Schönberg (Wusterhausen/Dosse)

Schönberg
Koordinaten: 52° 58′ N, 12° 31′ O
Höhe: 43 m ü. NHN
Einwohner: 122 (31. Dez. 2022)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1997
Postleitzahl: 16866

Schönberg ist ein Ortsteil von Wusterhausen/Dosse im brandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Geographie

Schönberg liegt am südwestlichen Rand der Wittstock-Ruppiner Heide. Im Westen bildet die Dosse, im Süden und im Osten der Dovenseer Graben die Gemarkungsgrenze. Schönberg grenzt an die Wusterhausener Ortsteile Blankenberg und Tramnitz im Süden sowie Tornow und Wulkow im Westen. Im Nordwesten ist der Kyritzer Ortsteil Teetz-Ganz benachbart, während Rägelin im Nordwesten und Netzeband als Nachbarn im Osten zur Gemeinde Temnitzquell gehören.

Im Südosten erstreckt sich das Naturschutzgebiet Feuchtgebiet Schönberg-Blankenberg bis in die Nachbargemarkungen hinein.

Geschichte

Um 1490 gehörte Schönberg zur Herrschaft Ruppin. Die Grundherrschaft übten allerdings die Herzöge zu Mecklenburg aus. Bis 1937 war Schönberg zusammen mit Netzeband eine Enklave zu Mecklenburg-Schwerin.

Schönberg wurde erst am Ende des 16. Jahrhunderts an der Dosse, der westlichen Grenze der Enklave Netzeband, gegründet und zur selbstständigen Ortschaft aufgebaut. Grundherren waren zu jener Zeit die von Rohr zu Netzeband. Es wurde 1629 von Holstein erworben und später in zwei Teilen verkauft, einmal an Daniel von Lüderitz, zum anderen an von der Jahne. Dieser wiederum verkaufte seinen Teil 1776 an den Rittmeister Joachim Hans von Jürgaß. Der andere Teil war 1701 an Otto Friedrich von Barner gelangt. 1718 konnte Oberforstmeister von Jürgaß die beiden Anteile wieder in eine Hand bringen. Nach Konkurs erwarb Moritz Joachim von Arenstorff den Ort, überließ ihn aber 1769 dem Hauptmann Joachim Gustav zu Ferber, der wiederum 1793 an Generalmajor Wilhelm von Romberg weiterverkaufte. Schon 1795 war Peter Georg Krell aus Kampehl Gutsherr. Bei einer Erbteilung der Brüder Krell wurde Schönberg 1865 verkauft an Wilhelm Karl Risselmann und von diesem 1874 an einen Juden namens Arendt. Nach dessen Konkurs erwarb Graf von Königsmarck auf Schloss Plaue bei Brandenburg a. H. Schönberg, womit die ganze Exklave wieder in einer Hand war. 1834 war der Erbhoflandmeister Ferdinand Valentin Graf Königsmarck der örtliche Grundbesitzer.[2] Dessen Nachfahren waren der Schloßhauptmann Carl Graf Königsmarck (1839–1910), verheiratet zuerst mit einer Gräfin Sayn-Wittgenstein-Sayn und dann mit Paula von Geißler, dann der Sohn aus erster Ehe Hans[3] Graf Königsmarck-Plaue (1865–1943). Ende der 1920er Jahre war Schönberg in Pacht bei Ritterschaftsrat Herrmann in Wulkow, die Königsmarck betrieben also den Besitz nicht selbst. Letzter Gutseigentümer wurde Hans Guido Graf von Königsmarck (1902–1979), der laut dem Genealogischen Handbuch des Adels nach der Bodenreform in Hamburg lebte und zuvor in hauptsächlich in Netzeband, und weniger in Schönberg.[4] Alle drei Letztgenannten trugen die Titel eines Oberküchenmeister der Kurmark Brandenburg. Dieses Amt war bereits seit dem 19. Jahrhundert an den Besitz von Netzeband gebunden.[5]

Neben dem Gut bestanden zuerst 12 Bauernhöfe. Nach dem Siebenjährigem Krieg waren es nur noch drei, und auch diese verschwanden. Trotz gegenteiligem Befehl des Herzogs wurden sie nicht wieder errichtet, weil angeblich keine Leute da waren, die einen Bauernhof hätten übernehmen können. Die Ländereien der Bauern wurden in der Folge teilweise aufgeforstet. So gehörten zum Lehngut schließlich 324 ha Forsten bei einer Gesamtfläche von 899 ha.

Im 19. Jahrhundert gab es eine Wassermühle an der Dosse, die als Erbmühle betrieben wurde. Das Gut machte später eine Stärkefabrik daraus. Der Betrieb wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt und die Gebäude zu Wohnstätten (zum Teil Schnitterkasernen) umgebaut. Auch die einstige Ziegelei war damals schon verschwunden.

Seit 1935 war Schönberg offiziell eine Gemeinde, zu welcher der an der Brücke nach Wulkow befindlichet Doß Krug gehörte.[6] Dieser war in früherer Zeit laut Pfarrer Taetow ein wichtiger Ort für Schmuggler und später für Jugendliche und Glücksspieler, bis der Gutspächter Herrmann, Besitzer des Ritterguts Wulkow, die Krugwirtschaft aufhob. Schönberg wurde 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz von Mecklenburg nach Preußen umgegliedert, kam 1952 zum Kreis Kyritz im Bezirk Potsdam, wurde mit Tramnitz zusammengeschlossen und gehört seit 1990 wieder zu Brandenburg. Bei der Eingemeindung nach Wusterhausen/Dosse am 31. Dezember 1997 verlor der Ort seine Selbständigkeit.[7] Kirchlich war Schönberg Tochterkirche von Rossow und damit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg angeschlossen. Erst zu DDR-Zeiten wechselte die Kirchgemeinde in die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg.

Literatur

  • Ernst Seyfert, Hans Wehner, W. Baarck: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Landwirtschaftliches Adressbuch. Band IV: Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Verzeichnis sämtlicher Güter. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. 4. Auflage. Paul Niekammer Nachfolger, Niekammer’s Güter-Adreßbuch GmbH, Leipzig 1928, S. 210.
  • Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser, A (Uradel), Band III, Band 18 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1958, S. 233 ff.
  • Heinrich Johann Ludwig Taetow: Die Mecklenburgisch-Schwerinschen Dörfer in der Prignitz. Prignitzer Volksbücher Nr. 70, Druck und Verlag von Adolf Tienken, Pritzwalk o. J.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Gemeinde Wusterhausen/Dosse – Schönberg. Abgerufen am 22. März 2023.
  2. Mecklenburg-Schwerin (Hrsg.): Grosherzoglich-Mecklenburg-Schwerinscher Staats-Kalender 1834. II. Ritterschaft und übrige Landbegüterte. B. Herzogthum Güstrow, Amt Wredenhagen. Hofbuchdruckerei, Schwerin 1834, S. 102–103 (google.de [abgerufen am 28. September 2022]).
  3. Ernst Siegfried Köpke: Ritter-Akademie zu Brandenburg a. H. XXIII. Bericht. Zu der am 22. März 1879 Vormittags um 12½ Uhr in der Aula der Ritter-Akademie stattfindenden Feier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs ladet ehrerbietigst und ergebenst ein der Director. 1879. Progr. No. 59 Auflage. 5. Verzeichnis der Schüler, Quarta. Gustav Matthes, Brandenburg a. H. 1879, S. 11 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 28. September 2022]).
  4. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil A. 1938. A (Gräfliche Häuser) des spätestens um 1400 nachgewiesenen ritterbürtigen deutschen Landadels und ihm gleichartiger Geschlechter (Deutscher Uradel). In: "Der Gotha". 111. Auflage. Königsmarck, I. Linie. Justus Perthes, Gotha November 1937, S. 296–297 (google.de [abgerufen am 28. September 2022]).
  5. George Hesekiel: Nachrichten zur Geschichte des Geschlechts der Grafen Königsmarck. Alexander Duncker. Druck von C. G. Brandis, Berlin 1854, S. 40–41 (bsb-muenchen.de [abgerufen am 28. September 2022]).
  6. Regierungsblatt für Mecklenburg. In: Staatsministerium, Abt. Inneres (Hrsg.): Öffentliche Bekanntmachungen. Nr. 15. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 3. April 1935, S. 51 (google.de [abgerufen am 28. September 2022]).
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997