Schillerschlösschen
Schillerschlösschen (auch Schiller-Schlösschen oder Schillerschlößchen) war der Name einer Gaststätte mit benachbartem Wohnhaus in der Menckestraße im Leipziger Stadtteil Gohlis gegenüber dem Schillerhaus. Die nunmehrigen zwei Wohnhäuser mit historisierenden Putzfassaden stehen unter Denkmalschutz.[1]
Beschreibung
Die beiden Häuser sind zweigeschossig mit ausgebautem Dachgeschoss. Das frühere rechte Wohnhaus (Nr. 43d) besitzt ein natursteinverkleidetes Souterrain und drei Fensterachsen, wobei die mittlere als flacher Risalit ausgebildet ist. Das Satteldach trägt drei kleinere Giebelgauben zur Straße und eine größere zum Hof. Der Zugang ist in das benachbarte ehemalige Gasthaus (Nr. 43) integriert, das vier Fensterachsen zwischen zwei Seitenrisaliten mit den Eingängen besitzt. Das Flachdach ist nach der Straßenseite für einen Dachbalkon unterbrochen. Nach der Hofseite besitzt das Haus eine moderne Fassade mit großen Fenstern. Beide Häuser haben zur Hofseite Terrassen.
Geschichte
1863 ließ sich der Leipziger Gutsbesitzer Friedrich Gottlob Ullrich an der Hauptstraße des Dorfes Gohlis vom Gohliser Maurermeister Heinze ein Sommerhaus errichten. Gohlis wurde erst 1890 nach Leipzig eingemeindet und 1900 die Menckestraße benannt. 1868 entstand links an das Sommerhaus angeschlossen ein Restaurant mit nach hinten angegliedertem Ballsaal. Dieser wurde 1875 vergrößert, wobei auch das Vorderhaus neu ausgeführt wurde. Spätestens ab dieser Zeit trug die Gaststätte den Namen Schillerschlösschen,[2] Am Garten des nun auch als Ausflugslokal dienenden Etablissements entstanden 1878 Kolonnaden, die später zu Kegelbahnen wurden.[3]
Bei einer Zwangsversteigerung im Jahr 1880 erwarb die 1871 gegründete Gohliser Aktienbrauerei das Schillerschlösschen. Es diente weiterhin bis in die 1920er Jahre als beliebtes Restaurant mit Tanz und Kulturveranstaltungen verschiedener Art im Saale. Als in den 1930er Jahren die Aktienbrauerei den Abriss der Gebäude zugunsten einer Kleinwohnungsanlage planten, die nicht realisiert wurde, war das Ende der Gastronomie gekommen.
Spätestens zum Zweiten Weltkrieg zog gewerbliche Nutzung ein, zum Beispiel in Form einer Gurkeneinlegerei und Sauerkrautschneiderei. Der Saal diente der Unterbringung ausländischer Zwangsarbeiter. Im Frühjahr 1945 waren das 120 Personen.[4] Der Versuch, nach dem Krieg im Saal ein Kino einzurichten schlug fehl.[2] Die Räume wurden als Lager verschiedener Einrichtungen genutzt, wobei die Bausubstanz mehr und mehr verfiel. Der Verfall ging auch nach der Wende weiter, bis schließlich 2008 der Saal abgerissen wurde.[5]
Von 2011 bis 2012 sanierte die Leipziger KWS-Gruppe die beiden an der Straße gelegenen Häuser unter Bewahrung der historischen Fassaden von Grund auf und errichtete im Hofbereich drei neue Stadthäuser mit den Hausnummern 43 a–c.[6]
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Motiv Schiller-Schlösschen, um 1890
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Schiller-Schlösschen mit Ballsaal und Konzertgarten, 1916
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Zustand 2011
Literatur
- Annekatrin Merrem: Aufforderung zum Tanz – Quo vadis Schillerschlößchen. In: Leipziger Blätter, Heft 48, 2006, S. 36–38
Weblinks
- Beim Dichter gegenüber. In: Geheimtipp Leipzig.
Einzelnachweise
- ↑ Eintrag in der Denkmaldatenbank des Landes Sachsen zur Denkmal-ID 09293457 (PDF, inklusive Kartenausschnitt). Abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ a b Leipziger Blätter, S. 37
- ↑ Denkmalstext
- ↑ DP-Camp "Schillerschlösschen". Abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ … nicht nur Sehenswertes. In: Gohliser Stadtteilmagazin. 2008, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Menckestraße 43. In: Website der KWS-Gruppe =. Abgerufen am 7. Dezember 2025.
Koordinaten: 51° 21′ 30,8″ N, 12° 21′ 44,9″ O