Satsurblia-Höhle

Satsurblia

Lage: Imeretien
Höhe: 360 m
Geographische
Lage:
42° 23′ 17,2″ N, 42° 36′ 22,2″ O
Typ Karsthöhle
Website საწურბლიას მღვიმის ბუნების ძეგლი

Die Satsurblia-Höhle (georgisch საწურბლიას მღვიმე) ist eine paläoanthropologische Stätte und liegt 1,2 km vom Dorf Kumistavi in der Gemeinde Zqaltubo in Imeretien auf einer Höhe von 287 Meter über dem Meeresspiegel.[1] Die Karsthöhle wurde erstmals 1976 von A.N. Kalandadze erforscht. Im Mittelalter diente die Höhle als Zufluchtsort.[2] Seit 2011 fällt die Höhle als Naturdenkmal unter Kategorie III gemäß der IUCN-Kategorien für Schutzgebiete.

Morphologie

Die Satsurblia-Höhle ist im Karstmassiv von Sataphlia-Tskaltubo entstanden.[3] In der Höhle finden sich viele Stalaktiten, Stalagmiten, Sinterterrassen und große kürbisartig geformte Kalksteinblöcke. Der Höhleneingang ist 6 m breit. Der erste Höhlengang ist 80 m lang und hat ein Gefälle von 12 bis 15 Prozent. Der Gang geht dann in Stufen von ein bis anderthalb Meter Höhe über. In 125 Metern Entfernung vom Eingang befindet sich in einer großen Halle (30 × 25 Meter) eine fünf Meter dicke, flache Steinplatte.[2]

Archäologie

Prähistorische Menschen besiedelten die Höhle erstmals zwischen etwa 25.500 und 24.400 v. Chr. Die nächste menschliche Siedlungsperiode in Satsurblia fand mehrere tausend Jahre später zwischen etwa 17.000 und 16.200 v. Chr. statt. Die Unterbrechung der Besiedlung fällt mit dem letzten glazialen Maximum zusammen.[4]

In der Höhle wurden lithische Artefakte, Knochenreste, Holzkohle, Flachsfasern und Töpferwaren entdeckt. Die lithischen Artefakte weisen Ähnlichkeiten mit der östlichen Epigravettienkultur auf. Es wurden auch perforierte Anhänger aus Stalagmit und poliertem Rinderknochen entdeckt. Reste von gelbem, rotem und braunem Ocker wurden auch gefunden.[4]

Im Gegensatz zu den meisten anderen paläolithischen Stätten in Georgien, die sich hauptsächlich auf die Jagd auf eine einzige Art spezialisiert hatten, schienen die Menschen in Satsurblia mehrere verschiedene Arten gejagt zu haben. Bei den gefundenen Tierresten dominierten vor allem Wildschwein, gefolgt von Rothirsch; Überreste vom Auerochsen, Steppenbisons, Westkaukasischer Steinbock und Rehen. Außerdem wurden einige Überreste von Braunbären, Wölfen, Füchsen und Bibern gefunden.[4]

Archäogenetik

Im Jahr 2013 fanden Archäologen in der Höhle ein Schläfenbeinfragment eines alten Mannes. Die direkte Datierung mit Hilfe der Beschleuniger-Massenspektrometrie ergab ein geschätztes Alter von 13.300 Before Present. Den Forschern gelang es, DNA aus dem Felsenbein des Schläfenbeins zu gewinnen und Teile des Genoms zu entschlüsseln.[5]

Demnach hatte das Individuum aus Satsurblia schwarze Haare und braune Augen; allerdings trug er als eines der ersten bekannten Beispiele das HERC2-Allel für blaue Augen. Der Mann hatte wahrscheinlich auch helle Haut, weil das Gen SLC45A-5, das in der Melaninsynthese eine Rolle spielt und mit heller Haut assoziiert ist, nachgewiesen wurden ist. Darüber hinaus war er laktoseintolerant und trug nicht das abgeleitete EDAR-Allel, das häufig bei Ostasiaten und amerikanischen Ureinwohnern vorkommt und in der Beschaffenheit der Haut und Behaarung eine Rolle spielt.[5][6]

Das Satsurblia-Individuum gehört zur mtDNA-Haplogruppe K3 und zur Haplogruppe J (Y-DNA) (J1-Y6313*).[7][8][5] Ungefähr 1,7–2,4 % des Genoms stammten von Neandertaler ab.[6]

Genetisch am nächsten zum Satsurblia-Individuum sind unter anderem Hotu IIIb (8218-8034 BP) aus der Hotu-Höhle im Iran, WC1 aus der Wezmeh-Höhle im Iran und Tep003 aus Tepecik-Çiftlik in der Türkei.[9][10][11]

Jäger und Sammler im Kaukasus

Das Satsurblia-Individuum steht genetisch am nächsten zu einem Individuum, welches in Kotias Klde in Georgien gefunden wurde und auf ein Alter von 9.700 v. Chr. geschätzt wird. Zusammen bilden beide einen genetischen Cluster, der als Jäger und Sammler im Kaukasus (Caucasus Hunter-Gatherer, CHG) bezeichnet wird.[5][6] Im Vergleich zu modernen menschlichen Populationen ist das Satsurblia-Individuum der modernen Bevölkerung in Georgien am nächsten.[5]

Die CHG machten eine genetische Komponente der Jamnaja-Kultur aus, die ihrerseits über verschiedene Stufen großen Anteil an den Vorfahren der Europäer hatten. Die andere Komponente der Jamnaja-Kultur stellten die Osteuropäische Jäger und Sammler.[5] Daneben trugen die CHG auch noch genetisch zu den modernen Zentralasiaten und Südasiaten bei.[5]

Einzelnachweise

  1. Satsurblia-Höhle. Abgerufen am 28. September 2025.
  2. a b საწურბლიას მღვიმის ბუნების ძეგლი. Abgerufen am 28. September 2025.
  3. Barjadze, Sh., Arabuli, T., Mumladze, L., Maghradze, E., Asanidze, Z., Kutalia, T. Satsurblia Cave Cave Biodiversity of Georgia, Open Access Database, 2019. Institute of Zoology at Ilia State University
  4. a b c Ron Pinhasi et al.
  5. a b c d e f g Eppie R. Jones et al.
  6. a b c Qiaomei Fu, Cosimo Posth et al.
  7. J-Y6313 YTree. Abgerufen am 28. September 2025.
  8. Palaeolithic DNA from Eurasia. In: Ancestral Journeys. Abgerufen am 28. September 2025.
  9. Lazaridis et al.: Genomic insights into the origin of farming in the ancient Near East. In: Nature. Nr. 536. Springer Nature, New York 2016, S. 419–424, doi:10.1038/nature19310.
  10. Broushaki et al.: Early Neolithic genomes from the eastern Fertile Crescent. In: Science. Band 353, Nr. 6298. AAAS, Washington 2016, S. 499–503, doi:10.1126/science.aaf7943.
  11. Kılınç et al.: The Demographic Development of the First Farmers in Anatolia. In: Current Biology. Band 26, Nr. 19. Elsevier, 2016, S. 2659–2666, doi:10.1016/j.cub.2016.07.057.

Literatur

Commons: Satsurblia-Höhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien