Schatz von Ledringhem

Schatz von Ledringhem
Ort Ledringhem, Nord, Frankreich

Der Schatz von Ledringhem ist ein bedeutender Schatz keltischer Münzen, der 1852 zufällig im Hof eines Bauernhofs in Ledringhem (Département Nord, Frankreich) entdeckt wurde.

Umstände der Entdeckung

Beim Durchsuchen des Bodens einer Mistgrube auf einem Bauernhof zerbrachen zwei Arbeiter eine Terrakottavase und entdeckten darin einen großen Schatz kleiner Goldmünzen. Der zerbrochene Topf wurde nicht aufbewahrt[1]. Die beiden Arbeiter hielten den Fund geheim und eigneten sich alle Münzen an, deren Anzahl auf 35.642 geschätzt wurde. Über die genaue Zusammensetzung des Schatzes besteht jedoch keine Gewissheit, da er nicht sofort gemeldet wurde und eine große Anzahl von Münzen verkauft wurde, bevor die Wissenschaft sich des Themas annehmen konnte.

Zusammensetzung des Schatzes

Im Jahr 1856 veröffentlichte Louis Cousin in den Mémoires de la Société dunkerquoise pour l’encouragement des sciences, des lettres et des arts eine Notiz, in der es hieß: «trois cents pièces d’or des époques gauloise et gallo-romaine, pièces parmi lesquelles plus de 10 variétés différentes dont quelques-unes inconnues jusque là » („dreihundert Goldmünzen aus der gallischen und gallo-römischen Zeit, darunter mehr als 10 verschiedene Varianten, von denen einige bisher unbekannt waren.“)[2].

Später untersuchte der ortsansässige Apotheker Jérémie Landron (1840–1904) die Metallzusammensetzung einer der Münzen aus dem Münzfund[3]. Er kam zu dem Schluss, dass die analysierte Münze zu 80 % aus Edelmetallen (45 % Gold und 35 % Silber) und zu 20 % aus Kupfer bestand. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1875. Er erwähnte rote Münzen, die in der Gegend als „Ledringhem-Knöpfe“ bekannt waren. Er vermutete, dass sie aus Billon, einer Legierung aus Kupfer, Zink und Silber, gefertigt waren. Er publizierte die Entdeckung 1875/76[3]. Die historischen Informationen wurden ihm von Edmond-Louis Blomme, einem Lehrer im Dorf zur Zeit der Ereignisse, zur Verfügung gestellt.

Laut Pierre Leclerc, der 1978 einen Artikel in der „Revue du Nord“ veröffentlichte, handelt es sich um Stater (vom moriner Typ, der Klasse IV und VI, vom nervischen Typ mit der Inschrift „VIROS“ und vom ambischen Typ).[4]

Historische Interpretation

Im Jahr 55 v. Chr., während des Gallischen Krieges gegen die Menapier und die Moriner, kehrte Caesar aus Britannien zurück, wo er die Briten unterworfen hatte.

Zwei Schiffe strandeten jedoch und erreichten das Festland weiter als der Großteil des Heeres. Dort wurden sie von einer Gruppe Moriner angegriffen. Die belgischen Gallier wurden besiegt, und Caesar entsandte Titus Labienus mit den aus Britannien zurückgeholten Legionen, um ihr Volk zu bestrafen. Die Unterwerfung der Moriner war mutmaßlich der Grund für das Verstecken des Schatzes von Ledringhem.

Simone Scheers hingegen vermutet, dass es sich dabei um den Schatz eines im Wesentlichen nervischen Heeres handelt[5].

Literatur

  • Jérémie Landron: Le Trésor de Lendringhem (or gauloise). In: Mémoires de la Société dunkerquoise pour l’encouragement des sciences, des lettres et des arts Band 20, 1875–1876, S. 252–260 (Digitalisat).
  • Pierre Leclercq: Le trésor gaulois de Ledringhem. Essai d’interprétation. In: Revue du Nord Nr. 239, 1978, S. 753–759 (Digitalisat).
Commons: Schatz von Ledringhem – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Adrien Blanchet: Traité des Monnaies Gauloises. Paris 1905, S. 584 trésor n° 188 (Digitalisat).
  2. Louis Cousin: Notice sur une découverte de médailles à Wormhout. In: Mémoire de la Société dunkerquoise pour l’encouragement des sciences, des lettres et des arts. Année 1856, S. 352–355 (Digitalisat).
  3. a b Jérémie Landron: Le Trésor de Lendringhem (or gauloise). In: Mémoires de la Société dunkerquoise pour l’encouragement des sciences, des lettres et des arts Band 20, 1875–1876, S. 252–260.
  4. Pierre Leclercq: Le trésor gaulois de Ledringhem. Essai d’interprétation In: Revue du Nord. Nr. 239, 1978, S. 753–759.
  5. Simone Scheers: Traité de numismatique celtique. II. La Gaule Belgique (= Annales littéraires de l’Université de Besançon. Bd. 195). Les Belles Lettres, Paris 1975, S. 888.