Sayoko Eri

Sayoko Eri (japanisch 江里 佐代子 Eri Sayoko; geboren 19. Juli 1945 in der Präfektur Kyōto; gestorben 3. Oktober 2007 in Amiens, Frankreich) war eine japanische Kunsthandwerkerin mit Spezialisierung auf Kirikane (Vergolden). Als solche wurde sie 2002 als damals landesweit Jüngste zum Lebenden Nationalschatz ernannt. Ihr Ehemann Kōkei Eri ist Bildhauer buddhistischer Skulpturen, ihre Tochter Tomoko Eri (* 1972) und ihr Sohn Naoki Eri (* 1975) sind ebenfalls Kirikane-Meister.

Überblick

Sayako wurde 1945 in Kyōto geboren. Ihre Familie betrieb dort ein traditionsreiches Geschäft für Stickereiwaren.[1] Sie besuchte die Hayahigaoka Oberschule in Kyōto, die sie 1964 im Fach japanische Malerei (Nihonga) abschloss. Sie studierte am „Seian Junior College of Art and Design“ das Färberhandwerk.[2] 1971 heiratete sie Kōkei Eri und sie begann sich in der Folge mit dem Vergolden zu beschäftigen.[1] Von 1978 an war sie Schülerin von Kirikane-Meister Kisho Kitamura.[2]

Ursprünglich wurde das Vergolden vornehmlich als Schmuck (荘厳, shōgon) für Buddhastatuen verwendet. Sayako kommt der Verdienst zu, das Anwendungsgebiet für Kirikane auf eine Vielzahl von kunsthandwerklich hergestellten Gegenständen ausgeweitet zu haben. Dazu gehören Kästchen, Teeutensilien, Weihrauchgefäße, Raumtrenner für buddhistische Zeremonien (Bai Sema, jap. 結界, kekkai), Wandschirme (byōbu und tsuitate)[Anm. 1], Bilderrahmen und Wandflächen. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. Sie stellte ihre Arbeiten sowohl einzeln, wie auch gemeinsam mit Skulpturen ihres Mannes aus, wodurch diese Form der Vergoldung bekannter wurde. Neben Gastdozenturen an der Kyoto University of Art and Design und der Ryūkoku-Universität lehrte sie auch als Honorardozentin an der Universität der Künste Tokio.

Beispiele ihrer Kunstfertigkeit sind etwa im Speisesaal „Fuji no ma“ des staatlichen Gästehauses in Kyōto („Kyoto State Guest House“) zu finden.

Nachdem Sayoko anlässlich einer Ausstellung im British Museum einen Vortrag über die Schönheit der Kunstfertigkeit in der japanischen Gegenwart (Crafting Beauty in Modern Japan) gehalten hatte, reiste sie zu einer Untersuchung nach Frankreich. In Amiens starb sie im Alter von 62 Jahren unerwartet an einer Gehirnblutung.[1]

Merkmale ihres Schaffens

  • Kolorit: durch das Aufbringen von Vergoldung auf farbige Schmuckkästchen und Tanzaku-Kästchen[Anm. 2] gelang ihr eine harmonische Synergie zwischen Farbe und Vergoldung.
  • Technik: Technisch zeichnet sich ihre Kunstfertigkeit durch eine breite Abstufung der Vergoldung aus. Insbesondere auf zylindrischen Gegenständen und Wandschirmen erreicht sie damit eine räumliche Wirkung und Plastizität. Zudem zeichnet sich ihre Arbeit an konvexen Oberflächen etwa von Weihrauchgefäßen durch eine meisterliche Aufteilung der Oberflächen aus. Zum Einrahmen von Bildern nutzt sie wegen des Spiegeleffekts auch Werkstoffe aus Metall und Glas.
  • Muster: Kennzeichnend sind durchgängige geometrische Muster.
  • Kirikane + Lack: Sayako schützt die Vergoldung, die sie auf Lack aufträgt durch einen Anstrich mit hartem Sandelbaumlack gegen Berührung und mechanischen Abrieb.

Ausstellungen und Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1981 Ausstellung in Santa Fe[1]
  • 1983 Ausstellung der Japan Kogei Association für Kunsthandwerk
  • 1984 Einzelausstellung Kirikane von Eri Sayoko
  • 1986 38. Kyōtoer Ausstellung für Kunsthandwerk, Auszeichnung vom Kyōtoer Bürgermeister für ihren einteiligen Wandschirm „Cosmic Wave“[1]
  • 1987 Einzelausstellung Kirikane von Eri Sayoko
  • 1988 40. Ausstellung für Kunsthandwerk Kyōto, Preis des Rundfunk und Fernsehsenders Mainichi Hōsō für ihren dreiteiligen Wandschirm „Hibiki“ (Echo)
  • 1989 41. Ausstellung für Kunsthandwerk Kyōto, Preis der Sankei Shimbun für ihren dreiteiligen Wandschirm „Fern im weiten Firmament - ein Traum“ (夢は大空の彼方)
  • 1990 Wanderausstellung in Europa, u. a. in der Japan Airport Lounge „Sakura“ in Frankfurt a. M.[1]
  • 2000 Kunst und Kulturpreis der Stadt Kyōto
  • 2001 Restaurierung der Haupthalle des Byōdō-in, der zum Nationalschatz deklariert ist
  • 2002 Pola-Preis, der Pola Foundation of Japanese Culture
  • 2005 Ehrenmedaille am violetten Band für künstlerische Errungenschaften und Leistungen
  • 2008 Ausstellung im Paramita Museum in der Präfektur Mie

Anmerkungen

  1. Beim tsuitate handelt es sich um einen einteiligen, beim byōbu um einen mehrteiligen Wandschirm.
  2. Tanzaku (短冊) sind schmale Papierstreifen, auf denen Gedichte notiert werden.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f 江里佐代子. Tobunken, 3. Oktober 2007, abgerufen am 19. Dezember 2025 (aj).
  2. a b 江里佐代子. In: デジタル版 日本人名大辞典+Plus bei kotobank.jp. Abgerufen am 19. Dezember 2025 (japanisch).