Schützenstraße 1 (Bamberg)

Das Gebäude Schützenstraße 1 (und Friedrichstraße 2) in Bamberg ist ein Baudenkmal mit der Denkmalnummer D-4-61-000-1400. Als Palais der Prinzregentenzeit ist es durch die Reste seiner reichen Ausstattung ein herausragendes Einzeldenkmal.

Beschreibung

Das Gebäude ist in der Denkmalliste für Oberfranken als „[...] aufwendiger Baublock, 1890/91 nach Plänen von Friedrich Geb, in städtebaulich wichtiger Position, die Formen im Stil Louis XIII. nachempfunden“ beschrieben.[1] Mit diesen knappen Worten für beide Flügel wurde das Gebäude, wenn auch stilistisch falsch eingeordnet, 1986 beschrieben. Es wurde bei der Erstellung der Denkmalliste auf die Fassade und Lage reduziert, die nicht unerheblichen Reste der Innenausstattung werden nicht erfasst, die Ikonografie bleibt unerwähnt. Bauleitender Architekt war Chrysostomus Martin, der ausführende Baumeister Georg II. Hofbauer.

Ein deutsches Bürgerhaus als italienischer Palast

Als „deutsches Bürgerhaus“ im Stil eines „italienischen Palastes“ entwarf der Architekt Friedrich Geb, damals Dozent für Baukunst und Architektur an der Technischen Hochschule Hannover, das Haus und verwirklichte dabei die damaligen vielfältigen Überlegungen zum gehobenen Wohnbau und zum deutschen Bürgerhaus mit technischen Neuerungen und einem erheblichen Aufwand für die künstlerische Ausgestaltung. Beispiele für den Wohnkomfort und die technischen Neuerungen sind der Einbau eines Wintergartens, eines Speisenaufzugs und die Verwendung von gasbeheizten Heizkörpern. Der Aufwand für einen Flügel des Gebäudes (ohne mobile Ausstattung) war größer als die Kosten der zeitgleich erbauten Pfarrkirche Maria Hilf in Bamberg.

Künstlerische Ausgestaltung

Die künstlerische Ausgestaltung umfasste Wandmalerei und Gemälde von Carl Wiederhold sowie ein auf der Deutschen Nationalen Kunstgewerbeausstellung in München 1888 prämiertes und angekauftes Renaissancezimmer des Münchner Architekten Leonhard Romeis. Geb konnte weiterhin für die künstlerische Ausstattung eine Reihe von Künstlern heranziehen, so den königlichen Hofdekorationsmaler Ernst Wilke in Hannover, den hannoverschen Bildhauer Oswald Rommel und den Nürnberger Franz Brochier für die Raumausstattung. Dazu kam eine Arbeit des Berliner Bildhauers Albert Wolff und Glasmalereien aus der Werkstatt von Georg Postek in Bamberg, der später Direktor der Landesglasmalanstalt in Budapest war.

Ikonografie

Die Ikonografie hat als philosophisch-ideologischen Hintergrund die Freimaurerei, eine Geisteshaltung, die für die damalige Zeit typisch war, der auch beispielsweise das deutsche Kaiserhaus anhing.

Garten

Der ehemalige Garten (heute Schützenstraße 1a) war symmetrisch angelegt, mit einem Wegkreuz in der Mitte, bei dem sich ein Springbrunnen befand. Einige große Bäume aus der Zeit vor dem Bau waren darin eingebunden. Der Springbrunnen hatte in etwa das Ausmaß des heutigen Brunnens am Bamberger Schönleinsplatz. Ein Reiher aus Bronze diente als Wasserspeier. Ein gleichartiger Reiher stand in Schloss Linderhof vor dem Königshaus von Maximilian II., bevor Ludwig II. sein neues Schloss mit einer einheitlichen Fassade versah. Dieser Reiher stammte vermutlich aus der Werkstatt von Ludwig Schwanthaler und wurde in der Werkstatt von Ludwig Schaller in Bodenwöhr gegossen.

Siehe auch

Literatur

  • Denkmäler in Bayern. Band IV, Oberfranken. München 1986, ISBN 3-486-52395-3, S. #.
  • Bamberger Tagblatt vom 2. Juni 1890.
  • Tilmann Breuer: Grundzüge der städtebaulichen Entwicklung Bambergs im 19. und im frühen 20. Jahrhundert. In: Berichte des Historischen Vereins Bamberg, Band 116 (1980), S. 209–230.
  • Wolfgang Brönner: Die bürgerliche Villa in Deutschland 1830–1890. Werner, Worms 2009, ISBN 978-3-88462-286-5, S. #.
  • A. Eckstein: Festschrift zur Einweihung der Neuen Synagoge in Bamberg. Bamberg 1909.
  • Volkmar Eidloth: Das Bamberger Hainviertel. In: Bamberger Geographische Schriften. Sonderfolge Nr. 3, Bamberg 1988.
  • L. Gmelin: Leonhard Romeis. In: Kunst und Handwerk, 55. Jahrgang 1904/1905, S. #.
  • H. Köhler: Villengruppe am Schiffgraben zu Hannover. In: Zeitschrift des Hannoveraner Architekten- und Ingenieurvereins, Jahrgang 1881, Nr. 27.
  • Ursula Ochs: 1889–1989. 100 Jahre Wunderburger Kirche Maria Hilf. Bamberg 1989, S. 14.
  • Paul von Salvisberg: Chronik der Deutsch-Nationalen-Kunstgewerbeausstellung in München 1888. München 1888.
  • Anton Schuster: Alt-Bamberg. IV. Band, Bamberg 1901.
  • P. Siedentopf: Das Buch der alten Firmen der Stadt Hannover im Jahre 1927. Leipzig 1927.
  • J. v. Simson: Der Bildhauer Albert Wolff. Berlin 1982.

Einzelnachweise

  1. Denkmäler in Bayern. Band IV, Oberfranken. München 1986.

Koordinaten: 49° 53′ 29,7″ N, 10° 53′ 39,8″ O