PS, welche laut derselben Studie zu 43 % eine gemeinsame genetische Basis mit der schizotypen Störung teilt.[46]

In der heutigen Psychiatrie wird mehrheitlich kein ätiologischer Zusammenhang zwischen schizoider PS und Schizophrenie sowie schizotyper Störung mehr angenommen. Aktuellere Ansätze sehen in der Schizoidie stattdessen einen temperamental und charakterologisch bedingten Persönlichkeitszug, der dimensional (d. h. kontinuierlich) verteilt ist und im Extremfall zur Persönlichkeitsstörung führt, indem er die ganze Persönlichkeit dominiert.[4.9] Autoren, die schizoide Personen dennoch weiterhin als Teil eines Schizophrenie-Spektrums betrachten, verorten sie am Rand dieses Spektrums und betonen das Fehlen psychotischer Symptome.[10.9] Das Auftreten von Positivsymptomen schließt die Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung aus.[31.3]

Negativsymptome können auch noch bei anderen nicht-psychotischen Störungen auftreten. Zu nennen sind hier insbesondere die Bipolare Störung, Depressionen und Dysthymie, PTBS, die Autismus-Spektrum-Störung sowie neurokognitive Störungen.[47]

Bei der schizoiden PS werden keine für die Behandlung der Schizophrenie zugelassenen Medikamente eingesetzt. Die Evidenz spricht gegen die Wirksamkeit pharmakologischer Behandlungen der schizoiden Persönlichkeitsstörung, mit Ausnahme gegebenenfalls auftretender Begleiterkrankungen.[31.4]

Ängstlich-Vermeidende Persönlichkeitsstörung

Anders als bei der schizoiden PS ist es bei der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung (ÄVPS) vor allem die Angst vor Beschämung und dem ablehnenden Werturteil der anderen, die den Betroffenen den Kontakt erschwert.[48] Auch ist für Menschen mit ÄVPS internalisierte Scham, ein niedriger Selbstwert (Minderwertigkeitskomplex) und ein stärkeres Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit typisch, für schizoide Personen hingegen soziale Anhedonie: „Ihnen ist die zu große Nähe durch Beziehungen selbst die Pein […]“ (Gerhard Dammann).[4.5]

Da es jedoch auch deutliche Ähnlichkeiten gibt und beide Störungen erst 1980 in zwei Kategorien geteilt wurden, wurde immer wieder argumentiert, dass die schizoide PS und die ÄVPS unterschiedliche Varianten derselben Störung sind.[48] Eine Studie identifizierte einen gemeinsamen genetischen Faktor bei beiden Störungen, der mit Introversion und einer Neigung zu sozialem Rückzug zusammenhängt.[49]

Aus Sicht des Fünf-Faktoren-Modells (Big Five) zeichnen sich ängstlich-vermeidende Personen im Vergleich zu schizoiden Personen durch stark erhöhte Werte auf der Dimension Neurotizismus aus. Diese weist zwar bei allen Persönlichkeitsstörungen – auch der schizoiden – erhöhte Werte auf, erreicht bei der ÄVPS allerdings ein Niveau wie sonst nur bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung.[50][51] Nach ICD-11 werden sie deshalb zusätzlich zu 6D11.1 Distanziertheit auch durch das Merkmal 6D11.0 Negative Affektivität erfasst.[23]

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Bei der schizoiden PS können (versteckte) Überlegenheitsgefühle und Allmachtsfantasien, eine hohe Selbstgewissheit und schroffes Verhalten auftreten. Der wichtigste Unterschied zur narzisstischen PS besteht darin, dass der Selbstwert von Menschen mit reiner schizoider PS weitgehend unabhängig bzw. nicht in einem pathologischen Ausmaß von anderen Menschen abhängig ist (siehe auch Selbstobjekt). Schizoide Menschen sind in einem erheblich geringeren Maß auf Akzeptanz und Wertschätzung anderer angewiesen als narzisstische Menschen. Damit einhergehend fehlt auch die für die narzisstische PS typische narzisstische Wut und die Entwertung oder sogar Demütigung anderer zur Steigerung des Selbstwertgefühls. Des Weiteren treten keine überdurchschnittlich starken Neid- und Schamgefühle auf. Typisch ist auch, dass schizoide Personen wenig mit Lob anfangen können, während narzisstische Personen geradezu darauf angewiesen sind.[4.10] Manchmal wird Bewunderung durch andere und damit einhergehende Aufmerksamkeit sogar als unangenehm empfunden.[52.1]

Die bei schizoiden Personen auftretenden Allmachtsfantasien sind ein Nebenprodukt ihrer ausgeprägten Selbstgenügsamkeit und Betonung der Autarkie („Ich lasse mich nicht beeinflussen“, „Was andere Leute denken ist mir egal“, „Ich kann alles alleine bewältigen, ohne Hilfe anderer“). Sie dienen vor allem der Schaffung von (negativer) Freiheit und nicht primär dazu, Macht oder Überlegenheit über andere zu erhalten. Narzisstische Grandiosität hingegen dient der Selbstwertregulation und ist eine Reaktion auf das Gefühl von Machtlosigkeit.[10.10] Im Gegensatz zu stark narzisstischen Personen sind schizoide Personen deshalb auch nicht wettbewerbsorientiert oder ausbeuterisch gegenüber anderen.[36.3]

Das Beziehungsverhalten von Menschen mit leichteren schizoiden Zügen, die Beziehungen noch nicht vollständig vermeiden, kann teilweise ebenfalls an das Beziehungsverhalten narzisstischer Menschen erinnern. Beiden Störungsbildern liegen allerdings unterschiedliche Motive zugrunde: Narzisstischen Menschen geht es grundsätzlich um die Aufrechterhaltung eines instabilen und von anderen abhängigen Selbstwertgefühls, weswegen sie gegebenenfalls (emotionale) Abhängigkeit von anderen vermeiden oder Beziehungen verlassen, wenn sie entweder den Partner nicht mehr idealisieren oder nicht genügend Bestätigung und Bewunderung erfolgt. Schizoiden Menschen geht es hingegen um die Aufrechterhaltung eines grundlegenden Sicherheitsgefühls und die Vermeidung äußerer Kontrolle durch andere, ohne dass das mit ihrem Selbstwertgefühl zusammenhängt.[53][2.3]

Deutliche Unterschiede zwischen beiden Störungsbildern bestehen aus bindungstheoretischer Perspektive: So zeigte eine große Metastudie, dass typischer grandioser Narzissmus keine signifikante Korrelation zu bestimmten Bindungstypen aufweist und somit auch nicht durch Bindungsunsicherheit erklärt werden kann. Verdeckter, vulnerabler Narzissmus (der sich durch Introversion, starke Kränkbarkeit, einen schwankenden Selbstwert und ebenfalls starkes Angewiesensein auf externe Bestätigung auszeichnet) zeigte den stärksten Zusammenhang mit verstrickter (preoccupied, r = 0.43) und ängstlich-vermeidender (fearful, r = 0.31) Bindung und nur einen schwachen zur abweisend-vermeidenden (dismissive, r = 0.15) Bindung.[54] Schizoide Menschen zeichnen sich hingegen nahezu immer durch den unsicher-vermeidenden bzw. abweisend-vermeidenden Bindungstyp aus.[10.11][45.3][55][56][2.4]

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Personen mit stark ausgeprägter zwanghafter PS neigen ebenfalls zum Verzicht auf soziale Beziehungen oder wirken emotional hölzern und unerreichbar. Umgekehrt können schizoide Personen zwanghaft wirkende Verhaltensweisen entwickeln. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Persönlichkeitsstörungen besteht darin, dass überwiegend schizoide Menschen sich durch intellektuelle Unabhängigkeit und nicht selten eine hohe Kreativität auszeichnen und sie mindestens in ihrem Innenleben bzw. ihrer Fantasie „zwanglos“ sind. Überwiegend zwanghafte Menschen zeichnen sich hingegen durch geistige Unbeweglichkeit (Rigidität) als Kernmerkmal ihrer Persönlichkeit aus. Zwanghafte Menschen legen im Gegensatz zu schizoiden Menschen typischerweise auch besonders viel Wert auf die Einhaltung sozialer Konventionen und ihr Ansehen innerhalb ihrer sozialen Bezugsgruppe.[2.5][4.11]

Autismus

Die Autismus-Spektrum-Störung zählt zu den neuromentalen Entwicklungsstörungen, welche während der neuronalen Entwicklung entstehen. Nach aktuellem Kenntnisstand ist Autismus bereits bei der Geburt vorhanden. Neuromentale Entwicklungsstörungen sind in der ICD-11 allen anderen psychischen Störungskategorien vorangestellt. Autismus ist ein komplexes und heterogenes Störungsbild, das mit anhaltenden Defiziten der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie unflexiblen und stereotypen Wahrnehmungs-, Interessen- und Aktivitätsmustern einhergeht. Es umfasst ein Spektrum, das als gesunde Normvariante bis weit in den neurotypischen Bereich hineingeht.[57][58.1]

Bei Autismus können die Negativsymptome Affektverflachung, Alogie und Asozialität (sozialer Rückzug und eingeschränktes soziales und sexuelles Interesse) auftreten, ohne dass dem eine Persönlichkeitsstörung zugrunde liegt.[47] Autismus korreliert außerdem mit Introversion. Es gilt als ein bekanntes Problem, dass Menschen aus dem Autismus-Spektrum früher häufig mit einer Persönlichkeitsstörung, insbesondere auch der schizoiden, fehldiagnostiziert wurden, da etwa die Hälfte formal auch die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllte. Es sollte immer geprüft werden, ob Verhalten besser durch eine zugrunde liegende Autismus-Spektrum-Störung als durch eine Persönlichkeitsstörung erklärt werden kann.[59][60] Behandlungsmethoden für schizoide Menschen gelten für Autisten als nicht hilfreich.[61]

Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal sind die andauernden, eingeschränkten, repetitiven und unflexiblen Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten, die bei Autismus im Gegensatz zu Persönlichkeitsstörungen immer bereits in der frühen Kindheit beginnen.[58.1]

Alexithymie

Alexithymie (Gefühlsblindheit) ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei vielen psychischen Störungen oder anderen Erkrankungen und auch bei gesunden Menschen auftreten kann. Die Eigenschaften der Alexithymie gelten nicht als Teil der schizoiden Persönlichkeitsstörung, auch wenn schizoide Personen alexithym sein können. Ein wichtiger Unterschied zwischen beiden Konzepten besteht darin, dass alexithyme Menschen sich in Beziehungen prinzipiell wohlfühlen und eine starke Anpassungsbereitschaft an andere zeigen. Schizoide Menschen zeichnen sich außerdem oft durch eine starke Fantasietätigkeit und auf das eigene Innenleben bezogenes Denken aus, während für Alexithymie gerade ein Mangel an Fantasie und ein rationaler, nach außen gerichteter Denkstil typisch ist.[62][63]

Schizoide Menschen sind oft in der Lage, eigene Emotionen innerlich zu identifizieren, vermeiden allerdings ihren Ausdruck (Affektisolierung) und betonen stattdessen den Intellekt bzw. das kognitive Denken.[2.6][4.12] Untersuchungen zeigen auch, dass Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung Emotionen sowohl empfinden als auch wahrnehmen können (eine allgemeine abgeflachte Affektivität also gar nicht so häufig auftritt), hierbei allerdings eine signifikante Reduzierung positiver Affekte bei gleichzeitiger starker Intensität negativer Affekte (Traurigkeit, Angst etc.) zu beobachten ist. Diese werden von Betroffenen vor allem durch Reflexion und Dissoziation reguliert.[64]

Introversion

Introversion (fehlende Extraversion) hängt von den Dimensionen der Big Five mit Abstand am stärksten mit der schizoiden Persönlichkeitsstörung zusammen[50][51] und spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer solchen. Sie dient schizoiden Menschen als Abwehrmechanismus, um als unangenehm empfundene soziale Interaktionen vermeiden zu können.[31.5]

Mit Introversion geht eine niedrigere Dauer und Häufigkeit positiver Emotionen, Verschlossenheit und weniger Ausdruck solcher Emotionen gegenüber anderen, weniger ungezwungene Geselligkeit (Partys, Gespräche, private Telefonate, gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit) sowie eine Neigung zu Alleinsein und Unabhängigkeit einher. Introvertierte haben ein niedriges Bedürfnis nach Geselligkeit, ohne dass das zu individuellem Leidensdruck führt.[65]

Bei Introversion an sich handelt es sich nicht um etwas Krankhaftes. Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung hat introvertierte Tendenzen, allerdings bildet nur ein kleiner Teil dieser Menschen aufgrund biographischer Erfahrungen eine schizoide Persönlichkeitsstörung aus, welche sich durch starre Verhaltensweisen wie defensive Zurückgezogenheit, den Rückzug in die Innenwelt und die Vermeidung von Intimität zur Bewahrung der Autonomie auszeichnet. Eine allgemein anerkannte Unterscheidung zwischen den Begriffen schizoid und introvertiert existiert nicht und sie werden oft synonym verwendet. Es wird allerdings teils versucht, „schizoid“ auf pathologische und „introvertiert“ auf gesunde Ausprägungen zu begrenzen.[10.12]

Die Merkmalsdomänen der Diagnose Persönlichkeitsstörung aus der ICD-11 wurden als unangepasste (maladaptive) Ausprägungen der Big Five konzipiert, wobei Distanziertheit das pathologische Extrem von Introversion bzw. fehlender Extraversion darstellt. Individuelle Beeinträchtigungen sind für die Einstufung als Persönlichkeitsstörung immer erforderlich.[22][24]

Millons Subtypen

Theodore Millon beschrieb vier Prototypen der schizoiden PS, die jedoch laut ihm in der Realität selten pur vorkommen:[5]

Träger Subtyp (mit depressiven Zügen) Phlegmatisches, lethargisches Temperament; zu geringes Aktivierungsniveau; antriebslos, müde, bleiern, matt und schlapp. Kaum vital oder energetisch, verlangsamt; emotional aber nicht leer. Hat oft wenig Interessen; bevorzugt einfache, repetitive und abhängige Lebensweise.
Entrückter Subtyp (mit vermeidend-schizotypischen Zügen) Distanziert und entfernt; unerreichbar, einsam, abgeschieden, obdachlos, abgeschnitten, treibt ziellos umher am sozialen Rand, oft beschäftigt in Jobs mit geringem Einkommen und Status. In schweren Fällen schizotypische Merkmale, beobachtbar unter chronisch institutionalisierten Patienten und in Resozialisierungszentren.
Entpersönlichter Subtyp (mit schizotypen Zügen) Losgelöst von sich und den anderen; das Selbst wird zum körperlosen oder fernen Objekt; Körper und Geist sind voneinander entkoppelt, getrennt. Betrachtet sich selbst von außen. Zerstreut, oft ins Leere starrend, unaufmerksam.
Affektloser Subtyp (mit zwanghaften Zügen) Leidenschaftslos, unempfänglich, reaktionslos, teilnahmslos, kühl, gleichgültig, ungerührt, temperamentlos, glanzlos, unerregbar, gelassen, kühl; alle Gefühle vermindert. Kombiniert schizoide Apathie mit der emotionalen Eingeengtheit der zwanghaften PS.

Häufigkeit

Die schizoide Persönlichkeitsstörung wird in Bevölkerungsstudien vergleichsweise selten gefunden. Die Schätzungen variieren deutlich je nach Messmethode. In großen, repräsentativen Erhebungen, die klinisch bedeutsame Beeinträchtigung für jedes erfüllte Kriterium verlangen, liegen die Punktprävalenzen meist unter 1 %. In den USA ergab die reanalysierte NESARC-Stichprobe ~0,6 %, eine britische Haushaltsstichprobe gibt ~0,8 % an.[66] Eine norwegische Community-Studie mit klinischen Interviews berichtete hingegen ~1,7 % und eine frühere großangelegte Untersuchung in den USA sogar 3,13 %.[67][26]

Übersichtsarbeiten nennen entsprechend eine weite Breite zwischen 0 % und 5 % und betonen die methodische Unsicherheit.[31.6][45.4]

Für die ICD-11-Abbildung mit Schweregrad für die Diagnose 6D10 Persönlichkeitsstörung + dem Merkmal 6D11.1 Distanziertheit, die auch leichtere Fälle besser erfassen kann, liegen bislang keine empirischen Studien oder Prävalenzeinschätzungen vor.

Ursachen

Die schizoide Persönlichkeitsstörung zählt zu den am wenigsten erforschten psychischen Störungen, weshalb Angaben zu den Ursachen mit erheblicher Unsicherheit behaftet sind. Sie basieren zu großen Teilen auf den Beobachtungen, die bei der Behandlung Betroffener in der Praxis gemacht wurden, nicht aber auf systematischen empirischen Untersuchungen.[10.13][31.7]

Die Ätiologie von Persönlichkeitsstörungen gilt als komplex und multifaktoriell. Persönlichkeit ist ein komplexes Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen, sozialen und entwicklungsbedingten Faktoren. Sie ist auch bei diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen bei jedem Individuum einzigartig, weswegen hier genannte Muster nicht auf jeden Einzelfall zutreffen. Die Persönlichkeit eines Menschen umfasst sowohl angeborene Merkmale (Konstitution) als auch solche, die durch Anpassung an Lebensumstände (Umwelt) entstanden sind.[31.7] Zur Entstehung psychischer Störungen siehe auch das Vulnerabilitäts-Stress-Modell.

Konstitutionelle Faktoren

Konkrete Zahlen zum Anteil der konstitutionellen Faktoren (Heritabilität) sind aufgrund der begrenzten Datenlage unsicher und unterscheiden sich je nach Studie und Forschungsmethode stark. Die Angaben schwanken zwischen 28 % und 59 %.[68.1][69][46] Auch die Persönlichkeitseigenschaft Introversion und Extraversion hat eine Heritabilität von ~49%.[70]

Ausgehend von Claude Robert Cloningers Temperamentsdimensionen werden für schizoide Menschen folgende Merkmale als typisch beschrieben: Ein mit Vermeidungsverhalten einhergehendes hohes Sicherheitsbedürfnis, eine geringe Suche nach Neuem, eine niedrige Abhängigkeit von Anerkennung und eine niedrige Ausdauer.[31.8]

Außerdem wird eine besondere Reizoffenheit beschrieben, die häufig beobachtet wird und zur Ausbildung schizoider Züge beiträgt (in der Quelle als „Hyperpermeabilität“ bezeichnet; siehe auch Neurotizismus und Hochsensibilität[52.2]). Diese führt zu einer Tendenz, eigene und fremde Emotionen als überwältigend zu empfinden und zu einer Begrenzung des Zustroms von Reizen. Die Folge ist eine angeborene Neigung zu Isolation und zurückgezogenem Verhalten. Auch ein angeborenes „langsam auftauendes Temperament“ wird als möglicher Faktor genannt, ein Begriff aus der Temperamentsforschung. Kinder mit diesem Muster reagieren auf neue Reize zunächst mit Zurückhaltung oder Angst und brauchen Zeit, um sich sicher zu fühlen. Sie nähern sich neuen Erfahrungen schrittweise. Dieses Muster kann sich auch im Erwachsenenalter in einer introvertierten, beobachtenden und vorsichtigen Persönlichkeitsstruktur fortsetzen.[10.14]

Umweltfaktoren

Typische Umweltfaktoren in der Kindheit von Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung sind:

Übergriffigkeit. Damit ist ein Beziehungsmuster gemeint, bei dem die Grenzen des Kindes von Bezugspersonen wiederholt verletzt oder übergangen werden, z. B. durch übermäßige Kontrolle, Besitzergreifung, emotionale Vereinnahmung oder die Instrumentalisierung des Kindes für elterliche Bedürfnisse. Das Kind reagiert darauf mit innerem Rückzug und äußerlicher Überanpassung. Langfristig führen diese Erfahrungen zu einem schwachen Selbstgefühl, zu Angst vor Nähe und zu einem Rückzug in die innere Welt.[10.15] Auch die auf die Behandlung schizoider Menschen spezialisierte Gestalttherapeutin Elinor Greenberg berichtet eine Überempfindlichkeit gegenüber dominierendem und aufdringlichem Verhalten aufgrund von Kindheitserfahrungen bei vielen ihrer Patienten.[71]

Überstimulation. Hiermit wird eine frühkindliche Reizüberflutung bezeichnet, die entsteht, wenn sensible Kinder übermäßig intensiven sensorischen oder emotionalen Eindrücken ausgesetzt sind, etwa durch laute, aufdringliche oder emotional überaktive Bezugspersonen. Eine Folge davon kann sein, dass das Kind lernt, sich innerlich zurückzuziehen, um sich vor der als überwältigend erlebten Umwelt zu schützen. In der Folge entwickeln sich emotionale Distanziertheit, Dissoziation oder eine reduzierte Affektivität.[10.16]

Gefühlsunterdrückendes Familienleben. Hiermit sind Bezugspersonen gemeint, die zwar grundlegende Bedürfnisse erfüllen, aber emotional abweisend sind. Zuwendung, Wärme und Mitgefühl fehlen, während Anpassung und Ruhe belohnt werden. Der Ausdruck von Gefühlen, Aggression, Abhängigkeit oder Bindung vonseiten des Kindes wird explizit oder implizit unterbunden. Diese Kinder lernen, dass Liebe und emotionale Nähe Gefahr bedeuten können, da sie mit Zurückweisung oder Bestrafung verbunden sind. Um sich zu schützen, kommt es zu innerem Rückzug und Selbstgenügsamkeit.[10.17]

Vernachlässigung. Betroffene hiervon erleben in der Kindheit häufig eine emotionale Unterversorgung, mangelnde Empathie und fehlende Resonanz auf ihre inneren Zustände seitens der Bezugspersonen. Diese Form der emotionalen Deprivation führt dazu, dass das Kind lernt, seine Gefühle zu unterdrücken und sich auf sich selbst zurückzuziehen. Selbst subtile unpassende Reaktionen der Eltern, mangelndes Interesse an der inneren Welt des Kindes oder eine unzureichende familiäre Kommunikation können bei sensiblen Kindern zu einem anhaltenden Gefühl von Unverstandensein und Isolation führen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich auch hier eine Haltung der Selbstgenügsamkeit, des emotionalen Rückzugs und der Vermeidung enger Bindungen, die charakteristisch für die schizoide Persönlichkeit ist.[10.18] Auch Rainer Sachse betrachtet die schizoide Persönlichkeit als Folge einer „Flucht in die Autonomie“ aufgrund emotional kalter, wenig unterstützender Eltern.[72] In Theodore Millons Konzeption ist ebenfalls Vernachlässigung die umweltbezogene Erklärung dafür, dass Beziehungen von Betroffenen als nicht emotional belohnend empfunden werden.[5.2]

Es gibt eine erhebliche Überschneidung zwischen dem unsicher-vermeidenden bzw. abweisend-vermeidenden Bindungstyp der Bindungstheorie und schizoiden Persönlichkeitszügen, der auch empirisch nachgewiesen werden konnte. Teils wurde sogar eine weitgehende Deckungsgleichheit behauptet. Das führt zu einer Überschneidung der Ursachen bei beiden Konzepten.[10.11][45.3][55][56][2.4]

Psychotherapie

Eine Indikation für eine Behandlung besteht nur dann, wenn eine betroffene Person unter ihrer sozialen Isolierung leidet oder sie eine Behandlung ausdrücklich wünscht. In dem Fall erfolgt die Behandlung durch Psychotherapie. Die Behandlungsziele können individuell unterschiedlich sein. Unabhängig vom Therapieverfahren gilt die Toleranz der Distanziertheit des Patienten als wichtig sowie ein behutsames und unaufdringliches Vorgehen. Das Erkennen und Respektieren der Angst eines schizoiden Patienten vor sozialen Beziehungen durch den Therapeuten sowie seiner Grenzen und Fantasien fördert die Beziehung und kann selbst bereits therapeutisch sein.[31.4] Personen mit schizoider Persönlichkeitsstörung fällt es zu Beginn häufig schwer, eine engere therapeutische Beziehung aufzubauen. Rainer Sachse rät daher zu Geduld und warnt davor, schizoide Patienten in der Therapie zu „emotionalisieren“.[73]

Schizoide Menschen haben Schwierigkeiten damit, andere um Hilfe zu bitten, da es ihr Gefühl der Unabhängigkeit beeinträchtigt und sie gelten in Beziehungen als nicht fordernd.[14.3] Aus der bindungstheoretischen Forschung ist bekannt, dass Menschen mit vermeidendem Bindungsstil ein positives Selbstbild bei gleichzeitig niedrigem Vertrauen in andere haben, sie ihre Probleme trotz hoher Belastung bagatellisieren und emotionale Offenheit vermeiden.[74] Empirische Untersuchungen mit Studierenden und angehenden Psychotherapeuten zeigen, dass sie auf diese Patientengruppe besonders negative Reaktionen zeigen und die Betroffenen häufig aufgrund vermeintlich fehlender Indikation für eine Behandlung ablehnen wollen. Die Reflexion dieser emotionalen Reaktionen gilt als besonders wichtig für den Aufbau einer therapeutischen Allianz und den Therapieerfolg.[75][76]

Psychodynamische Verfahren

Schizoide Menschen gelten als besonders geeignet für das psychoanalytische Setting.[4.13][10.19][52.3] Harry Guntrip wird sogar der scherzhafte Ausspruch zugeschrieben, die Psychoanalyse sei von Schizoiden für Schizoide.[52.4] Guntrip[13] sowie weitere Psychoanalytiker wie Gerald Appel[77], Jeffrey Seinfeld[78], Philip Manfield[8], Ralph Klein[3], Nancy McWilliams[2][52], Zachary Wheeler[10] und Otto Kernberg[1] haben umfassende Beschreibungen des Störungsbilds und bedeutende Grundsätze für die Behandlung Betroffener ausgearbeitet. Dazu Gerhard Dammann:

„Aufgabe des Therapeuten ist es, ein stabiles und respektvolles (Markowitz 1968) Gegenüber zu sein, das einerseits ausreichend die »freundlichen Weiten« (Balint) zulassen und selbst innerlich positiv und geübt genug im »doing nothing« (Gabbard 1989) sein kann, um »distant enough« sein zu können. (Nicht wenige Psychoanalytiker haben selbst leicht schizoide Züge, was ihnen diese Haltung erleichtert; dazu Wheelis 1956).“

Gerhard Dammann: Die schizoide Persönlichkeitsstörung – eine psychodynamische Perspektive[4]

Schizoide Patienten können sich durch zu frühe Deutungen aufdringlich behandelt fühlen.[2.7] Sie können dem Therapeuten und seinem Interesse mit großem Misstrauen begegnen und ihn selbst als distanziert oder zurückziehend erleben.[1.2][13.4] Es ist möglich, dass lange Schweigephasen und ausgeprägte Distanziertheit starke Gegenübertragungsgefühle auf Therapeutenseite auslösen. Als hilfreicher Zugang zu den Übertragungen und unbewussten Prozessen schizoider Patienten gelten vor allem ihre Fantasien, welche ähnlich wie Träume behandelt werden können.[10.20] Es kann vorkommen, dass sich auch die Beziehung zum Therapeuten überwiegend in die Fantasie eines schizoiden Patienten verlagert.[13.5][79]

Otto Kernberg empfiehlt, dass bei Patienten mit schizoider Persönlichkeitsstörung insbesondere das schizoide Dilemma – die Suche nach Nähe bei gleichzeitiger Angst vor Überwältigung, Invasion, äußerer Beeinflussung oder Kontrolle – bedacht und in der Übertragung exploriert werden sollte. Die Analyse der Gegenübertragung wird als besonders hilfreich beschrieben, um die dahinterstehenden individuellen Ursachen in der Biographie zu erkennen. Geklärt werden sollte in einer Therapie, wann sich schizoide Patienten zurückgewiesen oder invasiv behandelt fühlen. Für besonders schwere Fälle kann es hilfreich sein, das Setting in Richtung der übertragungsfokussierten Psychotherapie anzupassen.[1.3]

Als Risikofaktoren für Therapieabbrüche bei schizoiden Patienten gelten ein als aufdringlich erlebtes Setting, vorschnelle oder zu konfrontative Deutungen, mangelnde Anerkennung der Belastung durch den therapeutischen Prozess sowie fehlende Hilfe mit negativer Übertragung. Präventiv wirken ein klarer, aber dennoch flexibler Rahmen (z. B. freie Wahl bezüglich Liegen oder Sitzen), als authentisch und nicht zu kühl wahrgenommene Therapeuten, die respektvolle Anerkennung von Autonomie und eventuellen Rückzugstendenzen, behutsame Affektarbeit, vorsichtiger Allianzaufbau sowie eine bewusste Reflexion der Gegenübertragungsreaktionen auf Therapeutenseite.[10.21]

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg: Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung: Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. Kohlhammer, 2018, ISBN 978-3-17-033467-0.
  • Harry Guntrip: Schizoid Phenomena, Object-Relations and the Self. International Universities Press, 2001, ISBN 0-8236-8310-9.
  • Dirk Nordmann: Schizoid: Wenn Nähe zum Problem wird – Eine Erfahrung. Verlag der Ideen, Volkach 2014, ISBN 978-3-942006-14-9.
  • Fritz Riemann: Grundformen der Angst. 45. Auflage. Ernst Reinhardt, München 2019, ISBN 978-3-497-02422-3.
  • Rainer Sachse: Klärungsorientierte Psychotherapie der schizoiden und paranoiden Persönlichkeitsstörung. Hogrefe, 2017, ISBN 978-3-8017-2844-1.
  • Jeffrey Seinfeld: The Empty Core: An Object Relations Approach to Psychotherapy of the Schizoid Personality. Jason Aronson, 1991, ISBN 0-87668-611-0.
Commons: Schizoide Persönlichkeitsstörung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: schizoid – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. a b Otto F. Kernberg: Die Psychodynamik und Behandlung der schizoiden Persönlichkeitsstörung. In: Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung – Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033467-0, S. 187–201.
    1. Seite 187
    2. Seite 193
    3. Seite 196-200
  2. a b Nancy McWilliams: Psychoanalytische Diagnostik: Persönlichkeitsstruktur im klinischen Prozess verstehen. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-17-045813-0, Kapitel „Schizoide Persönlichkeiten“, S. 219–236.
    1. Seite 229
    2. „Der Therapeut sieht sich mit dem Dilemma konfrontiert, dass er angestellt wurde, um ein besseres soziales und intimes Funktionieren zu fördern, und erkennt gleichzeitig, dass jede Ermahnung des Patienten, dass er oder sie dieses Ziel nicht verfolgt, als aufdringlich, kontrollierend und unempathisch gegenüber dem Bedürfnis nach Freiraum empfunden werden kann.“, Seite 233
    3. Siehe Kapitel „Narzisstische Persönlichkeiten“
    4. a b Seite 224-225
    5. Seite 234-235
    6. Seite 235
    7. Seite 231
  3. a b Ralph Klein: The Self-in-Exile: A Developmental, Self, and Object Relations Approach to the Schizoid Disorder of the Self. In: James F. Masterson, Ralph Klein (Hrsg.): Disorders of the Self: New Therapeutic Horizons: The Masterson Approach. Routledge, 1995, ISBN 0-87630-786-1, doi:10.4324/9780203777510 (archive.org).
    1. „secret pure schizoid cluster“, Seite 25-27
    2. Seite 15-23
    3. Seite 17-18
  4. a b c Gerhard Dammann: Die schizoide Persönlichkeitsstörung – eine psychodynamische Perspektive. In: Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung – Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033467-0, S. 45–94.
    1. Seite 51
    2. „Zentral ist die unbewusste Angst, in enger werdenden Beziehungen, Emotionsüberwältigung, Ausgeliefertsein und gleichsam Verschlungenwerden und damit Selbstverlust zu erfahren, sowie die Angst vor Verlust von Autarkie und von Identität, was – aus Gründen der Abwehr – zu Rückzug (gerade auch auf innere Objekte), Affektisolierung und zur Überbesetzung der Ich-Funktionen und des (unbewusst als männlich erlebten) Denkens führt.“, Seite 85
    3. Seite 52
    4. Seite 57
    5. a b Seite 46 und 61-62
    6. Seite 67
    7. „Allerdings gleicht das, was Riemann (in der Tradition seines Lehranalytikers Harald Schultz-Hencke) als »schizoid« bezeichnet, nur begrenzt dem heutigen Verständnis und weist zahlreiche Aspekte einer strukturellen Störung ganz allgemein auf, was man auch als Borderline-Organisation (im Sinne Kernbergs) bezeichnen könnte“, Seite 48
    8. Seite 63-64
    9. Seite 50
    10. Seite 59-61
    11. Seite 59
    12. Seite 62
    13. „Masud Khan (1960) fasst, auf der Basis der Objektpsychologie Fairbairns, zusammen, dass schizoide Persönlichkeiten zwar eine extrem hohe Verfestigungstendenz aufweisen, was die Behandlung erschwert. Sie seien für Psychoanalysen jedoch besonders gut geeignet, weil sie zu tieferer psychologischer Einsicht besonders befähigt und Übertragungsbildungen gut möglich sind.“, Seite 83
  5. a b c Theodore Millon: Personality Disorders in Modern Life. 2. Auflage. Wiley, Hoboken, N.J 2004, ISBN 978-0-471-23734-1, The Schizoid Personality, S. 371–402 (archive.org).
    1. Seite 380
    2. Seite 392-395
  6. a b Guido Pliska: Gottfried Benn und die Schizoidie. In: Der Nervenarzt. Band 81, Nr. 9, 1. September 2010, ISSN 1433-0407, S. 1108–1116, doi:10.1007/s00115-009-2859-1: „Den Schlüssel zu den schizoiden Temperamenten aber hat der, der klar erfasst hat, dass die meisten Schizoiden nicht entweder überempfindlich oder kühl, sondern dass sie überempfindlich und kühl zugleich sind, und zwar in ganz verschiedenen Mischungsverhältnissen. (Ernst Kretschmer)“
  7. Ronald Laing: Das geteilte Selbst. 1994, ISBN 3-462-02375-6, Kapitel 5: Das innere Selbst im schizoiden Zustand.
  8. a b Philip Manfield: Split Self/Split Object: Understanding and Treating Borderline, Narcissistic, and Schizoid Disorders. Aronson, Northvale, N.J 1992, ISBN 978-0-87668-460-3, Schizoid Disorders, S. 203–237 (archive.org): „Not all schizoids keep away from people. It is not people that schizoids avoid, but emotional intimacy, self disclosure, and emotions both positive and negative.“
  9. a b c d e American Psychiatric Association: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition: DSM-5. American Psychiatric Association, Arlington, VA 2013, ISBN 978-0-89042-554-1, Schizoid Personality Disorder, S. 652–655 (archive.org).
    1. „Schizoid personality disorder may be first apparent in childhood and adolescence with solitariness, poor peer relationships, and underachievement in school, which mark these children or adolescents as different and make them subject to teasing.“
    2. Deutsche Übersetzung der Kriterien aus: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5. 5. Auflage. Hogrefe, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8017-2599-0, S. 894f.
  10. a b Zachary Wheeler: Treatment of schizoid personality: an analytic psychotherapy handbook. In: Theses and Dissertations. 1. Januar 2013 (pepperdine.edu [abgerufen am 15. September 2025]).
    1. „Withdrawal & Retreat to Fantasy“, Seite 147–158 und „Language, Communication, & Creativity“, Seite 169-176
    2. Seite 123–124, 217-218
    3. „Schizoid Loss of Self & its Distinctions“, Seite 158-163
    4. „Underachievement: not fulfilling intellectual or artistic potential; poor academic performance relative to ability; disregard of rules and responsibilities can lead to trouble with the law; unable to discipline self (e.g., stick to diet, exercise plan) even when required for medical reasons; personal and occupational aimlessness.“, Seite 48
    5. Seite 6-7
    6. a b Seite 40-41
    7. Seite 56-57
    8. Seite 74-75
    9. „The Schizophrenia Spectrum“, Seite 25-37
    10. „Omnipotence“, Seite 116–120 und „Figure 6.8“, Seite 202 und „Managing omnipotence“, Seite 257-258
    11. a b „Schizoid personality and dismissive-avoidant attachment are conceptually equivalent in many important ways (West & Sheldon – Keller, 1994). Dismissive-avoidant children are indifferent or trivializing of their own emotional needs rather than owning or developing these needs. Often, dismissive avoidant children internalize the attitude of caregivers who are themselves rejecting, intrusive or indifferent with the child. Because the parents of dismissive children often fail to mirror back the child’s affective states, the child is often unable later in life to negotiate more advanced interpersonal tasks such as setting boundaries with others, or communicating information about the self to themselves or to others (Fonagy & Target, 1998).“, Seite 120-124
    12. Seite 88-100
    13. Seite 69
    14. „Hypersensitivity & hyperpermeability“ und „Slow-to-warm-up’ temperament & passive infantile reactions“, Seite 70-73
    15. „Impingement“, Seite 82-83
    16. „Over-stimulation“, Seite 83-84
    17. „Anti-libidinal family life“, Seite 84-85
    18. „Neglect“, Seite 86-87
    19. Seite 220 ff.
    20. „Countertransference“, Seite 203–211 und „Managing fantasy“, Seite 250-252
    21. „Factors leading to early dropout“, Seite 226–229 und „Frame Considerations“, Seite 221-225
  11. Adrian Furnham: The Bright and Dark Side Correlates of Creativity: Demographic, Ability, Personality Traits and Personality Disorders Associated with Divergent Thinking. In: Creativity Research Journal. Band 27, Nr. 1, 2. Januar 2015, ISSN 1040-0419, S. 39–46, doi:10.1080/10400419.2015.992676.
  12. Birgitte Thylstrup, Morten Hesse: “I am not Complaining”—Ambivalence Construct in Schizoid Personality Disorder. In: American Journal of Psychotherapy. Band 63, Nr. 2, April 2009, ISSN 0002-9564, S. 147–167, doi:10.1176/appi.psychotherapy.2009.63.2.147.
  13. Harry Guntrip: Schizoid Phenomena, Object-Relations and the Self. Karnac Books, London 2001, ISBN 0-8236-8310-9 (englisch, archive.org – Erstausgabe: 1968).
    1. „A male patient of 40, living in a hostel, reported that he had begun to get friendly with another decent type of man there, and commented: ‘I’ve begun to get frightened. I don’t know why but I feel it’s dangerous and I just cut myself off`. When I see him coming I shoot off up to my bedroom.’ Then he reported a nightmare from which he had awakened in great fear. A monster was coming after him and its huge mouth closed over him like a trap and he was engulfed. Then he burst out of its head and killed it. So the schizoid not only fears devouring and losing the love-object, but also that the other person will devour him. Then he becomes claustrophobic, and expresses this in such familiar ways as feeling restricted, tied, imprisoned, trapped, smothered, and must break away to be free and recover and safeguard his independence; so he retreats from object-relations“, Seite 35
    2. „schizoid characteristics“, Seite 41–44, im Original: Introversion, Withdrawnness, Narcissism, Self-sufficiency, A sense of superiority, Loss of affect, Loneliness, Depersonalization, Regression
    3. Seite 42
    4. „The Transference Situation“, Seite 33-34
    5. „The schizoid individual can often feel strong longings for another person so long as he or she is not there, but the actual presence of the other person causes an emotional withdrawal which may range from coldness, loss of interest and inability to find anything to say, to hostility and revulsion: ‘presence makes the heart grow less fond’. Many a patient complains that he carries on long conversations with the therapist ‘in his head’ but his mind goes blank when he is in the session.“, Seite 59
  14. Elinor Greenberg: Borderline und Narzissmus: Wie Menschen nach Liebe und Bewunderung streben – Ein Praxisbuch. 2. Auflage. Kösel-Verlag, München 2021, ISBN 978-3-466-34764-3 (englisch: Borderline, Narcissistic, and Schizoid Adaptations: The Pursuit of Love, Admiration, and Safety.).
    1. „Frühe Kindheitserfahrungen haben in ihnen eine tief sitzende innere Überzeugung zurückgelassen, dass ein naher Kontakt mit anderen naturgemäß brenzlig sei. Kontakt bedeutet Autonomieverlust, ja sogar den Verlust des Selbst. Andere Menschen werden als potenziell übergriffig betrachtet, dominierend, vereinnahmend und nicht vertrauenswürdig.“, Seite 426
    2. Seite 144
    3. Seite 44–45, 150
  15. a b Die Schizoide und Schizotypische Persönlichkeitsstörung. In: Aaron Beck: Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen. Beltz, 1995, ISBN 3-621-27155-4, S. 105–119.
  16. Schizoid Personality Disorder (Kapitel 3). In: Sharon Ekleberry (Hrsg.): Integrated treatment for co-occurring disorders – personality disorders and addiction. Routledge, 2009, ISBN 978-0-7890-3693-3, S. 31–45 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  17. Sabine C. Herpertz, Britta Wenning: Schizoide Persönlichkeitsstörung. In: Herpertz, Sabine C.; Saß, Henning (Hrsg.): Persönlichkeitsstörungen. 1. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-128231-2, S. 65–71, doi:10.1055/b-0034-12065.
  18. a b Mathias Berger (Hrsg.): Psychische Erkrankungen. Klinik und Therapie. 4. Auflage, 2012. ISBN 978-3-437-22483-6. Kapitel 21.6.5: Schizoide Persönlichkeitsstörung. Zitat: „Viele schizoide Patienten besitzen eine beeindruckende Selbstironie und tolerieren therapeutische Interventionen, die mit einem gewissen ‚Augenzwinkern‘ vorgebracht werden.“
  19. a b Siehe Stichwort schizoid. In: Uwe Henrik Peters: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. 1999, ISBN 3-86047-864-8, S. 462.
  20. Roberta Satow: The Schizoid Personality | Psychology Today. Abgerufen am 16. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch): „Phil is about to lose a graduate fellowship because he refuses to attend many classes; will not take notes in class; and never hands in papers on time. To follow the rules, Phil explains, feels like being taken over by the school.“
  21. a b BfArM – ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. September 2025; abgerufen am 11. Oktober 2025.
  22. a b Horst Mitmansgruber: Die „neue“ Borderline-Persönlichkeitsstörung: Dimensionale Klassifikation im DSM-5 und ICD-11. In: Psychotherapie Forum. Band 24, Nr. 3, 1. Dezember 2020, ISSN 1613-7604, S. 89–99, doi:10.1007/s00729-020-00151-4.
  23. a b c Bo Bach, Ueli Kramer, Stephan Doering, Ester di Giacomo, Joost Hutsebaut, Andres Kaera, Chiara De Panfilis, Christian Schmahl, Michaela Swales, Svenja Taubner, Babette Renneberg: The ICD-11 classification of personality disorders: a European perspective on challenges and opportunities. In: Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation. Band 9, Nr. 1, 1. April 2022, ISSN 2051-6673, S. 12, doi:10.1186/s40479-022-00182-0, PMID 35361271, PMC 8973542 (freier Volltext): „Likewise, the trait domain of Dissociality resembles the Dissocial PD, while the trait domain of Detachment resembles the Schizoid PD.“
  24. a b c Peter Tyrer, Roger Mulder, Youl-Ri Kim, Mike J. Crawford: The Development of the ICD-11 Classification of Personality Disorders: An Amalgam of Science, Pragmatism, and Politics. In: Annual Review of Clinical Psychology. Band 15, 7. Mai 2019, ISSN 1548-5951, S. 481–502, doi:10.1146/annurev-clinpsy-050718-095736, PMID 30601688.
  25. Victoria Cramer, Svenn Torgersen, Einar Kringlen: Personality disorders and quality of life. A population study. In: Comprehensive Psychiatry. Band 47, Nr. 3, 1. Mai 2006, ISSN 0010-440X, S. 178–184, doi:10.1016/j.comppsych.2005.06.002 (sciencedirect.com).
  26. a b Bridget F. Grant, Deborah S. Hasin, Frederick S. Stinson, Deborah A. Dawson, S. Patricia Chou, W. June Ruan, Roger P. Pickering: Prevalence, correlates, and disability of personality disorders in the United States: results from the national epidemiologic survey on alcohol and related conditions. In: The Journal of Clinical Psychiatry. Band 65, Nr. 7, Juli 2004, ISSN 0160-6689, S. 948–958, doi:10.4088/jcp.v65n0711, PMID 15291684.
  27. Jin Pyo Hong, Jack Samuels, O. Joseph Bienvenu, Fang-Chi Hsu, William W. Eaton, Paul T. Costa, Gerald Nestadt: The longitudinal relationship between personality disorder dimensions and global functioning in a community-residing population. In: Psychological Medicine. Band 35, Nr. 6, Juni 2005, ISSN 1469-8978, S. 891–895, doi:10.1017/S0033291704003174 (cambridge.org).
  28. Simone Ullrich, David P. Farrington, Jeremy W. Coid: Dimensions of DSM-IV Personality Disorders and Life-Success. In: Journal of Personality Disorders. Band 21, Nr. 6, Dezember 2007, ISSN 0885-579X, S. 657–663, doi:10.1521/pedi.2007.21.6.657.
  29. Andrew E. Skodol, Carlos M. Grilo, Katherine M. Keyes, Timothy Geier, Bridget F. Grant, Deborah S. Hasin: Relationship of Personality Disorders to the Course of Major Depressive Disorder in a Nationally Representative Sample. In: American Journal of Psychiatry. Band 168, Nr. 3, März 2011, ISSN 0002-953X, S. 257–264, doi:10.1176/appi.ajp.2010.10050695, PMID 21245088, PMC 3202962 (freier Volltext).
  30. Bridget F. Grant, Deborah S. Hasin, Carlos Blanco, Frederick S. Stinson, S. Patricia Chou, Rise B. Goldstein, Deborah A. Dawson, Sharon Smith, Tulshi D. Saha, Boji Huang: The Epidemiology of Social Anxiety Disorder in the United States: Results From the National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions. In: The Journal of Clinical Psychiatry. Band 66, Nr. 11, 15. November 2005, ISSN 0160-6689, S. 1351–1361, doi:10.4088/JCP.v66n1102 (psychiatrist.com [abgerufen am 3. Oktober 2025]).
  31. Tyler J. Torrico, Nandhini Madhanagopal: Schizoid Personality Disorder. In: StatPearls. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL) 2025, PMID 32644660 (nih.gov [abgerufen am 14. September 2025]).
    1. Abschnitt Prognosis
    2. Abschnitt Complications
    3. a b Abschnitt Differential Diagnosis
    4. a b Abschnitt Treatment / Management
    5. Abschnitt Introduction
    6. Abschnitt Epidemiology
    7. a b Abschnitt Etiology
    8. Abschnitt Etiology: „Temperament traits include harm avoidance, novelty seeking, reward dependence, and persistence.“
  32. Andrew M. Chanen, Henry J. Jackson, Patrick D. McGorry, Kelly A. Allot, Verity Clarkson, Hok Pan Yuen: Two-Year Stability of Personality Disorder in Older Adolescent Outpatients. In: Journal of Personality Disorders. Band 18, Nr. 6, Dezember 2004, ISSN 0885-579X, S. 526–541, doi:10.1521/pedi.18.6.526.54798.
  33. Luigi Attademo, Francesco Bernardini, Roberta Spatuzzi: Suicidality in Individuals with Schizoid Personality Disorder or Traits: A Clinical Mini-Review of a Probably Underestimated Issue. In: Psychiatria Danubina. Band 33, Nr. 3, 2021, ISSN 0353-5053, S. 261–265, doi:10.24869/psyd.2021.261, PMID 34795159.
  34. a b Y. Levi-Belz, Y. Gvion, U. Levi, A. Apter: Beyond the mental pain: A case-control study on the contribution of schizoid personality disorder symptoms to medically serious suicide attempts. In: Comprehensive Psychiatry. Band 90, 2019, S. 102–109, doi:10.1016/j.comppsych.2019.02.005 (elsevier.com).
  35. a b Wolfgang Tress: Persönlichkeitsstörungen: Leitlinie und Quellentext. Schattauer Verlag, 2002, ISBN 3-7945-2142-0, S. 83f.
  36. a b Salman Akhtar: Schizoid Personality Disorder: A Synthesis of Developmental, Dynamic, and Descriptive Features. In: American Journal of Psychotherapy. Band 41, 1987, S. 499–518, doi:10.1176/appi.psychotherapy.1987.41.4.499, PMID 3324773 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Die Seitenangaben beziehen sich auf das unter der DOI zu findende ursprüngliche Paper von 1987, nicht auf Akhtars Buch Broken Structures (1992) aus der Google-Vorschau.).
    1. Seite 507
    2. Seite 510-511
    3. Seite 513
  37. Peter Fiedler: Persönlichkeitsstörungen. 6. Auflage. Beltz, 2007, ISBN 978-3-621-27622-1, S. 137: „Die jetzige Diagnose „schizoide PS“ nimmt also – wenn man so will – der bei Kretschmer beschriebenen Schizoidie ihre Zwiespältigkeit: Die zweite Charakterseite, die er der vermeintlichen Schizoidie zuschrieb (nämlich empfindsam, leicht verletzbar, launisch und sprunghaft), gilt seither als Anteil der schizotypen PS.“
  38. W. John Livesley, Malcolm West, Arlene Tanney: Historical comment on DSM-III schizoid and avoidant personality disorders. In: American Journal of Psychiatry. Band 142, November 1985, S. 1344–1347, doi:10.1176/ajp.142.11.1344, PMID 3904489.
  39. W. John Livesley, Malcolm West: The DSM-III Distinction between Schizoid and Avoidant Personality Disorders*. In: The Canadian Journal of Psychiatry. Band 31, Nr. 1, 1. Februar 1986, ISSN 0706-7437, S. 59–62, doi:10.1177/070674378603100112, PMID 3948107.
  40. W. R. D. Fairbairn: Das Selbst und die inneren Objektbeziehungen: eine psychoanalytische Objektbeziehungstheorie. Psychosozial-Verlag, Gießen 2007, ISBN 978-3-89806-561-0, Schizoide Persönlichkeitsfaktoren (1940).
  41. Peter Fiedler, Sabine Herpertz: Persönlichkeitsstörungen. 8., aktualisierte Auflage. Beltz, Weinheim Basel 2023, ISBN 978-3-621-28893-4, S. 448.
  42. DSM-5 clinical cases. American Psychiatric Publ, Washington, D.C. 2014, ISBN 978-1-58562-463-8 (google.de – siehe Oddly isolated (Case 18.2)).
  43. Harry Guntrip: A Study of Fairbairn's Theory of Schizoid Reactions. In: British Journal of Medical Psychology. Band 25, Nr. 2-3, 1952, ISSN 2044-8341, S. 86–103, doi:10.1111/j.2044-8341.1952.tb00791.x, PMID 12987588 („Expanded from a paper read at the Clinical Discussion Group, Leeds Department of Psychiatry, on 16 June 1951.“).
  44. Gerd Rudolf: Krankheiten im Grenzbereich von Neurose und Psychose. Ein Beitrag zur Psychopathologie des Ich-Erlebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dt. Studienverlag, Weinheim 1987, ISBN 3-89271-048-1 (Erstausgabe: Verlag für Medizinische Psychologie im Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1977).
  45. Hans-Peter Kapfhammer: Das Schizoidie-Konzept in der Psychiatrie: Von der Schizoidie über die Schizotypie zu den Cluster‑A‑Persönlichkeitsstörungen. In: neuropsychiatrie. Band 31, Nr. 4, Dezember 2017, ISSN 0948-6259, S. 155–171, doi:10.1007/s40211-017-0237-y.
    1. Seite 155, 165
    2. Seite 165
    3. a b „Für die schizoide Persönlichkeitsstörung existieren Befunde aus Studien, die einen Zusammenhang zu emotionalem Missbrauch, mütterlicher Vernachlässigung, Heimunterbringung in der Kindheit und unsicherem, vermeidendem oder abweisendem Bindungsstil unterstreichen“, Seite 167
    4. Seite 164
  46. a b Kenneth S. Kendler, Nikolai Czajkowski, Kristian Tambs, Svenn Torgersen, Steven H. Aggen, Michael C. Neale, Ted Reichborn-Kjennerud: Dimensional representations of DSM-IV Cluster A personality disorders in a population-based sample of Norwegian twins: a multivariate study. In: Psychological Medicine. Band 36, Nr. 11, November 2006, ISSN 1469-8978, S. 1583–1591, doi:10.1017/S0033291706008609 (cambridge.org [abgerufen am 9. Oktober 2025]).
  47. a b Gregory P Strauss, Alex S Cohen: A Transdiagnostic Review of Negative Symptom Phenomenology and Etiology. In: Schizophrenia Bulletin. Band 43, Nr. 4, Juli 2017, ISSN 0586-7614, S. 712–719, doi:10.1093/schbul/sbx066, PMID 28969356, PMC 5472109 (freier Volltext).
  48. a b Peter Fiedler, Michael Marwitz: Selbstunsichere und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörungen. In: PSYCH up2date. Band 10, Nr. 03. Thieme Verlag, 2016, S. 215–234, doi:10.1055/s-0042-103824 (thieme-connect.de – Siehe Abschnitt Differenzialdiagnostik).
  49. Kenneth S. Kendler, Steven H. Aggen, Nikolai Czajkowski, Espen Røysamb, Kristian Tambs, Svenn Torgersen, Michael C. Neale, Ted Reichborn-Kjennerud: The Structure of Genetic and Environmental Risk Factors for DSM-IV Personality Disorders: A Multivariate Twin Study. In: Archives of General Psychiatry. Band 65, Nr. 12, 1. Dezember 2008, ISSN 0003-990X, S. 1438, doi:10.1001/archpsyc.65.12.1438, PMID 19047531, PMC 2844885 (freier Volltext).
  50. a b Lisa M. Saulsman, Andrew C. Page: The five-factor model and personality disorder empirical literature: A meta-analytic review. In: Clinical Psychology Review. Band 23, Nr. 8, 1. Januar 2004, ISSN 0272-7358, S. 1055–1085, doi:10.1016/j.cpr.2002.09.001, PMID 14729423.
  51. a b Douglas B. Samuel, Thomas A. Widiger: A meta-analytic review of the relationships between the five-factor model and DSM-IV-TR personality disorders: A facet level analysis. In: Clinical Psychology Review. Band 28, Nr. 8, 1. Dezember 2008, ISSN 0272-7358, S. 1326–1342, doi:10.1016/j.cpr.2008.07.002, PMID 18708274, PMC 2614445 (freier Volltext).
  52. Nancy McWilliams: Some Thoughts about Schizoid Dynamics. In: The Psychoanalytic Review. Band 93, Nr. 1, Februar 2006, ISSN 0033-2836, S. 1–24, doi:10.1521/prev.2006.93.1.1, PMID 16637769 (researchgate.net [abgerufen am 15. September 2025]).
    1. Seite 10-11
    2. Verweis auf Elaine N. Aron und Bezeichnung von Hochsensibilität als „schizoid theme“, Seite 7
    3. „Therapeutic implications“, Seite 20-22
    4. „Harold Davis (personal communication) reports that Harry Guntrip once joked to him that “psychoanalysis is a profession by schizoids for schizoids.”“, Seite 4
  53. What We Should Understand About Schizoid Personality Disorder | Psychology Today. Abgerufen am 13. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  54. Jamie Mohay, Kadie Cheng, Xochitl de la Piedad Garcia, Megan L. Willis: The relationship between attachment styles and narcissism: a systematic and meta-analytic review. In: Personality and Individual Differences. Band 244, 1. Oktober 2025, ISSN 0191-8869, doi:10.1016/j.paid.2025.113255 (englisch).
  55. a b Mario Mikulincer, Philip R. Shaver: An attachment perspective on psychopathology. In: World Psychiatry. Band 11, Nr. 1, 2012, ISSN 2051-5545, S. 11–15, doi:10.1016/j.wpsyc.2012.01.003, PMID 22294997, PMC 3266769 (freier Volltext) – (wiley.com [abgerufen am 15. Oktober 2025] „Anxious attachment is associated with dependent, histrionic, and borderline disorders, whereas avoidant attachment is associated with schizoid and avoidant disorders“).
  56. a b Drew Westen, Ora Nakash, Cannon Thomas, Rebekah Bradley: Clinical assessment of attachment patterns and personality disorder in adolescents and adults. In: Journal of Consulting and Clinical Psychology. Band 74, Nr. 6, 2006, ISSN 1939-2117, S. 1065–1085, doi:10.1037/0022-006x.74.6.1065 („BPD was associated with both preoccupied and incoherent/disorganized dimensions, and schizoid (but not avoidant) PD was associated with dismissing attachment.“).
  57. Lars P. Hölzel, Mathias Berger (Hrsg.): ICD-11 – psychische Störungen: Innovationen und ihre Bewertung. 1. Auflage. Springer, Berlin 2025, ISBN 978-3-662-67687-5, S. 58–66, doi:10.1007/978-3-662-67687-5.
  58. World Health Organization (Hrsg.): International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). World Health Organization, Genf 2019 (who.int).
    1. a b siehe 6A02
  59. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (Hrsg.): S3-Leitlinie Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter. Teil 1: Diagnostik. (awmf.org).
  60. Camilla Rinaldi, Margherita Attanasio, Marco Valenti, Monica Mazza, Roberto Keller: Autism spectrum disorder and personality disorders: Comorbidity and differential diagnosis. In: World Journal of Psychiatry. Band 11, Nr. 12, 19. Dezember 2021, ISSN 2220-3206, S. 1366–1386, doi:10.5498/wjp.v11.i12.1366, PMID 35070783, PMC 8717043 (freier Volltext).
  61. Helene Haker Rössler: Neue Autismus-Theorien – Bedarf es noch des Schizoidie-Konzepts? In: Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung: Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033467-0, S. 95–113 (autismusperspektive.ch [PDF]).
  62. Harald Gündel: Schizoidie und Verbindungslinien zur Alexithymie und zur pensée opératoire. In: Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung – Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033467-0, S. 220–230.
  63. Frederick L. Coolidge, Alisa J. Estey, Daniel L. Segal, Peter D. Marle: Are alexithymia and schizoid personality disorder synonymous diagnoses? In: Comprehensive Psychiatry. Band 54, Nr. 2, 1. Februar 2013, ISSN 0010-440X, S. 141–148, doi:10.1016/j.comppsych.2012.07.005.
  64. Cord Benecke, Miriam Henkel, Steffen Müller: Emotionen und Schizoidie. In: Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung – Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033467-0, S. 114–124.
  65. Franz J. Neyer, Jens B. Asendorpf: Psychologie der Persönlichkeit. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-54941-4, S. 142–144, doi:10.1007/978-3-662-54942-1.
  66. Timothy J. Trull, Seungmin Jahng, Rachel L. Tomko, Phillip K. Wood, Kenneth J. Sher: Revised NESARC Personality Disorder Diagnoses: Gender, Prevalence, and Comorbidity with Substance Dependence Disorders. In: Journal of Personality Disorders. Band 24, Nr. 4, August 2010, ISSN 0885-579X, S. 412–426, doi:10.1521/pedi.2010.24.4.412, PMID 20695803, PMC 3771514 (freier Volltext).
  67. Svenn Torgersen, Einar Kringlen, Victoria Cramer: The Prevalence of Personality Disorders in a Community Sample. In: Archives of General Psychiatry. Band 58, Nr. 6, 1. Juni 2001, ISSN 0003-990X, S. 590, doi:10.1001/archpsyc.58.6.590.
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  69. Ted Reichborn-Kjennerud: The genetic epidemiology of personality disorders. In: Dialogues in Clinical Neuroscience. Band 12, Nr. 1, 31. März 2010, S. 103–114, doi:10.31887/DCNS.2010.12.1/trkjennerud, PMID 20373672.
  70. van den Berg, S.M., de Moor, M.H.M., Verweij, K.J.H. et al.: Meta-analysis of Genome-Wide Association Studies for Extraversion: Findings from the Genetics of Personality Consortium. In: Behavior Genetics. Band 46, Nr. 2, 1. März 2016, ISSN 1573-3297, S. 170–182, doi:10.1007/s10519-015-9735-5, PMID 26362575, PMC 4751159 (freier Volltext).
  71. Elinor Greenberg: How to Get Someone with Schizoid Personality Disorder to Open Up | Psychology Today. Abgerufen am 11. September 2025 (amerikanisches Englisch): „As a result of their childhood experiences, my schizoid clients lack basic trust in other people’s motives, feel unsafe around most people, are very cautious about sharing their feelings and thoughts with other people, and are hypersensitive to domineering and intrusive behavior.“
  72. Rainer Sachse: Klärungsorientierte Verhaltenstherapie der schizoiden Persönlichkeitsstörung. In: PiD – Psychotherapie im Dialog. Band 15, Nr. 03, September 2014, ISSN 1438-7026, S. 56–59, doi:10.1055/s-0034-1388638 (ipp-bochum.de [abgerufen am 18. Oktober 2025]): „Sie wählen die Autonomie vielmehr deshalb, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt: Beziehungen sind eher aversiv, in Beziehungen kann man sich auf Partner nicht verlassen; Beziehungen sind kalt und unerfreulich; man bekommt eh keine Hilfe und Unterstützung. Also bleibt einem nichts anderes übrig, als auf sich allein gestellt zu leben und alles zu tun, um sich auf sich selbst verlassen zu können. Man muss autonom sein; jede Alternative ist eindeutig unangenehm, unsicherer, unberechenbarer.“
  73. Rainer und Meike Sachse: Klärungsorientierte Psychotherapie der schizoiden und paranoiden Persönlichkeitsstörung. Hogrefe 2017, ISBN 978-3-8017-2844-1, Kapitel 2, S. 13.
  74. G. Camelia Adams, Andrew J. Wrath, Xiangfei Meng: The Relationship between Adult Attachment and Mental Health Care Utilization: A Systematic Review. In: The Canadian Journal of Psychiatry. Band 63, Nr. 10, Oktober 2018, ISSN 0706-7437, S. 651–660, doi:10.1177/0706743718779933, PMID 29916269, PMC 6187440 (freier Volltext).
  75. Bernhard Strauß: Chancenungleichheit auf der Suche nach einem Therapieplatz: Schlussfolgerungen für die zukünftigen Aufgaben der Psychotherapieforschung. In: Psychotherapeut. Band 60, Nr. 5, September 2015, ISSN 0935-6185, S. 389–396, doi:10.1007/s00278-015-0044-5.
  76. Annegret Martin, Anna Buchheim, Uwe Berger, Bernhard Strauss: The impact of attachment organization on potential countertransference reactions. In: Psychotherapy Research. Band 17, Nr. 1, 1. Januar 2007, ISSN 1050-3307, S. 46–58, doi:10.1080/10503300500485565.
  77. G. Appel: An approach to the treatment of schizoid phenomena. In: Psychoanalytic Review. Band 61, Nr. 1, 1974, ISSN 0033-2836, S. 99–113, PMID 4836594 (pep-web.org).
  78. Jeffrey Seinfeld: The empty core : an object relations approach to psychotherapy of the schizoid personality. Northvale, N.J. : J. Aronson, 1991, ISBN 0-87668-611-0 (archive.org [abgerufen am 15. September 2025]).
  79. Benigna Gerisch: »Ich bin bange einen Körper zu haben, ich bin bange eine Seele zu haben« — Zur schizoid-weiblichen Weltverweigerung. In: Gerhard Dammann, Otto F. Kernberg (Hrsg.): Schizoidie und schizoide Persönlichkeitsstörung – Psychodynamik – Diagnostik – Psychotherapie. 1. Auflage. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-033467-0, S. 231–246: „Außerhalb der Stunden wiederum führte sie eine leidenschaftliche, intensive Phantasiebeziehung zu mir, in denen sie mir unentwegt aus ihrem Leben erzählte und auch alltägliche Verrichtungen wie kommentierte, um mich daran teilhaben zu lassen. Mehr noch: Erst im Verlaufe der Behandlung gestand die Patientin, dass sie mich jahrelang im Internet gestalkt habe: Sie habe das Netz gewissermaßen wie ein Vampir nach Informationen über mich ausgesaugt. Sobald sie aber in die Stunde kam, war der Kontakt wie abgebrochen und buchstäblich auf Eis gelegt. Ich empfand oft eine quälende Müdigkeit, Ärger, Wut und Ohnmacht.“