Schach-Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen 2023

Die Schach-Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen 2023 (offiziell FIDE World Women's Team Championship 2023) fand vom 6. bis 11. September 2023 im polnischen Bydgoszcz statt und war die neunte Austragung einer Weltmeisterschaft im Mannschaftsschach der Frauen. Sieger wurde die Nationalmannschaft Georgiens.

Organisation

Modus

Wie bei der vorherigen Ausgabe nahmen zwölf Mannschaften teil, die aus bis zu sechs Spielerinnen bestanden. In jedem Duell traten aus beiden Teams vier Spielerinnen gegeneinander an, wobei die Reihenfolge der Spielerinnen innerhalb der Teams im Vorfeld des Turniers festgelegt wurde. In beiden Gruppen wurde jeweils ein einfaches Rundenturnier gespielt, an dessen Ende sich jeweils die besten vier Mannschaften für die Finalrunde qualifizierten. Die Bedenkzeit betrug 45 Minuten Startzeit zuzüglich eines Zeitinkrements von zehn Sekunden ab dem ersten Zug. Damit galten die Partien als Schnellschach. Die anschließende Finalrunde wurde im K.-o.-System ausgetragen, wobei jedes Duell zunächst aus zwei Spielen nach regulärer Bedenkzeit bestand. Endeten beide Spiele unentschieden oder gewannen beide Mannschaften je eine Partie, wurde mit Blitzschachpartien (drei Minuten Startzeit und zwei Sekunden Inkrement) fortgefahren, bis ein Sieger feststand.[1]

Qualifikation

Gemäß der Regularien wurden die Teilnehmer anhand verschiedener Kriterien ausgewählt.[1]

Die Nationalmannschaft Russlands wäre als Halbfinalist von 2021 ebenfalls qualifiziert gewesen, wurde allerdings aufgrund des Krieges gegen die Ukraine von der Teilnahme ausgeschlossen. Ein weiterer Qualifikationsplatz blieb zunächst unbesetzt, da Gastgeber Polen sich bereits über die Weltrangliste qualifizierte. Die Nationalmannschaften Deutschlands und Bulgariens rückten entsprechend der Schnellschach-Weltrangliste nach. Ebenso nahm eine Mannschaft unter der Fahne der FIDE teil, das aus Schachspielerinnen verschiedener mittel- und südamerikanischer Verbände bestand.

Zeitplan

An den meisten Tagen wurden dank der kürzeren Bedenkzeit mehrere Partien gespielt. In der Finalrunde folgten am Ende des Tages gegebenenfalls noch zusätzliche Tie-Break-Partien.[1]

  • 06. September: Runden 1 und 2
  • 07. September: Runden 3 und 4
  • 08. September: Runde 5
  • 09. September: Viertelfinale (zwei Partien)
  • 10. September: Halbfinale (zwei Partien)
  • 11. September: Finale und Spiel um Platz 3 (zwei Partien)

Ergebnisse

Gruppenphase

In Gruppe A wurde überraschend die Mannschaft Kasachstans Gruppensieger trotz des zweitniedrigsten Elo-Durchschnitts. Der Gleichstand nach Mannschafts- und Brettpunkten zwischen Frankreich und der Ukraine wurde letztlich durch die Wertung nach Sonneborn-Berger aufgelöst. Gruppensieger der Gruppe B wurde das favorisierte Team aus den Vereinigten Staaten.

Gruppe A
Platz Mannschaft Kasachstan Georgien Frankreich Ukraine Indien Agypten MP BP
1 Kasachstan Kasachstan 2 2,5 2,5 2,5 3 9 12,5
2 Georgien Georgien 2 1,5 3,5 3 3,5 7 13,5
3 Frankreich Frankreich 1,5 2,5 2 1 3 5 10,0
4 Ukraine Ukraine 1,5 0,5 2 2,5 3,5 5 10,0
5 Indien Indien 1,5 1 3 1,5 3,5 4 10,5
6 Agypten Ägypten 1 0,5 1 0,5 0,5 0 03,5
Gruppe B
Platz Mannschaft Vereinigte Staaten Polen China Volksrepublik Deutschland Bulgarien FIDE MP BP
1 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1,5 2,5 2,5 4 2 7 12,5
2 Polen Polen 2,5 1,5 2,5 2 2,5 7 11,0
3 China Volksrepublik Volksrepublik China 1,5 2,5 3 1 3 6 11,0
4 Deutschland Deutschland 1,5 1,5 1 2,5 2,5 4 09,0
5 Bulgarien Bulgarien 0 2 3 1,5 2 4 08,5
6 FIDE FIDE Americas 2 1,5 1 1,5 2 2 08,0

Finalrunde

Die deutsche Nationalmannschaft schied im Viertelfinale gegen Kasachstan aus. Nach einem 2:2 im ersten Spiel ging das zweite Spiel mit 1:3 verloren, da nur Dinara Wagner ihre Partie gewinnen konnte während die anderen drei Spielerinnen ihre Partien verloren. Auch die übrigen Paarungen des Viertelfinales wurden innerhalb der regulären Partien entschieden. Nicht so die Duelle des Halbfinales, welche beide in das erste Blitzschach-Tie-Break gingen. Dort setzte sich das kasachische Team mit 4:0 gegen Frankreich durch und Georgien gewann deutlich gegen die USA. Im Finale war Georgien in beiden Spielen die überlegene Mannschaft und wurde Weltmeister, während Frankreich das Spiel um Platz 3 gewann.[2]

Viertelfinale Halbfinale Finale
A1 Kasachstan Kasachstan 1,5
(2; 3)
B4 Deutschland Deutschland 0,5
(2; 1)
VF1 Kasachstan Kasachstan 2
(1; 3; 4)
VF2 Frankreich Frankreich 1
(3; 1; 0)
A3 Frankreich Frankreich 2
(3; 2,5)
B2 Polen Polen 0
(1; 1,5)
HF1 Kasachstan Kasachstan 0
(1,5; 0,5)
HF2 Georgien Georgien 2
(2,5; 3,5)
A4 Ukraine Ukraine 0
(1,5; 1,5)
B1 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2
(2,5; 2,5)
VF3 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1
(1,5; 2,5; 0,5)
Spiel um Platz 3
VF4 Georgien Georgien 2
(2,5; 1,5; 3,5)
A2 Georgien Georgien 1,5
(2,5; 2)
HF1 Frankreich Frankreich 1,5
(2; 3)
B3 China Volksrepublik Volksrepublik China 0,5
(1,5; 2)
HF2 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 0,5
(2; 1)

Vorlage:Turnierplan8/Wartung/Breiten

Brettpreise

Neben den Mannschaftspreisen wurden auch individuelle Auszeichnungen an die Spielerinnen verteilt. Ausschlaggebend für die Brettpreise war dafür jeweils die Elo-Performance im Turnier, wobei mindestens fünf Partien gespielt werden mussten.[3]

Kategorie Gold Silber Bronze
Brett 1 Vereinigte Staaten Alice Lee Frankreich Deimantė Daulytė-Cornette Kasachstan Bibissara Assaubajewa
Brett 2 Georgien Meri Arabidse China Volksrepublik Shen Yang Frankreich Anastassija Sawina
Brett 3 Georgien Nino Baziaschwili Vereinigte Staaten Tatev Abrahamyan Frankreich Sophie Milliet
Brett 4 China Volksrepublik Guo Qi Georgien Lela Dschawachischwili Kasachstan Alua Nurmanowa

Mannschaftsaufstellungen

In Klammern angegeben ist die Elo-Zahl im Schnellschach und der höchste Titel (GM: Großmeister, IM: Internationaler Meister, FM: FIDE-Meister, WGM: Großmeister der Frauen, WIM: Internationaler Meister der Frauen) der jeweiligen Spielerin.[4]

Mannschaft Elo-⌀ Spielerinnen
Georgien Georgien 2370
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2340
China Volksrepublik Volksrepublik China 2335
  • Song Yuxin (WIM; 2211)
  • Shen Yang (IM; 2369)
  • Ning Kaiyu (WIM; 2279)
  • Guo Qi (IM; 2451)
  • Xiao Yiyi (WGM; 2240)
Indien Indien 2320
Polen Polen 2310
Ukraine Ukraine 2306
Deutschland Deutschland 2303
Frankreich Frankreich 2270
FIDE FIDE Americas 2233
  • Lisandra Teresa Ordaz Valdés (Kuba; IM; 2288)
  • Deysi Cori (Peru; IM; 2279)
  • Yerisbel Miranda Llanes (Kuba; WGM; 2214)
  • Jennifer Perez Rodriguez (Paraguay; WGM; 2151)
  • Maria Jose Campos (Argentinien; WIM; 2137)
  • Valentina Argote Heredia (Kolumbien; WIM; 2069)
Bulgarien Bulgarien 2228
  • Antoaneta Stefanowa (GM; 2378)
  • Gergana Pejchewa (FM; 2216)
  • Beloslawa Krastewa (FM; 2165)
  • Wiktorija Radewa (WGM; 2151)
Kasachstan Kasachstan 2223
Agypten Ägypten 2035
  • Shrook Wafa (WGM; 2020)
  • Shahenda Wafa (WGM; 2020)
  • Ayah Moaataz (WGM; 1959)
  • Eman Elansary (WGM; 1787)

Einzelnachweise

  1. a b c Regulations for the FIDE World Women’s Team Championship 2023. (PDF; 245 KB) In: worldwomenteams2023.fide.com. FIDE, abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
  2. Scoreboard – FIDE World Women's Team Championship 2023. In: chessmanager.com. Abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  3. Georgia wins the FIDE World Women’s Team Championship 2023. In: fide.com. 11. September 2023, abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  4. FIDE World Women’s Team Championship 2023 – Players. In: chessmanager.com. Abgerufen am 24. November 2025 (englisch).