Schadendorf (Wüstung)
Schadendorf, sorbisch Pakosnica, war ein Dorf in der Oberlausitz, südlich von Weißwasser, 5 km östlich von Boxberg und einige hundert Meter nördlich des Flusses Schwarzer Schöps im heutigen Landkreis Görlitz. Der Ort wurde 1984/85 im Zuge des Braunkohleabbaus durch den Tagebau Reichwalde abgebrochen. Das im Jahr 1792 errichtete Schloss Schadendorf gehört zu den wenigen Gebäuden, die nicht abgerissen wurden.[1] Im Zusammenhang mit der Devastierung wurden 31 Personen umgesiedelt.
Geschichte
Der Ort ist historisch seit 1625 unter wechselnden Namen belegt: Pakosnitz (1625, 1657), Schadendorff (1759), Bacoseng (1768), Schadendorf (1791), Backosnitz (1797), Packosnitz und Schadendorf (1799) sowie Pakosnica (1843).[2]
Hinsichtlich des Ortsnamens gibt es zwei Deutungen: Nach der einen entspricht der sorbische Name Pakosnica der deutschen Bezeichnung, abgeleitet vom Wort pakosćić in der Bedeutung „Unheil, Schaden anrichten“, sodass ein „elender, schadhafter Ort“ bezeichnet wurde und die wirtschaftliche Not seiner Bewohner in früherer Zeit zum Ausdruck brachte. Nach der anderen Deutung liegt dem Ortsnamen das sorbische Wort pakosć im Sinne von „Diebesfinger“ oder „Langfinger“ zugrunde, womit 1657 und 1797 in spöttischer Weise die armen Bürger des Dorfes beschrieben wurden.[3]
Schadendorf hatte die Siedlungsform einer lockeren Häusergruppe mit Großblock- und Parzellenflur. Nach dem Historiker Walter von Boetticher war der Ort vermutlich immer ein Pertinenzgut des benachbarten Gutes Reichwalde. Die Lehnsakten beginnen erst im Jahr 1797.[4]
Bis 1804 teilte der Ort die Besitzverhältnisse mit Reichwalde. Ab 1805 kam es zu einer Trennung. Die weiteren Besitzer von Schadendorf waren von Jagemann (1805–1809), von Carlowitz (1809–1815) und von Uechtritz (ab 1815).
Spätestens seit dem frühen 19. Jahrhundert war Schadendorf nach Reichwalde eingepfarrt.
Das Reichwalder Kirchbuch berichtet, dass 1812 Scheune und Ställe des Gutes niederbrannten. Das Feuer war von Dieben gelegt worden, die währenddessen die Wohnung des Jägers in Wunscha ausraubten.[5]
Im Jahr 1924 wurde das Dorf ein Ortsteil von Wunscha, 1992 die inzwischen devastierte Fläche dem Ort Rietschen zugeordnet.[6]
Einwohner
Im Jahr 1777 lebten in Schadendorf ein „besessener Mann“ (Hüfner) und vier Gärtner. Der sorbische Volkskundler Arnošt Muka zählte 1884 drei Gärtner, fünf Häusler, einen Mieter und einen Gastwirt.[7] Insgesamt lebten im genannten Jahr nach Muka 48 Einwohner in Schadendorf, davon 43 Sorben.[8] Die ansässige deutsche Försterfamilie habe ungewöhnlicherweise kein Sorbisch verstanden.[9]
Es sind folgende Einwohnerzahlen übermittelt:
| Jahr | 1825 | 1871 | 1884 | 1905 |
| Einwohner | 31 | 56 | 48 | 49 |
Heutige Lage und Gedenkstätte
Die Ortslage von Schadendorf wurde im Gegensatz zu der östlicher gelegenen von Wunscha nicht überbaggert, sondern der nördliche Bereich für die Errichtung der Tagesanlagen genutzt.[10] In der Nähe der Tagesanlagen wurde der Industriestandort „Schadendorf“ (I und II) angelegt.[11]
Nordwestlich der Ortslage wurde der Großgerätemontageplatz Schadendorf angelegt. Dieses Gebiet ist heute fast wieder vollständig bewaldet.[12]
Eine eigene Erinnerungsstätte für Schadendorf existiert nicht. An der Ortserinnerungsstätte des im Jahr 1985 ebenfalls abgebrochenen Dorfes Wunscha erinnert eine Informationstafel an Schadendorf.[13]
Siehe auch
- Liste der abgebrochenen Orte im Lausitzer Kohlerevier
- Deutsch-obersorbische Ortsnamensliste
- Schloss Schadendorf
Literatur
- Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 265–271.
- Archiv verschwundener Orte Forst/Horno: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 296–297.
- Kamenz (Hrsg.), Wunscha/Wunšow, Kreis Weißwasser, Bezirk Cottbus, Erinnerungsschrift, Weißwasser 1985.
- Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Kamenz, Löbau, Niesky, Senftenberg, Weißwasser und Zittau, Bd. I: Namenbuch. Berlin 1975, S. 267f.
- Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, 4. Teil: Oberlausitz, Leipzig 1957, S. 87.
- Walter v. Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635–1815, Bd. 3, Görlitz 1919, S. 636.
- Arnošt Muka, Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje 1885, Jg. XXXVIII, S. 15, 51, 94ff.
Einzelnachweise
- ↑ Schloss Schadendorf. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage. Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 265.
- ↑ Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 296.
- ↑ Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzschen Adels und seiner Güter 1635–1815. Band 3. Görlitz 1919, S. 636.
- ↑ Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 297.
- ↑ Schadendorf (2) | † (Wüstung) | Pakosnica. In: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 41.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 15.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 95.
- ↑ Schadendorf/Pakosnica. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Willkommen in Boxberg / Oberlausitz - www.boxberg-ol.de. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Großgerätemontageplatz Schadendorf. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 147–149.
Koordinaten: 51° 23′ 56″ N, 14° 38′ 24″ O