Schützengasse 10 (Weimar)
Das Haus Schützengasse 10 ist ein denkmalgeschütztes Wohn- und Geschäftshaus mit Seitenflügel und Hinterhaus in der Altstadt von Weimar.
Geschichte
Bauherr des im Reformstil errichteten Gebäudes war der Schneidermeister Conrad Schößler. Die Pläne für das 1908/09 errichtete Gebäude schuf der Architekt Bruno Röhr.
Das Vorderhaus ist traufständig in die geschlossene Hauszeile auf der Westseite der Schützengasse eingebunden. Die zurückhaltend gestaltete fünfachsige Straßenfassade ist über der Ladenzone mit einem ockergelb eingefärbten Putz versehen und wird durch horizontale Bänder und plastisch modellierte Lisenen aus rotem Sandstein gegliedert. Davon heben sich im harmonischen Kontrast die grün gefärbten Fensterläden und das dunkle Schieferdach ab. Die Mittelachse mit der Tordurchfahrt ist einheitlich mit rotem Buntsandstein verkleidet und wird durch einen Kastenerker und ein Zwerchhaus akzentuiert. Die Hofeinfahrt erfolgt durch ein zweiflügliges Holztor, das von kräftig und plastisch geformten Sandsteinpfosten umrahmt ist. Ein ornamentales, nach vorn gebogenes Metallgitter schützt das Oberlicht über dem gebogenen Kämpferholz. Zur bauzeitlichen Ausstattung gehören u. a. das Treppenhaus mit zweiläufiger Treppe, Wendepodesten und Wandbespannung mit Textilien, die Wohn- und Zimmertüren. Vom Erscheinungsbild her stehen das Hinterhaus und der Seitenflügel mit dem Vorderhaus in einem gewissen Kontrast nicht zuletzt durch ihre Putzfarbe. Er ist ein dreigeschossiger Baukörper auf einem annähernd quadratischen Grundriss.
Laut dem Kunsthistoriker Rainer Müller handelt es sich um ein in Weimar seltenes Beispiel für eine Wohnbebauung in der zweiten Reihe. Seine kubische Gestalt brechen lediglich zur Hofseite hin Rücksprünge und ein im Grundriss flachbogiger Vorbau auf. Die Fassaden sind schlicht verputzt und nur durch Fenster, Klappläden und Putzgesimse gegliedert. Die wandgebundene Ausstattung der Erbauungszeit ist erhalten.[1]
Im Gebäude befindet sich eine traditionsreiche, von Max Schössler begründete Spielwarenhandlung.[2] Sein Gründer Max Schössler eröffnete vor über 100 Jahren am Standort in der Schützengasse 10 eine Schneiderei und veräußerte Kleidung in Handarbeit an die Weimarer Bevölkerung. Auf Grund eines Stoffengpasses unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges strukturierte der Schneider sein Geschäft um. Das war die Geburtsstunde des Spielwarengeschäftes.[3][4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.1.: Altstadt, E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 483.
- ↑ https://www.spielwarenschoessler.de/
- ↑ Carolin Eberhardt: Spielwarenfachgeschäft Max Schössler auf Weimar-Lese.
- ↑ Art. Geschäftsleben, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 146–152. Hier S. 151.
Koordinaten: 50° 58′ 41,8″ N, 11° 19′ 35″ O