Schibboleth
Ein Schibboleth (betont Schibbóleth oder Schíbboleth;[1] Plural Schibboleths oder Schibbolethe) ist eine sprachliche Besonderheit, durch die sich ein Sprecher einer sozialen Gruppe oder einer Region zuordnen lässt. Zu unterscheiden sind Schibboleths von Zungenbrechern, die für alle Sprecher schwer auszusprechen sind. Vielmehr sind Schibboleths Wörter, an deren verschiedener Aussprache die Herkunft des Sprechers zu erkennen ist und die somit zu einem sozialen Code werden.
Bibel
Schibboleth (hebräisch שיבולת, punktiert שִׁבֹּלֶת, Plural schibbolim[2]) ist ein hebräisches Wort und bedeutet wörtlich ‚Strömung‘, ‚Strom‘ oder ‚Flut‘[3], wird aber in der Bedeutung von ‚Kennwort‘ oder ‚Codewort‘ verwendet. Im jüdischen Tanach (dem christlichen Alten Testament) heißt es im Buch der Richter 12,5–6 :
„Gilead schnitt Efraim die Jordanfurten ab. Und wenn die Flüchtlinge aus Efraim sagten: Ich will hinüber!, fragten ihn die Männer aus Gilead: Bist du ein Efraimiter? Wenn er Nein sagte, forderten sie ihn auf: Sag doch einmal Schibbolet! Sagte er dann Sibbolet, weil er es nicht richtig aussprechen konnte, ergriffen sie ihn und machten ihn dort an den Furten des Jordan nieder. So fielen damals zweiundvierzigtausend Mann aus Efraim.“
Niederländisch
Die flämischen Bürger sollen bei der Brügger Frühmette 1302 einen Schibboleth-Sprachtest durchgeführt haben, um die eigenen Leute von den Feinden zu sondern: Jeder wurde aufgefordert, die Worte schild en vriend (Schild und Freund) nachzusprechen; alle, denen dies nicht fehlerfrei gelang, galten als Franzosen und wurden niedergemacht.[4] Diese Episode wirkt bis heute fort: Eine 2017 gegründete rechtsextreme flämische Gruppierung hat sich danach „Schild & Vrienden“ benannt.
Literatur
- Till Dembeck: Schibboleth/Sibboleth: Phonographie und kulturelle Kommunikation um 1900. In: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. Jg. 36, Nr. 142 (2006), ISSN 0049-8653, S. 43–68, doi:10.1007/BF03379532.
- Ernst Axel Knauf: Schibbolet. In: Michaela Bauks, Michael Pietsch, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
Weblinks
- Migration und Mehrsprachigkeit. In: uni-dortmund.de
Einzelnachweise
- ↑ Schibboleth, das. In: Duden online. Abgerufen am 6. Juli 2017.
- ↑ Langenscheidts Taschenwörterbuch Hebräisch, ISBN 3-468-10160-0, verzeichnet zwei feminine Wörter שִׁבֹּלֶת, eines (mit den Bedeutungen ‚Ähre‘ und ‚Schibboleth‘) hat den Plural שִׁבֳּלִים (z. B. Gen 41,5 ), das andere (mit der Bedeutung ‚Wasserwirbel‘) hat den Plural שִׁבּוֹלוֹת.
- ↑ Wilhelm Gesenius: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. Hrsg.: Herbert Donner. 18. Auflage. Springer, Berlin [u. a.] 2013, ISBN 978-3-642-25680-6, S. 1316.
- ↑ Marc Redfield: Shibboleth: Judges, Derrida, Celan. 1. Auflage. Fordham University Press, New York 2021, ISBN 978-0-8232-8909-7, Kap. 3, S(h)ibboleth Sovereign Violence And The Remainder, S. 19 ff.