Scheinberg (Schwarzwald)

Scheinberg
Blick von der Hohen Möhr in südwestlicher Richtung. Rechts sind im Vordergrund der Entegast und dahinter der Scheinberg zu sehen
Höhe 622,3 m ü. NHN
Lage Maulburg; Landkreis Lörrach, Baden-Württemberg (Deutschland)
Gebirge Schwarzwald
Koordinaten 47° 40′ 20″ N, 7° 46′ 56″ O

Der Scheinberg ist ein 622,3 m ü. NHN hoher, fast vollständig bewaldeter typischer Tafelberg im Landkreis Lörrach. Der Gipfel, früher auch als Königsberg bezeichnet,[1] befindet sich am nördlichen Ende des Gemarkungsgebietes der Gemeinde Maulburg. Der Scheinberg ist Teil des Südschwarzwalds und wird im Osten vom Tal der Kleinen Wiese, im Süden von der Wiese und im Westen vom Tal des Schwammerich begrenzt. Naturräumlich gehört der Scheinberg dem Weitenauer Bergland an. Der Flurname Oberbürglen unmittelbar südlich der Alsbachtalbrücke am Füße des Scheinbergs deutet auf eine frühere Burganlage hin.[2]

Geographie

Lage

Am Rande des Scheinbergs befinden sich im Uhrzeigersinn im Norden beginnend die Orte Wieslet, Enkenstein, Langenau, Maulburg, Steinen und Weitenau. Am nordöstlichen Rand des Scheinbergs befindet sich die 1977 inbetriebgenommene Kreismülldeponie Scheinberg.

Gewässer

Vom Scheinberg entspringen der Alsbach und das Heubächle, die am Südhang in die Wiese münden. Der Schattenrainbach verläuft am Osthang und mündet in Langenau in die Kleine Wiese.

Geologie

Die Buntsandsteintafeln lagern auf den bereits aus dem Erdaltertum stammenden Sedimenten des Rotliegenden und des Zechsteins, die teils aus feldspatreichen Sandsteinen und Brekzien, teils aus tonig-schluffigem Material bestehen, die man rund um Weitenau findet. Genauso wie im östlichen Nachbarberg, dem Entegast (589 m ü. NHN), wurde am Scheinberg der Muschelkalk vollständig abgeräumt, aus dem der tektonisch tiefer lagernde, deswegen besser geschützte Dinkelberg aufgebaut ist.[3][4] Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sowohl die quarzitisch verfestigten harten Sandsteinbänke als auch die feinkörnigen Platten des oberen Buntsandsteins in teils noch erkennbaren Steinbrüchen abgebaut. Die Plateaufläche bedecken die obersten, tonigen Schichten des Buntsandsteins. Die Rotliegendschichten sind stark rutschgefährdet, weshalb bei der südlichen Hangstraße mit Wegschäden und Sperrungen gerechnet werden muss. Die Kreismülldeponie ist in den undurchlässigen Tonen des mittleren Rotliegend angelegt.

Unmittelbar östlich der Alsbachtalbrücke lässt sich die nördliche Fortsetzung der großen Maulburg-Schwörstadt-Verwerfung beobachten. Sie setzt im Weganschnitt Zechsteinschichten der Wiesentalformation im Westen neben die Arkosen des Rotliegend (Weitenau-Formation).

Militärische Nutzung

Nach dem Zweiten Weltkrieg war von 1953 bis 1973 das Plateau teilweise Sperrgebiet. Es wurden 30,2 Hektar im nördlichen Teil der Scheinberger Hochebene für das Minenlager der französischen Besatzungsmacht, später der NATO, beansprucht. Um die Zufahrt zum Lager zu gewährleisten, wurden 3,2 Kilometer neue Wege angelegt und eine tragfähigere Brücke über die Wiese gebaut. Dafür wurden insgesamt knapp 4 Hektar Wald gerodet. Die Gemeinde erhielt jährlich 180 Mark Pacht für das Waldstück. Zuvor hatte sie sich erfolglos gegen das Lager gewehrt, das die Gemeinde 30 Hektar Wald kostete und mehrere Wege zu bewirtschafteten Waldstücken abschnitt. 1976 erfolgte die Rückgabe des Gebietes an die Gemeinde Maulburg. Vor der Rückgabe wurden Zaun und die über 60 Baracken abgebaut. Heutzutage sind nur noch spärliche Mauerfundamente des ehemaligen Aborthäuschens, einer Baracke und dem ehemaligen Lagereingang erhalten. Eine Infotafel informiert über das frühere Lager.[5][6]

Literatur

  • Maulburg. In: Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg im Breisgau (Bearbeiter): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg. Der Landkreis Lörrach. Band II. B. Gemeindebeschreibungen Kandern bis Zell im Wiesental. Herausgegeben von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 196.
Commons: Scheinberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Der Landkreis Lörrach, Band II, S. 196.
  2. C.A. Müller: Burgen und Schlösser im Markgräflerland. In: Das Markgräflerland. Bühl/Baden 1969, S. 133.
  3. Der Landkreis Lörrach, Band II, S. 17–28.
  4. Der Landkreis Lörrach, Band II, S. 478–482.
  5. Markgräfler Tagblatt: Infos über früheres Minenlager, Artikel vom 16. Mai 2014, abgerufen am 27. November 2025.
  6. Lina Boegel: Wie in Maulburg eine Gulaschkanone für die Versöhnung mit französischen Offizieren sorgte. Badische Zeitung, 6. Dezember 2025, abgerufen am 6. Dezember 2025