Schelver (Adelsgeschlecht)

Schelver (auch Schelver-Kötting o. ä.) ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts.

Geschichte

Das Geschlecht stammt aus dem Münsterland.[1] 1513 schenkte Hermann von Schelver zu Ahaus dem Kloster Marienbrink in Coesfeld fünf Goldgulden.[2] Hermann von Schelver senior erstellte 1580/2 ein Verzeichnis über die seinen Kindern Anna, Lubbert, Dietrich, Hermann, Elisabeth und Gertrud mitgegeben bzw. mitzugebenden Brautschätze.[3] Die Brüder Lubbert und Hermann von Schelver vergaben in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Obligationen zugunsten des Stifts Asbeck.[4] Ihr Bruder Dietrich (von) Schelver († 1607) aus Schöppingen, promovierter Jurist, war Kanzler des Fürstbistums Münster. Als solcher erscheint er erstmals 1595. 1600 bat er aufgrund von Krankheit um seine Entlassung. Da jedoch lange kein Nachfolger gefunden wurde, schied er erst 1603 aus dem Amt aus und übergab es seinem Schwiegersohn Michael Tegeder. Nach seinem Tod 1607 wurde Dietrich von Schelver in der Lamberti-Kirche in Münster beigesetzt, ebenso wie Jahrzehnte später seine 1578 geehelichte Frau Anna Frie (auch Frye o. ä.) († 1636). Laut Wilhelm Kohl war Dietrich (von) Schelver „der letzte nichtadelige Kanzler des Fürstentums“, doch erscheint Dietrich vielfach auch mit Adelsprädikat „von“, ebenso wie seine Geschwister.[5] Die Eheleute Schelver-Frie hatten drei Kinder:

  • Catharina von Schelver († 1648) ⚭ 1606 Michael Tegeder († 1637), Münsteraner Hofrichter
  • Anna von Schelver ⚭ Johann Schwering (1611 bereits †)
  • Ernst von Schelver, Jesuit im Jesuitenkolleg Münster

Hermann von Schelver (1592 bereits †), Bürgermeister von Schöppingen, war schon 1574 mit Gertrud von Linteloe (1592 noch lebend) verheiratet. Nach ihrem Tod fiel ihr Erbe Grimmeling im Kirchspiel Legden an Dietrichs Witwe und Kinder sowie weitere Verwandte, die es 1611 verkauften. Unter den Verkäufern finden sich auch die Eheleute Elisabeth von Schelver, eine Schwester der Gebrüder Lubbert, Hermann und Dietrich von Schelver, und Dietrich Kemner (1611 bereits †), Bürger zu Münster, sowie die Eheleute Hermann von Schelver und Mechtild Schücking (beide urkundlich 1601–1611) und Gertrud von Schelver und Johann Wilmer, Kinder des bereits verstorbenen Lubbert von Schelver. In Schöppingen besaß die Familie Schelver u. a. auch eine Blutvikarie, die 1681 an den neuen Inhaber Johann Theodor Brinkmann übergegangen war.[6]

1633 wurde Johann (von) Schelver, Vetter der oben genannten Kinder der Eheleute Schelver-Frie, als Rentmeister zu Wolbeck bestallt.[7] 1646 erhielt dieser von Catharina von Schelver, Witwe des Michael Tegeder, verschiedene Lehngüter übertragen, die 1599 ihr Vater dem Reinhard von Raesfeld, Drost zu Borculo, abgekauft hatte. Nach Catharina von Schelvers Tod 1648 fielen Höfe in den Kirchspielen Altenberge, Schöppingen und Gimbte an das Jesuitenkolleg Münster.[8]

Am 13. Oktober 1747 wurden Benedikt Anton Georg von Schelver (* 1705), Kurkölner Hauptmann, später Major im Regiment von Wenge, Sohn des Münsteraner Stadtkommandanten Johann Georg von Schelver, und Sybilla geborene Cötting, seiner Ehefrau, der Reichsritterstand mit dem Prädikat „Edler von“ und einer Wappenvereinigung mit jenem derer von Cötting verliehen.[9] Die Eheleute hatten einen Sohn namens Wenzel Georg von Schelver, Fähnrich im Regiment von Schorlemer, der 1770 Maria Anna Poppe († 1811), Witwe des Universitätsprofessors Ernesti, heiratete. Ihr gemeinsamer Sohn Franz von Schelver (1771–1801) war Oberstleutnant im münsterschen Infanterie-Regiment von Höflingen.[10] Diese Familienlinie besaß u. a. das Lehen Vehoff genannt Mengering im Kirchspiel Handorf.

Am 14. Dezember 1801 erhielt Kaspar Erich Schelver, promovierter Jurist und Beisitzer des münsterischen Hofgerichts und Landgerichts, eine kaiserliche Wappen- und Adelsbestätigung bzw. Neuverleihung mit Prädikat „von“.[11] Kaspar Erich von Schelver war seit 1789 mit Wilhelmine geborene von Schlever (1772–1841) verheiratet. Die Eheleute hatten vier Töchter und zwei Söhne:[12]

  • Wenzel Georg (* 1790),
  • Maria Anna (* 1792),
  • Bernhardine (* 1794),
  • Louise Philippine (* 1796) ⚭ N. N. Wenner,
  • Sophia Ludowika (* 1798) und
  • Friedrich (* 1803).

1833 kaufte Friedrich Maria Georg Freiherr von Schelver, fürstbischöflich-münsterscher Major, verheiratet mit Henriette Freiin von Duderstadt, das Haus Schafhausen bei Werl. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor. Zwei heirateten die Brüder Friedrich von Papen, Herr auf Haus Himmelpforten, königlich-preußischer Oberforstmeister von Niederense-Bremen bei Arnsberg, und Ferdinand von Papen aus der Linie Wilbring. Die dritte Tochter heiratete Franz Freiherr von Fürstenberg, Herr auf Schloss Heiligenhoven bei Lindlar. Nach dem Tod von Friedrich von Schelver wurde das Gut von den Erben nach 1857 an einen Landwirt verkauft.

Laut Max von Spießen existierte die Familie noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Linie mit dem vermehrten Wappen von 1747 jedoch starb Anfang des 19. Jahrhunderts aus.[1]

Wappen

Blasonierung des Stammwappens (identisch mit Wappen von 1801)
In Gold ein roter Balken begleitet von drei (2:1) roten Rosen. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Helmdecken ein offener goldener Flug, jeder Flügel bezeichnet wie der Schild.[1]
Blasonierung des Wappens von 1747
Durch einen grünen Pfahl gespalten. Rechts in Gold ein Rot über Schwarz geteilter Balken von drei (2:1) roten Rosen begleitet; links in Silber ein schwarzer rechtssehender Adler. Zwei gekrönte Helme: I. mit rot-goldenen Decken Helmzier des Stammwappens; II. mit schwarz-silbernen Decken der schwarze Adler.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d Spießen (1901–1903), S. 111.
  2. Vereinigte Westfälische Adelsarchive, Coe.E.Uk / Kloster Marienbrink in Coesfeld Urkunden, Nr. Coe.E.Uk - 21, abgerufen am 2. Januar 2026.
  3. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 3159, abgerufen am 2. Januar 2026.
  4. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 3134, abgerufen am 2. Januar 2026.
  5. Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster, 7,4, Die Diözese (= Germania Sacra, NF 37,4 (Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln)), Berlin/New York 2004, S. 180 (PDF, 6 MB auf adw-goe.de, abgerufen am 2. Januar 2026).
  6. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 3139 und Nr. 3209, abgerufen am 2. Januar 2026.
  7. Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster, 7,4, Die Diözese (= Germania Sacra, NF 37,4 (Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln)), Berlin/New York 2004, S. 263 (PDF, 6 MB auf adw-goe.de, abgerufen am 2. Januar 2026).
  8. Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 151 / Studienfonds Münster / Akten, Nr. 3172 und Nr. 4612, abgerufen am 2. Januar 2026.
  9. AT-OeStA/AVA Adel RAA 367.58.
  10. Stadtarchiv Münster, Dok-P-Theissing / Personenkartei Ferdinand Theissing, Nr. 23485, abgerufen am 2. Januar 2026.
  11. AT-OeStA/AVA Adel RAA 367.59.
  12. Stadtarchiv Münster, Dok-P-Theissing / Personenkartei Ferdinand Theissing, Nr. 23492, abgerufen am 2. Januar 2026.